SIBO – vom Symptom zur Wurzel

Ein integrativer Blick aus der Perspektive der Psychoneuroimmunologie

SSAAMP-Fortbildung im Hotel St. Gotthard Zürich am Donnerstag, 17. September 2026 

Programm auf der Site www.ssaamp.ch

Veröffentlicht: 25. Juli 2026

Autorin: Dr. med. dent. Senay Yüksel, Zahnärztin und Therapeutin

Das Reizdarmsyndrom (RDS; Irritable Bowel Syndrome, IBS) zählt zu den häufigsten chronischen Erkrankungen des Verdauungssystems – ähnlich wie Karies und Parodontitis im oralen Bereich. Beide verbindet mindestens ein Thema: das Mikrobiom und der Verlust seiner Homöostase, der auch der Dünndarmfehlbesiedlung SIBO (Small Intestinal Bacterial Overgrowth) zugrunde liegt.

Ein relevanter Anteil der Reizdarmpatienten weist eine SIBO auf. Das Verständnis hat sich dabei grundlegend gewandelt: SIBO gilt heute nicht mehr als reine bakterielle Überwucherung, sondern als Ausdruck einer gestörten Regulation von Motilität, Schleimhautbarriere, Immunsystem und Darm-Hirn-Achse.

Was ist SIBO?

SIBO bezeichnet eine für den Dünndarm untypisch hohe Bakteriendichte, oft mit Dickdarmkeimen.[1] Da diese Kohlenhydrate bereits im Dünndarm fermentieren, entstehen Gase – mit Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfall oder Verstopfung; bei ausgeprägter Fehlbesiedlung drohen Nährstoffmängel, etwa an Vitamin B12 oder Eisen.[1]

Die Beschwerden überschneiden sich stark mit dem Reizdarmsyndrom; bei einem Teil der Betroffenen lässt sich tatsächlich eine SIBO nachweisen – ein positiver Atemtest allein beweist jedoch noch keine behandlungsbedürftige Erkrankung.[2]

Neben der klassischen Wasserstoff-SIBO (H₂-SIBO) unterscheidet man heute die Schwefelwasserstoff-Form (H₂S-SIBO), die Methanform durch Archaeen (Intestinal Methanogen Overgrowth, IMO) sowie Mischformen; da Methan die Motilität verlangsamt, geht die IMO häufig mit Verstopfung einher.[1,8]

Die Kolonisationsresistenz des Dünndarms

Der Dünndarm verfügt über mehrere Schutzmechanismen. Die wichtigste Rolle spielt der Migrating Motor Complex (MMC) – eine rhythmische Reinigungswelle, die nüchtern zwischen den Mahlzeiten alle 90 bis 120 Minuten Speisereste und Bakterien Richtung Dickdarm befördert, gesteuert von den interstitiellen Cajal-Zellen. Ergänzend schützen Magensäure, Gallen- und Pankreassekrete, die Ileozäkalklappe und das mukosale Immunsystem mit sekretorischem IgA.

SIBO entsteht meist, wenn einer dieser Mechanismen versagt – etwa durch Motilitätsstörungen bei Diabetes oder Sklerodermie, nach Darminfektionen, durch anatomische Veränderungen oder unter Säureblockade.[1] Das erklärt die hohe Rückfallrate: Werden nur die Bakterien reduziert, nicht aber die Ursache, kehrt die Fehlbesiedlung zurück.

Die postinfektiöse Spur: Autoimmunität im Darm

Warum entwickeln manche Menschen nach einer akuten Gastroenteritis über Jahre Reizdarmbeschwerden und eine SIBO? Eine der überzeugendsten Erklärungen stammt von Mark Pimentel: Viele Erreger – darunter Campylobacter jejuni – bilden das Cytolethal Distending Toxin B (CdtB); die dagegen gerichteten Antikörper erkennen aufgrund molekularer Mimikry auch das körpereigene Vinculin und schädigen so enterische Nervenzellen und Cajal-Zellen – die Motilität wird dauerhaft gestört.[3] In einer Studie mit über 2000 Probanden wurden Anti-CdtB- und Anti-Vinculin-Antikörper als Biomarker eines postinfektiösen Reizdarms etabliert.[4] SIBO ist demnach in einem Teil der Fälle Ausdruck einer immunologisch ausgelösten Motilitätsstörung.

Die Darm-Hirn-Immun-Achse: ein bidirektionales Netzwerk

Die Psychoneuroimmunologie beschreibt das Zusammenspiel unserer Regelsysteme: Gehirn, autonomes Nervensystem, Hormon- und Immunsystem sowie der Darm mit Mikrobiom und Metabolom stehen in ständigem Austausch. Die Darmschleimhaut ist die grösste Grenzfläche nach aussen und beherbergt das grösste Immunorgan des Körpers.[5] Bei Reizdarm und SIBO liegt häufig eine Dysregulation dieser Achse vor; die Kommunikation verläuft in beide Richtungen und kann sich zu einem Teufelskreis entwickeln (Abb. 1).

Von oben nach unten: Chronischer Stress aktiviert die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse, erhöht das Cortisol und verschiebt das autonome Gleichgewicht zum Sympathikus. Folgen sind verlangsamte Motilität, reduzierte MMC-Aktivität, erhöhte Darmpermeabilität (Leaky Gut) und Dysbiose.[6]

Von unten nach oben: Über die durchlässige Barriere gelangen bakterielle Endotoxine (Lipopolysaccharide, LPS) in den Kreislauf und fördern eine niedriggradige systemische Entzündung (Silent Inflammation). Zugleich melden Vagusfasern Entzündungssignale ans Gehirn und beeinflussen Stimmung und Schmerzwahrnehmung; Angst, depressive Symptome und viszerale Hypersensibilität können folgen.[7]

Abb. 1 · Teufelskreis der Darm-Hirn-Immun-Achse bei SIBO – an jeder Stelle unterbrechbar. Eigene Grafik nach [5–7, 11].

