April 2020 – Krisenzeit, was jetzt?

Veröffentlicht am: 8. April 2020
Autor: Dr. med. John van Limburg Stirum, Vizepräsident SSAAMP
Ihr Kommentar: Beiträge am Schluss des Blog erwünscht

Jeden Tag frage ich mich, was können wir in dieser Situation nur tun? Wann können wir wieder normal leben und arbeiten? Die einzige momentan richtige Antwort: Wir wissen es nicht. Deshalb ist es so wichtig, das Unabänderliche zu akzeptieren und das Mögliche umzusetzen. Somit fertig mit den Sorgen für die Welt, sorgen Sie mehr für sich und ihre Familie… und die Zeit danach. Fragen Sie sich: Was kann ich tun, damit ich vorbereitet bin. Damit es besser wird.

Wie wäre es, sich jetzt um die Gesundheit zu kümmern?

Ausreichend Schlaf, gesundes Essen, frische Luft, Sonnenschein, Bewegung und ein gutes Familienleben. Fertig mit Rauchen. Treiben Sie Sport zuhause. Im Internet findet man viele Anleitungen dazu, bspw. Tabata: 8 Minuten tgl sollten ausreichen! Eine gute Muskulatur birgt ein gutes Immunsystem! Jetzt ist die Gelegenheit zum Aufräumen, Lernen, Lesen, mehr Zeit mit der Familie. Statt alle am Tisch mit dem Handy, zusammen reden und füreinander wieder da sein. Wenn nicht jetzt… wann dann?

Aber was man nicht (mehr) machen sollte ist… Nachrichten schauen! Nur noch Corona! So viele Erkrankte, so viele Tote, überlastete Spitäler und so viel Panikmache. Angst macht gefügig und ist lähmend. Angst aktiviert unser Sympathikus-Nervensytem, welches ausgerichtet ist auf Katastrophe und Flucht. Es erhöht Cortisol und Adrenalin. Mehr Blutzucker, hoher Blutdruck, Herzklopfen. Auf in den Kampf! Aber was tun, wenn wir nur zuhause eingesperrt sind…!? Folgen sind Immunschwäche und schlechte Verdauung und damit verminderte Aufnahme von gesunden Nährstoffen, welche für das Wohlergehen unerlässlich sind!

Unser aller Ziel ist von CoVid verschont zu bleiben und nicht an den Schutzmassnahmen zu sterben!

Und das liegt in Ihrer Hand!

Dr. med. John van Limburg Stirum

Corona Virus – Ganzheitliche Betrachtung

Veröffentlicht am: 2. April 2020
Autor: Dr. med. Simon Feldhaus, Präsident SSAAMP
Ihr Kommentar: Beiträge am Schluss des Blog erwünscht

Die Welt steht auf dem Kopf, nichts ist mehr so, wie es zu Beginn des Jahres noch war…

Wir erleben ein Informationschaos der Perfektion da so viele Experten (ob nun wirklich oder fake ist bei weitem nicht immer erkennbar) sich zu Wort melden und Ihre Meinung äussern.

Die Netzwerke explodieren mit tausenden von News, zum grössten Teil mit sehr fragwürdigen Inhalten, die die Unsicherheit in der Bevölkerung noch verstärken.

Die SSAAMP stand und steht für wissenschaftlich basierte Informationen und Weiterbildungen.

Daher möchten wir auch zu diesem Thema Stellung beziehen.

Wir können immer nur den aktuellen Stand beschreiben und kommentieren, schon nächste Woche kann die Realität eine andere sein.
Ich möchte hier nun versuchen eine ganzheitliche Betrachtung der Situation zu vermitteln.
Vorweg sei gesagt, dass auch die SSAAMP selbstverständlich ALLE vom Bund und BAG veröffentlichten Empfehlungen uneingeschränkt empfiehlt umzusetzen.
Daneben gibt es aber doch einige Dinge zu kommentieren:

Zuerst zur Frage des Risikos und der Gefährlichkeit:

Es gibt eine Arbeit die in der Zeitschrift „Science“ publiziert wurde:
Epidemiologen haben die Ausbreitung von COVID-19 in China untersucht und sind dabei der Frage nachgegangen, wie oft Neu- Infektionen überhaupt entdeckt wurden

Das Resultat ist erstaunlich:
– Rund 85% (82-90%) aller Infektionen sind erfolgt, ohne dass jemand die Infektion bemerkt hat
– Etwa 55% der unbemerkt Infizierten haben weitere Personen angesteckt

Dies wäre eigentlich zu erwarten, denn wie sonst wäre es erklärbar gewesen, dass die Infektionszahlen in China nach einigen Wochen gegen Null gesunken sind.
Anhand der Immunitätsrate von weniger als 1% der Bevölkerung kann man das nicht erklären (weniger als 100’000 Personen in Wuhan von rund 10 Mio. Menschen erkrankt).

Es ist eher anzunehmen, dass die Rate von stummen Infektionen noch höher ausfällt. Betrachtet man die Zahlen in Italien, so stirbt etwa eine von zehn diagnostizierten Personen. Aber diagnostiziert heisst ja nicht infiziert! wenn man die Science Arbeit zugrunde legt, ist eher von eine von 1000 angesteckten Personen zu reden.

