Ästhetik im Wandel der Zeit

Medizinische Ästhetik: 3. Jahreskongress am Samstag, 13. November 2021 in der Brasserie Lipp in Zürich

Autoren
Sybille Binder
Dr. med. Zoehre Akdogan
Dr. med. Michael Wagener

Veröffentlicht am: 18. September 2021

Ästhetik im Wandel der Zeit

Die Harmonie aus Geist und Körper prägt die moderne Anti-Aging- und die medizinische Ästhetik. Alles dreht sich um die Funktion der einzelnen Zelle – der kleinsten Einheit unseres Wohlbefindens.

Health & Beauty / Stoffwechsel / im Wandel

Nachdem die Schönheitsindustrie einige Jahrzehnte vor allem chirurgische Eingriffe vorgenommen und Spritzen eingesetzt hat, befindet sie sich gerade in einem grossen Wandel.

Health and Beauty, Schönheitsmedizin der Zukunft ist der Titel des Beitrags von Dr. Enrique Steiger.
Dabei soll die Wechselwirkung von Gesundheit und Schönheit im Zentrum stehen und welche Möglichkeiten heute bekannt sind, dies zu unterstützen.

Schönheit, aus der Sicht des Stoffwechsels betrachtet, ist nicht ganz neu. Schon in der Antike gab es Ansätze, dass Pflanzen und eingenommene Substanzen die Schönheit beeinflussen können, sodass das Skalpell nicht immer von Anfang an eingesetzt wurde.
Führende Forscher zeigen auf, dass verschiedene Lifestylefaktoren Ausstrahlungskraft und Hautqualität beeinflussen können. Diese Erkenntnisse werden nun zunehmend interdisziplinär ausgetauscht und umgesetzt.
Neue einfache Testmöglichkeiten über Genetik, Stuhl und Blut zeigen Mangel und Entgleisungen von Stoffwechselprozessen an, welche sich im Körperbild manifestieren. Die als «stille Entzündungen» bekannten Stoffwechselveränderungen sind auch für die Hautalterung verantwortlich.
Diese lassen sich häufig durch Anpassung der Ernährung, den Einsatz von gezielten Mikronährstoffen und auch mit Hormonen regulieren.
Die neuen Entwicklungen gehen in Richtung individualisierte Ernährung, Supplementation und Behandlungen mit verschiedenen Produkten. Auch die Adaptionsfähigkeit des Körpers auf Stress kann durch Stoffwechselunterstützung verbessert werden. Hautalterung ist also kein Schicksal mehr, sondern persönlich beeinflussbar.
Auch chirurgische Eingriffe können durch stoffwechselunterstützende Massnahmen unterlegt werden. Somit gewinnen nutritive Faktoren immer mehr an Bedeutung für die Schönheitsmedizin.

Die Zukunft der Schönheitsindustrie ist eine Verbindung von gesundheitsfördernden und schönheitsunterstützenden Massnahmen. Die Zukunft der Schönheitsmedizin ist Interdisziplinarität.

Fortschritte in der plastischen Chirurgie

Neue Entwicklungen, Erkenntnisse und technische Innovationen haben auch in der ästhetischen Medizin Eingang gefunden. Am Jahreskongress der SSAAMP 2021, Sektion Medizinische Ästhetik, widmen wir uns diesem Themenkomplex mit Vorträgen aus dem Bereich der invasiven und minimalinvasiven Ästhetik.

Dr. med. Akdogan zeigt in ihrem Referat auf, welche Fortschritte die plastische Chirurgie in den letzten Jahren in Bezug auf neue Operationsmethoden und auch technische Neuerungen gemacht hat.

Massgeblich für schonendere Operationsverfahren sind nicht zuletzt neue Erkenntnisse im Verständnis der komplizierten Gesichtsanatomie. Aber auch verfeinerte Operationstechniken dokumentieren diesen Wandel. Natürlichkeit und Individualität als Ergebnis einer plastischen Operation sind die entscheidenden Erfolgskriterien in der plastischen Chirurgie. Futuristisch mutet der Einsatz eines Laserskalpells an, aber es hat neue Möglichkeiten in Präzision und schonender Behandlung ermöglicht.

Minimalinvasive Behandlungen

Dr. med. Wagener stellt den Wandel bei den minimalinvasiven Behandlungen mit Botolinum und Fillern (Hyaluronsäure) in den Mittelpunkt seines Vortrags. Im Bereich der minimalinvasiven Verfahren ist der Wandel in den letzten 15 bis 20 Jahren sehr augenfällig. Nicht mehr die einzelne Falte zählt, sondern das ganze Gesicht wird analysiert, vermessen und planmässig behandelt. Substanzielle Erkenntnisse im Verständnis der ablaufenden Alterungsprozesse erlauben eine neue Betrachtung und damit Behandlung des alternden Gesichts. Heute spricht man daher von «kompositorischer Gesichtsästhetik».

Silvia Scherrer vertritt und beschreibt in ihrem Referat ein revolutionäres Konzept der Haarkosmetik. Genau genommen geht es um eine neue Art des Haarersatzes. Haarverlust ist mehr als nur weniger Haare zu haben – es führt nicht selten zu seelischen Beeinträchtigungen, egal ob es Mann oder Frau trifft.

Nicht jeder kann und möchte eine Haartransplantation bekommen. Somit sind Alternativen gefragt, wenn Mesotherapie keine Option mehr ist. Die Firma «Hairstetics» hat ein revolutionäres Verfahren für Haarersatz entwickelt. Dieser Methode darf zugetraut werden, ein «Gamechanger» zu werden.

Ethik und Ästhetik
Mit Prof. Dr. Fenner referiert die Titularprofessorin für Philosophie am Departement «Künste, Medien, Philosophie» der Universität Basel im Kontext der Ethik und Ästhetik einer philosophisch-ethnischen Analyse der Argumente, die pro und kontra Verschönerungsmassnahmen sprechen.

Samstag, 13. November 2021 / limitierte Anzahl Besucher
Am Kongress in Zürich kann sich jede interessierte Person anmelden. Die Tagestickets können über www.ssaamp.ch/tickets vorgängig gekauft werden – wir empfehlen eine rasche Buchung, weil wir nur eine limitierte Anzahl Tickets anbieten.

Strategien rund um die Coronadiagnostik

Veröffentlicht am: 25. August 2021
Autor: Dipl. Ing. Otto Knes

Mehr Informationen unter www.ssaamp.ch

Mit der Ferienzeit ist die Anzahl der positiv getesteten Corona-Fälle deutlich angestiegen.

Unter den positiv getesteten sind auch geimpfte Personen zu finden, was wieder die Frage zur Schutzwirkung der Impfung aufwirft, vor allem auch in Hinblick, dass die Delta-Variante derzeit für ca. 98% der Fälle verantwortlich ist.

Der Aktivität des Virus steht die Aktivität unseres Immunsystems gegenüber.

Wie reagiert unser Immunsystem auf die Konfrontation mit dem Virus? Die Frage nach der Art und Menge der gebildeten Antikörper beschäftigt uns in der Routine noch recht wenig, obwohl mittlerweile sehr gute Antikörpertests zur Verfügung stehen. Aus Sicht der Behörden wird  die individuelle Bestimmung von Antikörpern noch nicht empfohlen mit der Begründung, dass man über Ausmass und Dauer der Schutzwirkung noch zu wenig weiss.

Wir kennen von anderen Infektionserkrankungen, dass die Konzentration der gebildeten Antikörper den Nachweis der Immunität darstellt und es einen Titer gibt, auf dessen Basis man eine Aussage über bestehende Immunität, oder Empfehlungen über allfällig weitere Impfungen abgeben kann.

Nicht so bei Corona. Was unabhängig vom vorhandenen Wissen über die Antikörper erstaunt ist, dass es für ein Zertifikat nur ausschlaggebend ist, dass man mit dem richtigen Impfstoff behandelt wurde. Ob als Konsequenz dieser Impfung tatsächlich Antikörper entwickelt wurden, ist nicht von Belang. So werden auch Personen, die auf Basis der Impfung nur unzureichend Antikörper entwickeln – sogenannte Nonresponder – ein Impfzertifikat bekommen, jemand der sich im Ausland mit alternativen Impfstoffen impfen liess ist hierzulande nicht zertifikatswürdig, auch wenn sich daraus ein hervorragender Antikörpertiter entwickelt hat.

Im benachbarten Ausland jedenfalls, akzeptiert man das Vorhandensein neutralisierender Antikörper als Nachweis für den Genesenen-Status.

Was sind nun neutralisierende Antikörper?

Nicht alle Arten von Antikörpern, die vom Immunsystem gebildet werden, wirken auch gegen die Pathogenität des Virus. Im Falle des Coronavirus  sind neutralisierende Antikörper gegen das Spike-Protein des Virus gerichtet und haben eine hemmende Wirkung auf die Bindung der Rezeptor Bindungsdomäne (RBD) des Spike-Proteins von SARS-CoV-2 an den ACE2-Rezeptor. In der Routine werden solche Neutralisationstests wegen der hohen sicherheitstechnischen Anforderungen an das Labor (Viruskultur) kaum eingesetzt, jedoch korreliert das Vorhandensein von Ig-G  Antikörpern gegen das Spike-Protein gut mit der Konzentration von neutralisierenden Antikörpern. Die Bestimmung ist mittlerweile mit quantitativen Assays möglich, sodass sich sehr gut vergleichbare Konzentrationen der Titer angeben lassen. Dieser wird in der WHO – Einheit BAU/ml (BAU, Binding Antibody Units) angegeben und dient der Vergleichbarkeit mit anderen Tests, die ebenfalls dem WHO Standard entsprechen. Neutralisierende Antikörper können sowohl durch eine durchgemachte Infektion, als auch durch eine Impfung erworben werden.

Wie sieht es mit der weiteren Teststrategie aus?

Die Teststrategie für das repetitive Testen in Betrieben wurde vom Bund verlängert, derweilen in Diskussion steht, ob und wie lange das Gratis-Kontingent für Antigen-Schnelltests noch aufrecht gehalten wird.

Als neue Motivation wird aber nun das Selbsttesten mit den bewährten Speicheltests von zu Hause erwogen. Das Vertrauen in die Bevölkerung ist dabei aber nicht allzu gross, daher soll jeder die Abgabe der Speichelprobe per Video dokumentieren. Das Labor soll dann die Verantwortung darüber haben, ob die eingesendete Probe auch wirklich von demjenigen stammt, der vorgibt, den Test eingeschickt zu haben. Neben der Analyse der Proben, werden nun also noch Videos analysiert. Die „zurückhaltende Begeisterung“ der Labore dieser Strategie gegenüber ist verständlich…

Coronadiagnostik wird uns zweifellos noch eine Weile beschäftigen. Derweilen darf der Fokus in der praktischen Arbeit  gerne auch auf die Funktionalität des Immunsystems gerichtet werden. Die Bedeutung von Mikronährstoffen für die Funktion des Immunsystems ist uns wohl bekannt und die Bestimmung von Faktoren wie zum Beispiel  Vitamin D, Selen oder Zink ist vielleicht nicht Rocket Science, aber eine bewährte und in dieser Zeit sehr aktuelle Herangehensweise um dem Patienten zu zeigen, dass er ausser dem Tragen eine Maske auch anderweitig zu seinem Schutz beitragen kann.

Richten wir den Fokus allmählich wieder auf die Frage, wie wir Patienten und Kunden darauf vorbereiten können, einer allfällige Infektion mit einem fitten Immunsystem begegnen zu können.

Metabolomuntersuchungen bei Angst- und Belastungsstörungen nach Pandemien oder weltweiten Krisen

Veröffentlicht am: 5. Mai 2021
Autoren: Prof. Dr. Burkhard Schütz, MSc ETH Michelle Passarge

Pandemien sind nicht nur ein medizinisches Phänomen; sie betreffen den Einzelnen und die Gesellschaft auf vielen Ebenen. Sie verursachen Störungen. Panik und Stress sind mit Ausbrüchen in Verbindung gebracht worden. In dem Maße, wie die Besorgnis über die wahrgenommene Bedrohung wächst, beginnen die Menschen Mehl, Nudeln, Toilettenpapier oder auch Masken und andere medizinische Hilfsgüter zu horten. Darauf folgen oft angstbezogene Verhaltensweisen, Schlaf­störungen und ein insgesamt schlechterer wahrgenommener Gesundheitszustand. Menschen mit psychischen Erkrankungen können besonders anfällig für die Auswirkungen einer weit verbreiteten Panik und Bedrohung sein.

Chronische Krankheiten sind häufig mit psychischen Störungen assoziiert [[1], [2]]. Auch nach Infektio­nen steigen Depressionsraten stark an [[3], [4]]. Obwohl die Auswirkungen der Coronavirus- Pan­demie auf die psychische Gesundheit nicht systematisch untersucht worden sind, wird erwartet, dass COVID-19 nicht zuletzt aufgrund der starken Medienpräsenz über Monate hinweg Folgen haben wird. COVID-19 schürt Angst auf gesellschaftlicher Ebene. Auf individueller Ebene kann sie Angst ver­schlim­mern, zu Stress, Depressionen oder unspezifischen psychischen Problemen führen. Häufig beobachtet werden Stimmungs­pro­bleme, Schlafstörungen und phobie- oder panikähnliche Symptome, die zu einer Zunahme von Hand-, Hautekzemen und Allergien führen [[5], [6]].