Diagnostik: Möglichkeiten und Grenzen

Idealerweise beginnt die Diagnostik mit einer Anamnese, die neben dem Symptomprofil auch Vor- und Begleiterkrankungen berücksichtigt – denn SIBO tritt oft im Rahmen anderer Erkrankungen auf, etwa bei diabetischer autonomer Neuropathie, Amyloidose, Hypothyreose, Hashimoto-Thyreoiditis oder Zöliakie.

In der Praxis erfolgt der Nachweis meist über den Wasserstoff-Methan-Atemtest: Nach Gabe eines fermentierbaren Substrats (Lactulose) werden H₂ und CH₄ gemessen. Ein H₂-Anstieg ≥ 20 ppm binnen 90 Minuten spricht für eine H₂-SIBO, ein Methanwert ≥ 10 ppm für eine IMO.[1,8] Das Dünndarmaspirat (> 10³ KBE/ml) gilt als Goldstandard, ist aber invasiv und selten praktikabel.[1] Auch der Atemtest hat Grenzen – eine beschleunigte Passage kann falsch-positive Resultate erzeugen. Entscheidend bleiben Anamnese, Symptomatik und der Ausschluss von Warnzeichen wie Gewichtsverlust, Blut im Stuhl oder Anämie.[2]

Integrative Therapie: Mehr als nur Bakterien reduzieren

Die Behandlung einer SIBO lindert die Beschwerden vieler IBS-Patienten deutlich. Die hohe Rückfallrate klassischer Protokolle zeigt jedoch: SIBO ist meist nicht das Problem, sondern Folge einer gestörten Darmregulation. Eine nachhaltige Therapie berücksichtigt daher mehrere Ebenen (Abb. 2).

1. Überwucherung reduzieren. Je nach Befund kommen Antibiotika, pflanzliche Antimikrobika, die Elementardiät oder befristete Diäten (z. B. Biphasic SIBO Diet nach Jacobi) infrage. Ziel ist die Reduktion der Überwucherung – nicht die Elimination des Mikrobioms; hohe Diversität bleibt zentrales Langzeitziel.

2. Darmmotilität wiederherstellen. Da Motilitätsstörungen die Hauptursache von Rückfällen sind, ist die Reinigungsfunktion des MMC entscheidend: Prokinetika, Essenspausen von vier bis fünf Stunden und nächtliche Nahrungskarenz unterstützen sie.

3. Darmbarriere und Mikronährstoffe stärken. Wichtig sind die Regeneration der Schleimhaut, die Behandlung eines Leaky Gut und der Ausgleich von Defiziten – vor allem Vitamin B12, Eisen und fettlösliche Vitamine. Prä-, Pro- und Postbiotika gezielt einsetzen.

4. Darm-Hirn-Achse regulieren. Ein oft unterschätzter Baustein betrifft das autonome Nervensystem: Darmgerichtete Hypnose, gastrointestinal fokussierte Verhaltenstherapie und Achtsamkeit bessern Beschwerden bei Störungen der Darm-Hirn-Interaktion nachweislich – teils vergleichbar mit Medikamenten.[10,11] Auch Atemübungen, Bewegung, Schlaf und Stressreduktion fördern den Vagustonus.[7]

Abb. 2 · Integrative Stufentherapie – vom Symptom zur Wurzel. Klassische Protokolle bleiben auf Ebene 1; integrativ ergänzt werden Motilität, Schleimhaut und Nervensystem. Nach [1, 7–10].

Fazit

SIBO wird heute zunehmend als Ausdruck einer gestörten Darmregulation verstanden, nicht nur als bakterielle Fehlbesiedlung. Motilität, Barriere, Immunprozesse und die Darm-Hirn-Achse greifen eng ineinander; gerade bei einem Teil der Reizdarmpatienten spielt SIBO eine klinisch relevante Rolle. Eine nachhaltige Therapie adressiert deshalb nicht nur die Überwucherung, sondern ebenso Motilität, Barriere und neuroimmunologische Regulation – das erklärt, warum rein symptomorientierte Ansätze oft nur kurzfristig wirken.

LITERATUR

1. Pimentel M, Saad RJ, Long MD, Rao SSC. ACG Clinical Guideline: Small Intestinal Bacterial Overgrowth. Am J Gastroenterol. 2020;115(2):165–178. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32023228

2. Suárez Terán J, Guarner F. Small intestinal bacterial overgrowth (SIBO), a clinically overdiagnosed entity? Gastroenterol Hepatol. 2024;47(9):502190. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38719183

3. Pimentel M, Morales W, Pokkunuri V, et al. Autoimmunity Links Vinculin to the Pathophysiology of Chronic Functional Bowel Changes Following Campylobacter jejuni Infection in a Rat Model. Dig Dis Sci. 2015;60(5):1195–1205. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25424202

4. Pimentel M, Morales W, Rezaie A, et al. Development and Validation of a Biomarker for Diarrhea-Predominant Irritable Bowel Syndrome in Human Subjects. PLoS One. 2015;10(5):e0126438. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25970536

5. Carabotti M, Scirocco A, Maselli MA, Severi C. The Gut-Brain Axis: Interactions Between Enteric Microbiota, Central and Enteric Nervous Systems. Ann Gastroenterol. 2015;28(2):203–209. pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC4367209

6. Ge L, Liu S, Li S, Yang J, Hu G, Xu C, Song W. Psychological stress in inflammatory bowel disease: psychoneuroimmunological insights into bidirectional gut–brain communications. Front Immunol. 2022;13:1016578. doi.org/10.3389/fimmu.2022.1016578

