Makuladegeneration

Veröffentlicht am: 23. Februar 2021
Autor: Sybille Binder
dipl. Ernährungsberaterin FH, dipl. Vitalstofftherapeutin

Das Auge hat Hunger nach – oder das Auge isst mit

Diese Aussage meint nicht die Schönheit einer Mahlzeit, sondern will aufzeigen, dass das, was wir essen, schlussendlich auch das Auge ernährt und mithilft, die Sehschärfe zu fördern – sie aber auch stören kann!

Die Makuladegeneration betrifft nicht mehr nur sehr alte, sondern auch immer jüngere Menschen unter 60 Jahren. Neben genetischer Disposition sind es vor allem oxidativer Stress und stille Entzündungen, die bis hin zu mitochondrialen Störungen führen können.
Immer klarer wird dabei der Zusammenhang mit Ernährungsfaktoren.

Wie ist das Auge aufgebaut?

Augen haben einen komplexen Aufbau; sie bestehen aus verschiedenen Gewebezellen. Die Zellen sind umgeben von Salzlösungen – elektrische Ladungen und biochemischer Austausch von Stoffen führen dazu, dass wir sehen können und uns ein Bild unserer Umgebung machen können.
Das Innere des Auges, das Kammerwasser, ist von ähnlicher Konsistenz wie Blutserum, jedoch farblos, denn es enthält weniger Protein und kein Bilirubin. Es besteht zu 98 % aus Wasser, in welchem vor allem Aminosäuren (aus den Ziliarmuskeln), Elektrolyte, Ascorbinsäure, Milchsäure, Glutathion und Immunglobulin G sowie Spuren von Wasserstoffperoxid zu finden sind.
Alle diese Stoffe kommen aus der Ernährung.

Welche Ursachen gibt es für eine Makuladegeneration?

Ablagerungen unter der Netzhaut führen zu einer verminderten Sehschärfe.
Gründe für diese Ablagerungen sind vielfältig. Es werden heute aber vor allem stille Entzündungen, eine Verschiebung des Säure-Basen-Haushalts sowie auch eine Entgleisung des Darmmikrobioms für die Degeneration des Auges verantwortlich gemacht.  
Aber auch verschiedene Makro- und Mikronährstoffe wirken auf das Auge ein.

Die Ernährung kann präventiv oder therapeutisch eingesetzt werden und zeigt sehr gute Resultate.  Dabei werden bessere Ergebnisse erzielt, wenn die Diagnose vor nicht zu langer Zeit gestellt wurde.

Welche Ernährungsfaktoren greifen besonders?

  • Genussmittel wie Kaffee, Alkohol und Zucker nicht täglich geniessen.
  • Täglich in zwei Mahlzeiten pflanzliche Nahrungsmittel wie Gemüse, Salat, Obst und Kräuter geniessen.
  • Antientzündliche Gewürze wie Kurkuma, Ingwer, mediterrane Kräuter wie Thymian und Oregano in die Küche bringen.
  • Antioxidantienreiche Nahrungsmittel: Karotinreich sind orange und rote Gemüse und Früchte wie Kürbis, Süsskartoffeln, Karotten, Rande, Brombeeren, Himbeeren und Cassis.
  • Trauben, vor allem aber Traubenkernextrakt sind sehr wichtige Antioxidantien.
  • Lutein und Zeaxantin – zu finden in Tomaten (besser in Form von Sugo oder Mark als roh) und in Blaualgen – als Supplemente nutzen.
  • Fetten Fisch einbauen.
  • Vitamin-E-reiche Nahrungsmittel wie Nüsse und Samen ergänzen.

Wirkt eine vegetarische Ernährung erfolgreicher gegen Makuladegeneration?

Das kann nicht generell mit Ja beantwortet werden.
Eine vegetarische Ernährung ist reicher an schützenden pflanzlichen Nahrungsmitteln. Fleisch ist dann ungünstig, wenn es zu häufig auf den Tisch kommt. Aber dies ist erst ein Problem, wenn wir täglich Fleisch geniessen. Es ist wichtig, fetten Fisch, der reich ist an Omega 3 FS, in die Ernährung mit einzubeziehen. Darum: ein- bis zweimal fetten Fisch pro Woche geniessen.

Können Supplemente hilfreich sein?

Nahrungsergänzungen können eine ausgewogene Ernährung nicht ersetzen. Sie sind therapeutisch jedoch sehr hilfreich.
Folgende Mikronährstoffe sind wissenschaftlich bei Makuladegeneration sehr gut erforscht:

Selen, Zink, Q10, Omega 3 FS, Alpha Liponsäure, Traubenkernextrakt , Quercentin, Beta Caroten, Lutein, Zeaxanthin

Hinweis auf die SSAAMP-Fortbildung:
23. September 2021, Augen/Makuladegeneration mit Prof Dr Ute Wolf /Sybille Binder

Studien

Age-Related Eye Disease Study 2 Research Group. Lutein + Zeaxanthin and Omega-3 Fatty Acids for Age-Related Macular Degeneration. The Age-Related Eye Disease Study 2 (AREDS2) Randomized Clinical Trial. JAMA 2013;309(19):2005–2015. doi:10.1001/jama.2013.4997

Merle BM, Delyfer MN, Korobelnik JF, et al. High concentrations of plasma n3 fatty acids are associated with decreased risk for late age-related macular degeneration. J Nutr. 2013;143(4):505–11

The Role of Diet, Micronutrients and the Gut Microbiota in Age-Related Macular Degeneration: New Perspectives from the Gut-Retina Axis.

Rinninella E, Mele MC, Merendino N, Cintoni M, Anselmi G, Caporossi A, Gasbarrini A, Minnella AM. Nutrients. 2018 Nov 5;10(11):1677. doi: 10.3390/nu10111677.

Die Wechseljahre im Auge

Veröffentlicht am: 9. Februar 2021
Autor: Prof. Dr. med. Petra Stute
Stv. Chefärztin Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin, Frauenklinik Inselspital Bern

Hintergrund

Das Licht durchdringt den optischen Apparat (= Hornhaut, Kammerwasser, Linse und Glaskörper) und trifft dann auf die Netzhaut mit den Photosensoren. Alle Bestandteile des Auges können von den Wechseljahren betroffen sein.

Erkrankung der Linse: Grauer Star (Katarakt)

Der Graue Start ist weltweit die Hauptursache von Erblindung. Er tritt meist bilateral auf. Frauen sind häufiger als Männer betroffen (Prävalenz im 65.-74. Lebensjahr: w (25%) > m (14-20%)). Risikofaktoren sind u.a. Alter, Nikotin und Alkohol, Sonnenlicht, niedriger Bildungsgrad, Metabolisches Syndrom und Diabetes mellitus, (systemische/topische) Glukokortikoide, Augentrauma, -bestrahlung, Uveitis und Skleritis. Schutzfaktoren sind frühe Menarche und späte Menopause. Eine populationsbasierte Prävalenzstudie an 1239 US-Amerikanischen Frauen im Alter von 65-84 Jahren zeigte protektive Effekte durch eine derzeitige Hormonersatztherapie (HRT) (OR 0.5, 95% KI 0.3-0.7) (Freeman EE et al., Arch Ophthalmol 2001). Die Blue Mountains Eye Studie untersuchte 2072 Frauen ≥ 49 Jahren, von denen 1343 nach 5 Jahren nochmal untersucht wurden. Für Frauen, die jemals eine HRT angewandt hatten, war das Risiko für einen Katarakt niedriger als für Nie-HRT-Anwenderinnen (OR 0.7, 95% KI 0.4-1.0) (Younan C et al., Am J Epidemiol 2002).

Erkrankung der lakrimalen Funktionseinheit: Trockenes Auge (Keratokonjunktivitis sicca)

Die lakrimale Funktionseinheit besteht aus Tränendrüse, Augenlider und Kornea. Ihre Störung kann sich als Trockenes Auge äussern. Frauen sind häufiger als Männer betroffen (Prävalenz ≥ 50. Lebensjahr 5-30%). Zu den Risikofaktoren zählen u.a. Alter, weibliches Geschlecht, Kontaktlinsen, trockene Umgebung, Augenoperation, Hormonmangel (v.a. Androgene), Mikronährstoffmangel (z.B. Vitamin A), systemische Erkrankung (Diabetes mellitus, M. Parkinson) und Medikamente (Antihistaminika, Anticholinergika, Östrogene, Isotretinoin). Das Sjögren Syndrom ist eine systemische Autoimmun-Exokrinopathie mit inflammatorischer Infiltration der Tränendrüsen, welche eine Tränenhyposekretion zur Folge hat. Symptome des Trockenen Auges sind Trockenheit, Brennen, Fremdkörpergefühl, rote Augen, Dauertränen, Lichtempfindlichkeit und verschwommenes Sehen. Eine konventionelle Östrogen-Gestagen-HRT kann die Entwicklung eines Trockenen Auges begünstigen (Schaumberg DA et al., JAMA 2001; Erdem U et al., Maturitas 2007). Dagegen reduzieren (systemische, lokale) Androgene die Symptomatik (Golebiowski B et al., Br J Ophthalmol 2017).

Veränderung des Augeninnendrucks: Grüner Star (Glaukom)

Die Form des Augapfels wird durch die Hüllen (Skleren) und einen gegenüber der Umgebung erhöhten Augeninnendruck (10-21 mmHg) gewährleistet. Für die Konstanz des Augeninnendrucks ist das Gleichgewicht zwischen Produktion und Abfluss des Kammerwassers entscheidend. Das Glaukom ist eine optische Neuropathie, d.h. eine Augenerkrankung unterschiedlicher Ursache, die einen Verlust von Nervenfasern zur Folge hat.

Ursache ist ein Missverhältnis von Augeninnendruck und Durchblutung des Sehnervs. Somit können alle Bedingungen, die einerseits zu einem erhöhten Augeninnendruck oder andererseits zu einem verminderten Perfusionsdruck im Sehnervenkopf beitragen, ein Glaukom verursachen. Die Prävalenz beträgt 3.5% weltweit (m > w). Das primäre Offenwinkelglaukom ist eine durch degenerative Veränderungen entstehende Abflussbehinderung im Kammerwinkel. Eine frühe Menarche und späte Menopause reduzieren das Risiko für ein Offenwinkelglaukom (Lee AJ et al., Br J Ophthalmol 2003; Pasquale LR et al., J Glaucoma 2007). Eine HRT verbessert die Augendurchblutung (Battaglia C et al., Menopause 2004). Die Studienlage zum Einfluss einer HRT auf das Risiko für ein Offenwinkelglaukom ist heterogen (Zetterberg M, Maturitas 2016). Eine reine Östrogentherapie reduziert den Augeninnendruck, wohingegen eine Östrogen-Gestagen-HRT oder Tibolon keinen Effekt haben (Uncu G et al., Gyn Endocrinol 2006).

Erkrankung der Retina: Makuladegeneration

Die Retina kleidet fast die ganze Bulbusinnenseite aus. In der Retina befinden sich die Photorezeptoren, Zapfen und Stäbchen. Diese bestehen aus einem lichtsensitiven Aussenglied, das über ein Übergangsstück mit dem Innenglied verbunden ist. In die ca. 800 Membranscheibchen des Stäbchenaussengliedes und in die kammerförmig eingefaltete Plasmamembran der Zapfenaussenglieder sind die Sehfarbstoffe eingelagert. Die Aussenglieder werden laufend dadurch regeneriert, dass alte Membranscheibchen an der Spitze abgestossen und neue vom Innenglied nachgeschoben werden. Die abgestossenen Scheibchen werden vom Pigmentepithel phagozytiert, die Stäbchen morgens und die Zapfen abends. Störungen dieser Phagozytose können zu Makuladystrophie oder –degeneration mit fortschreitendem Sehverlust führen. Die Makuladegeneration umfasst eine Gruppe von Retinaerkrankungen, die die Macula betreffen. Bestandteil der Macula ist der „Punkt des schärfsten Sehens“ (Fovea centralis), dessen unterschiedliche Zellen einem allmählichen Funktionsverlust erliegen. Folge ist das Nachlassen der zentralen Sehschärfe. Die Makuladegeneration ist der häufigste Grund für Erblindung bei Menschen 50+ in Industrieländern. Man unterscheidet eine trockene (80%) und feuchte (exsudative) Form. Eine frühe Menarche und späte Menopause sind protektiv. Mehrheitlich wird ein schützender Effekt durch hormonale Kontrazeptiva und HRT beschrieben (Zetterberg M, Maturitas 2016).