Neben gesundheitlichen Problemen als Folge der Pandemie wird auch die stark einbrechende Weltwirtschaft mit steigenden Arbeitslosenzahlen und zahlreichen Firmeninsolvenzen die Gesund­heit der Menschen belasten. Eine Studie von Ioannis Laliotis et al. [7] in „The Lancet Public Health“ untersuchte die gesundheitlichen Folgen der Wirtschaftskrise in Griechenland. Neben einer Zunahme der Gesamtmortalität fällt v.a. eine deutlich steigende Selbstmordrate auf. Menschen berichten von höherem Stress aus Angst vor Entlassungen, Gehaltseinbußen oder Veränderungen im Arbeitsumfeld [8]. Angst und geänderte Arbeitsbedingungen führen nicht selten zu Schlaflosigkeit [9], zu Burnout-Symptomen [10] und einem gehäuften Auftreten von Depressionen [11].

Psychischer Stress ist ein wichtiger Faktor für die Entwicklung eines Reizdarmsyndroms (IBS). Hin­weise aus klinischen und experimentellen Studien zeigen, dass Stress deutliche Auswirkungen auf die Motilität, Sekretion und Permeabilität des Darms hat. Stressinduzierte Einflüsse wirken auf die Darm-Hirn-Achse und verursachen oft eine Zunahme der Beschwerden [12]. Der Einfluss von Stress in Krisen und die sich daraus ergebenen Belastungen haben nicht nur einen Einfluss bei Patienten mit IBS, sie wirken sich auch auf den Verlauf von chronischer Komplexerkrankungen aus, wie z.B. Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa [13].

Befinden wir uns in einer Krise, sei es als Folge der COVID-19 Pandemie oder einer sich daraus ergebenden schweren Finanz- oder Wirtschaftskrise, hat das Folgen für unsere Gesundheit. Haben wir Angst und sind wir gestresst, gerät das sensible Gleichgewicht aus Psyche, Nerven- und Immunsystem durch­einander. Der Mensch wird anfällig für Infektionen, Entzündungen und Allergien. Emotionale Belastung und Stress drücken nicht nur auf das Gemüt, sondern auch auf das Immun­system [14]. Es kommt zu einer anhaltend vermehrten Freisetzung von Cortisol und Katecholaminen mit Folgen für den Organismus. Stress, Burnout oder oft auch Depressionen gehen mit chronisch subklinischen Entzündungen einher, die zu einer Beeinflussung wichtiger Stoffwechselwege führen [15]. Auch das hat erhebliche Auswirkungen und kann Entstehung und Verlauf von Erkrankungen maßgeblich beeinflussen.

Metabolomanalysen – Neue Wege in eine zukunftsweisende Labordiagnostik

Neben klassischen diagnostischen Ansätzen zum Nachweis von akuten oder chronischen Stressbelastungen auf der Basis von Cortisolbestimmungen im Speichel oder Neurotransmitter­nachweisen im Urin, gibt es neue Analyseverfahren, sogenannte Metabolom­analysen, die auf einer hoch modernen Technologie beruhen und völlig neue Einblicke in die komplexe Welt der stress- oder angstbedingten Erkrankungen ermöglichen.

Metabolomanalysen berücksichtigen nicht nur Cortisol im Tagesverlauf oder einige Neurotransmitter, sie erfassen die kompletten Stoffwechselwege mit allen wichtigen Metaboliten, Enzymen und Cofaktoren. Dadurch können Störungen viel präziser lokalisiert und Therapieansätze zielgerichteter und effizienter erfolgen.

Metabolomanalysen (s. Abb. 1) stellen neue Ansätze in der Labordiagnostik dar. Sie setzen moderne Untersuchungsverfahren voraus und basieren meist auf einer LC-Tandem-Massenspektrometrie. Es werden nicht wie bisher Einzelparameter analysiert und anschließend zu kleineren Profilen zusammen­gefasst. Metabolomanalysen ermöglichen eine gleich­zeitige Untersuchung von bis zu 70 Metaboliten oder molekularen Analyten, gleichgültig, ob es sich um Aminosäuren, Peptide, Lipide, Zucker oder organische Säuren handelt. Durch gezielte Kombi­nation von enthalten Analyten lassen sich vollständige Stoffwechselwege abbilden. Ausgehend von z.B. Aminosäuren, können alle daraus entstehenden biologisch aktiven Metaboliten berücksichtigt werden, die an der Regulierung von Immunreaktionen, neuronalen Funktionen oder Entzündungsprozessen beteiligt sind. Durch quantitative Erfassung von abhängigen Metaboliten lassen sich Enzymaktivitäten oder Einflüsse von wichtigen Cofaktoren ableiten. Auf Basis von drei oder vier gemessenen Metaboliten muss nicht wie früher über Folgen spekuliert werden. Mit Hilfe der Meta­bolom­analysen werden Endprodukte der relevanten Stoffwechselwege als Analyten miterfasst, sodass an die Stelle von Vermutungen Fakten treten.

Trotz moderner Messverfahren führen neue diagnostische Ansätze nicht immer zu höheren Preisen: Mit der neuen Metabolomdiagnostik sind Profile, die aus 30 oder mehr Analyten bestehen, deutlich preiswerter zu erbringen als mit konventionellen Einzeluntersuchungen.

Abbildung 1:

Metabolomanalysen: Komplexe Stoffwechselanalysen anstelle von Einzelparameteruntersuchungen.

Beispiel einer Metabolomuntersuchung im Urin über Massenspektrometrie: Mehr als über 70 organische Verbindungen lassen sich identifizieren. (Quelle: Wishart DS. Physiol Rev. 2019;99(4):1819-1875. doi:10.1152/physrev.00035.2018)

Metabolomprofile

Die umfangreichen Metabolomprofile eignen sich im Besonderen für Patienten mit chronischer Stressbelastung, Burnout-Symptomatik, CFS oder auch für depressive Patienten. Es beinhaltet nicht nur die Untersuchung von Katecholaminen und Neurotransmittern, es bietet darüber hinaus einen kompletten Einblick in den Tryptophanstoffwechsel, mit allen wichtigen Metaboliten und Enzymaktivitäten, sowie eine umfangreiche Analyse vieler wichtiger Faktoren, die direkt oder indirekt Einfluss auf die ablaufenden Stoffwechselprozesse nehmen. Enthalten sind folgende Parameter (siehe Abbildung 2):

  • Tryptophan-Stoffwechsel:          Tryptophan
  • Serotonin-Pathway:                     Serotonin
  • Kynurenin-Pathway:                    L-Kynurenin

Kynureninsäure

3-OH-Kynurenin

Quinolinsäure

NAD (Nicotinamid-Adenin-Dinukleotid)

  • Relevante Enzyme:                       IDO (Indolamin-2,3-Dioxigenase)

            KAT (Kynurenin-Oxoglutarat-Transaminase)

            KMO (Kynurenin-Monooxigenase)

  • Immunaktivierung:                       Neopterin (Aktivierung durch proinflammatorische Zytokine)
  • Katecholamin-Stoffwechsel:      Tyrosin

Phenylalanin

Dopamin

Noradrenalin

Adrenalin

  • Weitere Neurotransmitter:       GABA

                                                           Glutamat

  • Wichtige Cofaktoren:                   Vitamin B6 (Cystathionin)

                                                           Vitamin B12 (Methylmalonsäure)

                                                           Vitamin B3 (Nicotinsäure, NAD, Nicotinamid)

                                                           Tetrahydrobiopterin (BH4)

  • Methylgruppen-Donatoren:      SAM

(Methylierungsaktivität)               Betain

                                                           Cholin

  • NO-Stress/Mitochondrien:         Citrullin

                                                           Methylmalonsäure

                                                           Suberinsäure

                                                           Citrat

                                                           Laktat/Pyruvat

  • Fettsäureverbrennung:                L-Carnitin
  • Entzündung/Arteriosklerose:     TMAO, TMA

Abbildung 2:

Zusammenhang zwischen dem Tryptophan- und Katecholaminmetabolismus sowie weiteren Stoffwechselprozessen. Die Graphik veranschaulicht die im Metabolomprofil enthaltenen Parameter. (Quelle: eigene Abbildung)

Metabolomuntersuchungen ermöglichen einen zeit­gleichen Einblick in alle relevanten Ebenen des Stoffwechsels. Sie ermöglichen viel besser eine Klärung von ursäch­lichen Faktoren, als das über Einzelparameteranalysen oder Stufenkonzepte je möglich wäre.

Tryptophanstoffwechsel

Der Tryptophanstoffwechsel hat eine zentrale Bedeutung für die Gesundheit des Menschen. Er reguliert wichtige neurochemische Funktionen und Teile des Immunsystems [16]. Verschiebungen innerhalb des Tryptophanstoffwechsels durch Angst, Stress oder dadurch hervorgerufene subklinische Ent­zündungs­reaktionen können negative Einflüsse auf Krankheitsverläufe und Heilungschancen haben.

Tryptophan (TRP) ist seit Langem als Vorläufer von Serotonin bekannt. Doch unter normalen Umständen werden kaum mehr als 2 – 4 % von TRP in Serotonin umgewandelt. Der weitaus größte Teil wird dem Kynurenin-Stoffwechselweg zugeführt. Es entsteht L- Kynurenin (KYN), ein Metabolit, der v.a. in der Leber weiter zu 3-OH-Kynurenin und Quinolin­säure umgewandelt wird [17]. Aus Quinolinsäure ent­steht NAD, das gebraucht wird für eine effektive Energiegewinnung in den Mitochondrien. Mehr als 90 % des Tryptophans werden in NAD umgewandelt, etwa 4 % auch in Kynureninsäure, ein ebenfalls wichtiger Metabolit, der antientzündlich wirkt, vor oxidativem Stress schützt und v.a. auch neuro­protektive Eigenschaften aufweist [18].

Serotonin ist ein wichtiger inhibitorisch wirkender Neurotransmitter und Vorläufer des Schlafhormons Melatonin. Zur Produktion von Serotonin ist der Körper auf eine ausreichende Versorgung mit Tryptophan angewiesen, das in eiweißhaltiger Nahrung vorkommt [19]. Wichtige Cofaktoren für die Serotoninsynthese sind Vitamine des B-Komplexes, v.a. Vitamin B6 und Folsäure. Einen Einfluss hat auch Niacin. Serotonin wirkt Stress entgegen, reguliert den Blutdruck, die Darmbewegung, wirkt entspannend, stimmungsaufhellend, schlafregulierend, angstlösend, antidepressiv und hat einen positiven Einfluss auf viele Gehirnleistungen [[20], [21]].

Folgen von Angst und anhaltenden Belastungen für Tryptophanmetabolismus und Menschen

Der TRP-Stoffwechsel kann die Physiologie des Körpers auf verschiedenen Ebenen beeinflussen und tief in funktionelle Prozesse eingreifen. Störungen und Dysbalancen sind mit zahlreichen Er­kran­kungen assoziiert. Eine entsprechende Regulierung ist daher Grundlage für effektive Therapieansätze.

Angst führt zu Stress und der ist Ursache für eine vermehrte Freisetzung von inflammatorischen Zytokinen (z.B. IFN-α, -ß, -γ, TNF-α, IL-6), die über Enzymakti­vierungen in Immunzellen eine erheb­liche Beeinflussung des Tryptophanstoffwechsels hervorrufen [22]. Aktiviert werden dabei v.a. die Enzyme IDO und KMO, wodurch wesentlich mehr TRP über den KYN-Pfad abgebaut wird und folglich nicht mehr für die Serotoninsynthese zur Verfügung steht. Es kommt zu einer vermehrten Produktion von Quinolinsäure, die, anders als in der Leber, in Immunzellen nicht weiter in NAD umgewandelt wer­den kann. Sie reichert sich im Kreislauf an und wird über die Nieren ausgeschieden [23]. Ansteigende Quinolinsäurespiegel wirken sich negativ aus, denn Quinolinsäure wirkt neurotoxisch, entzündungs­fördernd und prooxidativ [24]. Durch Anreicherung von Quinolinsäure werden neuro­nale Störungen begünstigt und die Blut-Hirn-Schranke geschädigt. Da Quinolinsäure in Immunzellen aber nicht in NAD umgewandelt werden kann, sinken die NAD-Mengen dramatisch, um mehr als 90 %. Dies bleibt für die Mito­chondrien nicht folgenlos. Es fehlt ein wichtiger Cofaktor und damit letztlich Energie!

Stress ausgelöst durch Belastungs­situatio­nen kann somit über den TRP-Stoffwechsel psychische Erkrankungen hervorrufen [25]. Auch eine schwere Depression kann mit Verschiebungen im TRP-Stoffwechsel assoziiert sein [26]. Ein Ungleichgewicht von neurotoxischen und neuroprotektiven Kynurenin-Metaboliten ist charakteri­stisch für solche Fälle [27]. So werden bei Patienten mit schweren Depressionen oft erhöhte Konzen­trationen an Kynurenin, 3-OH-Kynurenin und Quinolinsäure gefunden, sowie erniedrigte Kynurenin­säure- und vor allem niedrige NAD-Spiegel. Es ist nicht verwunderlich, dass aufgrund des NAD-Mangels oft eine deutliche Beeinträchtigung der Zellatmung beobachtet wird [28]. Mitochondrien-Untersuchungen, wie der bioenergetische Gesundheitsindex, zeigen eine abfallende Maximalatmung. Es ist also nicht mehr möglich durch Steigerung der Zellatmung eine wachsende Energieanforderung zu kompensieren. Betroffene werden kraft- und energielos.

