SSAAMP-Kongress im Seminarhotel Bocken am 16. Mai 2026
Programm auf der Site www.ssaamp.ch

Veröffentlicht: 14. Februar 2026
Autor: Sybille Binder, Vorstandsmitglied SSAAMP
Zirkadiane Rhythmen und Chronomedizin – warum dein Körper eine eigene Uhr trägt
Auch wenn wir ständig auf Smartphone, Armbanduhr oder Backofen-Display schauen – die wichtigste Uhr tickt unsichtbar in unserem Inneren. Diese zirkadiane Uhr gibt seit Millionen Jahren den Takt vor und lässt sich von Weckerklingeln, Terminkalendern oder Streaming-Marathons nur sehr begrenzt beeindrucken. Sie bestimmt, wann wir müde werden, wann wir leistungsfähig sind, wann Hormone ausgeschüttet werden und sogar, wann Medikamente besonders gut wirken. Willkommen in der Welt der Chronomedizin – der Lehre vom richtigen Zeitpunkt.
Die innere Uhr: Ein Orchester ohne Dirigent?
Genau genommen ist die innere Uhr eher ein ganzes Orchester. Fast jede Zelle im Körper hat ihren eigenen kleinen Taktgeber. Damit daraus kein biologischer Free Jazz wird, gibt es eine übergeordnete Koordination im Gehirn. Der wichtigste Dirigent heisst Licht. Morgens sorgt Tageslicht dafür, dass wir wach werden, abends signalisiert Dunkelheit: Jetzt bitte langsam runterfahren. Problematisch wird es, wenn wir diesem System regelmässig widersprechen – zum Beispiel mit grellem Bildschirmlicht um Mitternacht oder Frühstück um 14 Uhr.
Wenn der Körper aus dem Takt kommt
Wer dauerhaft gegen seine innere Uhr lebt, zahlt irgendwann die Rechnung. Schlafprobleme sind oft nur der Anfang. Studien zeigen Zusammenhänge zwischen gestörten zirkadianen Rhythmen und Übergewicht, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Stimmungstiefs. Der Körper liebt Regelmässigkeit – Chaos mag er höchstens im Improvisationstheater, nicht im Stoffwechsel.
Besonders Schichtarbeit, Jetlag oder stark schwankende Schlafzeiten bringen die innere Uhr durcheinander. Das Ergebnis fühlt sich an, als hätte man ständig montags – nur ohne Aussicht auf Freitag.
Lerche oder Eule? Wenn möglich ehrlich sein😊
Nicht jeder Mensch tickt gleich. Manche springen morgens energiegeladen aus dem Bett, andere brauchen erst Kaffee Nummer drei, um ihren Namen korrekt schreiben zu können. Diese Unterschiede nennt man Chronotypen. Sie sind biologisch bedingt und kein Zeichen von Faulheit oder übertriebener Morgenliebe.
Trotzdem ist unsere Gesellschaft stark auf frühe Aktivität ausgelegt. Für späte Chronotypen bedeutet das oft chronischen Schlafmangel – vergleichbar mit einem permanenten Mini-Jetlag. Kein Wunder also, dass Konzentration und Laune manchmal leiden.
Chronomedizin: Therapie nach der Uhr
In der Medizin wird Zeit immer wichtiger. Viele Körperfunktionen schwanken im Tagesverlauf – Blutdruck, Hormonspiegel, Enzymaktivität. Das bedeutet: Ein Medikament kann morgens anders wirken als abends. Die Chronomedizin versucht, Behandlungen zeitlich so zu legen, dass sie möglichst effektiv und gut verträglich sind. Die richtige Tablette zur falschen Zeit ist nicht immer so clever.
Zeit ist mehr als eine Masseinheit, sie ist ein biologischer Faktor. Wer lernt, im Einklang mit seiner inneren Uhr zu leben, schläft besser, fühlt sich fitter und macht seinem Körper das Leben deutlich leichter. Denn eines ist sicher: Die innere Uhr tickt immer – ob wir zuhören oder nicht.
Erfahren Sie mehr dazu am Kongress durch Prof. Dr. rer. nat. Henrik Oster
Haarstoffwechsel, Ernährung und Mikronährstoffe – warum deine Haare mitessen wollen
Haare sind genügsam? Von wegen. Sie sind eher wie anspruchsvolle Mitbewohner: Sie sagen selten direkt, was sie brauchen, reagieren aber sofort beleidigt, wenn etwas fehlt. Ein paar Haare mehr im Abfluss, ein lichter werdender Scheitel oder das Gefühl, dass der Zopf immer dünner wird – willkommen im Reich des Haarstoffwechsels.