Was auch aus Italien und China bekannt ist: Rund 50% der Verstorbenen Patienten sind über 80 Jahre alt, fast 90% sind über 70-Jahre.
Weiter hat sich gezeigt, dass rund 80% der Verstorbenen zwei oder mehr chronische Vorerkrankungen hatten.

Aktuelle Zusammenfassung der italienischen Gesundheitsbehörde:
– Das Medianalter liegt bei 80.5 Jahren (79.5 bei den Männern, 83.7 bei den Frauen).
– 10% der Verstorbenen waren über 90 Jahre alt; 90% waren über 70 Jahre alt.
– Höchstens 0.8% der Verstorbenen hatte keine chronischen Vorerkrankungen.
– Ca. 75% der Verstorbenen hatten zwei oder mehr Vorerkrankungen, ca. 50% hatten drei oder mehr Vorerkrankungen, darunter insb. Herzkrankheiten, Diabetes und Krebs.
– Fünf Verstorbene waren 31 bis 39 Jahre alt, alle mit schweren Vorerkrankungen.
– Das Gesundheitsinstitut lässt weiterhin offen, woran die untersuchten Patienten starben, und spricht allgemein von »Covid19-positiven Verstorbenen«.

Sind alle diese Corona-Toten an oder mit Corona gestorben? Starben nicht viele an Pneumonien anderer Ursache, teilweise in hoher Zahl an Krankenhauskeimen?

Interessante Zahlen kommen bisher aus Japan:
Obschon Japan als eines der ersten Länder positive Testresultate hatte und keinen „Lockdown“ einführte, ist es bisher eines der am wenigsten betroffenen Länder. Es wurden keine Zunahme an Lungenentzündungen und keine erhöhte Krankenhausbelegung berichtet.

Das bedeutet nicht, dass hinter diesen Zahlen nicht auch tragische Einzelschicksale stecken. Doch oft trifft es – ähnlich wie wir das von der Grippesaison kennen – gehäuft Personen, die am Ende ihres Lebens stehen.

Da durch die Altersstruktur unserer Gesellschaft viele genau in diese Gruppe gehören ist die Geschwindigkeit der Ausbreitung ein zentrales Problem.
Gleiches gilt aber auch für die jüngeren Altersgruppen. Wenn zu viele gleichzeitig krank werden ist das weder für das Sozial- noch das Gesundheitssystem bewältigbar.

Daher sind die Massnahmen der Verlangsamung grundsätzlich notwendig.
Wenn sie denn von allen umgesetzt würden! Genau da steckt das Problem unserer Gesellschaft, die mangelnde Solidarität in diesem Bereich und die offensichtliche Gedankenlosigkeit vieler Menschen, die keine Lust haben diese Massnahmen des sozial distancing einzuhalten, mit dem dummen Argument, dass „man selbst ja kein Risiko habe“.

Das Problem ist nicht der Virus, das Problem sind die Menschen und unsere Gesellschaft.
Und vielleicht ist das genau eine der Ursachen warum es überhaupt zu der Pandemie oder gar zu dem Entstehen des Virus kam …
Was alle aber verängstigt ist der Kontrollverlust durch fehlende Maßnahmen gegen das Virus. Und diese Angst könnte schlimmer sein das die Gefahr durch das Virus selbst…

Menschen bekommen Angst, weil sie einer neuen, großen und unbeherrschbaren Gefahr gegenüberstehen. Davor haben sie mehr Angst als vor bekannten Gefahren. Wir wissen zum Beispiel, dass jährlich 15.000 Menschen durch Krankenhauskeime sterben und 9000 durch Haushaltsunfälle und 2017 gab es 25000 Grippetote – ohne dass Panik ausgebrochen wäre.

Es geht darum, wie diese Zahlen eingeordnet werden. Wir Menschen haben ein entwicklungsgeschichtlich relativ junges Frontalhirn, das dazu dient Fakten zu ordnen und zu verarbeiten. Weiterhin haben wir ein Angsthirn im Hirnstamm, das entwicklungsgeschichtlich sehr alt ist. Wenn nun eine neue Gefahr auftritt, wie das Corona-Virus, dann kann das Angsthirn nichts damit anfangen, wenn ihm das Frontalhirn vorrechnet, dass die Wahrscheinlichkeit, an einer Corona-Infektion zu sterben, doch sehr gering ist. Darum reagiert das Angsthirn instinktiv mit Angst und Flucht.

Die Entscheidungen des Hirnstamms zielen schon immer auf das Überleben. So gesehen sind Menschen wie Tiere, die auf Entscheidungen des Hirnstamms reagieren. Das Abwägen von Fakten macht das Angstsystem nicht, instinktiv geht es sofort um Leben und Tod.
Man könnte es so beschreiben: Die Echse in uns hat die Führung übernommen. So verpuffen natürlich die Appelle an die Vernunft, zum Beispiel Hamsterkäufe zu unterlassen.

Menschen im Norden neigen generell zu mehr Angst, was möglicherweise daher kommt, dass man früher in den harten Wintern vorausschauend denken und Nahrungsmittel hamstern musste. Die Ängstlichen haben dies getan und überlebt, während die Sorglosen im Norden ausstarben. Wir sind die Nachfahren der Ängstlichen von damals; da Ängste sich vererben, haben wir heute noch das Hamster-Gen. Was wohl auch das unsinnige Horten von Lebensmitteln erklärt.