Dringender Appell von Schweizer Ärzten zu Vitamin D

Veröffentlicht am: 2. Februar 2021
Autor: Dr. Simon Feldhaus und Dr. med. Volker Schmiedel

Mit Unterstützung der SSAAMP möchten wir folgenden Appell in Bezug auf die Nutzung von Vitamin D stellen:

Was würden Politiker, Wissenschaftler, Journalisten, Ärzte und die Bevölkerung wohl sagen, wenn es ein Medikament gäbe, welches

– die Rate der positiven Corona-Teste wahrscheinlich halbieren

– die Schwere der Verläufe vermutlich erheblich vermindern

– die Rate der Intensivpflichtigkeit bei stationären Patienten von 50 auf 2 % senken

– und die Sterblichkeit bei Hoch-Risiko-Patienten von über 50 auf unter 20 % reduzieren könnte?

Würden wir nicht alle eine Notfall-Zulassung dieses Medikaments fordern, so wie dies bei Impfungen schon erfolgte (z.B. UK, USA) bzw. in einigen anderen europäischen Ländern verlangt wurde? Würden wir nicht die gesamte Bevölkerung präventiv mit diesem Wundermittel versorgen, mindestens aber die Hoch-Risiko-Gruppen? Würden wir nicht bei eingetretener Krankheit, spätestens aber bei stationärem und allerspätestens bei Verlegung auf die Intensivstation hohe Dosen dieses Medikaments geben wollen?

Dabei ist dies gar nicht erforderlich, denn dieses Medikament ist bereits zugelassen, es ist preiswert, rezeptfrei (ausser bei hohen Dosierungen) und nahezu nebenwirkungsfrei!

Es heisst: VITAMIN D

Die Bedeutung von Vitamin D für das Immunsystem und für das Risiko von viralen Infektionen ist seit langem bekannt und dennoch vor allem in der Gesundheitspolitik nicht beachtet:

2016 erforschte das RKI die Häufigkeit von Vitamin D-Mangel bei deutschen Erwachsenen. Danach befinden sich 61,5 % im Vitamin D-Mangel (< 50 nmol/l), 30,2 % weisen sogar einen schweren Vitamin D-Mangel (< 30 nmol/l) auf. Dabei gibt es erhebliche saisonale Unterschiede. Während im Sommer „nur“ etwa 10 % einen schweren Mangel aufweisen, sind es im Winter mehr als 50 %. Sogar über 80 % der Erwachsenen haben einen „normalen“ Vitamin D-Mangel (Rabenberg et al., 2016). In der Schweiz dürften die Zahlen aufgrund der südlicheren Lage etwas, aber nicht wesentlich besser ausfallen.

Ab. 5: Jahreszeitliche Häufigkeit von Vitamin D-Mangel bei deutschen Erwachsenen

Gibt es ein erhöhtes Risiko für Atemwegserkrankungen im Vitamin D-Mangel?

Eine Meta-Analyse beantwortet diese Frage eindeutig. In der Gruppe mit niedrigen Vitamin D-Spiegeln gab es 83 % mehr Atemwegsinfekte. Bei niedrigen Vitamin D-Spiegeln wurde eine Verdreifachung der Sterblichkeit an Atemwegsinfekten gefunden. Der Anstieg der Risiken war dabei nicht linear, sondern mit sinkenden Vitamin D-Spiegeln wurde ein exponentieller Anstieg gefunden. Unterhalb eines Spiegels von 37,5 nmol/l fand sich der steilste Anstieg des Risikos (Pham et al.,  2019). Wir erinnern uns: Ca. 30 % der Erwachsenen haben einen Spiegel unter 30 nmol/l, im Winter sind es hingegen mehr als 50 %.

Es existiert noch eine Meta-Analyse mit sogar 25 interventionellen  Studien, die allerdings eine große Heterogenität aufweisen. Die täglich eingesetzten Dosen lagen zwischen (vermutlich viel zu geringen) 400 IE und 4000 IE täglich. Es gab Studien mit seltenen Bolus-Gaben, wobei es auch sehr unterschiedliche Therapiestrategien gab, von einmalig 200.000 IE bis zu 20.000 IE als wöchentliche Gabe. Alle Studien zusammengenommen fand sich eine Verminderung von Atemwegsinfekten um 12 %. In Studien mit seltenen, hohen Dosen fand sich aber nur eine nicht-signifikante Reduktion um 3 %, während bei den täglichen Gaben 19 % weniger Infekte auftraten. In einer Subgruppenanalyse profitierten die Menschen mit niedrigen Spiegeln unter 25 nmol/l am meisten. Mit 42 % weniger Infekten kam es hier fast zu einer Halbierung der Infekte (Martineau et al., 2017).

Wie schaut die Datenlage nun bezüglich Vitamin D und Corona aus?

Bei ca. 190.000 US-Amerikanern, bei denen der Corona-Test-Status und der Vitamin D-Spiegel bekannt waren, wurden diese miteinander korreliert. Dabei zeigte sich, dass die relative Positiven-Rate umso weiter absank, je höher der Vitamin D-Spiegel lag (siehe Abb. 5). Während bei niedrigen Spiegeln etwa 12-13 % Positive gefunden wurden, waren dies bei hohen Spiegeln nur etwa 6-7 %, die Rate war also halbiert, wobei bei Vitamin D-Spiegeln zwischen 40 und 60 ng/ml (=100-150 nmol/l) ein horizontales Niveau erreicht zu sein schien (Kaufman et al., 2020).

Abb. 5: Corona-Test-Positivenrate und Vitamin D-Spiegel

Schützen gute Spiegel auch noch, wenn bereits eine Covid-19-Erkrankung eingetreten ist?

Hierzu wurden bei 185 Patienten eines Gesundheitszentrums der Vitamin D-Spiegel gemessen und überprüft, wie viele der Patienten intensivpflichtig wurden oder starben, wobei die Patienten mit einem Spiegel < 12 oder > 12 ng/ml (< oder > 30 nmol/l) unterschieden wurden. Lag der Vitamin D-Spiegel bei unter 12 ng/ml war der kombinierte Endpunkt (Intensivpflichtigkeit allein wurde nicht berechnet) um mehr als das 7fache erhöht. Die Mortalitätsrate war bei Vitamin D-Mangel sogar fast auf das 15fache erhöht (siehe Abb. 6). Schwerer Vitamin D-Mangel erhöht also die Wahrscheinlichkeit, intensivpflichtig zu werden oder sogar zu sterben, ganz massiv (Radujkovic et al., 2020).

Abb. 6: Überlebenswahrscheinlichkeit bei Covid-19 in Abhängigkeit vom Vitamin D-Spiegel

In einer anderen Studie wurden 80 Patienten, die sich bereits auf der Intensivstation befanden, in zwei Gruppen eingeteilt: > oder < 20 ng/ml (50 nmol/l). Nach Adjustierung von Alter, Geschlecht, Übergewicht, Herz- und Nierenerkrankungen (Risikofaktoren für schwere Verläufe) blieb noch ein 3,2fach erhöhtes Risiko für schwere Verläufe in der Gruppe mit dem Vitamin D-Mangel übrig (Macaya et al., 2020).

Interventionsstudien zu Vitamin D bei Covid-19

Die vorgestellten epidemiologischen Studien liefern überzeugende Hinweise auf einen Nutzen von Vitamin D bezüglich Infektionsrate, Schwere der Erkrankung, Intensivpflichtigkeit und Mortalität bei Covid-19, sind aber nicht beweisend. Hierzu bedarf es Interventionsstudien, von denen es bisher nur wenige gibt. In einer spanischen Studie erhielten Patienten, die mit Covid-19 stationär aufgenommen wurden, Vitamin D oder nicht. Die Patienten der Vitamin D-Gruppe erhielten bei Aufnahme 20.000 IE Calcifediol (entsprechend ca. 60.000 IE Vitamin D3) sowie an den Tagen 3, 7 und dann wöchentlich 10.000 IE Calcifediol (entsprechend ca. 30.000 IE Vitamin D3). Harte Endpunkte waren Intensivpflichtigkeit oder Tod. Während ohne Vitamin D 50 % der Patienten auf die Intensivstation verlegt werden mussten und 15 % starben, waren dies unter Vitamin D nur 2 %, keiner starb. Kritisch an der Studie ist zu bewerten, dass es kein Placebo in der Kontrollgruppe gab, nicht das „normale“ Vitamin D, sondern nur  ein ähnliches verwendet wurde und dass die Gruppen leider inhomogen zusammengesetzt waren. In der Gruppe ohne Vitamin D gab es mehr Diabetiker und Hypertoniker, was beides ein höheres Risiko bedeutet. Dafür gab es in der Vitamin D-Gruppe aber mehr Ältere und Patienten mit immunsuppressiven Medikamenten, was beides das Risiko auch erhöht (Castillo et al., 2020). Die Risikokonstellationen dürften sich daher vermutlich die Waage halten. Aber es müssten jetzt dringend größere Studien durchgeführt werden, die jeder Methodenkritik standhalten sollten.

Im Frühjahr 2020 erkrankten in einem französischen Altersheim 66 von 96 gebrechlichen und hochbetagten Bewohnern (Durchschnittsalter 87 Jahre). 57 von Ihnen erhielten 80.000 IE als Bolus. Während ohne Vitamin D 55,6 % starben, waren dies mit Vitamin D „nur“ 17,5 %. Auch wenn es sich dabei um keine randomisierte, Placebo-kontrollierte Doppelblind-Studie handelt, sind die Ergebnisse eindrucksvoll und kaum durch Placebo-Effekte bei dieser Population zu erklären (Annweiler et al., 2020).

In einer englischen Studie erhielten in mehreren Kliniken Patienten mit einem Vitamin D-Mangel und Covid-19-Diagnose eine Booster-Vitamin D-Therapie in verschiedenen Dosierungen, die von 20.000 IE alle zwei Wochen bis 40.000 IE täglich für eine Woche lang reichten. Nach Adjustierung von Geschlecht, Übergewicht, Ethnik, Diabetes und Ausgangs-Vitamin D-Spiegel wurden relative Risiken verschiedener Faktoren errechnet. Dabei erwiesen sich Alter (> 74 Jahre), hoher Entzündungswert (CRP > 82 ng/ml) und eingeschränkte Nierenfunktion (Kreatinin > 84 µmol/l) als Risikofaktoren für eine  erhöhte Mortalität. Die Einnahme von Vitamin D erwies sich hingegen als ganz klarer Schutzfaktor (siehe Abb. 7). Patienten mit Vitamin D wiesen eine Verminderung der Mortalität von 87 % im Vergleich zu den Patienten ohne Vitamin D auf (Ling at al., 2020)!

Abb. 7: Odds ratio verschiedener Risikofaktoren und von Vitamin D-Therapie (OR 0,13) auf die Mortalität bei Covid-19

Sehr zu empfehlen ist die Beachtung einer laufenden Meta-Analyse:

Vitamin D is effective for COVID-19:

real-time meta analysis of 37 studies

Covid Analysis, Dec 17, 2020 (Version 9, Jan 10, 2021) @CovidAnalysis 

In dieser Meta-Analyse sind 37 Studien zu Vitamin D und Covid-19 eingeschlossen. Die oben erwähnten Studien sind auch dabei. Dabei kommt statistisch signifikant heraus:

Eine gute Versorgung mit Vitamin D schützt vor Covid-19 bzw. schweren Verläufen.