7. Bonaz B, Bazin T, Pellissier S. The Vagus Nerve at the Interface of the Microbiota-Gut-Brain Axis. Front Neurosci. 2018;12:49. pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5808284

8. Rezaie A, Buresi M, Lembo A, et al. Hydrogen and Methane-Based Breath Testing in Gastrointestinal Disorders: The North American Consensus. Am J Gastroenterol. 2017;112(5):775–784. doi.org/10.1038/ajg.2017.46

9. Takakura W, Rezaie A, Chey WD, Wang J, Pimentel M. Symptomatic Response to Antibiotics in Patients With Small Intestinal Bacterial Overgrowth: A Systematic Review and Meta-analysis. J Neurogastroenterol Motil. 2024;30(1):7–16. doi.org/10.5056/jnm22187

10. Keefer L, Ballou SK, Drossman DA, Ringström G, Elsenbruch S, Ljótsson B. A Rome Working Team Report on Brain-Gut Behavior Therapies for Disorders of Gut-Brain Interaction. Gastroenterology. 2022;162(1):300–315. doi.org/10.1053/j.gastro.2021.09.015

11. Van Oudenhove L, Crowell MD, Drossman DA, et al. Biopsychosocial Aspects of Functional Gastrointestinal Disorders. Gastroenterology. 2016;150(6):1355–1367. doi.org/10.1053/j.gastro.2016.02.027

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SSAAMP and IAOSS Collaboration at the Cell Therapy Symposium in Malaysia

Published: July 6, 2026
Author: Dr. med. Simon Feldhaus, President SSAAMP

SSAAMP is a scientific professional society dedicated to integrative thinking and action.

The core principles of our society are:

  • Life should not primarily be prolonged, but should be marked by the highest possible quality at every stage. In line with this guiding principle, we place particular emphasis on optimizing quality of life.
  • Our work is shaped by recognized medical methods and is based on continuously expanding scientific research.

The International Association of Organ and Stem Cell Therapy Specialists (IAOSS) is an international medical-scientific association founded over 40 years ago in Switzerland, with active participation from Germany and France. IAOSS is committed to advancing organ therapy and cell medicine as complementary medical disciplines, particularly in the context of anti-aging, regenerative medicine, and chronic degenerative diseases.

IAOSS also provides physicians and researchers with a professional platform for exchanging clinical experience, evaluating scientific developments, and discussing therapeutic concepts related to organ extracts, embryonic stem cell applications, and lyophilized preparations from fresh organ cells. The focus is on evidence-based practice, patient safety, and adherence to ethical and regulatory standards.

Cell therapy procedures are currently subject to major restrictions in Germany and Switzerland in particular, and are not approved for use except in a few special indications.

Internationally, however, the situation looks entirely different. In Asia especially, cell therapies are very popular and are widely used therapeutically.

The company ZÉLL-V in Malaysia, with over two decades of experience in anti-aging and regenerative wellness, is a pioneer in the field of cell therapy. Founded by Dato‘ Sharon Foong, the brand helps people activate their body’s natural regenerative potential — going beyond conventional medicine to restore health at the cellular level.

ZÉLL-V is accredited by both IAOSS and the German-French Society for Thymus Therapy (GFSTT), which has an 80-year history.

A medical advisory board made up of international and local physicians and scientists provides strong support for ZÉLL-V.

To scientifically research the mechanisms and outcomes of cellular treatments, IAOSS regularly organizes international symposia.

In 2026, the symposium was held under the title:
Beyond Chronological Age: The Role of Cellular Therapy in Life Extension Medicine

This ties in directly with the core principles of anti-aging medicine.

As President of SSAAMP, I had the honor of being invited by IAOSS as a keynote speaker at the symposium in Kuala Lumpur in April, and I accepted this invitation.

The talk I gave was titled:

„Cellular Therapy in Life Extension and Integrative Medicine.“

The symposium was very well attended, with physicians from various Asian countries including the Philippines, China, Malaysia, and many more.

Professor Dr. Nor Shahidah Khairullah from ZÉLL-V presented her experience under the title „Xenogeneic Cellular Therapy in Regenerative Medicine.“ Further talks covered „Cellular Therapy for Post-Covid Health Improvement“ and „The Roles of Cellular Aging in the Scientific Development of Life Extension Treatment Strategies.“

The symposium was a great success, showcasing impressive case reports on the integrative use of stem cells in treating highly complex diseases as well as in preventive medicine.

Cell-based treatments should definitely continue to be researched scientifically, and possible therapeutic options should be discussed and made available for further patients and indications through the exchange of experience with physicians in the Asian region.

The ban on these treatments in both Switzerland and Germany appears, from a scientific standpoint, hard to understand, as it prevents professional scientific discussion and research — which does not align with the fundamental principles of medicine.

The collaboration between SSAAMP and IAOSS has proven to be entirely positive and is to be continued and expanded in the future. Planned activities include scientific collaboration as well as physician exchange for continuing education.

We were also able to gain new members from Malaysia, allowing SSAAMP to represent itself internationally and significantly enhance its reputation.

Further joint symposia between the professional societies are planned for the future.

Dr. med. Simon Feldhaus
President SSAAMP
www.ssaamp.ch

Die SSAAMP und IAOSS Zusammenarbeit am Symposium für Cell therapy in Malaysia

Veröffentlicht: 1. Juni 2026

Autor: Dr. med. Simon Feldhaus, Präsident SSAAMP

Die SSAAMP ist eine wissenschaftliche Fachgesellschaft und steht für integrative Gedanken und Handlungsweisen.