Daher ist es elementar, dass Ärzte «die Kirche im Dorf lassen» und Sicherheit ausstrahlen. Ziel muss sein die Patienten nicht zusätzlich verunsichern, selbst dann nicht, wenn sie selbst Angst haben, sich anzustecken

Aktuell erleben wir auch einen Wettkampf um die Medikamente. Diskutiert werden der Einsatz von Arthritis-Mitteln, Anti-Malaria-Mitteln und von gewissen Chemotherapeutika. Eine besondere Position nimmt Remdesivir ein. Es handelt sich um ein Virostatikum, dass in der Behandlung gegen RNA- Viren zum Einsatz kommt, wie Corona, Ebola und das Marburg-Virus. Die italienische Nachrichtenagentur ANSA gab in einer Pressemitteilung am 19.3. bekannt, dass der erste Patient dadurch geheilt werden konnte. «Innert 12 Tagen war der 79-jährige Patient bereits zweimal rachenabstrich-negativ und kann nach Hause zurückkehren».

Hier müssen aber nun wissenschaftliche Untersuchungen zeigen ob es nicht einfach nur Einzelfälle sind.
Wenn wir schon nicht so viel gegen das Virus machen können, warum sollten wir dann nicht einmal etwas für unser Immunsystem tun?
Ein Problem dabei ist, dass es in der gesamten Schulmedizin kein einziges Medikament gibt, welches das Immunsystem fördert …
Also nicht gegen den Virus, sondern FÜR den Menschen arbeiten und handeln. Dies geht leider in der aktuellen Situation völlig unter! Und genau dies war ist und schon immer die Domäne der naturheilkundlichen Medizin gewesen.

Je stärker unsere Abwehrkräfte, umso besser sind wir auch gegen das neuartige Coronavirus gerüstet. Daher ist es von großer Bedeutung, unsere Immunkraft zu stärken und zu erreichen, dass unsere Schleimhäute geschützt werden. Die Schleimhäute sind nämlich die Eintrittspforte für die Viren.
Es gibt einige Mikronährstoffe, von denen wir wissen, dass sie das Immunsystem stimulieren bzw. regulieren.
Bekannt ist, dass eine gute Versorgungmit Vitamin A, D und C, Selen und Zink – am besten optimiert nach einer Laborkontrolle – uns vor Infekten schützen kann. Dazu gibt es überzeugende Studien und sogar positive Meta-Analysen.
Effiziente Dosierungen liegen hier für Vitamin D bei ca 50 IE pro kg Kg/dund Vitamin A bei 50 IE pro kg Kg/d.

Vitamin C hochdosiert könnte eine sehr spannende Option sein, zumindest gibt es positive Erfahrungsberichte. In Amerika ist sogar eine Phase 2 Studie gestartet worden: (Vitamin C Infusion for the Treatment of Severe 2019-nCov infected Pneumonia; es werden 12 Gramm Vitamin C Intravenös gegen Placebo getestet)

EPA und DHA sind effektive Immunmodulatoren die unter anderem immunstärkende Wirkungen haben, die wir zu Beginn einer Infektion dringend benötigen. Omega-3-Fettsäuren spielen weiterhin eine wichtige Rolle bei der Regulierung der Entzündungsreaktion, die nach einer Infektion mit Pathogenen, einschließlich des Coronavirus (2019-nCov), auftritt. Je besser die Entzündungsreaktion reguliert wird, desto kleiner ist das Risiko, dass die auf die Infektion folgende Krankheit (im Falle des Coronavirus: COVID-19) einen schwerwiegenden Verlauf nimmt

Dazu sind ausreichende Dosierungen notwendig.
Um den individuellen Bedarf an Omega-3-Fettsäuren im Dosis-Bereich von 1.000-4.000 mg zu bestimmen, ist eine Fettsäure-Analyse empfehlenswert. Häufig benötigt man heute eine Menge von 2.000 mg der marinen Fettsäuren EPA und DHA täglich, um einen protektiven Omega-3 Index von 8 % zu erreichen.
Auch für Echinacea und andere Phytotherapeutika sowie für ätherische Öle kann ein potentieller Effekt zumindest angenommen werden.

Mit Vitalpilzen – auch Heilpilze genannt – können wir unsere Abwehrkraft aber noch zusätzlich und ganz besonders effektiv unterstützen.
Ein ganz wichtiger Vitalpilz ist hier der Coriolus mit starken antiviralen und auch antibakteriellen Effekten. Diese beruhen vor allem auf zwei im Coriolus enthaltenen Wirkstoffen, den Polysaccharidopeptiden PSK und PSP. Diese beiden Inhaltsstoffe aktivieren unsere zelluläre Abwehr.

Eine gute Ergänzung zum Coriolus ist der Reishi. Insbesondere durch seinen hohen Gehalt an Triterpenen entfaltet dieser Vitalpilz eine starke antientzündliche Wirkung.. Hervorzuheben ist in Zusammenhang mit dem Coronavirus zudem der starke antioxidative Effekt von beiden Pilzen. Sie senken auch in den Atemwegen den oxidativen Stress und könnten somit einer zu starken Vermehrung der Viren entgegenwirken.