Durch die entzündungsbedingte Verschiebung im Tryptophanstoffwechsel fehlt es nicht nur an NAD, es wird auch deutlich weniger Tryptophan in Serotonin und Kynureninsäure umgewandelt, ihre Menge geht um 50 – 70 % zurück, mit negativen Folgen für den Betroffenen [29]. Ein Abfall der Serotoninbildung im ZNS wirkt sich negativ auf die Stimmung der Menschen aus. Beeinträchtigungen des Gefühlslebens, bis hin zu Depressionen können die Folge sein [30]. Auch die Lern- und Konzentrationsfähigkeit nimmt ab [20]. Da mit sinkenden Serotoninspiegeln auch weniger Melatonin gebildet wird, sind Schlafstörungen die Folge [31]. Der Schlaf-Wach-Rhythmus wird mehr und mehr gestört, mit allen sich daraus ergebenden Konsequenzen.

Serotonin und Kynureninsäure sind auch von eminenter Bedeutung für die Steuerung von Darmfunktionen [21]. Angst- und stressinduzierte Veränderungen im TRP-Stoffwechsel gehen daher regelmäßig mit einer deutlichen Zunahme von Reizdarmsyndromen einher, geprägt durch Diarrhö, Obstipation oder einer be­gleitenden Schmerz­symptomatik [[32], [33]].

Um diese vielfältigen Beschwerden erfolgreich behandeln zu können, muss man ihre Ursachen kennen. Dazu braucht es einen umfangreichen Einblick in den gesamten Tryptophanmetabolismus und damit assoziierte Stoffwechselsysteme.

Katecholamine und Aminosäuren

Die essentielle Aminosäure Phenylalanin ist Ausgangspunkt der Katecholaminsynthese. Unter Einfluss der Cofaktoren Tetrahydrobiopterin (BH4) und Eisen wird Phenylalanin durch Hydroxylierung in Tyrosin umgewandelt, das weiter über L-DOPA in Dopamin metabolisiert wird (s. Abb. 3). Hieraus wird ersichtlich, dass für die Bildung der Katecholamine auch die Aminosäure Tyrosin verwendet werden kann. Phenylalanin ist damit teilweise, aber nicht vollständig durch Tyrosin ersetzbar.

Die Katecholamine Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin, die Pulsfrequenz, Herzminutenvolumen und Blutdruck regulieren, werden binnen Sekun­den nach einem Stress­ereignis freigesetzt und, anders als Cortisol, vom Körper sehr schnell wieder ab­gebaut. Ihre Halbwerts­zeit liegt nur bei wenigen Minuten. Unter Stress sind die Katechol­aminspiegel oft erhöht [34]. Ist der Patient jedoch einer lang andauernden mas­siven Stresseinwirkung ausgesetzt, leidet er bereits an einem Burnout-Syndrom oder an einem CFS, dann liegen die Messergebnisse oft unterhalb der Norm. Die Produktion an Botenstoffen in Nebenniere und Neu­ronen hat sich über die lange Stressdauer erschöpft.

Abbildung 3:

Katecholaminmetabolismus mit relevanten Cofaktoren. (Quelle: eigene Abbildung)

Neurotransmitter

Die Konzen­trationen der Neurotransmitter Glutamat und GABA liegen etwa 1000-fach höher als die Konzentrationen von Noradrena­lin oder Dopamin. Glutamat wirkt u.a. fördernd auf Motorik, Lernen und Gedächtnis [35]. GABA stabilisiert den Blutdruck, reguliert den Appetit, wirkt angstlösend und schlaffördernd.

Wichtige Cofaktoren

Vitamin B6 ist ein wichtiger Cofaktor im Rahmen der Neurotransmittersynthese und des TRP­Stoffwechsels. Fehlt das Vitamin, kann L-DOPA nicht in Dopamin und Noradrenalin nicht in Adrenalin umgewandelt werden. Im Tryptophanstoffwechsel benötigen die Metabolisierungsschritte von 5-HTP zu Serotonin, von Kynurenin zu Kynureninsäure und von 3-OH-Kynurenin zu Quinolinsäure Vitamin B6 als Cofaktor [36]. Im Profil enthalten ist nicht Vitamin B6 sondern Cystathionin, ein funktioneller Marker für die Versorgung mit bioaktivem Vitamin B6 [37].

Vitamin B12 ist ein Cofaktor der Methyltransferase, die für die Umwandlung von Noradrenalin in Adrenalin verantwortlich ist. Auch Vitamin B12 wird nicht direkt gemessen, sondern Methylmalonsäure, einer der sensibelsten Marker für einen präklinischen Vitamin B12-Mangel [38].

Vitamin B3 hat Einfluss auf den Kynurenin-Stoffwechselweg. Eine gute Versorgung mit Niacin führt zu einer Herunterregulierung der Kynureninsynthese [39]. Im Profil enthalten ist aber nicht nur die Bestimmung von Niacin, sondern auch von Nicotinamid und NAD. Nicotinamid wird vor allem über die Nahrung zugeführt. Das aus Quinolinsäure gebildete NAD hingegen stammt aus dem TRP-Metabo­lismus und ist unabdingbar für eine ausreichende ATP-Produktion in den Mitochondrien [28].

Tetrahydrobiopterin (BH4) ist ein wichtiger Cofaktor im menschlichen Stoffwechsel. Die wichtigsten Reaktionen, bei denen BH4 als Cofaktor auftritt, sind in Abbildung 4 wiedergegeben. Die Stoffwechselreaktionen beinhalten Kate­chol­amin– und Serotoninsynthese, sowie die Umwandlung von Arginin in Stickstoffmonoxid (NO) und Citrullin. Fehlt BH4 hemmt das die ablaufenden enzymatischen Prozesse.

  • Umbau von Phenylalanin è Tyrosin                     (Enzym: Phenylalanin-Hydroxylase)
  • Umwandlung von Tyrosin è L-DOPA                    (Enzym: Tyrosin-Hydroxylase)
  • Umwandlung von Arginin è NO + Citrullin         (Enzym: NO-Synthase)
  • Oxidation von Tryptophan è 5-HTP                      (Enzym: Tryptophan-Hydroxylase)

Abbildung 4:

Tetrahydrobiopterin (BH4) als Cofaktor wichtiger Stoffwechselwege, wie Serotonin-, Dopamin- und NO-Synthese.

GTP-CH1: Guanosintriphosphat-Cyclohydrolase-1; BH4: Tetrahydrobiopterin; BH2: Biopterin. (Quelle: modifiziert nach [40])

Methylgruppendonatoren

Unter Methylierung versteht man die Übertragung von Methylgruppen innerhalb einer chemischen Reaktion von einem Molekül auf ein anderes. S-Adenosylmethionin (SAM) stellt einen der wichtig­sten Methyl­gruppen­donatoren bei Entgiftungs- und Synthesereaktionen dar [41]. So stammen z.B. die Methylgruppen des Adrenalins hauptsächlich von SAM. Andere wichtige Methylgruppendonatoren sind Betain und Cholin. Sind Methylgruppendonatoren nicht in ausreichender Menge vorhanden, hat das Folgen für die Adrenalinsynthese und die Spiegel sinken.

Methylierungen betreffen auch DNA, RNA, Proteine und Lipide. DNA-Methylierungen haben bedeutende biologische Funktionen. Sie tragen zur Entgiftung von Homocystein oder Histamin bei, sind Teil des epigenetischen Codes und stellen den wichtigsten Einflussfaktor für epigenetische Veränderungen dar (s. Abb. 5) [42].

Abbildung 5:

Methylierungszyklus und seine Anbindung an Folsäure-, BH4 und Harnstoffzyklus.

NO-Stress und mitochondriale Funktionsmarker             

Entzündungen ausgelöst durch Angst oder chronischen Stress beeinflussen über eine Fehlleitung des TRP-Stoffwechsels und BH4-Zyklus die Serotonin- und Katecholaminsynthese [21]. Aus einem erhöhten Ver­brauch von Neurotransmittern durch Stress und einer gestörte Neusynthese resultiert eine zunehmende Depletion der Neuronen. Der Mensch fühlt sich ausgebrannt, müde und kraftlos.

Will man den Einfluss von chronischem Stress und einer daraus entstehenden Silent Inflammation auf die Gesundheit des Menschen verstehen und gezielte Maßnahmen ergreifen, um den Patienten zu helfen, reicht es nicht, den Katecholamin- und Tryptophanstoffwechsel zu untersuchen, es müssen auch erste mitochondriale Marker mit einbezogen werden, die eine ergänzende Aussage zur Mitochondrienfunktion ermöglichen. Auch diese sind in der Metabolomanalyse enthalten.

Abbildung 6:

Umwandlung von Arginin und O2 über NO-Synthasen in Stickstoffmonoxid (NO) und Citrullin. Weitere Metabolisierung in u.a. Peroxinitrit und 3-Nitrotyrosin. (Quelle: eigene Abbildung)

Citrullin und Citrat lassen Rückschlüsse auf nitrosativen Stress zu. Ein Anstieg von Citrullin spricht für eine erhöhte NO-Synthese aus Arginin (s. Abb. 6), steigende Citrat-Werte hingegen lassen auf eine mitochondriale Fehlfunktion schließen. Durch die Affinität von NO zu Fe-haltigen Enzymen wird die Aconitase im Zitratzyklus gehemmt. Der weitere Umbau von Citrat zu Isocitrat ist damit gestört. Methylmalon­säure ist ein funktioneller Marker für einen Mangel an Vitamin B12, das als NO-Gegenspieler im­stande ist, die Blockade Fe-haltiger Enzyme durch NO zu lösen [38].

Auch die im Profil enthaltenen organischen Säuren Laktat und Pyruvat lassen mitochondriale Störungen erkennen. Kommt es durch Ernährungsfaktoren zusätzlich zu einem Mangel an L-Carnitin, können langkettige Fettsäuren aus der ß-Oxidation nicht mehr der mito­chon­drialen Energie­gewinnung zugeführt werden [43]. L-Carnitin versorgt die Mitochondrien mit Brenn­stoffen, indem es Fettsäuren vom Cytosol in die Mitochondrien transportiert. Ein Mangel an L-Carnitin kann also Energiedefizite und damit verbundene Symptome verstärken [44]. Bei einer Störung der ß-Oxidation oder fehlendem L-Carnitin werden Fettsäuren alternativ durch w-Oxidation zu mittelkettigen Dicarbon­säuren abgebaut, die im Urin ausgeschieden werden. Hierzu gehört z.B. die Suberinsäure. Ein Anstieg dieses Markers im Profil weist also auf o.g. Störungen hin [45].

TMAO (Trimethylamin-N-Oxid)                

Bestimmte Darmbakterien sind imstande Cholin, Betain oder L-Carnitin so zu metabolisieren, dass daraus TMA (Trimethylamin) entsteht, das in der Leber weiter zu TMAO abgebaut wird (s. Abb. 7) [[46], [47]]. TMAO wird mit Entzündungen, Arteriosklerose und im weiteren Sinne mit kardiovaskulären Erkrankungen in Verbindung gebracht [[48], [49]]. Mit in das Profil aufgenommen wurde TMAO vor allem wegen seiner entzündungsfördernden Eigenschaften, die über eine vermehrte Freisetzung proinflammatorischer Zytokine den Tryptophanstoffwechsel beeinflussen. Serotonin- und NAD-Synthese werden gehemmt. Gleichzeitig wird über eine Beeinträchtigung des BH4-Zyklus auch die Katecholaminbildung gestört. Eine angst- und stressinduzierte subklinische Entzündung kann durch begleitende Faktoren verstärkt werden. Veränderungen des Darmmikrobioms stellen hierbei einen wichtigen und vor allem häufigen Faktor dar.

Abbildung 7:

Bildung von TMAO. Cholin, Betain und L-Carnitin aus verschiedenen Nahrungsmitteln werden im Darm enzymatisch durch einige Bakterien zu TMA und in der Leber weiter zu TMAO umgewandelt. TMAO wird in Zusammenhang mit Entzündungen, Arteriosklerose / kardiovaskulären Erkrankungen gebracht. (Quelle: modifiziert nach M. H. Janeiro et al., 2018 [50])

Literaturangaben:

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Makuladegeneration

Veröffentlicht am: 23. Februar 2021
Autor: Sybille Binder
dipl. Ernährungsberaterin FH, dipl. Vitalstofftherapeutin

Das Auge hat Hunger nach – oder das Auge isst mit

Diese Aussage meint nicht die Schönheit einer Mahlzeit, sondern will aufzeigen, dass das, was wir essen, schlussendlich auch das Auge ernährt und mithilft, die Sehschärfe zu fördern – sie aber auch stören kann!

Die Makuladegeneration betrifft nicht mehr nur sehr alte, sondern auch immer jüngere Menschen unter 60 Jahren. Neben genetischer Disposition sind es vor allem oxidativer Stress und stille Entzündungen, die bis hin zu mitochondrialen Störungen führen können.
Immer klarer wird dabei der Zusammenhang mit Ernährungsfaktoren.

Wie ist das Auge aufgebaut?