Behandelt man an Covid-19 Erkrankte mit Vitamin D wird massiv das Outcome verbessert.

Hier kann die Meta-Analyse in allen Einzelheiten nachgelesen werden: https://vdmeta.com/

Fazit – Vitamin D hat das Potential, vielen Menschen das Leben  zu retten

Die D.A.CH. (deutsche, österreichische und Schweizer Ernährungsgesellschaften) empfehlen die Zufuhr von 800 IE Vitamin D pro Tag. Im Sommer kann die Zufuhr weitgehend durch die Sonne gedeckt werden – wenn man in die Mittagszeit Arme und Gesicht ohne Schutz durch Kleidung oder Sonnenschutzcreme der Sonne aussetzt, die aber auch im Sommer nicht jeden Tag scheint. Zwischen Oktober und April befinden wir uns in Mitteleuropa aber im „Vitamin D-Winter“, der in Hamburg natürlich länger andauert als in Lugano.

Eine Zufuhr von 800 IE über die Nahrung ist allerdings unmöglich, was die Ernährungsgesellschaften aber verschweigen. Um 800 IE Vitamin D zuzuführen, müssten wir etwa

– 400 g Makrele

– 4 kg Schweineschnitzel

– 20 Eier

– 20 Liter Vollmilch

– 10 kg Kalbsleber

– 10 kg Brie (45 %)

– 600 g Avocado

– oder 1 kg Pilze

essen – dies aber täglich!

Die Ernährungsgesellschaften erzählen uns nicht, dass wir im Winter Vitamin D als Präparat nehmen müssen, wenn wir die empfohlenen 800 IE gewährleisten wollen. Die besagten 800 IE sind allerdings auch nur in der Lage, den allergröbsten Mangel (< 30 nmol/l) zu beseitigen. Von vielen Therapeuten, die mit Vitamin D arbeiten, werden Spiegel von 100-150 nmol/l angestrebt, was die meisten Menschen auch mit 800 IE nicht schaffen.

Die zusätzliche Zufuhr von 800 IE führt zu einem durchschnittlichen Anstieg von gerade einmal 16 nmol/l. Damit kann jemand mit einem massiven Mangel (z.B. 24 nmol/l) einen nur noch moderaten Mangel (40 nmol/l) erreichen, von einem optimalen Wert ist er damit immer noch weit entfernt (Dosis-Wirkungs-Beziehung von Vitamin D nach Schmiedel, 2012).

Studien (z.B. Martineau et al., 2017, Pham et al., 2019) deuten darauf hin, dass es schon einen Nutzen bringt, wenn man aus dem Bereich von unter 25 oder 30 nmol/l herauskommt. Andere Arbeiten (z.B. Macaya et al., 2020) weisen darauf hin, dass ein Wert über 50 nmol/l sinnvoll sein könnte. Bei Interventionsstudien mit bereits Erkrankten (z.B. Annweiler et al., Castillo et al., Ling et al., alle 2020) wurden hohe Dosierungen im fünf- bis sechsstelligen Bereich eingesetzt.

Uns stehen bisher keine brauchbaren (konventionellen) Medikamente zur Prävention oder Therapie von Covid-19 zur Verfügung – die positiven Effekte einer mehrere tausend Dollar teuren Therapie mit Remdesivir sind eher marginal.

Die Corona-Impfungen beginnen gerade. Über die Wirksamkeit und die Langzeitnebenwirkungen haben wir erst in zwei Jahren verlässliche Aussagen. Eine nicht ganz unwichtige Information, die von der Politik und in den Medien aber praktisch nicht kommuniziert wird.

Wir haben also schon jetzt so viele wissenschaftliche Beweise für einen Nutzen von Vitamin D bei viralen Atemwegsinfektionen im Allgemeinen und Covid-19 im Besonderen in allen Stadien der Erkrankung (von primärer Prävention bis zur Intensivstation), dass es nach der aktuellen Datenlage schon als fahrlässige Unterlassung gelten muss, wenn heute der gesunden Bevölkerung, den Risikogruppen und vor allem den bereits Erkrankten Vitamin D vorenthalten oder sogar davor gewarnt wird.

Dabei wird immer wieder auf die Möglichkeit der Überdosierung hingewiesen. Diese sind natürlich theoretisch möglich (Paracelsus: „Jedes Ding ist ein Gift, allein die Dosis macht, ob ein Ding ein Gift ist oder nicht.“), aber praktisch nur bei schweren Einnahmefehlern mit hohen Dosen ohne jeglichen Kontrollen möglich. Die EFSA (European Food Safety Agency = Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde) hält Dosierungen bis zu 4000 IE beim Erwachsenen für sicher (Cashman et al., 2017). In Studien wurden bei Dosierungen von 80.000 IE (einmalig, Annweiler et al., 2020) bis 280.000 IE (eine Woche lang 40.000 IE pro Tag, Ling et al., 2020) keine Nebenwirkungen bei gleichzeitiger signifikanter Minderung der Mortalität beobachtet. Vor den möglichen Nebenwirkungen von Vitamin D wird gewarnt, nicht aber vor den „Nebenwirkungen“ des gravierenden Vitamin D-Mangels, der die mitteleuropäische Bevölkerung in jedem Winter heimsucht!

Dem möchten wir als Ärzte unsere Postulate entgegenhalten:

Postulate von Schweizer Ärzten

  1. Jeder erwachsene Mensch soll von Oktober bis April mindestens 800 IE Vitamin D als Präparat zu sich nehmen. Ebenso wie jeder Schweizer Bewohner im Windschatten eines Atomkraftwerkes kostenlos Jod-Tabletten für den Notfall erhält, sollte das Vitamin D vom Staat bezahlt werden. Die Kosten dafür betragen nur einen Bruchteils eines Lockdowns, dürften nach den vorliegenden Daten aber weit effektiver sein.
  2. Risikopersonen sollen von Oktober bis April ca. 4000 IE Vitamin D (je nach Gewicht) als Präparat zu sich nehmen.
  3. Idealerweise sollten Vitamin D-Spiegel gemessen, um Überdosierungen zu vermeiden, vor allem aber, um zu gewährleisten, dass ein Spiegel von mind. 50 nmol/l, besser bzw. bei Risikopersonen von mind. 100 nmol/l gewährleistet ist.
  4. Im Krankheitsfall von Covid-19 soll jeder Erkrankte (Ausnahmen: medizinische Gegenanzeigen wie z.B. Hyperkalzämie, Sarkoidose) als Bolus einmalig 50-100.000 IE Vitamin D (je nach Körpergewicht) erhalten, danach 20.000 IE für 10 Tage, dann ca. 5000 IE bis zum Ende der Infektion. Diese Empfehlungen sind nicht validiert, sondern aus den Erfahrungen bisher durchgeführter, erfolgreicher Studien abgeleitet.
  5. Wissenschaftliche Studien zur Evaluation der empfohlenen Vitamin D-Massnahmen sollen von Universitäts-Instituten durchgeführt werden.
  6. Diese Empfehlungen sollen offiziell von staatlichen, kantonalen und Gemeindebehörden sowie in den großen Medien verbreitet werden.

Wem die Gesundheit seiner Bürger wirklich am Herzen liegt, darf die Fakten zu Vitamin D nicht weiter vernachlässigen!

Baar, 2. Februar 2021                  

Dr. med. Simon Feldhaus            
Dr. med. Volker Schmiedel

Wissenschaftliche Quellen

Rabenberg M, Mensing G: Vitamin-D-Status in Deutschland. Journal of Health Monitoring, 2016 1(2) DOI 10.17886/RKI-GBE-2016-036 Robert Koch-Institut, Berlin

Pham H, Rahman A, Majidi A, Waterhouse M, Neale RE: Acute Respiratory Tract Infection and 25-Hydroxyvitamin D Concentration: A Systematic Review and Meta-Analysis. Int J Environ Res Public Health. 2019 Aug 21;16(17). pii: E3020. doi: 10.3390/ijerph16173020.

Martineau AR et al.: Vitamin D supplementation to prevent acute respiratory tract infections: systematic review and meta-analysis of individual participant data. BMJ 2017; 356 doi: https://doi.org/10.1136/bmj.i6583

Harvey W KaufmanJustin K NilesMartin H KrollCaixia BiMichael F Holick: SARS-CoV-2 positivity rates associated with circulating 25-hydroxyvitamin D levels. PLoS One. 2020 Sep 17;15(9):e0239252. doi: 10.1371/journal.pone.0239252. eCollection 2020.

Aleksandar RadujkovicTheresa HippchenShilpa Tiwari-HecklerSaida DreherMonica BoxbergerUta Merle: Vitamin D Deficiency and Outcome of COVID-19 Patients. Nutrients. 2020 Sep 10;12(9):2757.  doi: 10.3390/nu12092757.

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Castillo ME, Entrenas Costa LM, Vaquero Barrios JM, Alcala Dıaz JF, Miranda JL, Bouillon R, Quesada Gomez JM, Effect of Calcifediol Treatment and best ¨ Available Therapy versus best Available Therapy on Intensive Care Unit Admission and Mortality Among Patients Hospitalized for COVID-19: A Pilot Randomized Clinical study¨ , Journal of Steroid Biochemistry and Molecular Biology (2020)

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Schmiedel V: Einfluss einer Vitamin D-Substitution auf den Vitamin D-Spiegel von Patienten einer              naturheilkundlichen Ambulanz. Masterarbeit an der Universität Viadrina, Frankfurt (Oder), 2012

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Covid, eine andere Sichtweise

Veröffentlicht am: 28. Januar 2021
Autor: Dr. med. John van Lumburg Stirum, Vizepräsident SSAAMP

Liebe Leser

Schon verschiedentlich wurde über Covid berichtet und die Ereignisse von 2020 scheinen nahtlos in 2021 überzugehen. Wahrlich Covid überschattet alles. Täglich in den Nachrichten, täglich in 20min, täglich überall. Und noch nie habe ich in so kurzer Zeit so viele Ungereimtheiten, Spekulationen und fragwürdige medizinische Massnahmen erlebt. Verzweiflung und Chaos.

Chaos

Chaos ist der Gegensatz zur Information. Wie gerne wüssten wir «was tatsächlich los ist». Chaos ist die totale Unordnung.

Wann entsteht Chaos?

Primär bei allen Formen von Übergängen, bei Neuorientierungen, schlichtweg bei grundlegenden Veränderungen. In der Chaosforschung spricht man von Phasensprüngen.

Chaos und Veränderung

Bisher hat die Gesellschaft uns bis an unsere Leistungsgrenzen gefordert. Wir waren ständig auf der Überholspur. Mit CoVid wurden wir jetzt teils schmerzlich ausgebremst und gar in unserer Existenz bedroht. Ausstellungen, Seminare, Events wurden abgesagt, aber damit auch viele unserer Verpflichtungen.

Ist das Ganze eine logische Konsequenz der Entwicklung der Menschheitsgeschichte? Erleben wir den Übergang in eine neue Ära?

Versuchen wir, CoVid mal anders zu deuten.

Die Menschheitsgeschichte durchlief die verschiedensten Zeitalter:

  1. Steinzeitalter
  2. Bronze Zeitalter
  3. Eisen Zeitalter
  4. Industrielle Zeitalter
  5. Maschinen Zeitalter
  6. Nukleares Zeitalter
  7. Weltraum Zeitalter
  8. Computer Zeitalter
  9. Informationszeitalter
  10. Multimedia Zeitalter
  11. Soziales Zeitalter
  12. Digitales Datenzeitalter

(Quelle Wikipedia)

Bei der Interpretation der verschiedenen Zeitalter fällt auf, dass in Richtung Gegenwart zunehmend die Materie in den Hintergrund tritt und das Unsichtbare immer mehr in den Vordergrund. Diese Entwicklung kann sich unmöglich in dieser Art beliebig fortsetzen. Wenn ein Maximum an «Nicht-Materie» erreicht wurde, was offensichtlich mit dem digitalen Zeitalter der Fall ist, muss ein erneuter Phasensprung die Realität reprogrammieren. Diese Gesetzmässigkeit ist sehr wohl bekannt in der Traditionellen Chinesischen Medizin mit dem mehreren tausendjährigen Prinzip von Yin und Yang, Sinnbild für Bewegung und das Leben überhaupt. Denn das Leben bedeutet Bewegung.