Ganz so hilflos sind wir dann dieser «Bedrohung» doch nicht ausgesetzt und sollten genau diesen Faktor in den Vordergrund stellen. Nicht angsterfüllte panikerzeugende Berichterstattung, sondern positive gesundheitsfördernde Vorschläge sind zu empfehlen.

Zentral ist in unserer Gesellschaft nun die echte gelebte Solidarität zu fördern, denn eine angsterfüllte und auf gegenseitigem Misstrauen aufbauende Gemeinschaft wird die Herausforderung wohl kaum bestehen….

Und zuletzt noch eine ganz andere erschreckende Zahl:
Ein Virus aus Afrika sorgt für keinerlei Aufregung, obschon es HEUTE für 25’000 Todesopfer gesorgt hat, vorwiegend Kinder. Der Name des Virus: Hunger. Davon lesen wir nichts …….

Dr. Simon Feldhaus

Pflanzliche Nahrungsmittel als Medizin in der Küche

Veröffentlicht am: 12. Februar 2020
Autorin: Sybille Binder, dipl. Ernährungsberaterin FH, dipl. Vitalstofftherapeutin NHK Zürich

„Lasst Eure Nahrungsmittel Eure Heilmittel sein.“ Diese alte Aussage des griechischen Arztes der Antike, Hippokrates, findet in der Wissenschaft immer mehr Anerkennung, nachdem sie schon seit Jahrtausenden in traditionellen Medizinsystemen verankert war und eingesetzt wurde. In der modernen Medizin hat dieses Wissen lange Zeit wenig Beachtung gefunden.

Über Jahrzehnte hat sich die Wissenschaft vor allem mit den Energiewerten der Nahrungsmittel in Form von Kalorien und mit den Makronährstoffen Proteine, Kohlenhydrate und Fette auseinandergesetzt. Das Augenmerk richtete sich auf die optimale Abdeckung von Energieträgern. Ein Zuviel oder Zuwenig wurde mit Krankheiten gleichgesetzt. Über mehrere Jahrzehnte wurde Fett als Ursache für viele Zivilisationskrankheiten genannt, was heute infrage gestellt wird. 
Bei Gemüse und Obst wurden vor allem die Ballaststoffe sowie die Vitamine und Mineralien als wichtig für die Gesundheit erachtet.
Je mehr die Wissenschaft in die Tiefe geht, desto klarer wird, dass die Hauptnährstoffe manchmal als weniger wichtig zu bewerten sind als das Fehlen von Inhaltsstoffen. Gerade angesichts der Komplexität von Entzündungen und Zellschäden sind Inhaltsstoffe sehr bedeutsam.

Sekundäre Inhaltsstoffe sind unterschiedliche chemische Verbindungen ohne Nährwert mit spezifischer Wirkung auf unterschiedliche Stoffwechselprozesse. Sekundäre Inhaltsstoffe werden von der Pflanze häufig als Schutz für sie selber produziert. Die Pflanze schützt sich durch diese Verbindungen vor UV-Strahlen, Viren, Bakterien, schädlichen Pilzen und hat auch Frassgifte entwickelt, damit sie von Tieren nicht verzehrt wird. Wenn Tiere diese fressen, können sie vergiftet werden oder Krankheitsbilder entwickeln.  Dies sind zum Beispiel die Lektine, die nun auch in der Ernährungswissenschaft Bedeutung finden.
Lektinreiche Nahrungsmittel können im Verdauungstrakt zur Verschiebung von Bakterien führen und entzündliche Prozesse im Darm selber oder im Organismus auslösen.

Viele der Inhaltsstoffe sind für Tier und Mensch giftig, da die Pflanze sie zu ihrem eigenen Schutz produziert. Unzählige von ihnen sind jedoch sehr effektiv und gesundheitsfördernd für Mensch und Tier. Bereits 1949 wies der indische Mediziner R. J. Vakil auf die heilende Wirkung von Schlangenwurzel hin; sie wirkt blutdrucksenkend, krampflösend und stimmungsaufhellend. 1967 zeigte Karl-Heinz Kubeczka auf, dass Knoblauch eine blutdruckreduzierende Wirkung hat. Aber es sollte noch viele Jahre dauern, bis pflanzliche Nahrungsmittel in ihrer Komplexität verstanden und ihre therapeutische Wirkung erkannt wurde.

Bislang sind etwa 100 000 verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe bekannt, wobei 5000 bis 10 000 in der menschlichen Nahrung vorkommen (Watzl 2008). Erst wenige sind wissenschaftlich erforscht. Es wird davon ausgegangen, dass in den nächsten Jahren verschiedene weitere Stoffe bekannt werden, die therapeutisch nützlich eingesetzt werden können.

Bisher gut erforscht sind zum Beispiel

  • Carotinoide und Flavonoide, welche antioxidative Wirkung haben
  • Phytosterine, Alkaloide, welche antientzündlich und schmerzreduzierend wirken

Noch weniger bekannt ist Psoralen, welches zu den Cumarinen gehört, ein Toxin, das Pflanzen entwickeln, um sich vor schädlicher Strahlung zu schützen. Die Wissenschaft zeigt, dass diese Substanz als photoaktive Chemotherapie zur Behandlung von Psoriasis und Vitiligo eingesetzt werden kann.
Immer mehr finden sekundäre Inhaltsstoffe auch Bedeutung im Bereich der Epigenetik, sie wirken mit bei der Aktivierung oder Blockierung von Genen.