Augen haben einen komplexen Aufbau; sie bestehen aus verschiedenen Gewebezellen. Die Zellen sind umgeben von Salzlösungen – elektrische Ladungen und biochemischer Austausch von Stoffen führen dazu, dass wir sehen können und uns ein Bild unserer Umgebung machen können.
Das Innere des Auges, das Kammerwasser, ist von ähnlicher Konsistenz wie Blutserum, jedoch farblos, denn es enthält weniger Protein und kein Bilirubin. Es besteht zu 98 % aus Wasser, in welchem vor allem Aminosäuren (aus den Ziliarmuskeln), Elektrolyte, Ascorbinsäure, Milchsäure, Glutathion und Immunglobulin G sowie Spuren von Wasserstoffperoxid zu finden sind.
Alle diese Stoffe kommen aus der Ernährung.

Welche Ursachen gibt es für eine Makuladegeneration?

Ablagerungen unter der Netzhaut führen zu einer verminderten Sehschärfe.
Gründe für diese Ablagerungen sind vielfältig. Es werden heute aber vor allem stille Entzündungen, eine Verschiebung des Säure-Basen-Haushalts sowie auch eine Entgleisung des Darmmikrobioms für die Degeneration des Auges verantwortlich gemacht.  
Aber auch verschiedene Makro- und Mikronährstoffe wirken auf das Auge ein.

Die Ernährung kann präventiv oder therapeutisch eingesetzt werden und zeigt sehr gute Resultate.  Dabei werden bessere Ergebnisse erzielt, wenn die Diagnose vor nicht zu langer Zeit gestellt wurde.

Welche Ernährungsfaktoren greifen besonders?

  • Genussmittel wie Kaffee, Alkohol und Zucker nicht täglich geniessen.
  • Täglich in zwei Mahlzeiten pflanzliche Nahrungsmittel wie Gemüse, Salat, Obst und Kräuter geniessen.
  • Antientzündliche Gewürze wie Kurkuma, Ingwer, mediterrane Kräuter wie Thymian und Oregano in die Küche bringen.
  • Antioxidantienreiche Nahrungsmittel: Karotinreich sind orange und rote Gemüse und Früchte wie Kürbis, Süsskartoffeln, Karotten, Rande, Brombeeren, Himbeeren und Cassis.
  • Trauben, vor allem aber Traubenkernextrakt sind sehr wichtige Antioxidantien.
  • Lutein und Zeaxantin – zu finden in Tomaten (besser in Form von Sugo oder Mark als roh) und in Blaualgen – als Supplemente nutzen.
  • Fetten Fisch einbauen.
  • Vitamin-E-reiche Nahrungsmittel wie Nüsse und Samen ergänzen.

Wirkt eine vegetarische Ernährung erfolgreicher gegen Makuladegeneration?

Das kann nicht generell mit Ja beantwortet werden.
Eine vegetarische Ernährung ist reicher an schützenden pflanzlichen Nahrungsmitteln. Fleisch ist dann ungünstig, wenn es zu häufig auf den Tisch kommt. Aber dies ist erst ein Problem, wenn wir täglich Fleisch geniessen. Es ist wichtig, fetten Fisch, der reich ist an Omega 3 FS, in die Ernährung mit einzubeziehen. Darum: ein- bis zweimal fetten Fisch pro Woche geniessen.

Können Supplemente hilfreich sein?

Nahrungsergänzungen können eine ausgewogene Ernährung nicht ersetzen. Sie sind therapeutisch jedoch sehr hilfreich.
Folgende Mikronährstoffe sind wissenschaftlich bei Makuladegeneration sehr gut erforscht:

Selen, Zink, Q10, Omega 3 FS, Alpha Liponsäure, Traubenkernextrakt , Quercentin, Beta Caroten, Lutein, Zeaxanthin

Hinweis auf die SSAAMP-Fortbildung:
23. September 2021, Augen/Makuladegeneration mit Prof Dr Ute Wolf /Sybille Binder

Studien

Age-Related Eye Disease Study 2 Research Group. Lutein + Zeaxanthin and Omega-3 Fatty Acids for Age-Related Macular Degeneration. The Age-Related Eye Disease Study 2 (AREDS2) Randomized Clinical Trial. JAMA 2013;309(19):2005–2015. doi:10.1001/jama.2013.4997

Merle BM, Delyfer MN, Korobelnik JF, et al. High concentrations of plasma n3 fatty acids are associated with decreased risk for late age-related macular degeneration. J Nutr. 2013;143(4):505–11

The Role of Diet, Micronutrients and the Gut Microbiota in Age-Related Macular Degeneration: New Perspectives from the Gut-Retina Axis.

Rinninella E, Mele MC, Merendino N, Cintoni M, Anselmi G, Caporossi A, Gasbarrini A, Minnella AM. Nutrients. 2018 Nov 5;10(11):1677. doi: 10.3390/nu10111677.

Die Wechseljahre im Auge

Veröffentlicht am: 9. Februar 2021
Autor: Prof. Dr. med. Petra Stute
Stv. Chefärztin Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin, Frauenklinik Inselspital Bern

Hintergrund

Das Licht durchdringt den optischen Apparat (= Hornhaut, Kammerwasser, Linse und Glaskörper) und trifft dann auf die Netzhaut mit den Photosensoren. Alle Bestandteile des Auges können von den Wechseljahren betroffen sein.

Erkrankung der Linse: Grauer Star (Katarakt)

Der Graue Start ist weltweit die Hauptursache von Erblindung. Er tritt meist bilateral auf. Frauen sind häufiger als Männer betroffen (Prävalenz im 65.-74. Lebensjahr: w (25%) > m (14-20%)). Risikofaktoren sind u.a. Alter, Nikotin und Alkohol, Sonnenlicht, niedriger Bildungsgrad, Metabolisches Syndrom und Diabetes mellitus, (systemische/topische) Glukokortikoide, Augentrauma, -bestrahlung, Uveitis und Skleritis. Schutzfaktoren sind frühe Menarche und späte Menopause. Eine populationsbasierte Prävalenzstudie an 1239 US-Amerikanischen Frauen im Alter von 65-84 Jahren zeigte protektive Effekte durch eine derzeitige Hormonersatztherapie (HRT) (OR 0.5, 95% KI 0.3-0.7) (Freeman EE et al., Arch Ophthalmol 2001). Die Blue Mountains Eye Studie untersuchte 2072 Frauen ≥ 49 Jahren, von denen 1343 nach 5 Jahren nochmal untersucht wurden. Für Frauen, die jemals eine HRT angewandt hatten, war das Risiko für einen Katarakt niedriger als für Nie-HRT-Anwenderinnen (OR 0.7, 95% KI 0.4-1.0) (Younan C et al., Am J Epidemiol 2002).

Erkrankung der lakrimalen Funktionseinheit: Trockenes Auge (Keratokonjunktivitis sicca)

Die lakrimale Funktionseinheit besteht aus Tränendrüse, Augenlider und Kornea. Ihre Störung kann sich als Trockenes Auge äussern. Frauen sind häufiger als Männer betroffen (Prävalenz ≥ 50. Lebensjahr 5-30%). Zu den Risikofaktoren zählen u.a. Alter, weibliches Geschlecht, Kontaktlinsen, trockene Umgebung, Augenoperation, Hormonmangel (v.a. Androgene), Mikronährstoffmangel (z.B. Vitamin A), systemische Erkrankung (Diabetes mellitus, M. Parkinson) und Medikamente (Antihistaminika, Anticholinergika, Östrogene, Isotretinoin). Das Sjögren Syndrom ist eine systemische Autoimmun-Exokrinopathie mit inflammatorischer Infiltration der Tränendrüsen, welche eine Tränenhyposekretion zur Folge hat. Symptome des Trockenen Auges sind Trockenheit, Brennen, Fremdkörpergefühl, rote Augen, Dauertränen, Lichtempfindlichkeit und verschwommenes Sehen. Eine konventionelle Östrogen-Gestagen-HRT kann die Entwicklung eines Trockenen Auges begünstigen (Schaumberg DA et al., JAMA 2001; Erdem U et al., Maturitas 2007). Dagegen reduzieren (systemische, lokale) Androgene die Symptomatik (Golebiowski B et al., Br J Ophthalmol 2017).

Veränderung des Augeninnendrucks: Grüner Star (Glaukom)

Die Form des Augapfels wird durch die Hüllen (Skleren) und einen gegenüber der Umgebung erhöhten Augeninnendruck (10-21 mmHg) gewährleistet. Für die Konstanz des Augeninnendrucks ist das Gleichgewicht zwischen Produktion und Abfluss des Kammerwassers entscheidend. Das Glaukom ist eine optische Neuropathie, d.h. eine Augenerkrankung unterschiedlicher Ursache, die einen Verlust von Nervenfasern zur Folge hat.

Ursache ist ein Missverhältnis von Augeninnendruck und Durchblutung des Sehnervs. Somit können alle Bedingungen, die einerseits zu einem erhöhten Augeninnendruck oder andererseits zu einem verminderten Perfusionsdruck im Sehnervenkopf beitragen, ein Glaukom verursachen. Die Prävalenz beträgt 3.5% weltweit (m > w). Das primäre Offenwinkelglaukom ist eine durch degenerative Veränderungen entstehende Abflussbehinderung im Kammerwinkel. Eine frühe Menarche und späte Menopause reduzieren das Risiko für ein Offenwinkelglaukom (Lee AJ et al., Br J Ophthalmol 2003; Pasquale LR et al., J Glaucoma 2007). Eine HRT verbessert die Augendurchblutung (Battaglia C et al., Menopause 2004). Die Studienlage zum Einfluss einer HRT auf das Risiko für ein Offenwinkelglaukom ist heterogen (Zetterberg M, Maturitas 2016). Eine reine Östrogentherapie reduziert den Augeninnendruck, wohingegen eine Östrogen-Gestagen-HRT oder Tibolon keinen Effekt haben (Uncu G et al., Gyn Endocrinol 2006).

Erkrankung der Retina: Makuladegeneration

Die Retina kleidet fast die ganze Bulbusinnenseite aus. In der Retina befinden sich die Photorezeptoren, Zapfen und Stäbchen. Diese bestehen aus einem lichtsensitiven Aussenglied, das über ein Übergangsstück mit dem Innenglied verbunden ist. In die ca. 800 Membranscheibchen des Stäbchenaussengliedes und in die kammerförmig eingefaltete Plasmamembran der Zapfenaussenglieder sind die Sehfarbstoffe eingelagert. Die Aussenglieder werden laufend dadurch regeneriert, dass alte Membranscheibchen an der Spitze abgestossen und neue vom Innenglied nachgeschoben werden. Die abgestossenen Scheibchen werden vom Pigmentepithel phagozytiert, die Stäbchen morgens und die Zapfen abends. Störungen dieser Phagozytose können zu Makuladystrophie oder –degeneration mit fortschreitendem Sehverlust führen. Die Makuladegeneration umfasst eine Gruppe von Retinaerkrankungen, die die Macula betreffen. Bestandteil der Macula ist der „Punkt des schärfsten Sehens“ (Fovea centralis), dessen unterschiedliche Zellen einem allmählichen Funktionsverlust erliegen. Folge ist das Nachlassen der zentralen Sehschärfe. Die Makuladegeneration ist der häufigste Grund für Erblindung bei Menschen 50+ in Industrieländern. Man unterscheidet eine trockene (80%) und feuchte (exsudative) Form. Eine frühe Menarche und späte Menopause sind protektiv. Mehrheitlich wird ein schützender Effekt durch hormonale Kontrazeptiva und HRT beschrieben (Zetterberg M, Maturitas 2016).

Dringender Appell von Schweizer Ärzten zu Vitamin D

Veröffentlicht am: 2. Februar 2021
Autor: Dr. Simon Feldhaus und Dr. med. Volker Schmiedel

Mit Unterstützung der SSAAMP möchten wir folgenden Appell in Bezug auf die Nutzung von Vitamin D stellen:

Was würden Politiker, Wissenschaftler, Journalisten, Ärzte und die Bevölkerung wohl sagen, wenn es ein Medikament gäbe, welches

– die Rate der positiven Corona-Teste wahrscheinlich halbieren

– die Schwere der Verläufe vermutlich erheblich vermindern

– die Rate der Intensivpflichtigkeit bei stationären Patienten von 50 auf 2 % senken

– und die Sterblichkeit bei Hoch-Risiko-Patienten von über 50 auf unter 20 % reduzieren könnte?

Würden wir nicht alle eine Notfall-Zulassung dieses Medikaments fordern, so wie dies bei Impfungen schon erfolgte (z.B. UK, USA) bzw. in einigen anderen europäischen Ländern verlangt wurde? Würden wir nicht die gesamte Bevölkerung präventiv mit diesem Wundermittel versorgen, mindestens aber die Hoch-Risiko-Gruppen? Würden wir nicht bei eingetretener Krankheit, spätestens aber bei stationärem und allerspätestens bei Verlegung auf die Intensivstation hohe Dosen dieses Medikaments geben wollen?

Dabei ist dies gar nicht erforderlich, denn dieses Medikament ist bereits zugelassen, es ist preiswert, rezeptfrei (ausser bei hohen Dosierungen) und nahezu nebenwirkungsfrei!