Hier sehen Sie 2 ineinanderfliessende Tropfen, die weisse Fläche steht für Yang und die schwarze Fläche für das Yin. Yang ist formlos, ähnlich unserer digitalen Welt. Im maximalen Yang finden wir den Keim von Yin (schwarzer Kreis). Was ist Yin? Dunkelheit, Kälte, Angst, Einsamkeit, Bewegungsstarre, aber auch Geburt und Neubeginn. Ein neues Zeitalter? Würde dies zutreffen so wird es für uns nie mehr sein, wie es früher war. Schon heute sprechen alle von der «neuen Normalität». Aber ein solches Ereignis birgt auch Chancen. Erforschen wir was es Neues zu ergründen und umzusetzen gilt. Wie viele von uns waren mit dem «bisherigen» Leben wirklich zufrieden? Vielleicht bedeutet dies für uns auch Chance auf Besserung. Gefährlich wird es, wenn wir trotz dieser Umwälzung in den bisherigen Strukturen verharren. Sie passen nicht mehr. Haben Sie dies erkannt und nehmen Sie an der Veränderung teil, so dürfen wir tatsächlich auf «bessere» Zeiten hoffen.

Nochmals Yin/Yang

Vor Covid waren wir im maximalen Yang, also Aktivität pur. Dies bedeutet auch Verbrauch und Raubbau mit unserem Körper. Jetzt wurde die Yinzeit eingeläutet. Nicht mehr gestresst ins Büro zu fahren, nein, heute heisst es Home Office. Stress mit Fliegen? Heute heisst es Zoom Konferenzen. Wir lernen wieder zu entschleunigen und kürzer zu treten. Dies ist der Beginn einer regenerativen Phase. Deuten wir doch dies so, dass jetzt unsere Gesundheit im Vordergrund stehen soll und nicht mehr unsere Leistung.

Wofür steht Yin sonst noch?

Yin ist die Quelle von Kraft. Im Yin wird alles bewahrt, was im Laufe eines Lebens durch rationale Lernvorgänge erworben wird und ist damit Grundlage der Erinnerung. Auch unser Immunsystem hat ein Gedächtnis! Die YinPhase will uns damit zu erkennen geben, dass wir auf unser Immunsystem achten müssen und diese stärken! Wir müssen wieder Energie tanken und unsere Reserven wieder auffüllen. Yin ist somit Quelle von körperlicher, geistiger und nervlicher Widerstandsfähigkeit und Ausdauer, welche wir jetzt pflegen müssen. Sind wir leicht erschöpft oder schnell aus der Fassung zu bringen, so wie dies bei vielen von uns bisher der Fall war, so lässt dies umgekehrt auf eine Schwäche von Yin und ein Maximum eben des Yangs schliessen. Dies kann reichen bis zum Burnout und Depression. Ja, es sind heute tatsächlich die Psychiater, welche auf lange Zeit alle ausgebucht sind …!

Yin steht noch für Dunkelheit. Und im Dunkeln sehen wir nicht. Können nicht sehen, wollen nicht sehen? Wo wir immer wieder die Augen verschliessen, was sich ereignet und wir eigentlich ändern sollten. Im übertragenen Sinn tappen wir auch alle zur Zeit im Dunkeln. In der Dunkelheit sind wir alle blind und werden zudem von Blinden geführt. Die Dunkelheit gilt nämlich für alle! Aber auch in der finstersten Dunkelheit, irgendwann erscheint wieder Licht. Licht ist stärker als die Dunkelheit. Die Dunkelheit kann das Licht nicht mehr vertreiben. So wird es auch im Johannesevangelium beschrieben: Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst (Joh 1.5). Das Licht zeigt uns den Weg. Das Licht ist damit ein Neubeginn. Wie passend zu der Jahreszeit. Und um sich für diesen Wandel optimal vorzubereiten ist es wichtig, seine Gesundheit in den Vordergrund zu stellen. Und zwar mit der Medizin, welche wir in der SSAAMP vertreten! Wir wollen bereit sein für das, was kommen wird. Die neue Normalität auch in der persönlichen Gesundheit integrieren. Möglichst weg von den vielen Medikamenten mit potentiellen Nebenwirkungen und wieder echte Gesundheit anstreben. Ein starkes Immunsystem aufbauen, statt nur auf eine Impfung zu warten. Wie hätte ich mir auch solche Signale von unserer Regierung gewünscht. Also stellen wir nun endlich unsere eigenen Bedürfnisse in den Vordergrund und schauen zu uns. Früher hatte man dazu keine Zeit. Das Gesundheits-Bewusst-Sein erhält wieder die Bedeutung, welches es gebührt. Wir nennen dies «Aktive Prävention». Jetzt ist die Zeit der Genesung und der Vorsorge.

Botulinum («Botox») und Hyaloronsäure im Wandel der Zeit

Veröffentlicht am: 20. Januar 2021
Autor: Dr. med. Michael Wagener, MD

Botulinumtoxin A wurde schon im Jahr 1946 isoliert und in den 1970er Jahren als Medikament eingesetzt. 1989 erfolgte die Zulassung durch die FDA zur Behandlung von Augenzittern und Lidkrämpfen des Auges.

Eher zufällig wurde «Botox» – wie es heute allgemein genannt wird – durch das kanadische Ehepaar  Carruthers für die ästhetische Medizin entdeckt, weil es vorübergehend einen schwächenden Effekt auf mimische Hautfalten im Gesicht entfaltete. Anfangs «off-label» eingesetzt, erfolgte die Zulassung in den USA unter dem Namen «Botox» erst 2002 durch die Firma Allergan.

Von diesem Zeitpunkt an begann sein weltweiter Siegeszug in der Ästhetik. Unumstritten war das Botulinumtoxin, so sein korrekter Name, jedoch nie. Allein schon der Wortbestandteil «-toxin» macht es bis heute zur Zielscheibe kritischer Beurteilungen. Dabei hat es seinen Nutzen in der Medizin schon seit langem erfolgreich unter Beweis gestellt.

Immer wieder wird Botulinum schlechthin für eine erstarrte Mimik und maskenhaftes Aussehen bei Frauen und Männern verantwortlich gemacht.  

Unberücksichtigt bleibt bei solchen emotionalen Aussagen die unumstössliche Tatsache, die auch in der ästhetischen Medizin ihre Gültigkeit besitzt: «Die Dosis macht das Gift».

In der der Hand des erfahrenen und geschulten Anwenders ist Botulinum aus der ästhetischen Medizin nicht mehr wegzudenken. Richtig dosiert und an der richtigen Stelle eingesetzt kann es im Gesicht, Hals und sogar Dekolleté sehr natürlich wirkende Effekte erzielen, die weder maskenhaft noch künstlich aussehen.    

Mit der Zeit und wachsender Erfahrung wurden immer verfeinerte Behandlunsprotokolle entwickelt, um das Potential des Botulinums optimal in der ästhetischen Medizin auszuschöpfen.

Eine ähnliche Erfolgsgeschichte wurde der Einsatz der Hyaloronsäure in der Ästhetik. Anfangs noch aus tierischer Herkunft, wurde es in den späten 1990er Jahren fermentativ aus Bakterien gewonnen und gilt heute als sehr sicher anzuwendendes Produkt, wenn es von hoher Qualität ist.

Eine optimale Reinheit ist die entscheidende Voraussetzung für eine gute Verträglichkeit, denn es verbleibt eine zeitlang im menschlichen Gewebe.

Unvernetzt unter die Haut gespritzt verbessert es die Feuchtigkeit der Haut, wird aber rasch wieder vom Körper abgebaut. Dem versucht man beim Einsatz als «Filler» dadurch zu begegnen, indem man das Molekül chemisch vernetzt. Diese Vernetzung sorgt dafür, dass es länger im Körper verbleibt und erst nach Monaten wieder abgebaut wird. Einmal ins Gewebe eingebracht, verbleibt ein solch komplex vernetztes Molekül an Ort und Stelle und hat einen Polstereffekt im Gewebe.

Somit eignet sich eine vernetzte Hyaloronsäure als «Filler», um Falten im Gesicht, die vor allem durch Volumenmangel im Zuge der Alterung entstehen zu korrigieren.

Heutzutage verstehem wir viel besser, was bei der Alterung im Gesicht passiert. Die Knochen des Schädels verändern sich mit den Jahren, es kommt zum Schwund von Fettpolstern und Veränderung der Position von Haltebändern im Gesicht.

Diese im Detail sehr komplexen Mechanismen haben die ästhetische Medizin insofern verändert, weil wir in unseren Behandlungskonzepten je nach Alter berücksichtigen müssen, wie weit schon gewisse Veränderungen der Anatomie vorangeschritten sind und was in der Zukunft noch zu erwarten ist.

Wir sehen heute also ein Nebeneinander von Botulinum und Fillern, nicht ein entweder oder. Anfangs hat man sich bei der Fillerbehandlung auf spezifische Falten wie z.B. die Nasolabialfalte konzentriert. Das ist immer noch eine wichtige Region, aber wir betrachten immer das ganze Gesicht, versuchen mit unseren Behandlungen die Ursache einer bestimmten Falte zu behandeln, die zum Beispiel durch einen Volumenmangel an anderer Stelle mitbedingt sein kann. Der Begriff der «kompositorischen Ästhetik» hat sich etabliert, wobei wir mit Fillern und Botulinum zwei wunderbare Werkzeuge besitzen dem anatomischen Wunder des menschlichen Gesichts seine individuelle Schönheit und Attraktivität altersentsprechend zu erhalten. 

Am 29. Mai 2021 vertiefen wir das Thema am SSAAMP-Kongress – Medizinische Ästhetik um 11.30 Uhr – weitere Informationen und Kongress-Programm finden Sie auch www.ssaamp.ch

Immunsystem in der heutigen Zeit

Veröffentlicht am: 2. November 2020
Autor: Dr. Simon Feldhaus

Die aktuelle Bedrohung durch die Covid-19-Pandemie hält uns alle in Atem. Immer wieder kommt es zu erheblichen Einschränkungen unserer Bewegungsfreiheit. Prävention besteht aus Kontaktverminderung und Rückzug in die eigene Wohnung; die Hoffnung setzt man derzeit auf eine Impfung.

Erstaunlicherweise gibt es aber eine grosse Zahl von Menschen, die mit einer Covid-19-Infektion problemlos zurechtkommen oder gar komplett symptomfrei bleiben.

Bei diesen Patienten scheint das körpereigene Immunsystem das Virus abwehren zu können, bevor dieses zu einer relevanten Infektion des Körpers führt.

Daher wäre es doch wohl sinnvoll, sich um die Funktion und Stärkung des Immunsystems zu kümmern, die aber praktisch in keiner Empfehlung ausgesprochen wird.

Daher sollen jetzt die Funktionsweise unseres Immunsystems und sich daraus ergebende präventive Massnahmen diskutiert werden:

Das Immunsystem gehört zu den Regulationssystemen unseres Körpers und ist für die Überwachung der Balance im Organismus und der Gesundheit verantwortlich. Eine gute Lebensqualität und ein langes, gesundes Leben sind von einem gut funktionierenden Immunsystem direkt abhängig. Um einen gesunden Organismus aufrechtzuerhalten, ist es wichtig, nicht nur das Immunsystem, sondern auch die anderen regulierenden Systeme des Körpers wie Nervensystem und Hormonsystem im Gleichgewicht halten. Diese drei regulierenden Systeme sind vernetzt durch unterschiedliche lösliche Botenstoffe (Zytokine, Neuropeptide und Hormone). Dadurch werden eine bidirektionale Kommunikation und regelmässige Interaktion geschaffen, sodass sie sich gegenseitig beeinflussen können. Jedes Ungleichgewicht in einem dieser Systeme wirkt sich nachteilig auf die anderen aus.