Inhaltsstoffe können aus den Pflanzen isoliert werden und so als Einzelsubstanz eingesetzt werden. Sie wirken jedoch häufig in Verbindung mit anderen Substanzen als Nahrungsmittel effizienter.
So werden individuell eingesetzte Nahrungsmittel zu einem wichtigen Therapeutikum.
Reich an solchen heilbringenden Inhaltsstoffen sind viele Gewürze und Kräuter, bestimmte Früchte und Gemüse.

Nahrung als Medizin und gleichzeitig Genuss, das ist die Kunst, die immer mehr Bedeutung findet.
Kreative einfache Gerichte können grosse therapeutische Wirkung haben.
Dies gilt aber nicht für alle, sondern ist individuell zu betrachten.

Sybille Binder

dipl. Ernährungsberaterin FH, 
dipl. Vitalstofftherapeutin NHK Zürich

UmweltZahnMedizin

Was Mediziner und Zahnärzte in vernetzter Kompetenz bewirken können.

Veröffentlicht am: 14. Januar 2020
Autor: Dr. med. dent. Jens Tartsch, Kilchberg ZH

„Gesund beginnt im Mund…?!“ oder „Was haben meine Zähne mit meiner Gesundheit zu tun..?“

Dass eine Zahnfleischerkrankung (Parodontitis) mit Diabetes zusammenhängen oder sich Leukämie auf der Mundschleimhaut zeigen kann, gehört heute zum medizinischen Allgemeinwissen.

Aber welcher Patient mit entzündlicher Darmerkrankung oder Allergien wird von einem Allgemeinmediziner zur interdisziplinären Abklärung zum Zahnarzt überwiesen?

Was weiss der Zahnarzt über die Gesundheit seines Patienten?

Hat der Zahnarzt Einfluss auf den gesamten Körper?

Die Weiterentwicklung moderner immunologischer Labordiagnostik, neue Erkenntnisse aus wissenschaftlichen Studien und praktische Erfahrungen weisen auf weit reichende Zusammenhänge zwischen Mundhöhle und systemischen, chronisch entzündlichen Erkrankungen hin, welche nicht zuletzt durch zahnärztliche Massnahmen «getriggert» werden können.

Diesem Thema widmet sich die UmweltZahnMedizin, ein noch junger Teilbereich der Zahnmedizin. Sie beinhaltet eine wissenschaftlich fundierte Diagnostik und Behandlung chronisch kranker Patienten, als auch die Entwicklung individueller, vorbeugender Behandlungskonzepte für Gesunde. Ziel ist es, die immunologischen Einflüsse chronisch entzündlicher Erkrankungen in der Mundhöhle aufzuspüren und damit auch Erkrankungen fernab der Mundhöhle zu lindern oder zu verhindern.

Immerhin ist die Mundhöhle der Ort im Körper, welcher bspw. 24 Stunden pro Tag in direktem Kontakt mit Fremdmaterialien steht. Auch unterschwellige chronische Entzündungen bleiben im Mund häufig jahrelang unentdeckt, da sie meist schmerzfrei sind. Jedoch nehmen sie wie alle anderen chronischen Entzündungen Einfluss auf das Immunsystem und können sich somit auf den gesamten Körper auswirken.

Das Immunsystem agiert auch im Mund

Denn wir haben nur ein einziges Immunsystem, das natürlich auch im Mund agiert. Insbesondere die Mundhöhle ist aufgrund ihrer prädisponierten Lage als „Eintrittspforte“ ein wichtiger Teil des „Ganzen“ und kein ein isoliertes Teilsystem. Folglich kann auch die zahnärztliche Tätigkeit einen Einfluss auf den gesamten Körper haben. Neben dem Bereich der chronischen Entzündungen gilt dies nicht zuletzt auch für die zahnärztlichen Materialien, die im Mund verwendet werden – allen voran die Metalle und Kunststoffe für Füllungen und Zahnersatz. Obwohl alle Materialien hinreichend geprüft, biokompatibel und in zu erwartenden Konzentrationen nicht toxisch sind, zeigen neue Verfahren zur immunologischen Diagnostik, dass Allergien und Materialunverträglichkeiten dennoch eine Relevanz in der Zahnarztpraxis haben. Da jedes Immunsystem anders reagiert, sind sie Teil eines höchst individuellen Geschehens. Bisher fehlten lediglich die Instrumente, um dies auch zuverlässig zu erkennen. So können z.B. Metalle Allergien vom Typ IV und Kunststoffe zusätzlich vom Typ I auslösen, was mit konventionellen dermatologischen Tests nicht immer ausreichend festzustellen ist, über moderne Labordiagnostik jedoch nachweisbar wird.