Es heisst: VITAMIN D

Die Bedeutung von Vitamin D für das Immunsystem und für das Risiko von viralen Infektionen ist seit langem bekannt und dennoch vor allem in der Gesundheitspolitik nicht beachtet:

2016 erforschte das RKI die Häufigkeit von Vitamin D-Mangel bei deutschen Erwachsenen. Danach befinden sich 61,5 % im Vitamin D-Mangel (< 50 nmol/l), 30,2 % weisen sogar einen schweren Vitamin D-Mangel (< 30 nmol/l) auf. Dabei gibt es erhebliche saisonale Unterschiede. Während im Sommer „nur“ etwa 10 % einen schweren Mangel aufweisen, sind es im Winter mehr als 50 %. Sogar über 80 % der Erwachsenen haben einen „normalen“ Vitamin D-Mangel (Rabenberg et al., 2016). In der Schweiz dürften die Zahlen aufgrund der südlicheren Lage etwas, aber nicht wesentlich besser ausfallen.

Ab. 5: Jahreszeitliche Häufigkeit von Vitamin D-Mangel bei deutschen Erwachsenen

Gibt es ein erhöhtes Risiko für Atemwegserkrankungen im Vitamin D-Mangel?

Eine Meta-Analyse beantwortet diese Frage eindeutig. In der Gruppe mit niedrigen Vitamin D-Spiegeln gab es 83 % mehr Atemwegsinfekte. Bei niedrigen Vitamin D-Spiegeln wurde eine Verdreifachung der Sterblichkeit an Atemwegsinfekten gefunden. Der Anstieg der Risiken war dabei nicht linear, sondern mit sinkenden Vitamin D-Spiegeln wurde ein exponentieller Anstieg gefunden. Unterhalb eines Spiegels von 37,5 nmol/l fand sich der steilste Anstieg des Risikos (Pham et al.,  2019). Wir erinnern uns: Ca. 30 % der Erwachsenen haben einen Spiegel unter 30 nmol/l, im Winter sind es hingegen mehr als 50 %.

Es existiert noch eine Meta-Analyse mit sogar 25 interventionellen  Studien, die allerdings eine große Heterogenität aufweisen. Die täglich eingesetzten Dosen lagen zwischen (vermutlich viel zu geringen) 400 IE und 4000 IE täglich. Es gab Studien mit seltenen Bolus-Gaben, wobei es auch sehr unterschiedliche Therapiestrategien gab, von einmalig 200.000 IE bis zu 20.000 IE als wöchentliche Gabe. Alle Studien zusammengenommen fand sich eine Verminderung von Atemwegsinfekten um 12 %. In Studien mit seltenen, hohen Dosen fand sich aber nur eine nicht-signifikante Reduktion um 3 %, während bei den täglichen Gaben 19 % weniger Infekte auftraten. In einer Subgruppenanalyse profitierten die Menschen mit niedrigen Spiegeln unter 25 nmol/l am meisten. Mit 42 % weniger Infekten kam es hier fast zu einer Halbierung der Infekte (Martineau et al., 2017).

Wie schaut die Datenlage nun bezüglich Vitamin D und Corona aus?

Bei ca. 190.000 US-Amerikanern, bei denen der Corona-Test-Status und der Vitamin D-Spiegel bekannt waren, wurden diese miteinander korreliert. Dabei zeigte sich, dass die relative Positiven-Rate umso weiter absank, je höher der Vitamin D-Spiegel lag (siehe Abb. 5). Während bei niedrigen Spiegeln etwa 12-13 % Positive gefunden wurden, waren dies bei hohen Spiegeln nur etwa 6-7 %, die Rate war also halbiert, wobei bei Vitamin D-Spiegeln zwischen 40 und 60 ng/ml (=100-150 nmol/l) ein horizontales Niveau erreicht zu sein schien (Kaufman et al., 2020).

Abb. 5: Corona-Test-Positivenrate und Vitamin D-Spiegel

Schützen gute Spiegel auch noch, wenn bereits eine Covid-19-Erkrankung eingetreten ist?

Hierzu wurden bei 185 Patienten eines Gesundheitszentrums der Vitamin D-Spiegel gemessen und überprüft, wie viele der Patienten intensivpflichtig wurden oder starben, wobei die Patienten mit einem Spiegel < 12 oder > 12 ng/ml (< oder > 30 nmol/l) unterschieden wurden. Lag der Vitamin D-Spiegel bei unter 12 ng/ml war der kombinierte Endpunkt (Intensivpflichtigkeit allein wurde nicht berechnet) um mehr als das 7fache erhöht. Die Mortalitätsrate war bei Vitamin D-Mangel sogar fast auf das 15fache erhöht (siehe Abb. 6). Schwerer Vitamin D-Mangel erhöht also die Wahrscheinlichkeit, intensivpflichtig zu werden oder sogar zu sterben, ganz massiv (Radujkovic et al., 2020).

Abb. 6: Überlebenswahrscheinlichkeit bei Covid-19 in Abhängigkeit vom Vitamin D-Spiegel

In einer anderen Studie wurden 80 Patienten, die sich bereits auf der Intensivstation befanden, in zwei Gruppen eingeteilt: > oder < 20 ng/ml (50 nmol/l). Nach Adjustierung von Alter, Geschlecht, Übergewicht, Herz- und Nierenerkrankungen (Risikofaktoren für schwere Verläufe) blieb noch ein 3,2fach erhöhtes Risiko für schwere Verläufe in der Gruppe mit dem Vitamin D-Mangel übrig (Macaya et al., 2020).

Interventionsstudien zu Vitamin D bei Covid-19

Die vorgestellten epidemiologischen Studien liefern überzeugende Hinweise auf einen Nutzen von Vitamin D bezüglich Infektionsrate, Schwere der Erkrankung, Intensivpflichtigkeit und Mortalität bei Covid-19, sind aber nicht beweisend. Hierzu bedarf es Interventionsstudien, von denen es bisher nur wenige gibt. In einer spanischen Studie erhielten Patienten, die mit Covid-19 stationär aufgenommen wurden, Vitamin D oder nicht. Die Patienten der Vitamin D-Gruppe erhielten bei Aufnahme 20.000 IE Calcifediol (entsprechend ca. 60.000 IE Vitamin D3) sowie an den Tagen 3, 7 und dann wöchentlich 10.000 IE Calcifediol (entsprechend ca. 30.000 IE Vitamin D3). Harte Endpunkte waren Intensivpflichtigkeit oder Tod. Während ohne Vitamin D 50 % der Patienten auf die Intensivstation verlegt werden mussten und 15 % starben, waren dies unter Vitamin D nur 2 %, keiner starb. Kritisch an der Studie ist zu bewerten, dass es kein Placebo in der Kontrollgruppe gab, nicht das „normale“ Vitamin D, sondern nur  ein ähnliches verwendet wurde und dass die Gruppen leider inhomogen zusammengesetzt waren. In der Gruppe ohne Vitamin D gab es mehr Diabetiker und Hypertoniker, was beides ein höheres Risiko bedeutet. Dafür gab es in der Vitamin D-Gruppe aber mehr Ältere und Patienten mit immunsuppressiven Medikamenten, was beides das Risiko auch erhöht (Castillo et al., 2020). Die Risikokonstellationen dürften sich daher vermutlich die Waage halten. Aber es müssten jetzt dringend größere Studien durchgeführt werden, die jeder Methodenkritik standhalten sollten.

Im Frühjahr 2020 erkrankten in einem französischen Altersheim 66 von 96 gebrechlichen und hochbetagten Bewohnern (Durchschnittsalter 87 Jahre). 57 von Ihnen erhielten 80.000 IE als Bolus. Während ohne Vitamin D 55,6 % starben, waren dies mit Vitamin D „nur“ 17,5 %. Auch wenn es sich dabei um keine randomisierte, Placebo-kontrollierte Doppelblind-Studie handelt, sind die Ergebnisse eindrucksvoll und kaum durch Placebo-Effekte bei dieser Population zu erklären (Annweiler et al., 2020).

In einer englischen Studie erhielten in mehreren Kliniken Patienten mit einem Vitamin D-Mangel und Covid-19-Diagnose eine Booster-Vitamin D-Therapie in verschiedenen Dosierungen, die von 20.000 IE alle zwei Wochen bis 40.000 IE täglich für eine Woche lang reichten. Nach Adjustierung von Geschlecht, Übergewicht, Ethnik, Diabetes und Ausgangs-Vitamin D-Spiegel wurden relative Risiken verschiedener Faktoren errechnet. Dabei erwiesen sich Alter (> 74 Jahre), hoher Entzündungswert (CRP > 82 ng/ml) und eingeschränkte Nierenfunktion (Kreatinin > 84 µmol/l) als Risikofaktoren für eine  erhöhte Mortalität. Die Einnahme von Vitamin D erwies sich hingegen als ganz klarer Schutzfaktor (siehe Abb. 7). Patienten mit Vitamin D wiesen eine Verminderung der Mortalität von 87 % im Vergleich zu den Patienten ohne Vitamin D auf (Ling at al., 2020)!

Abb. 7: Odds ratio verschiedener Risikofaktoren und von Vitamin D-Therapie (OR 0,13) auf die Mortalität bei Covid-19

Sehr zu empfehlen ist die Beachtung einer laufenden Meta-Analyse:

Vitamin D is effective for COVID-19:

real-time meta analysis of 37 studies

Covid Analysis, Dec 17, 2020 (Version 9, Jan 10, 2021) @CovidAnalysis 

In dieser Meta-Analyse sind 37 Studien zu Vitamin D und Covid-19 eingeschlossen. Die oben erwähnten Studien sind auch dabei. Dabei kommt statistisch signifikant heraus:

Eine gute Versorgung mit Vitamin D schützt vor Covid-19 bzw. schweren Verläufen.

Behandelt man an Covid-19 Erkrankte mit Vitamin D wird massiv das Outcome verbessert.

Hier kann die Meta-Analyse in allen Einzelheiten nachgelesen werden: https://vdmeta.com/

Fazit – Vitamin D hat das Potential, vielen Menschen das Leben  zu retten

Die D.A.CH. (deutsche, österreichische und Schweizer Ernährungsgesellschaften) empfehlen die Zufuhr von 800 IE Vitamin D pro Tag. Im Sommer kann die Zufuhr weitgehend durch die Sonne gedeckt werden – wenn man in die Mittagszeit Arme und Gesicht ohne Schutz durch Kleidung oder Sonnenschutzcreme der Sonne aussetzt, die aber auch im Sommer nicht jeden Tag scheint. Zwischen Oktober und April befinden wir uns in Mitteleuropa aber im „Vitamin D-Winter“, der in Hamburg natürlich länger andauert als in Lugano.

Eine Zufuhr von 800 IE über die Nahrung ist allerdings unmöglich, was die Ernährungsgesellschaften aber verschweigen. Um 800 IE Vitamin D zuzuführen, müssten wir etwa

– 400 g Makrele

– 4 kg Schweineschnitzel

– 20 Eier

– 20 Liter Vollmilch

– 10 kg Kalbsleber

– 10 kg Brie (45 %)

– 600 g Avocado

– oder 1 kg Pilze

essen – dies aber täglich!

Die Ernährungsgesellschaften erzählen uns nicht, dass wir im Winter Vitamin D als Präparat nehmen müssen, wenn wir die empfohlenen 800 IE gewährleisten wollen. Die besagten 800 IE sind allerdings auch nur in der Lage, den allergröbsten Mangel (< 30 nmol/l) zu beseitigen. Von vielen Therapeuten, die mit Vitamin D arbeiten, werden Spiegel von 100-150 nmol/l angestrebt, was die meisten Menschen auch mit 800 IE nicht schaffen.

Die zusätzliche Zufuhr von 800 IE führt zu einem durchschnittlichen Anstieg von gerade einmal 16 nmol/l. Damit kann jemand mit einem massiven Mangel (z.B. 24 nmol/l) einen nur noch moderaten Mangel (40 nmol/l) erreichen, von einem optimalen Wert ist er damit immer noch weit entfernt (Dosis-Wirkungs-Beziehung von Vitamin D nach Schmiedel, 2012).

Studien (z.B. Martineau et al., 2017, Pham et al., 2019) deuten darauf hin, dass es schon einen Nutzen bringt, wenn man aus dem Bereich von unter 25 oder 30 nmol/l herauskommt. Andere Arbeiten (z.B. Macaya et al., 2020) weisen darauf hin, dass ein Wert über 50 nmol/l sinnvoll sein könnte. Bei Interventionsstudien mit bereits Erkrankten (z.B. Annweiler et al., Castillo et al., Ling et al., alle 2020) wurden hohe Dosierungen im fünf- bis sechsstelligen Bereich eingesetzt.

Uns stehen bisher keine brauchbaren (konventionellen) Medikamente zur Prävention oder Therapie von Covid-19 zur Verfügung – die positiven Effekte einer mehrere tausend Dollar teuren Therapie mit Remdesivir sind eher marginal.

Die Corona-Impfungen beginnen gerade. Über die Wirksamkeit und die Langzeitnebenwirkungen haben wir erst in zwei Jahren verlässliche Aussagen. Eine nicht ganz unwichtige Information, die von der Politik und in den Medien aber praktisch nicht kommuniziert wird.

Wir haben also schon jetzt so viele wissenschaftliche Beweise für einen Nutzen von Vitamin D bei viralen Atemwegsinfektionen im Allgemeinen und Covid-19 im Besonderen in allen Stadien der Erkrankung (von primärer Prävention bis zur Intensivstation), dass es nach der aktuellen Datenlage schon als fahrlässige Unterlassung gelten muss, wenn heute der gesunden Bevölkerung, den Risikogruppen und vor allem den bereits Erkrankten Vitamin D vorenthalten oder sogar davor gewarnt wird.