Mit zunehmendem Alter unterliegt der Organismus morphologischen und physiologischen Änderungen. Die verschiedenen regulierenden Systeme und die Kommunikation zwischen ihnen werden zunehmend beeinträchtigt, sodass auch die Homöostase des Organismus gestört wird.

Daher nimmt die Funktionalität des Immunsystems im Laufe der Jahre ab, was als Immunseneszenz bezeichnet wird. Die Immunseneszenz wird von einigen Bedingungen begleitet, die sowohl die angeborene Immunantwort als auch die adaptive Immunabwehr beeinflussen.

Alle genannten Faktoren tragen zu einer erhöhten Anfälligkeit gegenüber infektiösen, chronischen und rezidivierenden Prozessen bei. Autoimmunkrankheiten und onkologische Vorgänge bei älteren Personen werden begünstigt. Aus diesem Grund sollten vor allem bei älteren Menschen immunaktivierende präventive Massnahmen im Vordergrund der Bemühungen stehen, und nicht primär der Fokus auf Isolation.
 

Wenn Bakterien, Viren oder Parasiten in den Körper eindringen, wird eine immunologische Abwehr im Sinne einer Kettenreaktion der Zellaktivität im Immunsystem ausgelöst. Makrophagen oder andere angeborene Immunzellen – wie Basophile, dendritische Zellen oder Neutrophile – können eingesetzt werden, um den eindringenden Erreger anzugreifen. Diese Zellen erfüllen oft bereits ihre Aufgabe, und der Eindringling wird zerstört.

Reicht dies nicht aus, kommen die T-Zellen und B-Zellen ins Spiel. Diese Zellen sind die Spezialeinheiten des Immunsystems – eine Verteidigungslinie, die frühere Verhaltensweisen und Interaktionen nutzt, um zu lernen, bestimmte fremde Bedrohungen zu erkennen und diese anzugreifen, wenn sie wieder auftauchen.

Das Immunsystem besteht aus zwei «Abteilungen»: der angeborenen und der erworbenen Abwehr. Angeborene Immunzellen sind die erste Verteidigungslinie des Körpers. Sie reagieren schnell auf fremde Zellen, um ein Virus zu bekämpfen oder den Körper gegen Bakterien zu verteidigen. Unsere erworbene Immunität verwendet T-Zellen und B-Zellen, wenn eindringende Organismen diese erste Verteidigungslinie überwinden konnten. Diese Zellen brauchen länger, um sich zu entwickeln, weil ihr Verhalten sich aus erlernten Erfahrungen entwickelt, aber sie leben in der Regel länger als angeborene Zellen. Adaptive Immunzellen erinnern sich nach ihrer ersten Begegnung an fremde Eindringlinge und wehren diese ab, wenn sie das nächste Mal in den Körper eindringen.

B-Zellen bekämpfen Bakterien und Viren, indem sie sogenannte Antikörper bilden, die für jeden Erreger spezifisch sind und in der Lage, sich auf der Oberfläche einer eindringenden Zelle festzusetzen und diese für die Zerstörung durch andere Immunzellen zu markieren oder auch direkt zu zerstören.

Die T-Zellen arbeiten auf einer anderen Basis:

Es gibt zwei Haupttypen von T-Zellen: Helfer-T-Zellen und Killer-T-Zellen. Helfer-T-Zellen stimulieren die B-Zellen zur Bildung von Antikörpern und unterstützen die Entwicklung von Killerzellen. Killer-T-Zellen töten direkt Zellen, die bereits von einem fremden Eindringling infiziert wurden. T-Zellen verwenden auch Zytokine als Botenmoleküle, die chemische Anweisungen an das übrige Immunsystem senden, um dessen Reaktion zu beschleunigen.

Gerade für die Abwehr der COVID-19-Coronaviren erscheint vor allem die Aktivität der T-Zellen eine besondere Rolle zu spielen.

Eine kürzlich durchgeführte Studie aus den USA zeigte, dass Infizierte in der Lage sind, spezifische T-Zellen und B-Zellen zu bilden. Vor allem konnte auch gezeigt werden, dass einige nicht infizierte Menschen ebensolche spezifischen T-Zellen hatten, was auf eine Überschneidung mit der Reaktion auf frühere Infektionen mit Mers, Sars und anderen Erkältungen hindeutet – die sogenannte Kreuzreaktivität.

Auch jüngste Forschungen des Karolinska-Instituts in Schweden zeigten, dass mehrere Patienten mit leichten bis keinen Symptomen T-Zellen gegen das Virus gebildet hatten. Dies war sogar bei Patienten der Fall, die keine nachweisbaren Konzentrationen von Antikörpern gegen das Virus aufwiesen. Wichtiger noch: Die Forscher fanden auch Hinweise auf Gedächtnis-T-Zellen bei rekonvaleszenten Patienten. Dies deutet darauf hin, dass COVID eine robuste Gedächtnis-T-Zellen-Antwort hervorruft, die wiederkehrende Episoden von schweren Wiedererkrankungen verhindern könnte.

Im Gegensatz dazu erscheint die Situation, was die Antikörper betrifft, eher problematisch zu sein. Einige Studien legen nahe, dass COVID-19-Antikörper bei genesenen Patienten nur sieben Wochen lang ausreichend bestehen bleiben. Bei 40 Prozent der asymptomatisch infizierten Patienten waren nach acht Wochen keine Antikörper mehr nachweisbar.

Dies deutet darauf hin, dass Antikörper gegen COVID möglicherweise nicht sehr lange anhalten, was für die Wirkung von Impfungen sehr bedeutsam und kritisch sein könnte.

Daher erscheint es ausserordentlich wichtig, die Funktionsfähigkeit des Immunsystems auf breiter Basis zu verbessern und nicht nur auf die Wirkung von Impfungen zu hoffen, um mit der Covid-19-Infektion klarzukommen!

Welche Faktoren können die Funktion unseres Immunsystems negativ beeinflussen?

Verschiedene Faktoren sind für die Funktionalität des Immunsystems verantwortlich: genetische Faktoren, Ereignisse, die während unseres Lebens stattfinden, sowie unsere Ernährung und unser Lebensstil. Eine ungesunde Lebensweise ohne ausreichende Ruhephasen, mit vermehrten Stresssituationen – seien es chemische, körperliche oder psychische – können Erschöpfung auf hormoneller und auch zellulärer Ebene hervorrufen sowie eine Verringerung der Lymphozytenanzahl bewirken. All dies führt zu einer geringeren Wirksamkeit des Immunsystems.

Erkrankungen durch Viren im Bereich der Atemwege gelten generell als harmlos. Die entsprechenden Keime vermehren sich besonders häufig auf den Schleimhäuten. Infolge Kühle bei gesunkenen Aussentemperaturen werden diese nicht mehr genügend befeuchtet und der reinigende Effekt der Flimmerepithelien reicht nicht mehr aus. Kälte hemmt die Beweglichkeit der Zilien auf den Atemwegsschleimhäuten und verengt gleichzeitig die Bronchien. Für die Wachstumsbedingungen entstehen dadurch optimale auslösende Erreger.

Der Kontakt mit den Viren geschieht über die oberen Atemwege. Auch bei Coronaviren ist dies so. Die Viren haften an den Schleimhäuten, und wenn sie dort nicht abgewehrt werden, dringen sie in das Körperinnere vor und können eventuell schwerwiegende Krankheitsverläufe verursachen. Für den Abwehrzweck haben wir unser körpereigenes Immunsystem. Bei den meisten Menschen gelingt es dem Abwehrsystem, die Viren abzutöten, bevor eine eigentliche Infektion stattfindet. Die wichtigste Verteidigung, vor allem auch gegen Coronaviren, ist die zellvermittelte Abwehr (die sogenannte T-Zell-vermittelte Abwehr). Sekundär kommt dann eine Abwehrreaktion mit sogenannten Antikörpern ins Spiel. Ein positiver PCR-Test zeigt an, dass sich Erbinformationen auf der Schleimhaut nachweisen liessen, nicht aber, ob eine Infektion des Körpers stattgefunden hat.

Wie stärke ich mein Immunsystem? Aus ganzheitlicher medizinischer Sicht ist es daher wichtig, nicht auf das Virus zu schauen, sondern primär gesund durch die Winterzeit zu kommen.

Ziel muss sein, das Immunsystem in den optimalen Funktionszustand zu bringen. Gesunde Lebensführung und Stressreduktion steht an erster Stelle. Dauerhafte Belastungen im Alltag und ein Mangel an wichtigen Mikronährstoffen machen den Körper deutlich anfälliger für Erkältungen oder andere Infektionskrankheiten.

Womit können wir die Funktion positiv beeinflussen?

  • Psychologische Faktoren: Stressbewältigung bei Personen, die diesem Problem ausgesetzt sind. Gleichzeitig ist es wichtig, eine positive Lebenseinstellung zu bewahren.
  • Lebensstil: Bewegung und leichter Sport sind Grundvoraussetzungen für die korrekte Funktion unseres Organismus und Immunsystems. Körperliche Aktivität ermöglicht eine angemessene Blutzirkulation durch alle Körperteile. Ausserdem ist es wichtig, geeignete Massnahmen zur Schmerzbegrenzung zu finden.
  • Ernährungsfaktoren: Es ist wichtig, gesunde Lebensmittel, die frei von Toxinen sind, zu konsumieren. Heutzutage wird das Immunsystem häufig beansprucht, da Toxine sich wie Antigene verhalten, wobei das Immunsystem diese wie einen Virus bekämpfen möchte. Dies führt zu Entzündungen und zur Erschöpfung des Systems. Deshalb trägt eine gesunde und schadstoffarme Ernährung zu einer verbesserten Immunität bei.
  • Physiologische Faktoren: Gleichzeitig gilt es, Entzündungsherde im Organismus zu entfernen. Der Verdauungstrakt ist dabei der Apparat, der das Immunsystem am meisten beansprucht. Etwa 70 Prozent aller Zellen des Immunsystems befinden sich im Verdauungstrakt. Sobald hier ein Problem entsteht, wird das Immunsystem aktiviert.
  • Mikronährstoffe wie Antioxidanten, Vitamine und Mineralien.

Zur Prophylaxe gegen virale Erkrankungen (egal ob Coronaviren, Grippeviren oder andere Virusarten) eignen sich verschiedene Therapieformen.

Die Basis ist eine laborgestützte Gabe von Mikronährstoffen im Sinne der orthomolekularen Medizin:

Zink, Vitamin D, Omega-3-Fettsäuren und Selen sollten in ausreichender Menge eingenommen werden, wobei nach aktuellem Wissen wohl dem Vitamin D die wichtigste Rolle zugestanden werden muss.

Aktuelle Studien konnten ausserordentliche Erfolge von hochdosierter Vitamin-D- oder auch intravenöser Vitamin-C-Therapie bei akuten Covid-19-Infektionen aufweisen.

Zusätzlich gibt es phytotherapeutische Präparate aus Echinacea, Pelargonium, Meerrettich, Kapuzinerkresse und anderen Pflanzen, die sehr gute Effekte vorweisen.

Aus der ärztlichen Ganzheitsmedizin sind Ozon-Eigenblut-Anwendungen bekannt. Gerade die Ozontherapie hat sich in Studien in Spanien als sehr wirksam gezeigt.