Das Fass zum Überlaufen bringen

Bei dieser Art von Erkrankungen handelt es sich meist um chronisch entzündliche „Multisystemerkrankungen“, d.h. unterschiedliche Organe und Bereiche des Körpers sind davon betroffen. Entsprechend vielfältig sind die Leit-Symptome solch chronischer „Multisystemerkrankungen“: Die Palette reicht von Erschöpfung, Müdigkeit, Empfindlichkeiten, Muskel- und/oder Gelenkschmerzen bis hin zu Depression, Burnout und/oder chronischen Schmerzerkrankungen. Zu den typischen Erkrankungen zählen folglich vor allem auch Allergien, Autoimmunerkrankungen, chronische Infektionsverläufe sowie chronische Organentzündungen, wie z.B. Multiple Sklerose, Sarkoidose oder chronische Darmentzündungen. Das eigentliche Problem ist dabei vielfach nicht der aktuelle Krankheitsverursacher an sich. Als „der Tropfen zu viel“ kann bereits eine einfache Zahnfüllung oder eine Wurzelbehandlung das „Fass zum Überlaufen“ bringen und zum Verlust der Toleranz des Immunsystems führen.

 „Angst“ oder „Panikmache“ sind auf dem Gebiet der UmweltZahnMedizin fehl am Platze. An erster Stelle stehen seriöse Information und Aufklärung, eine umfassende Diagnostik und die Einbeziehung der individuellen klinischen Situation. Durch eine intensive Zusammenarbeit zwischen Arzt, Zahnarzt und Patient können chronische Multisystemerkrankungen in vielen Fällen erfolgreich behandelt und der Allgemeinzustand des Patienten verbessert werden.

„Gesund beginnt im Mund…“ – aus immunologischer Sicht ein Fakt!

Qualität in der Medizin

Veröffentlicht am: 2. Dezember 2019
Autor: Dr. med. John van Limburg Stirum, Vizepräsident SSAAMP

Es muss einfach mal gesagt werden, eine gute Medizin ist nicht rein wissenschaftliche. Gott sei Dank!

Die Aufgabe der Wissenschaft ist Wissen zu schaffen. Wissen ist aber alles andere als Verstehen. Verständnis bedeutet vernetztes Denken und nicht wie in der Wissenschaft die Reduktion auf Einzelteile. Wer rein wissenschaftlich denkt und handelt – so würde man meinen – handelt korrekt. Was ist aber korrekt? Korrekt ist wahr. Und die Wahrheit hält definitionsgemäss ewig. Wieso ist ein allbekannter Spruch bei den Wissenschaftlern: «Die wissenschaftlichen Aussage von heute ist der Irrtum von morgen»…? Wollen wir unsere Patienten mit dem Irrtum vom morgen behandeln? Als Mediziner, der bald 40 Jahre Medizingeschichte miterlebt hat, kann ich dies nur bestätigen. Wie viele wissenschaftliche Medikamente wurden als «Durchbruch» gefeiert und jetzt…? Vom Markt entfernt worden. Entweder mangels Wirksamkeit oder wegen den vielen und zum Teil tödlichen Nebenwirkungen. Hauptsache: Wissenschaftlich.

Quantität ist messbar und deshalb das einzige «wissenschaftliche». Qualität ist nicht messbar, nicht wissenschaftlich und deshalb in den Medien häufig zitiert als «zweifelhaft», «pseudowissenschaftlich» oder gar «dubiös». Dies ist Missinformation auf höchstem Niveau und aus meiner Sicht unverantwortlich. Wir dürfen uns niemals von solchen Äusserungen leiten lassen und dadurch vom qualitativen Weg in der Medizin abbringen lassen.

Was ist individuelle orthomolekulare Medizin?

Veröffentlicht am: 16. Oktober 2019
Autor: Dr. med. Simon Feldhaus, Präsident SSAAMP

Linus Pauling definierte die orthomolekulare Medizin als Erhaltung einer guten Gesundheit und Behandlung von Krankheiten durch Veränderung der Konzentration von Substanzen im menschlichen Körper, die normalerweise im Körper vorhanden und für die Gesundheit erforderlich sind.

So einfach diese Definition erscheint, so komplexer stellt sich das Umsetzen im Alltag dar. Je nach Indikation muss die Dosierung der verwendeten Substanzen anders gewählt werden: Zur Prävention reicht in der Regel eine geringe Menge der Mikronährstoffe aus, um die Gesundheit zu erhalten. Bei leichten Krankheiten oder Beschwerden werden höhere Dosierungen benötigt, um wieder gesund zu werden. Bei schwersten Krankheiten sind dann hohe Dosierungen vor allem indikationsbezogen einzelner Substanzen notwendig um einen therapeutischen Effekt zu erzielen. Ein gutes Beispiel hierfür sind die deutlich unterschiedlichen Dosierungen von Zink, Selen oder Vitamin D im Bereich Prävention und Behandlung:

 Ein akuter viraler Infekt benötigt beispielsweise kurzfristige Tagesdosierungen von Zink im Bereich 60-90 mg (für 3-4 Tage), während für den präventiven Einsatz 10-20mg ausreichen. Selen in Form von Natrium-Selenit wird im Bereich der Onkologie mit bis zu 500ug täglich eingesetzt, während die präventive Dosierung bei 50ug liegt. Vitamin D kann bei Autoimmunerkrankungen mit 3000 -5000 IE dosiert werden, wohingegen eine präventive Dosierung bei ca 1000 IE liegt.