Dabei wird immer wieder auf die Möglichkeit der Überdosierung hingewiesen. Diese sind natürlich theoretisch möglich (Paracelsus: „Jedes Ding ist ein Gift, allein die Dosis macht, ob ein Ding ein Gift ist oder nicht.“), aber praktisch nur bei schweren Einnahmefehlern mit hohen Dosen ohne jeglichen Kontrollen möglich. Die EFSA (European Food Safety Agency = Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde) hält Dosierungen bis zu 4000 IE beim Erwachsenen für sicher (Cashman et al., 2017). In Studien wurden bei Dosierungen von 80.000 IE (einmalig, Annweiler et al., 2020) bis 280.000 IE (eine Woche lang 40.000 IE pro Tag, Ling et al., 2020) keine Nebenwirkungen bei gleichzeitiger signifikanter Minderung der Mortalität beobachtet. Vor den möglichen Nebenwirkungen von Vitamin D wird gewarnt, nicht aber vor den „Nebenwirkungen“ des gravierenden Vitamin D-Mangels, der die mitteleuropäische Bevölkerung in jedem Winter heimsucht!

Dem möchten wir als Ärzte unsere Postulate entgegenhalten:

Postulate von Schweizer Ärzten

  1. Jeder erwachsene Mensch soll von Oktober bis April mindestens 800 IE Vitamin D als Präparat zu sich nehmen. Ebenso wie jeder Schweizer Bewohner im Windschatten eines Atomkraftwerkes kostenlos Jod-Tabletten für den Notfall erhält, sollte das Vitamin D vom Staat bezahlt werden. Die Kosten dafür betragen nur einen Bruchteils eines Lockdowns, dürften nach den vorliegenden Daten aber weit effektiver sein.
  2. Risikopersonen sollen von Oktober bis April ca. 4000 IE Vitamin D (je nach Gewicht) als Präparat zu sich nehmen.
  3. Idealerweise sollten Vitamin D-Spiegel gemessen, um Überdosierungen zu vermeiden, vor allem aber, um zu gewährleisten, dass ein Spiegel von mind. 50 nmol/l, besser bzw. bei Risikopersonen von mind. 100 nmol/l gewährleistet ist.
  4. Im Krankheitsfall von Covid-19 soll jeder Erkrankte (Ausnahmen: medizinische Gegenanzeigen wie z.B. Hyperkalzämie, Sarkoidose) als Bolus einmalig 50-100.000 IE Vitamin D (je nach Körpergewicht) erhalten, danach 20.000 IE für 10 Tage, dann ca. 5000 IE bis zum Ende der Infektion. Diese Empfehlungen sind nicht validiert, sondern aus den Erfahrungen bisher durchgeführter, erfolgreicher Studien abgeleitet.
  5. Wissenschaftliche Studien zur Evaluation der empfohlenen Vitamin D-Massnahmen sollen von Universitäts-Instituten durchgeführt werden.
  6. Diese Empfehlungen sollen offiziell von staatlichen, kantonalen und Gemeindebehörden sowie in den großen Medien verbreitet werden.

Wem die Gesundheit seiner Bürger wirklich am Herzen liegt, darf die Fakten zu Vitamin D nicht weiter vernachlässigen!

Baar, 2. Februar 2021                  

Dr. med. Simon Feldhaus            
Dr. med. Volker Schmiedel

Wissenschaftliche Quellen

Rabenberg M, Mensing G: Vitamin-D-Status in Deutschland. Journal of Health Monitoring, 2016 1(2) DOI 10.17886/RKI-GBE-2016-036 Robert Koch-Institut, Berlin

Pham H, Rahman A, Majidi A, Waterhouse M, Neale RE: Acute Respiratory Tract Infection and 25-Hydroxyvitamin D Concentration: A Systematic Review and Meta-Analysis. Int J Environ Res Public Health. 2019 Aug 21;16(17). pii: E3020. doi: 10.3390/ijerph16173020.

Martineau AR et al.: Vitamin D supplementation to prevent acute respiratory tract infections: systematic review and meta-analysis of individual participant data. BMJ 2017; 356 doi: https://doi.org/10.1136/bmj.i6583

Harvey W KaufmanJustin K NilesMartin H KrollCaixia BiMichael F Holick: SARS-CoV-2 positivity rates associated with circulating 25-hydroxyvitamin D levels. PLoS One. 2020 Sep 17;15(9):e0239252. doi: 10.1371/journal.pone.0239252. eCollection 2020.

Aleksandar RadujkovicTheresa HippchenShilpa Tiwari-HecklerSaida DreherMonica BoxbergerUta Merle: Vitamin D Deficiency and Outcome of COVID-19 Patients. Nutrients. 2020 Sep 10;12(9):2757.  doi: 10.3390/nu12092757.

Fernando MacayaCarolina Espejo PaeresAdrián VallsAntonio Fernández-OrtizJuan González Del CastilloF Javier Martín-SánchezIsabelle RunkleMiguel Ángel Rubio Herrera: Interaction between age and vitamin D deficiency in severe COVID-19 infection. Nutr Hosp. 2020 Oct 21;37(5):1039-1042. doi: 10.20960/nh.03193.

Castillo ME, Entrenas Costa LM, Vaquero Barrios JM, Alcala Dıaz JF, Miranda JL, Bouillon R, Quesada Gomez JM, Effect of Calcifediol Treatment and best ¨ Available Therapy versus best Available Therapy on Intensive Care Unit Admission and Mortality Among Patients Hospitalized for COVID-19: A Pilot Randomized Clinical study¨ , Journal of Steroid Biochemistry and Molecular Biology (2020)

Cédric AnnweilerBérangère HanotteClaire Grandin de l’EprevierJean-Marc SabatierLudovic LafaieThomas Célarier: Vitamin D and survival in COVID-19 patients: A quasi-experimental study. J Steroid Biochem Mol Biol. 2020 Nov;204:105771. doi: 10.1016/j.jsbmb.2020.105771. Epub 2020 Oct 13.

Stephanie F LingEleanor BroadRebecca MurphyJoseph M PappachanSatveer Pardesi-NewtonMarie-France KongEdward B Jude: High-Dose Cholecalciferol Booster Therapy is Associated with a Reduced Risk of Mortality in Patients with COVID-19: A Cross-Sectional Multi-Centre Observational Study. Nutrients. 2020 Dec 11;12(12):E3799. doi: 10.3390/nu12123799.

Hans K. Biesalski: Vitamin D deficiency and co-morbidities in COVID-19 patients – A fatal relationship? NFS Journal, Volume 20, August 2020, Pages 10-21

Schmiedel V: Einfluss einer Vitamin D-Substitution auf den Vitamin D-Spiegel von Patienten einer              naturheilkundlichen Ambulanz. Masterarbeit an der Universität Viadrina, Frankfurt (Oder), 2012

Kevin D. CashmanChristian RitzMairead Kiely, and ODIN Collaborators: Improved Dietary Guidelines for Vitamin D: Application of Individual Participant Data (IPD)-Level Meta-Regression Analyses. Nutrients. 2017 May; 9(5): 469. Published online 2017 May 8. doi: 10.3390/nu9050469

Covid, eine andere Sichtweise

Veröffentlicht am: 28. Januar 2021
Autor: Dr. med. John van Lumburg Stirum, Vizepräsident SSAAMP

Liebe Leser

Schon verschiedentlich wurde über Covid berichtet und die Ereignisse von 2020 scheinen nahtlos in 2021 überzugehen. Wahrlich Covid überschattet alles. Täglich in den Nachrichten, täglich in 20min, täglich überall. Und noch nie habe ich in so kurzer Zeit so viele Ungereimtheiten, Spekulationen und fragwürdige medizinische Massnahmen erlebt. Verzweiflung und Chaos.

Chaos

Chaos ist der Gegensatz zur Information. Wie gerne wüssten wir «was tatsächlich los ist». Chaos ist die totale Unordnung.

Wann entsteht Chaos?

Primär bei allen Formen von Übergängen, bei Neuorientierungen, schlichtweg bei grundlegenden Veränderungen. In der Chaosforschung spricht man von Phasensprüngen.

Chaos und Veränderung

Bisher hat die Gesellschaft uns bis an unsere Leistungsgrenzen gefordert. Wir waren ständig auf der Überholspur. Mit CoVid wurden wir jetzt teils schmerzlich ausgebremst und gar in unserer Existenz bedroht. Ausstellungen, Seminare, Events wurden abgesagt, aber damit auch viele unserer Verpflichtungen.

Ist das Ganze eine logische Konsequenz der Entwicklung der Menschheitsgeschichte? Erleben wir den Übergang in eine neue Ära?

Versuchen wir, CoVid mal anders zu deuten.

Die Menschheitsgeschichte durchlief die verschiedensten Zeitalter:

  1. Steinzeitalter
  2. Bronze Zeitalter
  3. Eisen Zeitalter
  4. Industrielle Zeitalter
  5. Maschinen Zeitalter
  6. Nukleares Zeitalter
  7. Weltraum Zeitalter
  8. Computer Zeitalter
  9. Informationszeitalter
  10. Multimedia Zeitalter
  11. Soziales Zeitalter
  12. Digitales Datenzeitalter

(Quelle Wikipedia)

Bei der Interpretation der verschiedenen Zeitalter fällt auf, dass in Richtung Gegenwart zunehmend die Materie in den Hintergrund tritt und das Unsichtbare immer mehr in den Vordergrund. Diese Entwicklung kann sich unmöglich in dieser Art beliebig fortsetzen. Wenn ein Maximum an «Nicht-Materie» erreicht wurde, was offensichtlich mit dem digitalen Zeitalter der Fall ist, muss ein erneuter Phasensprung die Realität reprogrammieren. Diese Gesetzmässigkeit ist sehr wohl bekannt in der Traditionellen Chinesischen Medizin mit dem mehreren tausendjährigen Prinzip von Yin und Yang, Sinnbild für Bewegung und das Leben überhaupt. Denn das Leben bedeutet Bewegung.

Hier sehen Sie 2 ineinanderfliessende Tropfen, die weisse Fläche steht für Yang und die schwarze Fläche für das Yin. Yang ist formlos, ähnlich unserer digitalen Welt. Im maximalen Yang finden wir den Keim von Yin (schwarzer Kreis). Was ist Yin? Dunkelheit, Kälte, Angst, Einsamkeit, Bewegungsstarre, aber auch Geburt und Neubeginn. Ein neues Zeitalter? Würde dies zutreffen so wird es für uns nie mehr sein, wie es früher war. Schon heute sprechen alle von der «neuen Normalität». Aber ein solches Ereignis birgt auch Chancen. Erforschen wir was es Neues zu ergründen und umzusetzen gilt. Wie viele von uns waren mit dem «bisherigen» Leben wirklich zufrieden? Vielleicht bedeutet dies für uns auch Chance auf Besserung. Gefährlich wird es, wenn wir trotz dieser Umwälzung in den bisherigen Strukturen verharren. Sie passen nicht mehr. Haben Sie dies erkannt und nehmen Sie an der Veränderung teil, so dürfen wir tatsächlich auf «bessere» Zeiten hoffen.

Nochmals Yin/Yang

Vor Covid waren wir im maximalen Yang, also Aktivität pur. Dies bedeutet auch Verbrauch und Raubbau mit unserem Körper. Jetzt wurde die Yinzeit eingeläutet. Nicht mehr gestresst ins Büro zu fahren, nein, heute heisst es Home Office. Stress mit Fliegen? Heute heisst es Zoom Konferenzen. Wir lernen wieder zu entschleunigen und kürzer zu treten. Dies ist der Beginn einer regenerativen Phase. Deuten wir doch dies so, dass jetzt unsere Gesundheit im Vordergrund stehen soll und nicht mehr unsere Leistung.

Wofür steht Yin sonst noch?

Yin ist die Quelle von Kraft. Im Yin wird alles bewahrt, was im Laufe eines Lebens durch rationale Lernvorgänge erworben wird und ist damit Grundlage der Erinnerung. Auch unser Immunsystem hat ein Gedächtnis! Die YinPhase will uns damit zu erkennen geben, dass wir auf unser Immunsystem achten müssen und diese stärken! Wir müssen wieder Energie tanken und unsere Reserven wieder auffüllen. Yin ist somit Quelle von körperlicher, geistiger und nervlicher Widerstandsfähigkeit und Ausdauer, welche wir jetzt pflegen müssen. Sind wir leicht erschöpft oder schnell aus der Fassung zu bringen, so wie dies bei vielen von uns bisher der Fall war, so lässt dies umgekehrt auf eine Schwäche von Yin und ein Maximum eben des Yangs schliessen. Dies kann reichen bis zum Burnout und Depression. Ja, es sind heute tatsächlich die Psychiater, welche auf lange Zeit alle ausgebucht sind …!