 Die Hauptprinzipien unserer Gesellschaft sind

  • Das Leben soll nicht primär verlängert werden, sondern in allen Phasen des Lebens durch möglichst hohe Qualität gekennzeichnet sein. Diesem Leitsatz entsprechend versuchen wir, der Optimierung der Lebensqualität ein besonderes Gewicht zu geben.
  • Unsere Tätigkeit ist geprägt von anerkannten Methoden der Medizin und basiert auf dem laufend erweiterten Stand der wissenschaftlichen Forschung.

Die Internationale Vereinigung der Spezialisten für Organ- und Stammzelltherapie (IAOSS) ist eine internationale medizinisch-wissenschaftliche Vereinigung, die vor über 40 Jahren in der Schweiz gegründet wurde und an der Deutschland und Frankreich aktiv mitwirken. Die IAOSS hat sich der Förderung der Organtherapie und der Zellmedizin als komplementäre medizinische Disziplinen verschrieben, insbesondere im Zusammenhang mit Anti-Aging, regenerativer Medizin und chronisch-degenerativen Erkrankungen.

Dazu bietet die IAOSS Ärzten und Forschern eine professionelle Plattform zum Austausch klinischer Erfahrungen, zur Bewertung wissenschaftlicher Entwicklungen und zur Diskussion therapeutischer Konzepte im Zusammenhang mit Organextrakten, Anwendungen im Bereich embryonaler Stammzellen und lyophilisierten Präparaten aus frischen Organzellen. Der Schwerpunkt liegt auf evidenzbasierter Praxis, Patientensicherheit und der Einhaltung ethischer und regulatorischer Standards.

Die Zelltherapieverfahren sind vor allem in Deutschland und der Schweiz aktuell massiven Restriktionen unterstellt und bis auf wenige besondere Indikationen nicht zur Anwendung zugelassen.

Doch international sieht die Situation völlig anders aus. Gerade im asiatischen Bereich sind Zelltherapien sehr populär und werden breit therapeutisch angewendet.

Die Firma ZÉLL-V in Malaysia ist mit über zwei Jahrzehnten Erfahrung in den Bereichen Anti-Aging und regenerative Wellness ein Pionier auf dem Gebiet der Zelltherapie. Die von Dato’ Sharon Foong gegründete Marke unterstützt Menschen dabei, das natürliche Regenerationspotenzial ihres Körpers zu aktivieren – und geht dabei über die konventionelle Medizin hinaus, um die Gesundheit auf zellulärer Ebene wiederherzustellen

ZÉLL-V ist von der IAOSS sowie von der Deutsch-Französischen Gesellschaft für Thymustherapie (GFSTT) mit ihrer 80-jährigen Geschichte akkreditiert.

Ein medizinischer Beirat, bestehend aus internationalen und lokalen Ärzten sowie Wissenschaftlern, bildet eine starke Stütze für ZÉLL-V.

Zur wissenschaftlichen Erforschung der Wirkungsweise und Erfolge zellulärer Behandlungen werden von der IAOSS regelmässige internationale Symposien organisiert.

2026 stand das Symposium unter dem Titel:
 Beyond Chronological Age: The Role of Cellular Therapy in Life Extension Medicine

Hier ergeben sich direkte zusammenhänge mit den Grundprinzipien der Anti Aging Medizin.

Als Präsident der SSAAMP wurde mir die Ehre zuteil von der IAOSS eine Einladung als Key Note Speaker auf dem Symposium im April in Kuala Lumpur zu agieren und dieser Einladung habe ich entsprochen.

Der Vortrag den ich gehalten habe ging über

„ Cellular Therapy In Life Extension and integrative Medicine“.

Dys Symposium war sehr gut besucht mit Ärzten aus verschiedenen asiatischen Ländern wie den Phillipinen, China, Malaysia und vielen mehr.

Professor Dr. Nor Shahidah Khairullah von Zell-V präsentierte Ihre Erfahrungen unter dem Titel
 „Xenogeneic Cellular Therapy in Regenerative Medicine“, weitere Vorträge gingen über „Cellular Therapy for Post Covid Health Improvement“ und „The Roles of Cellular Aging in The Scientific Development of Life Extension Treatment Strategies“

Das Symposium war ein grosser Erfolg und es wurden beeindruckende Case reports in der integrativen Anwendung von Stammzellen in der Behandlung sehr komplexer Krankheiten aber auch im Bereich der präventiven Medizin vorgestellt.

Zellbasierte Behandlungen sollten unbedingt fachlich wissenschaftlich weiter erforscht und über den Erfahrungsaustausch mit den Ärzten im asiatischen Raum sollten die möglichen therapeutischen Optionen diskutiert und für weitere Patienten und Indikationen zur Nutzung gebracht werden.

Der sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland ausgesprochene Bann dieser Behandlungen erscheint aus wissenschaftlicher Sicht nicht nachvollziehbar, denn man verhindert damit eine fachlich wissenschaftliche Diskussion und Forschung was nicht dem Grundgedanken der Medizin entspricht.

Die Zusammenarbeit der SSAAMP mit der IAOSS hat sich als absolut positiv erwiesen und soll in der Zukunft weitergeführt und ausgebaut werden. Vorgesehen sind fachlich wissenschaftliche Zusammenarbeit und auch der Austausch von Ärzten zur Weiterbildung.

Ebenfalls konnten wir bereits neue Mitglieder aus Malaysia gewinnen und somit die SSAAMP auch international repräsentieren und unser Ansehen deutlich verbessern.

Geplant sind in der Zukunft weitere Symposien in Zusammenarbeit der Fachgesellschaften.

Dr. med. Simon Feldhaus

Präsident SSAAMP

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Krankt die Medizin ?