Somit brauchen unterschiedliche Krankheiten unterschiedliche Mikronährstoffe und unterschiedliche Dosierungen. Zudem ist bei jedem Menschen ein individuelles biochemisches Profil vorhanden, welches zuerst durch eine Labordiagnostik bestimmt werden sollte.

Es gibt zahlreiche Kombinationspräparate auf dem Markt, die nicht zuletzt aufgrund gesetzlicher Bestimmungen für die Therapie von Krankheiten in wesentlichen Bereichen zu niedrig dosiert sind.

Das Therapieprinzip der orthomolekularen Medizin beruht auf der Tatsache, dass der menschliche Körper für ein gesundes, reibungsloses Funktionieren aller Organe eine ausreichende Menge von Vitaminen, Aminosäuren, Mineralstoffen, Spurenelementen und essentiellen Fettsäuren benötigt. Doch genau dieser Zustand ist in der heutigen Zeit nicht mehr selbstverständlich. Dies liegt unter anderem darin begründet, dass unsere Lebensmittel aufgrund von unnatürlichen Anbaubedingungen, Überzüchtung, Transport, Lagerung und Zubereitung nur noch einen Bruchteil der ursprünglich vorhandenen Stoffe enthalten. Aber auch die Ernährungsgewohnheiten tragen zu solchen Mängeln bei, so beschreibt der Ernährungsbericht des BLV die Tatsache, dass eine ausgewogene Ernährung in der Schweiz nicht mehr stattfindet.

Andererseits kommt es beispielsweise durch Interaktionen von Medikamenten mit dem Mikronährstoffhaushalt, Belastungen mit toxischen Metallen, chronischen Stress, Rauchen oder Resorptionsstörungen zu negativen Beeinflussungen der Mikronährstoffkonzentrationen im Körper.

Jeder Mensch ist anders und hat sein eigenes biochemisches Profil, daher macht es Sinn auch die orthomolekulare Behandlung individuell zu gestalten.

Sowohl die Auswahl der verwendeten Mikronährstoffe als auch vor allem die Dosierung derselben muss an diese Situation angepasst werden. Dies kann entweder durch Verwendung von Einzelsubstanzen geschehen oder noch besser durch eine auf individuelle Rezeptur hergestellte Mischung in Form eines Granulates. Hier ist das Burgerstein Microcare System optimal geeignet da es genau diese Individualisierung der Zusammenstellung und der Dosierung erlaubt. Das Expertensystem unterstützt den Verordner und bietet eine Reihe vorbestimmter Rezepturen die dann auf den Einzelfall angepasst werden können. Durch die spezielle Galenik ist sichergestellt, dass keine Interaktionen der verwendeten Mikronährstoffe untereinander auftreten.

Zusammenfassend ist die moderne orthomolekulare Medizin ein auf den individuellen Fall angepasstes Therapiesystem. Idealerweise erfolgt eine Zusammenstellung der notwendigen Mikronährstoffe nach einer Labordiagnostik und anhand der Diagnosen sowie allfällig eingenommener Medikamente.

Somit ist diese Form der orthomolekularen Medizin an Fachleute mit entsprechender Ausbildung gebunden, es gilt auch Interaktionen und andere Auswirkungen der Mikronährstoffe zu beachten.

Abzulehnen ist die langfristige, allenfalls hochdosierte Gabe von Mikronährstoffen ohne Laborkontrolle da hier keine seriösen Aussagen über Wirkungen und Interaktionen gemacht werden können.

Literatur:

Cochrane Database Syst Rev. 2013 Jun 18;6:CD001364. doi: 10.1002/14651858.CD001364.pub4.

Zinc for the common cold

Uwe Gröber, Joachim Schmidt & Klaus Kisters (2018): Important drug-

micronutrient interactions: A selection for clinical practice, Critical Reviews in Food Science and

Nutrition, DOI: 10.1080/10408398.2018.1522613

Bioidentische Hormone

Veröffentlicht am: 26. August 2019
Autorin: Prof. Dr. med. Petra Stute, Stv. Chefärztin und Leitende Ärztin; Abt. für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin; Universitätsklinik für Frauenheilkunde Inselspital Bern

Einleitung

Die Hypothese ist, dass Bioidentische Hormone (BIH) besonders gut wirksam und verträglich seien, da sie identisch mit den vom Körper produzierten Hormonen sind. Ihre Anwendung sei mit keinerlei Risiken verbunden. Wahrheit oder nur gutes Marketing?

Definition Bioidentische Hormone

Unter BIH versteht man aus Pflanzen hergestellte Hormone, die chemisch ähnlich oder strukturell identisch mit den vom menschlichen Körper produzierten Hormonen sind. Die Betonung liegt hierbei auf „strukturell identisch“ und nicht auf der „pflanzlichen“ Quelle, denn viele nicht-bioidentische Hormone (z.B.  Ethinylestradiol, Medroxyprogesteronazetat, Methyltestosteron) werden ebenso aus Pflanzen (Yams, Soja) gewonnen [1]. In die Kategorie der BIH fallen sowohl behördlich (FDA, EMA, Swissmedic etc.) regulierte hormonelle Arzneimittel als auch Hormonpräparate, die basierend auf einer vom Arzt ausgestellten individuellen Rezeptur (engl. compounded preparation) von entsprechenden Apotheken (engl. compounding pharmacy) hergestellt werden. Zu den behördlich regulierten BIH im Kontext der Hormonersatztherapie zählen in der Schweiz z.B. mikronisiertes Progesteron (P), 17beta-Östradiol (E2) und Östriol (E3). Auch BIH müssen synthetisiert werden, d.h. die Wirkung ist nicht zu erzielen, indem man beispielsweise die Pflanzen direkt zu sich nimmt.