Yin steht noch für Dunkelheit. Und im Dunkeln sehen wir nicht. Können nicht sehen, wollen nicht sehen? Wo wir immer wieder die Augen verschliessen, was sich ereignet und wir eigentlich ändern sollten. Im übertragenen Sinn tappen wir auch alle zur Zeit im Dunkeln. In der Dunkelheit sind wir alle blind und werden zudem von Blinden geführt. Die Dunkelheit gilt nämlich für alle! Aber auch in der finstersten Dunkelheit, irgendwann erscheint wieder Licht. Licht ist stärker als die Dunkelheit. Die Dunkelheit kann das Licht nicht mehr vertreiben. So wird es auch im Johannesevangelium beschrieben: Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst (Joh 1.5). Das Licht zeigt uns den Weg. Das Licht ist damit ein Neubeginn. Wie passend zu der Jahreszeit. Und um sich für diesen Wandel optimal vorzubereiten ist es wichtig, seine Gesundheit in den Vordergrund zu stellen. Und zwar mit der Medizin, welche wir in der SSAAMP vertreten! Wir wollen bereit sein für das, was kommen wird. Die neue Normalität auch in der persönlichen Gesundheit integrieren. Möglichst weg von den vielen Medikamenten mit potentiellen Nebenwirkungen und wieder echte Gesundheit anstreben. Ein starkes Immunsystem aufbauen, statt nur auf eine Impfung zu warten. Wie hätte ich mir auch solche Signale von unserer Regierung gewünscht. Also stellen wir nun endlich unsere eigenen Bedürfnisse in den Vordergrund und schauen zu uns. Früher hatte man dazu keine Zeit. Das Gesundheits-Bewusst-Sein erhält wieder die Bedeutung, welches es gebührt. Wir nennen dies «Aktive Prävention». Jetzt ist die Zeit der Genesung und der Vorsorge.

Botulinum («Botox») und Hyaloronsäure im Wandel der Zeit

Veröffentlicht am: 20. Januar 2021
Autor: Dr. med. Michael Wagener, MD

Botulinumtoxin A wurde schon im Jahr 1946 isoliert und in den 1970er Jahren als Medikament eingesetzt. 1989 erfolgte die Zulassung durch die FDA zur Behandlung von Augenzittern und Lidkrämpfen des Auges.

Eher zufällig wurde «Botox» – wie es heute allgemein genannt wird – durch das kanadische Ehepaar  Carruthers für die ästhetische Medizin entdeckt, weil es vorübergehend einen schwächenden Effekt auf mimische Hautfalten im Gesicht entfaltete. Anfangs «off-label» eingesetzt, erfolgte die Zulassung in den USA unter dem Namen «Botox» erst 2002 durch die Firma Allergan.

Von diesem Zeitpunkt an begann sein weltweiter Siegeszug in der Ästhetik. Unumstritten war das Botulinumtoxin, so sein korrekter Name, jedoch nie. Allein schon der Wortbestandteil «-toxin» macht es bis heute zur Zielscheibe kritischer Beurteilungen. Dabei hat es seinen Nutzen in der Medizin schon seit langem erfolgreich unter Beweis gestellt.

Immer wieder wird Botulinum schlechthin für eine erstarrte Mimik und maskenhaftes Aussehen bei Frauen und Männern verantwortlich gemacht.  

Unberücksichtigt bleibt bei solchen emotionalen Aussagen die unumstössliche Tatsache, die auch in der ästhetischen Medizin ihre Gültigkeit besitzt: «Die Dosis macht das Gift».

In der der Hand des erfahrenen und geschulten Anwenders ist Botulinum aus der ästhetischen Medizin nicht mehr wegzudenken. Richtig dosiert und an der richtigen Stelle eingesetzt kann es im Gesicht, Hals und sogar Dekolleté sehr natürlich wirkende Effekte erzielen, die weder maskenhaft noch künstlich aussehen.    

Mit der Zeit und wachsender Erfahrung wurden immer verfeinerte Behandlunsprotokolle entwickelt, um das Potential des Botulinums optimal in der ästhetischen Medizin auszuschöpfen.

Eine ähnliche Erfolgsgeschichte wurde der Einsatz der Hyaloronsäure in der Ästhetik. Anfangs noch aus tierischer Herkunft, wurde es in den späten 1990er Jahren fermentativ aus Bakterien gewonnen und gilt heute als sehr sicher anzuwendendes Produkt, wenn es von hoher Qualität ist.

Eine optimale Reinheit ist die entscheidende Voraussetzung für eine gute Verträglichkeit, denn es verbleibt eine zeitlang im menschlichen Gewebe.

Unvernetzt unter die Haut gespritzt verbessert es die Feuchtigkeit der Haut, wird aber rasch wieder vom Körper abgebaut. Dem versucht man beim Einsatz als «Filler» dadurch zu begegnen, indem man das Molekül chemisch vernetzt. Diese Vernetzung sorgt dafür, dass es länger im Körper verbleibt und erst nach Monaten wieder abgebaut wird. Einmal ins Gewebe eingebracht, verbleibt ein solch komplex vernetztes Molekül an Ort und Stelle und hat einen Polstereffekt im Gewebe.

Somit eignet sich eine vernetzte Hyaloronsäure als «Filler», um Falten im Gesicht, die vor allem durch Volumenmangel im Zuge der Alterung entstehen zu korrigieren.

Heutzutage verstehem wir viel besser, was bei der Alterung im Gesicht passiert. Die Knochen des Schädels verändern sich mit den Jahren, es kommt zum Schwund von Fettpolstern und Veränderung der Position von Haltebändern im Gesicht.

Diese im Detail sehr komplexen Mechanismen haben die ästhetische Medizin insofern verändert, weil wir in unseren Behandlungskonzepten je nach Alter berücksichtigen müssen, wie weit schon gewisse Veränderungen der Anatomie vorangeschritten sind und was in der Zukunft noch zu erwarten ist.

Wir sehen heute also ein Nebeneinander von Botulinum und Fillern, nicht ein entweder oder. Anfangs hat man sich bei der Fillerbehandlung auf spezifische Falten wie z.B. die Nasolabialfalte konzentriert. Das ist immer noch eine wichtige Region, aber wir betrachten immer das ganze Gesicht, versuchen mit unseren Behandlungen die Ursache einer bestimmten Falte zu behandeln, die zum Beispiel durch einen Volumenmangel an anderer Stelle mitbedingt sein kann. Der Begriff der «kompositorischen Ästhetik» hat sich etabliert, wobei wir mit Fillern und Botulinum zwei wunderbare Werkzeuge besitzen dem anatomischen Wunder des menschlichen Gesichts seine individuelle Schönheit und Attraktivität altersentsprechend zu erhalten. 

Am 29. Mai 2021 vertiefen wir das Thema am SSAAMP-Kongress – Medizinische Ästhetik um 11.30 Uhr – weitere Informationen und Kongress-Programm finden Sie auch www.ssaamp.ch

Immunsystem in der heutigen Zeit

Veröffentlicht am: 2. November 2020
Autor: Dr. Simon Feldhaus

Die aktuelle Bedrohung durch die Covid-19-Pandemie hält uns alle in Atem. Immer wieder kommt es zu erheblichen Einschränkungen unserer Bewegungsfreiheit. Prävention besteht aus Kontaktverminderung und Rückzug in die eigene Wohnung; die Hoffnung setzt man derzeit auf eine Impfung.

Erstaunlicherweise gibt es aber eine grosse Zahl von Menschen, die mit einer Covid-19-Infektion problemlos zurechtkommen oder gar komplett symptomfrei bleiben.

Bei diesen Patienten scheint das körpereigene Immunsystem das Virus abwehren zu können, bevor dieses zu einer relevanten Infektion des Körpers führt.

Daher wäre es doch wohl sinnvoll, sich um die Funktion und Stärkung des Immunsystems zu kümmern, die aber praktisch in keiner Empfehlung ausgesprochen wird.

Daher sollen jetzt die Funktionsweise unseres Immunsystems und sich daraus ergebende präventive Massnahmen diskutiert werden:

Das Immunsystem gehört zu den Regulationssystemen unseres Körpers und ist für die Überwachung der Balance im Organismus und der Gesundheit verantwortlich. Eine gute Lebensqualität und ein langes, gesundes Leben sind von einem gut funktionierenden Immunsystem direkt abhängig. Um einen gesunden Organismus aufrechtzuerhalten, ist es wichtig, nicht nur das Immunsystem, sondern auch die anderen regulierenden Systeme des Körpers wie Nervensystem und Hormonsystem im Gleichgewicht halten. Diese drei regulierenden Systeme sind vernetzt durch unterschiedliche lösliche Botenstoffe (Zytokine, Neuropeptide und Hormone). Dadurch werden eine bidirektionale Kommunikation und regelmässige Interaktion geschaffen, sodass sie sich gegenseitig beeinflussen können. Jedes Ungleichgewicht in einem dieser Systeme wirkt sich nachteilig auf die anderen aus.

Mit zunehmendem Alter unterliegt der Organismus morphologischen und physiologischen Änderungen. Die verschiedenen regulierenden Systeme und die Kommunikation zwischen ihnen werden zunehmend beeinträchtigt, sodass auch die Homöostase des Organismus gestört wird.

Daher nimmt die Funktionalität des Immunsystems im Laufe der Jahre ab, was als Immunseneszenz bezeichnet wird. Die Immunseneszenz wird von einigen Bedingungen begleitet, die sowohl die angeborene Immunantwort als auch die adaptive Immunabwehr beeinflussen.

Alle genannten Faktoren tragen zu einer erhöhten Anfälligkeit gegenüber infektiösen, chronischen und rezidivierenden Prozessen bei. Autoimmunkrankheiten und onkologische Vorgänge bei älteren Personen werden begünstigt. Aus diesem Grund sollten vor allem bei älteren Menschen immunaktivierende präventive Massnahmen im Vordergrund der Bemühungen stehen, und nicht primär der Fokus auf Isolation.
 

Wenn Bakterien, Viren oder Parasiten in den Körper eindringen, wird eine immunologische Abwehr im Sinne einer Kettenreaktion der Zellaktivität im Immunsystem ausgelöst. Makrophagen oder andere angeborene Immunzellen – wie Basophile, dendritische Zellen oder Neutrophile – können eingesetzt werden, um den eindringenden Erreger anzugreifen. Diese Zellen erfüllen oft bereits ihre Aufgabe, und der Eindringling wird zerstört.

Reicht dies nicht aus, kommen die T-Zellen und B-Zellen ins Spiel. Diese Zellen sind die Spezialeinheiten des Immunsystems – eine Verteidigungslinie, die frühere Verhaltensweisen und Interaktionen nutzt, um zu lernen, bestimmte fremde Bedrohungen zu erkennen und diese anzugreifen, wenn sie wieder auftauchen.

Das Immunsystem besteht aus zwei «Abteilungen»: der angeborenen und der erworbenen Abwehr. Angeborene Immunzellen sind die erste Verteidigungslinie des Körpers. Sie reagieren schnell auf fremde Zellen, um ein Virus zu bekämpfen oder den Körper gegen Bakterien zu verteidigen. Unsere erworbene Immunität verwendet T-Zellen und B-Zellen, wenn eindringende Organismen diese erste Verteidigungslinie überwinden konnten. Diese Zellen brauchen länger, um sich zu entwickeln, weil ihr Verhalten sich aus erlernten Erfahrungen entwickelt, aber sie leben in der Regel länger als angeborene Zellen. Adaptive Immunzellen erinnern sich nach ihrer ersten Begegnung an fremde Eindringlinge und wehren diese ab, wenn sie das nächste Mal in den Körper eindringen.

B-Zellen bekämpfen Bakterien und Viren, indem sie sogenannte Antikörper bilden, die für jeden Erreger spezifisch sind und in der Lage, sich auf der Oberfläche einer eindringenden Zelle festzusetzen und diese für die Zerstörung durch andere Immunzellen zu markieren oder auch direkt zu zerstören.

Die T-Zellen arbeiten auf einer anderen Basis:

Es gibt zwei Haupttypen von T-Zellen: Helfer-T-Zellen und Killer-T-Zellen. Helfer-T-Zellen stimulieren die B-Zellen zur Bildung von Antikörpern und unterstützen die Entwicklung von Killerzellen. Killer-T-Zellen töten direkt Zellen, die bereits von einem fremden Eindringling infiziert wurden. T-Zellen verwenden auch Zytokine als Botenmoleküle, die chemische Anweisungen an das übrige Immunsystem senden, um dessen Reaktion zu beschleunigen.

Gerade für die Abwehr der COVID-19-Coronaviren erscheint vor allem die Aktivität der T-Zellen eine besondere Rolle zu spielen.

Eine kürzlich durchgeführte Studie aus den USA zeigte, dass Infizierte in der Lage sind, spezifische T-Zellen und B-Zellen zu bilden. Vor allem konnte auch gezeigt werden, dass einige nicht infizierte Menschen ebensolche spezifischen T-Zellen hatten, was auf eine Überschneidung mit der Reaktion auf frühere Infektionen mit Mers, Sars und anderen Erkältungen hindeutet – die sogenannte Kreuzreaktivität.

Auch jüngste Forschungen des Karolinska-Instituts in Schweden zeigten, dass mehrere Patienten mit leichten bis keinen Symptomen T-Zellen gegen das Virus gebildet hatten. Dies war sogar bei Patienten der Fall, die keine nachweisbaren Konzentrationen von Antikörpern gegen das Virus aufwiesen. Wichtiger noch: Die Forscher fanden auch Hinweise auf Gedächtnis-T-Zellen bei rekonvaleszenten Patienten. Dies deutet darauf hin, dass COVID eine robuste Gedächtnis-T-Zellen-Antwort hervorruft, die wiederkehrende Episoden von schweren Wiedererkrankungen verhindern könnte.

Im Gegensatz dazu erscheint die Situation, was die Antikörper betrifft, eher problematisch zu sein. Einige Studien legen nahe, dass COVID-19-Antikörper bei genesenen Patienten nur sieben Wochen lang ausreichend bestehen bleiben. Bei 40 Prozent der asymptomatisch infizierten Patienten waren nach acht Wochen keine Antikörper mehr nachweisbar.