SSAAMP-Kongress im Seminarhotel Bocken am 16. Mai 2026

Programm auf der Site www.ssaamp.ch

Veröffentlicht: 23. März 2026

Autor: Dr. med. Simon Feldhaus, Präsident SSAAMP

In den letzten 50 Jahren haben sich systematische Denkfehler in die klassische Medizin eingeschlichen. Es gibt Bereiche, in denen Patienteninteressen zu Gunsten von Marktinteressen zurückgeschraubt werden. Viele Fehler, die alle Bereiche der Medizin durchziehen, sind auf ein Fehlverständnis in Auswertung und Interpretation von Forschung zurückzuführen. Erkennt man diese Fehler, ändert man das Verhalten – was dazu führt, dass man eine Medizin betreibt, die für die Patienten wieder Sinn macht.

Die gelehrte Schulmedizin beschränkt sich in therapeutischer Hinsicht vorwiegend auf die Prinzipien der Kompensation und des Antagonismus. Wir sprechen also von Prinzipien, die meist das Blockieren von funktionellen Abläufen oder die Ergänzung fehlender Substanzen im Sinne einer Substitutionstherapie zum Ziele haben.

Wiederholte Einsätze solcher Behandlungen bewirken trotz oberflächlicher Symptombeseitigung oft einen hintergründigen Einbruch funktioneller Gleichgewichte und führen ihrer körperfremden Eigenschaften wegen häufig zu erheblichen Nebenwirkungen. Die Schulmedizin ist vorwiegend eine Organmedizin, und die Prinzipien isolierter Organdiagnostik und Organtherapie schliessen eo ipso eine ganzheitliche Therapie aus.

Bei solchem Vorgehen wird bei der Behandlung bestimmter Organsysteme die Ganzheit denkerisch und methodisch ausgeblendet und das sogar für den Fall, wenn verschiedene Organe gleichzeitig und additiv therapeutisch angegangen werden. Zur Veranschaulichung dieses Problems kann man sich ein von einem Baum abgetrenntes Laubblatt vor Augen halten, welches zur genaueren Analyse in verschiedene Teile zerschnitten wird. Ein blosses, allenfalls auch raffiniertes Zusammenfügen der einzelnen Blatt-Teile ergibt nie mehr das vormalige Ganze eines lebendigen Laubbaumes.

SSAAMP Kongress 2026, Chapter 4, Prof. Nawroth (Referent)

Der «Hippokratische Eid» ist zum Feigenblatt verkommen, im Angesicht der Strukturen eines durchideologisierten Systems, das Patienten nicht als Individuen betrachtet, sondern als Objekte, die für die Eigeninteressen von Fachgruppen, Fachgesellschaften und sogenannten Sektoren missbraucht werden. Es geht um die Meinungsmacht von Ärzten und deren Organisationen, Fehlinterpretationen der Wissenschafts-Medizin eingeschlossen um Ethik und Patientenwohl geht es kaum noch.
Professor emeritus Dr. Dr. h.c. Peter Nawroth, Mediziner, hochdekorierter Experte und Mitglied der Leopoldina berichtet in seinem Vortrag von seinen Erfahrungen und Beobachtungen aus dem Inneren des Medizinbetriebs. Er räumt auf mit dem Nimbus der Wissenschaft Medizin, die nur noch ein Torso ihrer ursprünglich ethischen Veranlassung ist. Peter Nawroth deckt auf, wie sich durch Ideologisierung der Wissenschaft die Medizin von ihrem eigentlichen Auftrag entfernt hat eine kompetente und kristallklare Auseinandersetzung mit Strukturen, Wissenschaftlern und Managern, die die Gesundheit der Menschen gefährden und die Freiheit der Bürgerpatienten missachten.

Für die SSAAMP,

Dr. med. Simon Feldhaus, Präsident SSAAMP

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Orthomolekulare Medizin OM Highlights 2026

SSAAMP-Fortbildung im Hotel St. Gotthard Zürich am Donnerstag, 23. April 2026

Programm auf der Site www.ssaamp.ch

Veröffentlicht: 11. März 2026

Autor: Dr. med. Simon Feldhaus, Präsident SSAAMP

Die SSAAMP ist DIE neutrale Fachgesellschaft für orthomolekulare Medizin in der Schweiz. Dies begründet sich auch in der Integration der FEOS in unsere Gesellschaft vor vielen Jahren.

Aus Sicht der orthomolekularen Medizin führt ein biochemisches Ungleichgewicht im Körper zu Krankheiten. Dieses Ungleichgewicht kann durch Zugabe von Mikronährstoffen korrigiert werden.

 Zu ihnen gehören Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe, essentielle Fett- und Aminosäuren. Neuerdings werden auch sekundäre Pflanzenstoffe sowie Pro- und Prebiotika in den Bereichen der vernetzt arbeitenden orthomolekularen Medizin integriert.

Alle Mikronährstoffe könnten grundsätzlich mit unserer täglichen Nahrung aufgenommen werden. Durch Veränderungen der Grundqualität der Nahrungsmittel, Verluste durch Lagerung oder Zubereitung kommt es allerdings zu einem massiven Rückgang der Inhaltsstoffe, so dass in vielen Bereichen die Zufuhr über die Nahrungsmittel nicht mehr ausreicht.

Chronische Krankheiten und Medikamente greifen in das sensible biochemische Gleichgewicht ein und führen zu Mangel an Mikronährstoffen.

Diese Missstände können zu chronischen Mangelerscheinungen oder Krankheiten führen wie z.B. Allergien, Migräne, Depressionen, unklaren Darmbeschwerden, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Schlafstörungen, Chronisches Erschöpfungssyndrom, Impotenz, Hormonstörungen, Infertilität, Immunschwäche, unklaren chronischen Schmerzen, etc.

Das Wissen über Mikronährstoffe und deren Vernetzung im menschlichen Stoffwechsel bleibt nicht stehen, sondern erweitert sich regelmässig.