Zusammengefasst lässt sich feststellen dass, gerade in Zeiten viraler Bedrohungen unserer Gesundheit neben den sinnvollen Methoden der Prävention vor allem auch auf eine gute Funktion des Immunsystems geachtet werden, was mit den aufgeführten Optionen sinnvoll möglich ist.

Dr. Simon Feldhaus

Der Hexer und der Medizinmann: Kochen und Essen mit Lebenslust, Intuition und Naturbewusstsein

Veröffentlicht am: 30. Juli 2020
Autor: Dr. Simon Feldhaus

Unsere Gesundheit stellt einen zentralen Pfeiler des Lebens dar. Doch was genau bedeutet es, wenn wir vom Erhalt der Gesundheit sprechen?
Wir verstehen darunter einen komplexen, täglich neu anzugehenden Prozess.
Neben ausreichender Bewegung, gesundem Lebensstil inklusive. ausreichendem Schlaf spielt auch die Ernährung eine wesentliche Rolle.

„Der Mensch ist, was er isst“, und nicht umsonst hat schon Hippokrates die Ernährung zu einer der fünf Säulen erklärt, auf denen unsere Gesundheit beruht. Unsere Ernährung ist aber schon längst viel mehr als die Substanzen, die uns am Leben erhalten. Sie ist einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren, sie dient der Identitätsstiftung und stellt auch ein Feld dar, auf dem ideologische Kämpfe ausgefochten werden.

Zivilisationskrankheiten wie Herz- und Gefässerkrankungen, Diabetes mellitus Typ II und Allergien gehen auf einen ungesunden Lebensstil – zu viel Stress, zu wenig Bewegung und Fehlernährung – zurück. Aber wie sieht denn eine richtige gesunde Ernährung aus? Die Antworten und Empfehlungen sind vielfältig und umfassen Ratschläge zur ausgewogenen Mischkost ebenso wie zur Aufnahme von Nahrungsergänzungsmitteln oder zu Nahrungsmittelkarenzen. Dabei ist nicht nur die Auswahl der Lebensmittel, sondern auch deren Zubereitung wesentlich.

Heute muss jedoch auch der Umgang mit Nahrungsmitteln kritisch betrachtet werden – Foodwaste ist in unserer Wohlstandsgesellschaft ein zentrales Thema. Im Schnitt geht jedes dritte Lebensmittel zwischen Feld und Teller verloren oder wird verschwendet. Dabei hat unsere Ernährung und insbesondere auch unsere Lebensmittelverschwendung weitreichende Auswirkungen auf Klima und Umwelt.

Sowohl weltweit als auch in der Schweiz geht über die Lebensmittelkette etwa ein Drittel aller Nahrungsmittel verloren oder (fast noch schlimmer) wird weggeworfen.

In reicheren Ländern wird ein Grossteil davon durch die Endkonsumenten verschwendet, wohingegen in den Haushalten ärmerer Länder nur sehr wenig im Abfall landet. In diesen Regionen der Welt sind dafür die Verluste bei der Ernte, in der Lagerung und der Verarbeitung höher, da oftmals effiziente Technologien fehlen und das nötige Know-how weniger verbreitet ist.

In der Schweiz verursachen Gastronomie und die Haushalte zusammen 35 Prozent der Lebensmittelabfälle, ein weiterer grosser Anteil wird in den Spitälern entsorgt.

In den Haushalten entsteht Foodwaste zum Beispiel, weil

  • wir mehr kaufen, als wir benötigen.
  • wir grössere Verpackungen kaufen, als wir brauchen.
  • wir Lebensmittel im Kühlschrank vergessen.
  • wir Lebensmittel nicht korrekt lagern und sich so die Haltbarkeit verringert.
  • wir das Mindesthaltbarkeitsdatum falsch interpretieren und Produkte nicht mit unseren Sinnen beurteilen.
  • wir mehr kochen, als wir brauchen und Reste nicht verwerten.

Das Problem dabei ist, dass Foodwaste auch weitreichende Auswirkungen auf unsere Umwelt und das Klima hat und ebenso viel Umweltbelastung wie die Hälfte aller Autofahrten in der Schweiz verursacht.
Grundsätzlich gilt: Je Länger der Weg ist, den ein Lebensmittel zurückgelegt hat, desto stärker wird die Umwelt belastet. Je weiter hinten in der Herstellungskette also Lebensmittel entsorgt werden, desto schlimmer. In anderen Worten: Es macht einen Unterschied, ob ein Bauer eine Karotte kompostiert oder ob ein Konsument eine Avocado verschwendet.

Ein weiterer relevanter Punkt in Sachen sinnvolle Ernährungsweise: die Kunst, die richtigen Lebensmittel miteinander zu kombinieren, um einerseits geschmacklich, aber auch in Bezug auf die Wirkung eine Ergänzung zu erzielen.

Eine ausgewogene Ernährung lohnt sich enorm. Sie liefert Ihnen nicht nur alle erforderlichen Nährstoffe, um genügend Energie für den Tag zu haben, sondern auch eine Vielzahl von Vitalstoffen, die dabei helfen, gesund zu bleiben oder – wenn man krank ist – wieder gesund zu werden.

Studenten des Informatikinstituts Indiana um Netzwerkanalytiker Yong-Yeol Ahn veröffentlichten in der Fachzeitschrift „Nature“ unlängst ihre Ergebnisse unter dem Namen „Flavor Network and the Principle of Food Pairing“. Demnach ist die Anzahl gemeinsamer Aromastoffe von Lebensmitteln der Schlüssel zum Geschmackserfolg.

Aromastoffe sind chemische Verbindungen, die mitverantwortlich dafür sind, ob uns etwas schmeckt oder nicht. Schokolade und Blauschimmelkäse teilen beispielsweise 73 (u. a. 2-Methyl-3-Methyldithiofuran), Kaffee und Rind kommen auf 102 gemeinsame Aromastoffe.

Bei der Studie werteten die Forscher über 56.000 Rezepte amerikanischer und koreanischer Food-Websites aus. So nahmen sie alle in den Rezepten verwendeten Lebensmittel auf und erstellten eine netzförmige Grafik. Im Falle von mindestens zehn gemeinsamen Aromastoffen wurde eine Linie zwischen zwei Lebensmitteln gezogen, die je nach Anzahl geteilter Stoffe dünner oder dicker ausfiel.

Jedes Lebensmittel enthält eine Geschmacksstruktur, die unterschiedliche Aromen in bestimmten Konzentrationen aufweist. Die «Aromen-DNA» der einzelnen Lebensmittel wird beim Food Pairing miteinander abgeglichen. Je mehr aromatische Parallelen zwischen zwei Lebensmitteln bestehen, desto besser harmonieren die Lebensmittel in einem Gericht.

Gleichzeitig kann man durch die Kombination beispielsweise von Gewürzen und Früchten ergänzende Wirkungen sekundärer Pflanzeninhaltsstoffe nutzen.

Somit zeigt sich, dass das Schlagwort «Gesunde Ernährung» viel mehr beinhaltet, als die meisten sich denken, und es sich daher lohnt, mehr Wissen darüber zu erlangen.

Die SSAAMP wird sich daher im Rahmen einer Sonderveranstaltung genau diesem Thema widmen – und wer anderes als «der Hexer», Stefan Wiesner, könnte dies besser vermitteln?

SSAAMP-Sonderveranstaltung

10. September 2020 (Nachmittag) im Heuboden, Holzhäusern, Kanton Zug;
Alle Details zum Event finden Sie untern http://www.ssaamp.ch

Ethik und Ästhetik: Nur eine Frage der Wahrnehmung?

Veröffentlicht am: 22. Mai 2020
Autoren: Dr. med. Zoehre Akdogan

Der bedeutende Philosoph Ludwig Wittgenstein stellte in den Raum, dass Ethik und Ästhetik eins wären. Sind die beiden wirklich stets aufeinander bezogen, wie er uns aufzeigen wollte? Oder ist es eher eine komplexe Beziehung irgendwo zwischen absoluter Abhängigkeit und ziemlicher Eigenständigkeit?

Ästhetik wird heute vorwiegend als Lehre der Schönheit verstanden. Etymologisch stammt das Wort jedoch vom altgriechischen aisthesis, was mit Wahrnehmung oder Empfindung übersetzt wird. Wahrnehmung und Empfindung wovon? Eine Lehre der Wahrnehmung? Die Norm für Schönheit und guten Geschmack? Oder liegt die Schönheit einzig im Auge des Betrachters?

Wir grübeln weiter und finden noch mehr Fragen – weit und breit keine Antworten. Den wahren Freigeist freut es, wenn zum Schluss nur die individuelle Sichtweise zählt. Die Laune des Moments ist ausserdem jederzeit für ein Votum gut. Welche Rollen spielen dabei unsere Herkunft, die Erziehung und unser direktes Umfeld, welche uns prägen?

Ob bewusst oder unbewusst – der Mensch wird hin- und hergerissen zwischen eigenen Ansichten, der Darstellungen anderer sowie der eigenen Ansprüche, Wünsche oder Träume. Wollte man sich sämtlicher Vorbilder und Einflüsse entledigen, müsste einer in die komplette Isolation fliehen. Dass den Meisten von uns gerade der soziale Rückzug sehr zu schaffen macht, wurde in den vergangenen Monaten offensichtlich.

Seit es den Menschen gibt, gibt es Meinungsmacher, die niemals müde werden, zu propagieren, was richtig sein soll. Heute sind es Medien, Werbung, Kunstkritiker und immer wieder Scharlatane, die andere zu beeinflussen sowie zu überzeugen suchen. Wenn nicht des Geldes, dann des schnöden Ego wegen. Aber niemals uneigennützig.

Ethische Werte unterscheiden sich von Kultur zu Kultur. Sie verändern sich auch mit der Zeit. Wenn die Eltern früher den Kopf schüttelten, als sich die Söhne die Haare wachsen liessen, so werden sich die damaligen Teenager heute wundern, wenn Ihr Nachwuchs mit einem Zungenpiercing nach Hause kommt. Sitte und Moral entwickeln sich mit dem Menschen und seiner Umwelt. Aber auch die ethischen Werte werden weltweit von führenden Individuen vorgegeben, vorgelebt, weisgemacht und weitervermittelt. Im guten wie im schlechten Sinne.

Eines erscheint nachvollziehbar: Ohne Toleranz, Rundumsicht und stetiges Hinterfragen kommt kein Mensch weiter. Sturheit ist Stillstand und führt immer zu Konflikten. Konflikte sinnvoll auszutragen, erfordert Grösse. Der Mensch hat seine Grenzen. Eine absolute Wahrheit gibt es wohl nicht. Leider nur eine Menge Leute, die ihre Meinung dafür halten. Eigene Ansichten sind gut. Und über Geschmack lässt sich streiten. Stundenlang. Bis es ungemütlich und verletzend wird.

Ethik und Ästhetik klingt beides wissenschaftlich. Sie sind jedoch weder messbar noch schlüssig erklärbar. Wahrscheinlich hat Wittgenstein damit recht, dass beide gleich von der individuellen Wahrnehmung jedes einzelnen Menschen abhängig sind. Oder eben völlig abstrakt. Bringen wir aber nun die Prägung durch Herkunft, Erziehung und Umfeld ins Spiel, wird es klar, dass wir alle eine Vielzahl von Impulsen mit auf den persönlichen Entscheidungsweg bekommen. Diese wiederum prägen Wahrnehmung und Empfindung.

Im Zeitalter der Social Media Stars, die sich das Beeinflussen zum Beruf gemacht haben, wird die Bombardierung durch Impulse immens. Individualität wird uns plakativ vorgelebt und damit zur allgemeincoolen Norm erhoben. Mangels Selbstwertgefühl, Erfahrung oder besseren Wissens werden viele zu ergebenen Followern. Nachäffen und Mitlaufen sind tief verankert in unserem Wesen – wir sind Primaten.