Haare: Kleine Hochleistungsfabriken
Auch wenn sie still auf unserem Kopf sitzen, sind Haare biologisch gesehen echte Workaholics. Haarfollikel gehören zu den aktivsten Strukturen im Körper. Sie teilen Zellen im Akkord, produzieren Keratin und wechseln regelmässig zwischen Wachstums-, Übergangs- und Ruhephase. All das kostet Energie – und zwar täglich.
Wenn der Körper sparen muss, stehen Haare ziemlich weit oben auf der Einsparliste. Herz schlägt weiter, Gehirn denkt weiter, Haare? Können warten. Evolutionär logisch, emotional eher unerquicklich.
Ernährung: Was auf dem Teller landet, landet (auch) auf dem Kopf
Haare bestehen hauptsächlich aus Protein. Wer also glaubt, sie könnten von Luft und Liebe leben, wird früher oder später enttäuscht. Doch Protein allein reicht nicht. Der Haarstoffwechsel verlangt nach einem ganzen Team an Mikronährstoffen.
Eisen sorgt für Sauerstoff, Zink hilft bei Zellteilung, Biotin ist am Keratinaufbau beteiligt, Vitamin D funkt beim Wachstum mit, Vitamin C unterstützt die Eisenaufnahme – kurz gesagt: Ohne diese kleinen Helfer läuft im Haarfollikel nur der Notbetrieb.
Crash-Diäten, extrem einseitige Ernährung oder dauerhafte „Ich-esse-irgendwas-unterwegs“-Konzepte rächen sich deshalb gerne zeitverzögert. Haare haben ein gutes Gedächtnis – und eine lange Nachtragendauer.
Viel hilft viel? Leider nein.
Jetzt die schlechte Nachricht für Supplement-Fans: Einfach alles einwerfen, was im Drogerieregal glänzt, macht Haare nicht automatisch glücklicher. Mikronährstoffe wirken nur, wenn tatsächlich ein Mangel besteht. Zu viel des Guten kann wirkungslos bleiben oder im Zweifel neue Probleme schaffen.
Der Körper mag keine Nährstoff-Partys, sondern gut organisierte Sitzordnungen. Eine abwechslungsreiche Ernährung mit Gemüse, Obst, Vollkorn, gesunden Fetten und vernünftigen Proteinquellen ist für die meisten Haarfollikel deutlich überzeugender als die nächste Hochdosis-Kapsel.
Darm, Hormone und Stress – die heimlichen Strippenzieher
Der Haarstoffwechsel ist ein echtes Teamprojekt. Wenn der Darm Nährstoffe nicht richtig aufnimmt, kommen sie auch nicht am Haar an. Hormone mischen ebenfalls kräftig mit – vor allem Schilddrüse und Sexualhormone. Und Stress? Der ist der Endgegner.
Stress kann Haare regelrecht in den vorzeitigen Ruhestand schicken. Gemein dabei: Der Haarausfall zeigt sich oft erst Wochen später. Der Stress ist längst vorbei, die Haare protestieren immer noch.
Geduld: Die schwerste Haarpflege-Disziplin
Selbst wenn alles optimiert wird – Ernährung, Mikronährstoffe, Lebensstil – Haare wachsen langsam. Sehr langsam. Wer heute etwas ändert, sieht das Ergebnis frühestens nach Monaten. Haarstoffwechsel ist kein Sprint, sondern ein Langstreckenlauf mit sehr kleinen Etappen.
Fazit
Haare sind keine Deko, sondern Stoffwechselprodukte. Sie wollen regelmässig versorgt, nicht überfüttert und möglichst wenig gestresst werden. Wer ihnen das gibt, was sie brauchen – Zeit, Nährstoffe und ein halbwegs entspanntes Umfeld – erhöht die Chance, dass sie bleiben, wo sie hingehören: auf dem Kopf. Und zwar möglichst lange.
Erfahren Sie mehr …
… an unserem Jahreskongress vom 26. Mai 2026 durch Dr. med. Yael Adler aus Berlin
Sybille Binder, Vorstandsmitglied SSAAMP
SSAAMP-Kongress am Samstag 16. Mai 2026
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