Daher gilt es auch den persönlichen Kenntnisstand regelmässig auf den neuesten Stand zu bringen.

Beispiele aktueller neuer Entwicklungen sind:

Mit dem zunehmenden Einsatz der GLP-1-RA zeigen sich nun neben deren therapeutischen Erfolgen auch deren metabolischen Schattenseiten. Die GLP-1-RA verlangsamen die Transitzeit der Nahrung durch den Magen-Darm-Trakt und reduzieren den Appetit. Diese grundsätzlich erwünschten Eigenschaften können jedoch zu einer verminderten Nahrungs- und Kalorienaufnahme und als Folge davon zu Störungen der Makro- und Mikronährstoff-Bilanz führen.

Weiterhin gilt es die Kenntnisse der vernetzten Anwendung der Mikronährstoffe zu vertiefen.

Hier kann das «Causa Logica Prinzip” von Dr. Christian Burghardt (Referent am 23.4.26) neue Impulse setzen:

Das Causa Logica® Konzept basiert auf der Erkenntnis, dass Mikronährstoffe nicht einzeln wirken, sondern in fein abgestimmten Kombinationen, die sich gegenseitig unterstützen, aktivieren oder sogar erst wirksam machen.

Statt einen Stoff gezielt hoch zudosieren, wie es in vielen Präparaten üblich ist, geht es um den Weg der natürlichen Synergie. Jeder Komplex wird sorgfältig nach dem Prinzip der biologischen Logik komponiert – wie ein Rezept der Natur, bei dem alle Zutaten in der richtigen Menge und Reihenfolge zusammenwirken.

Das Ziel ist nicht nur die Versorgung, sondern die Wiederherstellung funktioneller Prozesse auf Zellebene – sei es im Energiestoffwechsel, bei hormonellen Regelkreisen, im Immunsystem oder der mitochondrialen Regeneration

Im Frühlingsseminar der SSAAMP am 23. April 2026 erfahren Sie die neuesten Entwicklungen im Bereich der Mikronährstoffe von ausgesuchten Experten mit dem Ziel, diese News im Praxisalltag sofort umsetzen zu können.

Wie immer: SSAAMP first to know !!

Dr. med. Simon Feldhaus, Präsident SSAAMP

Studien:

 Al-Najim W et al. Unintended Consequences of Obesity Pharmacotherapy: A Nutritional Approach to Ensuring Better Patient Outcomes. Nutrients. 2025;17(11):1934. https://www.mdpi.com/2072-6643/17/11/1934.

Johnson B et al. Investigating nutrient intake during use of glucagon-like peptide-1 receptor agonist: A cross-sectional study. Frontiers in Nutrition.2025;12:1566498. https://www.frontiersin.org/journals/nutrition/articles/10.3389/fnut.2025.1566498/full.

SSAAMP-Fortbildung im Hotel St. Gotthard Zürich am Donnerstag, 23. April 2026

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Säure Basen und Longevity – Mythen und Fakten

SSAAMP-Kongress im Seminarhotel Bocken am 16. Mai 2026

Programm auf der Site www.ssaamp.ch

Veröffentlicht: 4. März 2026

Autor: Dr. med. John van Limburg Stirum

Der Säure-Basen-Haushalt wird im Kontext von Longevity häufig missverstanden. In populären, aber auch semimedizinischen Diskursen dominiert die Vorstellung, Alterung gehe mit einer zunehmenden Übersäuerung des Organismus einher und müsse durch konsequente Alkalisierung kompensiert werden. Diese Sichtweise hält einer physiologischen Betrachtung jedoch nicht stand. Sie verkennt, dass Säuren kein pathologisches Nebenprodukt sind, sondern Ausdruck von Leben, Aktivität und metabolischer Dynamik.

Säuren entstehen dort, wo Energie umgesetzt wird. Jede ATP-Hydrolyse, jede glykolytische Reaktion, jede mitochondriale Oxidation ist mit Protonenfreisetzung gekoppelt. Ein Organismus, der keine Säuren mehr produziert, ist kein gesunder, sondern ein inaktiver. Der physiologische pH-Wert des Blutes wird eng reguliert, nicht um Säuren zu vermeiden, sondern um deren Wirkung präzise zu steuern. Diese Regulation ist Voraussetzung dafür, dass Enzyme arbeiten, Membranpotenziale erhalten bleiben und zelluläre Signalprozesse funktionieren.

Mit zunehmendem Alter verändert sich der Säure-Basen-Haushalt nicht in Richtung Azidose, sondern in Richtung metabolischer Verarmung. Die mitochondriale Leistungsfähigkeit nimmt ab, der ATP-Turnover sinkt, körperliche wie zelluläre Aktivität werden geringer. Damit reduziert sich auch die physiologische Säureproduktion. Was oft als „Entlastung“ interpretiert wird, ist in Wahrheit der Ausdruck nachlassender Stoffwechselaktivität. Der Organismus wird nicht gesünder, sondern ruhiger – und schliesslich träge.

Säuren erfüllen im lebenden System eine zentrale Steuerfunktion. Lokale Azidose fördert die Sauerstoffabgabe im Gewebe, moduliert die Durchblutung und beeinflusst enzymatische Reaktionsgeschwindigkeiten. Diese pH-abhängigen Prozesse sind elementar für Anpassung, Belastbarkeit und Regeneration. Wo keine Säure mehr entsteht, fehlt auch der Reiz zur Anpassung. Alterung ist daher weniger ein Problem überschüssiger Säuren als vielmehr ein Verlust der Fähigkeit, funktionelle Azidose zu erzeugen und zu nutzen.