Keine Frage, eine äusserliche Entstellung – beispielsweise durch einen Unfall – chirurgisch zu korrigieren, ist «ethisch» mehr als vertretbar. Wer würde wohl heute noch einen derartigen Eingriff als blasphemisch oder unschicklich bezeichnen? Die Behandlung ermöglicht den Betroffenen wieder ein menschenwürdiges Leben und den Aufbau eines gesunden Selbstvertrauens.

Wie steht es damit, Körperteile neu Formen zu lassen, manchmal bis weit über die natürlichen Gesetzmässigkeiten hinaus? Verbietet es die sogenannte Ethik, uns selbst mit Vorsatz zu entstellen – respektive entstellen zu lassen? Selbst wenn wir sonst todunglücklich wären, wenn wir es nicht machen dürften? Auch Sinnhaftigkeit ist eine Frage von Wahrnehmung und Ermessen.

Herkunft spielt definitiv eine Rolle. In asiatischen Ländern wie beispielsweise Korea, Japan oder Thailand sind chirurgische Anpassungen von Nasen, Augenliedern, Ohren und anderem seit Jahrzehnten gang und gäbe. Individualität und Toleranz haben in diesen Ländern eine höhere Akzeptanz. Jedenfalls im privaten Bereich. Der persönliche Wunsch eines Menschen wird respektiert. Darin besteht kein Problem, solange für Dritte kein Nachteil entsteht. Spontaneität ist ausserdem die Würze des Lebens.

Zurück zu Ludwig Wittgenstein: Sind Ethik und Ästhetik eins? Dass beide untrennbar miteinander verbunden sind, scheint ausser Frage zu sein. Und dass beide ein Teil des Individuums sind, genauso wenig. Äusserlichkeiten sind der erste Eindruck – sie beeinflussen unsere Haltung und Entscheidungen massgeblich. Dazu wird unsere persönliche Wahrnehmung oder Empfindung laufend von Zeitgeist, Kulturkreis oder sozialem Umfeld geprägt. Hören wir doch auf, zwanghaft und verallgemeinernd zu definieren sowie schubladisieren. Es ist gut, zu reflektieren und evaluieren. Aber nichts geht über den eigenen, gesunden und individuellen Entscheid. Am besten, ohne andere damit beeinflussen zu wollen. Dann machen wir Ethik und Ästhetik zu einem faszinierenden, lebensbejahenden Spielraum.

Der bedeutende Philosoph Ludwig Wittgenstein stellte in den Raum, dass Ethik und Ästhetik eins wären. Sind die beiden wirklich stets aufeinander bezogen, wie er uns aufzeigen wollte? Oder ist es eher eine komplexe Beziehung irgendwo zwischen absoluter Abhängigkeit und ziemlicher Eigenständigkeit?

Ästhetik wird heute vorwiegend als Lehre der Schönheit verstanden. Etymologisch stammt das Wort jedoch vom altgriechischen aisthesis, was mit Wahrnehmung oder Empfindung übersetzt wird. Wahrnehmung und Empfindung wovon? Eine Lehre der Wahrnehmung? Die Norm für Schönheit und guten Geschmack? Oder liegt die Schönheit einzig im Auge des Betrachters?

Wir grübeln weiter und finden noch mehr Fragen – weit und breit keine Antworten. Den wahren Freigeist freut es, wenn zum Schluss nur die individuelle Sichtweise zählt. Die Laune des Moments ist ausserdem jederzeit für ein Votum gut. Welche Rollen spielen dabei unsere Herkunft, die Erziehung und unser direktes Umfeld, welche uns prägen?

Ob bewusst oder unbewusst – der Mensch wird hin- und hergerissen zwischen eigenen Ansichten, der Darstellungen anderer sowie der eigenen Ansprüche, Wünsche oder Träume. Wollte man sich sämtlicher Vorbilder und Einflüsse entledigen, müsste einer in die komplette Isolation fliehen. Dass den Meisten von uns gerade der soziale Rückzug sehr zu schaffen macht, wurde in den vergangenen Monaten offensichtlich.

Seit es den Menschen gibt, gibt es Meinungsmacher, die niemals müde werden, zu propagieren, was richtig sein soll. Heute sind es Medien, Werbung, Kunstkritiker und immer wieder Scharlatane, die andere zu beeinflussen sowie zu überzeugen suchen. Wenn nicht des Geldes, dann des schnöden Ego wegen. Aber niemals uneigennützig.

Ethische Werte unterscheiden sich von Kultur zu Kultur. Sie verändern sich auch mit der Zeit. Wenn die Eltern früher den Kopf schüttelten, als sich die Söhne die Haare wachsen liessen, so werden sich die damaligen Teenager heute wundern, wenn Ihr Nachwuchs mit einem Zungenpiercing nach Hause kommt. Sitte und Moral entwickeln sich mit dem Menschen und seiner Umwelt. Aber auch die ethischen Werte werden weltweit von führenden Individuen vorgegeben, vorgelebt, weisgemacht und weitervermittelt. Im guten wie im schlechten Sinne.

Eines erscheint nachvollziehbar: Ohne Toleranz, Rundumsicht und stetiges Hinterfragen kommt kein Mensch weiter. Sturheit ist Stillstand und führt immer zu Konflikten. Konflikte sinnvoll auszutragen, erfordert Grösse. Der Mensch hat seine Grenzen. Eine absolute Wahrheit gibt es wohl nicht. Leider nur eine Menge Leute, die ihre Meinung dafür halten. Eigene Ansichten sind gut. Und über Geschmack lässt sich streiten. Stundenlang. Bis es ungemütlich und verletzend wird.

Ethik und Ästhetik klingt beides wissenschaftlich. Sie sind jedoch weder messbar noch schlüssig erklärbar. Wahrscheinlich hat Wittgenstein damit recht, dass beide gleich von der individuellen Wahrnehmung jedes einzelnen Menschen abhängig sind. Oder eben völlig abstrakt. Bringen wir aber nun die Prägung durch Herkunft, Erziehung und Umfeld ins Spiel, wird es klar, dass wir alle eine Vielzahl von Impulsen mit auf den persönlichen Entscheidungsweg bekommen. Diese wiederum prägen Wahrnehmung und Empfindung.

Im Zeitalter der Social Media Stars, die sich das Beeinflussen zum Beruf gemacht haben, wird die Bombardierung durch Impulse immens. Individualität wird uns plakativ vorgelebt und damit zur allgemeincoolen Norm erhoben. Mangels Selbstwertgefühl, Erfahrung oder besseren Wissens werden viele zu ergebenen Followern. Nachäffen und Mitlaufen sind tief verankert in unserem Wesen – wir sind Primaten.

Keine Frage, eine äusserliche Entstellung – beispielsweise durch einen Unfall – chirurgisch zu korrigieren, ist «ethisch» mehr als vertretbar. Wer würde wohl heute noch einen derartigen Eingriff als blasphemisch oder unschicklich bezeichnen? Die Behandlung ermöglicht den Betroffenen wieder ein menschenwürdiges Leben und den Aufbau eines gesunden Selbstvertrauens.

Wie steht es damit, Körperteile neu Formen zu lassen, manchmal bis weit über die natürlichen Gesetzmässigkeiten hinaus? Verbietet es die sogenannte Ethik, uns selbst mit Vorsatz zu entstellen – respektive entstellen zu lassen? Selbst wenn wir sonst todunglücklich wären, wenn wir es nicht machen dürften? Auch Sinnhaftigkeit ist eine Frage von Wahrnehmung und Ermessen.

Herkunft spielt definitiv eine Rolle. In asiatischen Ländern wie beispielsweise Korea, Japan oder Thailand sind chirurgische Anpassungen von Nasen, Augenliedern, Ohren und anderem seit Jahrzehnten gang und gäbe. Individualität und Toleranz haben in diesen Ländern eine höhere Akzeptanz. Jedenfalls im privaten Bereich. Der persönliche Wunsch eines Menschen wird respektiert. Darin besteht kein Problem, solange für Dritte kein Nachteil entsteht. Spontaneität ist ausserdem die Würze des Lebens.

Zurück zu Ludwig Wittgenstein: Sind Ethik und Ästhetik eins? Dass beide untrennbar miteinander verbunden sind, scheint ausser Frage zu sein. Und dass beide ein Teil des Individuums sind, genauso wenig. Äusserlichkeiten sind der erste Eindruck – sie beeinflussen unsere Haltung und Entscheidungen massgeblich. Dazu wird unsere persönliche Wahrnehmung oder Empfindung laufend von Zeitgeist, Kulturkreis oder sozialem Umfeld geprägt. Hören wir doch auf, zwanghaft und verallgemeinernd zu definieren sowie schubladisieren. Es ist gut, zu reflektieren und evaluieren. Aber nichts geht über den eigenen, gesunden und individuellen Entscheid. Am besten, ohne andere damit beeinflussen zu wollen. Dann machen wir Ethik und Ästhetik zu einem faszinierenden, lebensbejahenden Spielraum.

SARS-CoV-2 / COVID-19: Prävention durch integrative Therapieansätze

Veröffentlicht am: 8. Mai 2020
Autoren: Prof. Dr. Burkhard Schütz, MSc ETH Michelle Passarge
Ihr Kommentar und Dossier-Bestellung: am Schluss des Blog

Das Coronavirus wird uns noch viele Monate begleiten. Auch wenn die Letalität nach der aktuellen Heinsberg-Studie [1] oder einer neuen Veröffentlichung im New England Journal of Medicine [2] deutlich niedriger sein könnte, als bislang angenommen, bleibt ein Problem jedoch unverändert bestehen: es gilt ältere Menschen und Risikogruppen zu schützen und das über Monate, vielleicht Jahre.

Da es bislang weder wirksame Medikamente noch Impfungen gibt, kommt neben Maßnahmen zur Infektionsvermeidung durch Hygiene und gezielte Testungen (SARS-CoV-2-PCR und Antikörperteste) vor allem der Prävention eine besondere Bedeutung zu. Hier hat gerade unsere integrative Medizin einiges zu bieten. Sie ist imstande, das Immunsystem der Menschen zu stärken und antivirale Ab­wehr­mechanismen anzuregen.

Hierzu habe ich in unserem neuen biovis-Folder zu SARS-CoV-2 / COVID 19 bereits konkrete Ansätze vorgeschlagen. In öffentlichen Diskussionen werden unsere Ansätze immer wieder als unwirksam und nicht zielführend abgetan. Gerade deshalb wollen wir Ihnen hier die wichtigsten Substanzen vorstellen und deren Wirksamkeit mit zahlreichen, zum Teil sehr aktuellen Studien belegen. Sie sollen darin bestärkt werden, dass „unsere Medizin“ effektiv ist und das zu leisten vermag, was gerade jetzt gebraucht wird: präventiv vor einer Virusinfektion schützen oder unsere Abwehr gegen virale Infektionen stärken. Integrative Medizin ist heute wissenschaftlich fundiert, auch das wollen wir mit unserer kleinen Serie unterstreichen.

Gestatten Sie mir noch eine Bemerkung: Messen – Therapieren – Messen! Das war und ist unser Prinzip.

Eine Therapie mit den nachfolgend beschriebenen Stoffen muss immer gezielt erfolgen. Wahllose, unkontrollierte Gaben von Melatonin, Vitaminen oder Mikronährstoffen schaden oft mehr, als sie helfen. Man sollte wissen, was man tut. Ein „Zuviel“ ist oft genauso schlecht, wie ein „Zuwenig“.