Historie

Eine Folge der Women’s Health Initiative war, dass die in der Studie eingesetzten, nicht-bioidentischen Hormone für „schuldig“ an den Negativergebnissen erklärt wurden. Als bessere Alternative wurden BIH propagiert, von denen es zu diesem Zeitpunkt – anders als in Europa – in den USA wenige von der FDA zugelassene Präparate gab. Günstig zeigte sich zudem die Gesetzeslage: Mit dem Argument, dass Hormone auf natürlicher Basis in die Kategorie der Pflanzen/Kräuter (engl. herbs) fallen, werden über die Haut zugeführte Hormone gemäss des Dietary Supplement Health and Education Act (1994) den Nahrungsergänzungspräparaten (engl. supplements) zugeordnet und sind somit von den Auflagen der FDA (Nachweis von Wirksamkeit und Sicherheit) befreit. Diese Befreiung vom Zuständigkeitsbereich der FDA beinhaltet ausserdem, dass z.B. im Beipackzettel keine Kontraindikationen und oder Warnungen („black box warning“) genannt werden müssen. Das ist einer der Gründe für die Propagierung der transdermalen Applikation von BIH. Die Problematik der BIH Therapie liegt also nicht in ihren Inhaltsstoffen, sondern in der individuellen Hormonrezeptur. Da die Hormongemische individuell in Apotheken hergestellt werden, liegen keine Studien zur Wirksamkeit und Sicherheit vor. Die FDA und die Endocrine Society ordnen daher den Begriff „Bioidentische Hormontherapie“ dem Marketing zu und nicht einer auf wissenschaftlicher Evidenz basierten Therapieform [2].

Bioidentische Hormone – Wirksamkeit und Endometriumsicherheit

Ohne Zweifel ist die Gabe von bioidentischen Östrogenen effektiv in der Therapie von Wechseljahresbeschwerden. Alle von der Swissmedic zugelassenen Östrogenpräparate enthalten bioidentische Östrogene. Kritisch ist die Frage der Endometriumsicherheit bei der Kombination von Östrogen mit P.

Bei Frauen mit intaktem Uterus ist im Rahmen einer systemischen HRT mit Östrogenen die Gabe eines Gestagens zur Endometriumprotektion indiziert [3].

In diesem Kontext ist P in der Schweiz wie folgt zugelassen: Bei Kombination mit einem Östrogen beträgt die Tagesdosis im Allgemeinen 1 Kapsel Utrogestanâ 200 mg vor dem Schlafengehen während 12 bis 14 Tagen des Zyklus. Es stellt sich die Frage, inwiefern vaginal oder transdermal verabreichtes P ebenfalls zur Endometriumprotektion genügt. Während es für die vaginale P Applikation einige Studien zur Endometriumsicherheit i.R. einer systemischen Östrogentherapie gibt (off label use!), konnte bisher für die transdermale P Gabe kein (!) Endometriumschutz gezeigt werden. Eine Kombination von Östrogen mit transdermalem P ist also bei Frauen mit Uterus obsolet! [4]

Fazit für die Praxis

Die Studien- und Zulassungssituation für systemisch wirksame BIH lässt sich wie folgt zusammenfassen (Tabelle 1):

BIH Wirksamkeitsnachweis in RCT Swissmedic Zulassung
Estradiol (oral, transdermal)
Estriol (oral) keine RCT ( ✔ )
Progesteron (oral) nur 1 RCT ( ✔ )
Progesteron (transdermal)
BIH Sicherheitsnachweis in RCT Swissmedic Zulassung
Progesteron (oral)
Progesteron (vaginal) ( ✔ )
Progesteron (transdermal)

Tabelle 1: Wirksamkeit, Sicherheit und Zulassungssituation von BIH. Abkürzungen: BIH = Bioidentische Hormone, RCT = randomisiert-kontrollierte Studie,

Basierend auf Anamnese und Symptomen sollten mögliche Therapieoptionen bei menopausalen Beschwerden dargelegt werden (Alternativ- und Komplementärmedizin, nicht-hormonale Pharmakotherapie, verschiedene Hormonersatztherapien). Wenn eine Frau die Verwendung von systemisch wirksamen Bioidentischen Hormonen wünscht, dann sollte primär ein von der Swissmedic zugelassenes Präparat gewählt werden (orales mikronisiertes Progesteron, orales/transdermales 17beta-Östradiol, orales Östriol). Wenn eine Unverträglichkeit gegenüber zugelassenen Präparaten besteht oder nicht alle Symptome durch von der Swissmedic zugelassene Präparate behandelt werden können, dann kann eine individuelle Rezeptur weiterhelfen. Es muss jedoch dann darauf hingewiesen werden, dass keine Sicherheitsdaten für das individuelle Produkt vorliegen.

Referenzen

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