Der Satz „Der Tod ist alkalisch“ ist in diesem Zusammenhang nicht provokativ, sondern biochemisch korrekt. Mit dem Ende des Lebens kommt die Energieumsetzung zum Stillstand. Es werden keine Protonengradienten mehr aufgebaut, keine oxidative Phosphorylierung findet statt, keine ATP-Hydrolyse setzt Protonen frei. Der pH-Wert steigt, nicht weil der Organismus gesünder wird, sondern weil er aufgehört hat zu arbeiten. Alkalinität ist kein Zeichen von Vitalität, sondern von metabolischer Inaktivität.

Vor diesem Hintergrund erscheint das Konzept der dauerhaften Entsäuerung als therapeutisches Ziel fragwürdig. Eine kontinuierliche externe Alkalisierung kann pH-abhängige Signale abschwächen und adaptive Reize dämpfen. Insbesondere beim alternden Organismus, der ohnehin an metabolischer Dynamik verliert, kann dies die verbleibende Regulationsfähigkeit weiter reduzieren. Nicht die Neutralisation von Säuren ist entscheidend, sondern die Fähigkeit, Säuren bei Bedarf zu erzeugen, sie lokal wirksam werden zu lassen und anschliessend effizient zu regulieren.

Longevity bedeutet aus säure-basen-physiologischer Sicht nicht, den pH-Wert in Richtung Alkalinität zu verschieben, sondern die Fähigkeit zur Regulation zu erhalten. Ein langlebiger Organismus ist nicht basisch, sondern reaktionsfähig. Er kann Säure produzieren, ohne daran zu scheitern, und sie eliminieren, ohne sie zu fürchten. Der Verlust dieser Fähigkeit markiert nicht nur den Beginn funktioneller Alterung, sondern letztlich das Ende biologischer Aktivität.

Mehr zum Thema aus erster Hand am SSAAMP-Kongress 16. Mai 2026 im Seminarhotel Bocken – wir freuen uns auf einen Austausch mit Ihnen

Dr. med. John van Limburg Stirum, Vize-Präsident SSAAMP

SSAAMP-Kongress am Samstag 16. Mai 2026

Kongress-Programm auf Home                      www.ssaamp.ch

Direkt zum Kongress-Ticket                             www.ssaamp.ch/tickets

Fachgesellschaft SSAAMP                               www.ssaamp.ch

Zirkadiane Rhythmen und Chronomedizin – warum dein Körper eine eigene Uhr trägt

SSAAMP-Kongress im Seminarhotel Bocken am 16. Mai 2026

Programm auf der Site www.ssaamp.ch

Veröffentlicht: 14. Februar 2026

Autor: Sybille Binder, Vorstandsmitglied SSAAMP

Zirkadiane Rhythmen und Chronomedizin – warum dein Körper eine eigene Uhr trägt

Auch wenn wir ständig auf Smartphone, Armbanduhr oder Backofen-Display schauen – die wichtigste Uhr tickt unsichtbar in unserem Inneren. Diese zirkadiane Uhr gibt seit Millionen Jahren den Takt vor und lässt sich von Weckerklingeln, Terminkalendern oder Streaming-Marathons nur sehr begrenzt beeindrucken. Sie bestimmt, wann wir müde werden, wann wir leistungsfähig sind, wann Hormone ausgeschüttet werden und sogar, wann Medikamente besonders gut wirken. Willkommen in der Welt der Chronomedizin – der Lehre vom richtigen Zeitpunkt.

Die innere Uhr: Ein Orchester ohne Dirigent?

Genau genommen ist die innere Uhr eher ein ganzes Orchester. Fast jede Zelle im Körper hat ihren eigenen kleinen Taktgeber. Damit daraus kein biologischer Free Jazz wird, gibt es eine übergeordnete Koordination im Gehirn. Der wichtigste Dirigent heisst Licht. Morgens sorgt Tageslicht dafür, dass wir wach werden, abends signalisiert Dunkelheit: Jetzt bitte langsam runterfahren. Problematisch wird es, wenn wir diesem System regelmässig widersprechen – zum Beispiel mit grellem Bildschirmlicht um Mitternacht oder Frühstück um 14 Uhr.

Wenn der Körper aus dem Takt kommt

Wer dauerhaft gegen seine innere Uhr lebt, zahlt irgendwann die Rechnung. Schlafprobleme sind oft nur der Anfang. Studien zeigen Zusammenhänge zwischen gestörten zirkadianen Rhythmen und Übergewicht, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Stimmungstiefs. Der Körper liebt Regelmässigkeit – Chaos mag er höchstens im Improvisationstheater, nicht im Stoffwechsel.

Besonders Schichtarbeit, Jetlag oder stark schwankende Schlafzeiten bringen die innere Uhr durcheinander. Das Ergebnis fühlt sich an, als hätte man ständig montags – nur ohne Aussicht auf Freitag.

Lerche oder Eule? Wenn möglich ehrlich sein😊

Nicht jeder Mensch tickt gleich. Manche springen morgens energiegeladen aus dem Bett, andere brauchen erst Kaffee Nummer drei, um ihren Namen korrekt schreiben zu können. Diese Unterschiede nennt man Chronotypen. Sie sind biologisch bedingt und kein Zeichen von Faulheit oder übertriebener Morgenliebe.

Trotzdem ist unsere Gesellschaft stark auf frühe Aktivität ausgelegt. Für späte Chronotypen bedeutet das oft chronischen Schlafmangel – vergleichbar mit einem permanenten Mini-Jetlag. Kein Wunder also, dass Konzentration und Laune manchmal leiden.

Chronomedizin: Therapie nach der Uhr

In der Medizin wird Zeit immer wichtiger. Viele Körperfunktionen schwanken im Tagesverlauf – Blutdruck, Hormonspiegel, Enzymaktivität. Das bedeutet: Ein Medikament kann morgens anders wirken als abends. Die Chronomedizin versucht, Behandlungen zeitlich so zu legen, dass sie möglichst effektiv und gut verträglich sind. Die richtige Tablette zur falschen Zeit ist nicht immer so clever.