Einleitung

Das Coronavirus (CoV) ist ein Erreger, der in erster Linie die menschlichen Atemwege angreift. Die Ausbrüche des schweren akuten respiratorischen Syndroms (SARS) im Jahr 2002/2003 und des respiratorischen Syndroms des Nahen Ostens (MERS) im Jahr 2012 haben gezeigt, was geschehen kann, wenn Coronaviren Artengrenzen überschreiten und Menschen infizieren [3]. Im Dezember 2019 wurde in China ein neuartiges, grippeähnliches Coronavirus (SARS-CoV-2) entdeckt, das mit den Coronaviren MERS und SARS verwandt ist [4]. Ausgehend von der chinesischen Provinz Hubei entwickelte sich COVID-19 im Januar 2020 in China zu einer Epidemie und breitete sich schliesslich weltweit aus. Am 27. Januar wurde der erste Infektionsfall in Europa (Bayern) gemeldet und am 30. Januar 2020 rief die WHO die internationale Gesundheitsnotlage aus [5]. Am 9. Februar 2020 über­stieg die Zahl der mit COVID-19 assoziierten registrierten Todesfälle mit über 8000 die Gesamt­zahl der Todesfälle der SARS-Pandemie von 2002/2003. Anfang März meldete die WHO erstmals über 100’000 Infizierte weltweit, woraufhin die WHO am 11. März 2020 die bisherige COVID-19-Epidemie offiziell zu einer Pandemie erklärte [6].

Klinische Symptome und Pathogenese von COVID-19

Das Genom von COVID-19 besteht aus einer einzelsträngigen (+)ssRNA. Sequenzanalysen haben gezeigt, dass es eine mehr als 82%ige Homologie mit dem SARS-Coronavirus aufweist und zu mehr als 50 % mit dem MERS-Virus identisch ist. Ebenso wie das SARS-CoV und das MERS-CoV gehört auch COVID-19 zum Cluster der β-Coronaviren. [7]

Patienten, die mit COVID-19 infiziert waren, zeigten einen Mangel an Lymphozyten, abnorme Atemwegsbefunde und erhöhte Spiegel von pro-inflammatorischen Zytokinen im Plasma [8]. Die mit SARS-Coronaviren assoziierte Virulenz und Pathogenität entwickelt sich aufgrund der viralen Aktivierung des zytoplasmatischen NLRP3-Imflammasoms. Dieses Inflammasom setzt mit Hilfe von aktivierten Makrophagen und Th1-Immunzellen vermehrt pro-inflammatorische Zytokine frei, die zu einer überschießenden Entzündungsreaktion führen [9]. Diese verstärkte Ausschüttung der Zytokinen (Zytokinsturm), die v. a. im Lungengewebe stattfindet, führt zu schweren entzündlichen Er­krankungen, zu Infektionen der unteren Atemwege, Lungenentzündung und schwerer Atemnot. [10]

Die bis dato berichtete Todesfallrate von COVID-19 Patienten liegt zwischen 1,4 % und 3,4 % [11, 12]. Geht man davon aus, dass die Zahl der asymptomatischen oder minimal symptomatischen Fälle um ein Mehrfaches höher ist als die Zahl der gemeldeten Fälle, kann die Sterblichkeitsrate deutlich unter 1 % liegen [2]. Dies deutet darauf hin, dass die klinischen Gesamtfolgen von COVID-19 letztlich eher denen einer schweren saisonalen Grippe (mit einer Todesfallrate von etwa 0,1 %) oder einer pandemischen Grippe (wie 1957 und 1968) ähneln als einer Krankheit wie SARS oder MERS, die Sterblichkeitsraten von 9 bis 10 % bzw. 36 % aufwiesen [13]. Zu einem ähnlichen Schluss kommen auch erste Vorabergebnisse der Heinsberg-Studie, die von einer COVID-19-Letalitätsrate von 0,37 % und Mortalität bezogen auf die Gesamtpopulation von 0,06 % ausgeht [1].

Der Ausbruch von COVID-19 hat die öffentliche Gesundheit, die Forschung und die medizinische Gemeinschaft vor entscheidende Herausforderungen gestellt. Da es bislang weder wirksame Medikamente noch Impfungen gibt, kommt neben Maßnahmen zur Infektionsvermeidung durch Hygiene, körperliche Distanzierung und gezielten Testungen (SARS-CoV-2-PCR und Antikörperteste) vor allem der Prävention eine besondere Bedeutung zu. Hier hat gerade die integrative Medizin einiges zu bieten. Sie ist imstande das Immunsystem der Menschen zu stärken und antivirale Ab­wehr­mechanismen anzuregen.

Basierend auf bisher vorliegenden Studien, bekannten Virulenzmechanismen von COVID-19 und gesammelten Daten über Coronaviren im Allgemeinen, erweisen sich folgende Ansätze der integrativen Medizin als sinnvoll zur Prävention einer COVID-19-Infektion.

Weiterlesen? Mehr lesen?

Bestellen Sie das umfassende pdf File zum Thema bei René Bläuer info@ssaamp.ch, Stichwort BLOG Mai.

Darin werden alle relevanten integrativen Ansätze zur Prävention von SARS-CoV-2-Infektionen umfassend diskutiert, auf der Basis aktueller Studien, inklusive empfohlener Dosierungen.

Covid-19 – auf Messers Schneide

Wann ist die Krise vorbei, kommt sie wieder, Vergleich mit Influenza, wen trifft‘s – und unser Beitrag.

Veröffentlicht am: 20. April 2020
Autor: Dr. med. dent. Jens Tartsch, Kilchberg ZH
Ihr Kommentar: Beiträge am Schluss des Blog erwünscht

Lock-down, Shut-down, Exit-Strategie, Smart-Restart … dies sind sicher alles Begriffe, über welche wir uns in der Vergangenheit kaum Gedanken gemacht haben bzw. welche es konkret zum Teil noch gar nicht gab – insbesondere im Zusammenhang mit einer Krisensituation.

Was soll man – oder ich als Zahnarzt – also dazu noch sagen, was in den Medien nicht schon von der einen oder anderen Seite veröffentlicht wurde? Gerade in den Medien ist ja derzeit die gesamte Bandbreite der Meinungen zu finden – von „Panikmache“ und „Weltuntergang“ bis hin zu „so ist halt die Natur: nur die Starken überleben“.

Nun kann man seine persönliche Meinung kundtun oder das Wort an kompetente Fachleute übergeben. Ersteres wird hier im Anschluss folgen, für das Zweite möchte ich zunächst das Wort an den Herzchirurgen Prof. Dr. Vogt übergeben, welcher mit seinem Beitrag in der Mittelländischen weltweit für Aufsehen sorgte und die aktuelle Situation objektiv und nüchtern, aber sehr konkret wiedergibt. Auch wenn der Artikel etwas länger sein mag, man sollte ihn unbedingt zu Ende lesen, er gibt viel Input für weitere Diskussionen: https://bit.ly/ssaampblog200420

Ich denke, nun wird der eine oder andere die Situation doch mit etwas anderen Augen sehen, und auch ich möchte nun vor dem Hintergrund der gewonnenen Erkenntnisse aus dem Artikel auf meine persönliche Meinung als Zahnarzt zurückkommen. Mitgenommen habe ich Folgendes:

  1. Die Krise ist erst vorbei, wenn es ein Medikament bzw. einen Impfstoff gibt.
  2. Die Situation kann bei zu starker Lockerung der Massnahmen jederzeit wieder eskalieren.
  3. Ein simpler Vergleich mit Influenza ist nicht zulässig, die Intensivstationen sprechen eine andere Sprache.
  4. Panik ist nicht angebracht, aber es kann jeden treffen – insbesondere dessen Eltern.
  5. Auch heute weiss noch niemand, wann das Leben wieder normal sein wird – wir alle müssen aber mit Disziplin dazu beitragen, dass es dies wieder so schnell wie möglich wird.

Natürlich muss die Wirtschaft weitergehen, auch unsere Praxen müssen wieder normal arbeiten können … aber wir bewegen uns damit auf Messers Schneide, und dies muss uns allen zumindest bewusst sein. Trotz vom Bundesrat beschlossener stufenweiser Lockerung heisst dies daher auf noch nicht absehbare Zeit für mich vor allem auch im privaten Bereich: alles vermeiden, was nicht zwingend notwendig ist – das Virus hält sich nicht an Gesetze! Denn wir wissen: Nur mit einer Reproduktionszahl von < 1 kann die Pandemie beendet werden. Das heisst konkret: 1 Infizierter steckt weniger als 1 Gesunden an. Aktuelle Berechnungen bspw. für Deutschland zeigen: Bereits bei einer Reproduktionszahl von 1.2 (von 5 Infizierten stecken 4 nur 1; 1 jedoch 2 Gesunde an) wäre das deutsche Gesundheitssystem bereits im Juli wieder überlastet (ohne Massnahmen Reproduktionszahl Covid 2 – 3, zu Beginn der Pandemie 4 – 5!).

Gerne werden meist „nur“ die Sterberaten herangezogen. Dies ist natürlich ein wichtiges Thema, aber kaum wird über schwere Verläufe gesprochen. Das 13 seitige Tagebuch eines betroffenen Kollegen (liegen mir vor, kann auf Anfrage weitergeleitet werden) zeigt: Auch ein Covid-Aufenthalt im Spital bereits ohne Beatmung oder ein schwerer Verlauf zu Hause ist kein Vergnügen und ich persönlich möchte dies nicht durchlaufen müssen!

Auch die Praxen von uns Zahnärzten wurden bisher nicht geschlossen. Jedoch durften wir natürlich nur Notfallmassnahmen durchführen, das hiess 1–2 Patienten pro Woche. Nun wird ab 27. April ein „Smarter Restart“ durchgeführt werden. Was „Smarter Restart“ bedeutet, bzw. wie die Schutzmassnahmen aussehen werden, wurde uns zumindest bis zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Beitrages noch nicht mitgeteilt. Eines dürfte jedoch heute bereits bekannt: Unser Personal und wir sollen mit einfachem OP-Mundschutz arbeiten. Studien würden zeigen, dass so ein einfacher Mundschutz die Ausbreitung bei Erkrankten vermindert und damit als Schutz für das Zahnarztpersonal genüge. Der Fakt ist soweit richtig, jedoch habe ich in meiner Praxis noch keinen Patienten erlebt, welcher während seiner Behandlung einen Mundschutz trägt. Für das Personal und den Behandler bedeutet ein Mundschutz ausserdem keinen Schutz vor Ansteckung, dies können nur FFP2-Masken als Mindestmassnahme gewährleisten. Der Zugang zu FFP2-Masken wird uns Zahnärzten jedoch von offizieller Seite (noch?) verwehrt und die Masken können nicht über die Kantonsapotheke bezogen werden. Bleibt das Internet mit CHF 10–20 pro Stück (!).
Aber es stimmt natürlich … sind wir als Behandler ersteinmal infiziert, werden die Patienten wiederum durch den einfachen Schutz der OP-Maske vor einer Ansteckung durch uns geschützt. Anmerkung: Zahnarzt – Patientenkontakt Distanz 30 cm, mind. 30 min., durchschnittlich 20 Patienten pro Tag, damit im Falle einer unerkannten Infektion des Behandlers Reproduktionszahl 20 (!) – damit ein sogenannter „Superspreader“. Und falls dabei jemanden das Risikoprofil der einzelnen Berufe interessiert, sollte man auch hier mal einen Blick hierauf werfen und vor allem das rechte obere Eck beachten: https://bit.ly/ssaaampblog20420

Was bedeutet nun dieser kurze Exkurs in die Welt der Zahnmedizin für uns alle? Wenn Sie mich fragen – und das haben Sie mit diesem Blog ja getan – die Extreme sind meist nie der richtige Weg: man sollte die Situation nicht überbewerten, aber eben auch nicht unterschätzen und mit einer Grippe vergleichen. Jeder sollte seinen persönlichen Weg finden, um Risiken so weit wie möglich zu minimieren, aber dabei trotzdem langsam in normale Leben zurückfinden. Das gilt auch für die allgemeinmedizinische Praxis. Stärken Sie ihr Immunsystem und das Ihrer Patienten – die SSAAMP steht Ihnen hierbei mit Rat und Tat zur Seite. Vergessen Sie dabei aber nie: Das Spiel ist erst nach dem Abpfiff vorbei …

Bleiben Sie gesund!

Ihr Dr. Jens Tartsch