Dies deutet darauf hin, dass Antikörper gegen COVID möglicherweise nicht sehr lange anhalten, was für die Wirkung von Impfungen sehr bedeutsam und kritisch sein könnte.

Daher erscheint es ausserordentlich wichtig, die Funktionsfähigkeit des Immunsystems auf breiter Basis zu verbessern und nicht nur auf die Wirkung von Impfungen zu hoffen, um mit der Covid-19-Infektion klarzukommen!

Welche Faktoren können die Funktion unseres Immunsystems negativ beeinflussen?

Verschiedene Faktoren sind für die Funktionalität des Immunsystems verantwortlich: genetische Faktoren, Ereignisse, die während unseres Lebens stattfinden, sowie unsere Ernährung und unser Lebensstil. Eine ungesunde Lebensweise ohne ausreichende Ruhephasen, mit vermehrten Stresssituationen – seien es chemische, körperliche oder psychische – können Erschöpfung auf hormoneller und auch zellulärer Ebene hervorrufen sowie eine Verringerung der Lymphozytenanzahl bewirken. All dies führt zu einer geringeren Wirksamkeit des Immunsystems.

Erkrankungen durch Viren im Bereich der Atemwege gelten generell als harmlos. Die entsprechenden Keime vermehren sich besonders häufig auf den Schleimhäuten. Infolge Kühle bei gesunkenen Aussentemperaturen werden diese nicht mehr genügend befeuchtet und der reinigende Effekt der Flimmerepithelien reicht nicht mehr aus. Kälte hemmt die Beweglichkeit der Zilien auf den Atemwegsschleimhäuten und verengt gleichzeitig die Bronchien. Für die Wachstumsbedingungen entstehen dadurch optimale auslösende Erreger.

Der Kontakt mit den Viren geschieht über die oberen Atemwege. Auch bei Coronaviren ist dies so. Die Viren haften an den Schleimhäuten, und wenn sie dort nicht abgewehrt werden, dringen sie in das Körperinnere vor und können eventuell schwerwiegende Krankheitsverläufe verursachen. Für den Abwehrzweck haben wir unser körpereigenes Immunsystem. Bei den meisten Menschen gelingt es dem Abwehrsystem, die Viren abzutöten, bevor eine eigentliche Infektion stattfindet. Die wichtigste Verteidigung, vor allem auch gegen Coronaviren, ist die zellvermittelte Abwehr (die sogenannte T-Zell-vermittelte Abwehr). Sekundär kommt dann eine Abwehrreaktion mit sogenannten Antikörpern ins Spiel. Ein positiver PCR-Test zeigt an, dass sich Erbinformationen auf der Schleimhaut nachweisen liessen, nicht aber, ob eine Infektion des Körpers stattgefunden hat.

Wie stärke ich mein Immunsystem? Aus ganzheitlicher medizinischer Sicht ist es daher wichtig, nicht auf das Virus zu schauen, sondern primär gesund durch die Winterzeit zu kommen.

Ziel muss sein, das Immunsystem in den optimalen Funktionszustand zu bringen. Gesunde Lebensführung und Stressreduktion steht an erster Stelle. Dauerhafte Belastungen im Alltag und ein Mangel an wichtigen Mikronährstoffen machen den Körper deutlich anfälliger für Erkältungen oder andere Infektionskrankheiten.

Womit können wir die Funktion positiv beeinflussen?

  • Psychologische Faktoren: Stressbewältigung bei Personen, die diesem Problem ausgesetzt sind. Gleichzeitig ist es wichtig, eine positive Lebenseinstellung zu bewahren.
  • Lebensstil: Bewegung und leichter Sport sind Grundvoraussetzungen für die korrekte Funktion unseres Organismus und Immunsystems. Körperliche Aktivität ermöglicht eine angemessene Blutzirkulation durch alle Körperteile. Ausserdem ist es wichtig, geeignete Massnahmen zur Schmerzbegrenzung zu finden.
  • Ernährungsfaktoren: Es ist wichtig, gesunde Lebensmittel, die frei von Toxinen sind, zu konsumieren. Heutzutage wird das Immunsystem häufig beansprucht, da Toxine sich wie Antigene verhalten, wobei das Immunsystem diese wie einen Virus bekämpfen möchte. Dies führt zu Entzündungen und zur Erschöpfung des Systems. Deshalb trägt eine gesunde und schadstoffarme Ernährung zu einer verbesserten Immunität bei.
  • Physiologische Faktoren: Gleichzeitig gilt es, Entzündungsherde im Organismus zu entfernen. Der Verdauungstrakt ist dabei der Apparat, der das Immunsystem am meisten beansprucht. Etwa 70 Prozent aller Zellen des Immunsystems befinden sich im Verdauungstrakt. Sobald hier ein Problem entsteht, wird das Immunsystem aktiviert.
  • Mikronährstoffe wie Antioxidanten, Vitamine und Mineralien.

Zur Prophylaxe gegen virale Erkrankungen (egal ob Coronaviren, Grippeviren oder andere Virusarten) eignen sich verschiedene Therapieformen.

Die Basis ist eine laborgestützte Gabe von Mikronährstoffen im Sinne der orthomolekularen Medizin:

Zink, Vitamin D, Omega-3-Fettsäuren und Selen sollten in ausreichender Menge eingenommen werden, wobei nach aktuellem Wissen wohl dem Vitamin D die wichtigste Rolle zugestanden werden muss.

Aktuelle Studien konnten ausserordentliche Erfolge von hochdosierter Vitamin-D- oder auch intravenöser Vitamin-C-Therapie bei akuten Covid-19-Infektionen aufweisen.

Zusätzlich gibt es phytotherapeutische Präparate aus Echinacea, Pelargonium, Meerrettich, Kapuzinerkresse und anderen Pflanzen, die sehr gute Effekte vorweisen.

Aus der ärztlichen Ganzheitsmedizin sind Ozon-Eigenblut-Anwendungen bekannt. Gerade die Ozontherapie hat sich in Studien in Spanien als sehr wirksam gezeigt.

Zusammengefasst lässt sich feststellen dass, gerade in Zeiten viraler Bedrohungen unserer Gesundheit neben den sinnvollen Methoden der Prävention vor allem auch auf eine gute Funktion des Immunsystems geachtet werden, was mit den aufgeführten Optionen sinnvoll möglich ist.

Dr. Simon Feldhaus

Der Hexer und der Medizinmann: Kochen und Essen mit Lebenslust, Intuition und Naturbewusstsein

Veröffentlicht am: 30. Juli 2020
Autor: Dr. Simon Feldhaus

Unsere Gesundheit stellt einen zentralen Pfeiler des Lebens dar. Doch was genau bedeutet es, wenn wir vom Erhalt der Gesundheit sprechen?
Wir verstehen darunter einen komplexen, täglich neu anzugehenden Prozess.
Neben ausreichender Bewegung, gesundem Lebensstil inklusive. ausreichendem Schlaf spielt auch die Ernährung eine wesentliche Rolle.

„Der Mensch ist, was er isst“, und nicht umsonst hat schon Hippokrates die Ernährung zu einer der fünf Säulen erklärt, auf denen unsere Gesundheit beruht. Unsere Ernährung ist aber schon längst viel mehr als die Substanzen, die uns am Leben erhalten. Sie ist einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren, sie dient der Identitätsstiftung und stellt auch ein Feld dar, auf dem ideologische Kämpfe ausgefochten werden.

Zivilisationskrankheiten wie Herz- und Gefässerkrankungen, Diabetes mellitus Typ II und Allergien gehen auf einen ungesunden Lebensstil – zu viel Stress, zu wenig Bewegung und Fehlernährung – zurück. Aber wie sieht denn eine richtige gesunde Ernährung aus? Die Antworten und Empfehlungen sind vielfältig und umfassen Ratschläge zur ausgewogenen Mischkost ebenso wie zur Aufnahme von Nahrungsergänzungsmitteln oder zu Nahrungsmittelkarenzen. Dabei ist nicht nur die Auswahl der Lebensmittel, sondern auch deren Zubereitung wesentlich.

Heute muss jedoch auch der Umgang mit Nahrungsmitteln kritisch betrachtet werden – Foodwaste ist in unserer Wohlstandsgesellschaft ein zentrales Thema. Im Schnitt geht jedes dritte Lebensmittel zwischen Feld und Teller verloren oder wird verschwendet. Dabei hat unsere Ernährung und insbesondere auch unsere Lebensmittelverschwendung weitreichende Auswirkungen auf Klima und Umwelt.

Sowohl weltweit als auch in der Schweiz geht über die Lebensmittelkette etwa ein Drittel aller Nahrungsmittel verloren oder (fast noch schlimmer) wird weggeworfen.

In reicheren Ländern wird ein Grossteil davon durch die Endkonsumenten verschwendet, wohingegen in den Haushalten ärmerer Länder nur sehr wenig im Abfall landet. In diesen Regionen der Welt sind dafür die Verluste bei der Ernte, in der Lagerung und der Verarbeitung höher, da oftmals effiziente Technologien fehlen und das nötige Know-how weniger verbreitet ist.

In der Schweiz verursachen Gastronomie und die Haushalte zusammen 35 Prozent der Lebensmittelabfälle, ein weiterer grosser Anteil wird in den Spitälern entsorgt.

In den Haushalten entsteht Foodwaste zum Beispiel, weil

  • wir mehr kaufen, als wir benötigen.
  • wir grössere Verpackungen kaufen, als wir brauchen.
  • wir Lebensmittel im Kühlschrank vergessen.
  • wir Lebensmittel nicht korrekt lagern und sich so die Haltbarkeit verringert.
  • wir das Mindesthaltbarkeitsdatum falsch interpretieren und Produkte nicht mit unseren Sinnen beurteilen.
  • wir mehr kochen, als wir brauchen und Reste nicht verwerten.

Das Problem dabei ist, dass Foodwaste auch weitreichende Auswirkungen auf unsere Umwelt und das Klima hat und ebenso viel Umweltbelastung wie die Hälfte aller Autofahrten in der Schweiz verursacht.
Grundsätzlich gilt: Je Länger der Weg ist, den ein Lebensmittel zurückgelegt hat, desto stärker wird die Umwelt belastet. Je weiter hinten in der Herstellungskette also Lebensmittel entsorgt werden, desto schlimmer. In anderen Worten: Es macht einen Unterschied, ob ein Bauer eine Karotte kompostiert oder ob ein Konsument eine Avocado verschwendet.

Ein weiterer relevanter Punkt in Sachen sinnvolle Ernährungsweise: die Kunst, die richtigen Lebensmittel miteinander zu kombinieren, um einerseits geschmacklich, aber auch in Bezug auf die Wirkung eine Ergänzung zu erzielen.

Eine ausgewogene Ernährung lohnt sich enorm. Sie liefert Ihnen nicht nur alle erforderlichen Nährstoffe, um genügend Energie für den Tag zu haben, sondern auch eine Vielzahl von Vitalstoffen, die dabei helfen, gesund zu bleiben oder – wenn man krank ist – wieder gesund zu werden.

Studenten des Informatikinstituts Indiana um Netzwerkanalytiker Yong-Yeol Ahn veröffentlichten in der Fachzeitschrift „Nature“ unlängst ihre Ergebnisse unter dem Namen „Flavor Network and the Principle of Food Pairing“. Demnach ist die Anzahl gemeinsamer Aromastoffe von Lebensmitteln der Schlüssel zum Geschmackserfolg.

Aromastoffe sind chemische Verbindungen, die mitverantwortlich dafür sind, ob uns etwas schmeckt oder nicht. Schokolade und Blauschimmelkäse teilen beispielsweise 73 (u. a. 2-Methyl-3-Methyldithiofuran), Kaffee und Rind kommen auf 102 gemeinsame Aromastoffe.

Bei der Studie werteten die Forscher über 56.000 Rezepte amerikanischer und koreanischer Food-Websites aus. So nahmen sie alle in den Rezepten verwendeten Lebensmittel auf und erstellten eine netzförmige Grafik. Im Falle von mindestens zehn gemeinsamen Aromastoffen wurde eine Linie zwischen zwei Lebensmitteln gezogen, die je nach Anzahl geteilter Stoffe dünner oder dicker ausfiel.

Jedes Lebensmittel enthält eine Geschmacksstruktur, die unterschiedliche Aromen in bestimmten Konzentrationen aufweist. Die «Aromen-DNA» der einzelnen Lebensmittel wird beim Food Pairing miteinander abgeglichen. Je mehr aromatische Parallelen zwischen zwei Lebensmitteln bestehen, desto besser harmonieren die Lebensmittel in einem Gericht.

Gleichzeitig kann man durch die Kombination beispielsweise von Gewürzen und Früchten ergänzende Wirkungen sekundärer Pflanzeninhaltsstoffe nutzen.

Somit zeigt sich, dass das Schlagwort «Gesunde Ernährung» viel mehr beinhaltet, als die meisten sich denken, und es sich daher lohnt, mehr Wissen darüber zu erlangen.

Die SSAAMP wird sich daher im Rahmen einer Sonderveranstaltung genau diesem Thema widmen – und wer anderes als «der Hexer», Stefan Wiesner, könnte dies besser vermitteln?

SSAAMP-Sonderveranstaltung

10. September 2020 (Nachmittag) im Heuboden, Holzhäusern, Kanton Zug;
Alle Details zum Event finden Sie untern http://www.ssaamp.ch