Zeit ist mehr als eine Masseinheit, sie ist ein biologischer Faktor. Wer lernt, im Einklang mit seiner inneren Uhr zu leben, schläft besser, fühlt sich fitter und macht seinem Körper das Leben deutlich leichter. Denn eines ist sicher: Die innere Uhr tickt immer – ob wir zuhören oder nicht.

Erfahren Sie mehr dazu am Kongress durch   Prof. Dr. rer. nat. Henrik Oster

Haarstoffwechsel, Ernährung und Mikronährstoffe – warum deine Haare mitessen wollen

Haare sind genügsam? Von wegen. Sie sind eher wie anspruchsvolle Mitbewohner: Sie sagen selten direkt, was sie brauchen, reagieren aber sofort beleidigt, wenn etwas fehlt. Ein paar Haare mehr im Abfluss, ein lichter werdender Scheitel oder das Gefühl, dass der Zopf immer dünner wird – willkommen im Reich des Haarstoffwechsels.

Haare: Kleine Hochleistungsfabriken

Auch wenn sie still auf unserem Kopf sitzen, sind Haare biologisch gesehen echte Workaholics. Haarfollikel gehören zu den aktivsten Strukturen im Körper. Sie teilen Zellen im Akkord, produzieren Keratin und wechseln regelmässig zwischen Wachstums-, Übergangs- und Ruhephase. All das kostet Energie – und zwar täglich.

Wenn der Körper sparen muss, stehen Haare ziemlich weit oben auf der Einsparliste. Herz schlägt weiter, Gehirn denkt weiter, Haare? Können warten. Evolutionär logisch, emotional eher unerquicklich.

Ernährung: Was auf dem Teller landet, landet (auch) auf dem Kopf

Haare bestehen hauptsächlich aus Protein. Wer also glaubt, sie könnten von Luft und Liebe leben, wird früher oder später enttäuscht. Doch Protein allein reicht nicht. Der Haarstoffwechsel verlangt nach einem ganzen Team an Mikronährstoffen.

Eisen sorgt für Sauerstoff, Zink hilft bei Zellteilung, Biotin ist am Keratinaufbau beteiligt, Vitamin D funkt beim Wachstum mit, Vitamin C unterstützt die Eisenaufnahme – kurz gesagt: Ohne diese kleinen Helfer läuft im Haarfollikel nur der Notbetrieb.

Crash-Diäten, extrem einseitige Ernährung oder dauerhafte „Ich-esse-irgendwas-unterwegs“-Konzepte rächen sich deshalb gerne zeitverzögert. Haare haben ein gutes Gedächtnis – und eine lange Nachtragendauer.

Viel hilft viel? Leider nein.

Jetzt die schlechte Nachricht für Supplement-Fans: Einfach alles einwerfen, was im Drogerieregal glänzt, macht Haare nicht automatisch glücklicher. Mikronährstoffe wirken nur, wenn tatsächlich ein Mangel besteht. Zu viel des Guten kann wirkungslos bleiben oder im Zweifel neue Probleme schaffen.

Der Körper mag keine Nährstoff-Partys, sondern gut organisierte Sitzordnungen. Eine abwechslungsreiche Ernährung mit Gemüse, Obst, Vollkorn, gesunden Fetten und vernünftigen Proteinquellen ist für die meisten Haarfollikel deutlich überzeugender als die nächste Hochdosis-Kapsel.

Darm, Hormone und Stress – die heimlichen Strippenzieher

Der Haarstoffwechsel ist ein echtes Teamprojekt. Wenn der Darm Nährstoffe nicht richtig aufnimmt, kommen sie auch nicht am Haar an. Hormone mischen ebenfalls kräftig mit – vor allem Schilddrüse und Sexualhormone. Und Stress? Der ist der Endgegner.

Stress kann Haare regelrecht in den vorzeitigen Ruhestand schicken. Gemein dabei: Der Haarausfall zeigt sich oft erst Wochen später. Der Stress ist längst vorbei, die Haare protestieren immer noch.

Geduld: Die schwerste Haarpflege-Disziplin

Selbst wenn alles optimiert wird – Ernährung, Mikronährstoffe, Lebensstil – Haare wachsen langsam. Sehr langsam. Wer heute etwas ändert, sieht das Ergebnis frühestens nach Monaten. Haarstoffwechsel ist kein Sprint, sondern ein Langstreckenlauf mit sehr kleinen Etappen.

Fazit

Haare sind keine Deko, sondern Stoffwechselprodukte. Sie wollen regelmässig versorgt, nicht überfüttert und möglichst wenig gestresst werden. Wer ihnen das gibt, was sie brauchen – Zeit, Nährstoffe und ein halbwegs entspanntes Umfeld – erhöht die Chance, dass sie bleiben, wo sie hingehören: auf dem Kopf. Und zwar möglichst lange.

Erfahren Sie mehr …

… an unserem Jahreskongress vom 16. Mai 2026 durch Dr. med. Yael Adler aus Berlin

Sybille Binder, Vorstandsmitglied SSAAMP

SSAAMP-Kongress am Samstag 16. Mai 2026

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Darmmikrobiom / Orthobiotika

SSAAMP-Kongress im Seminarhotel Bocken am 16. Mai 2026

Programm auf der Site www.ssaamp.ch

Veröffentlicht: 14. Januar 2026

Autor: Dr. med. Simon Feldhaus, Präsident SSAAMP

Der Volksmund kennt das Sprichwort „die Gesundheit des Menschen liegt im Darme verborgen“. Und schon Paracelsus sagte: „Der Tod sitzt im Darm“.

Der Hintergrund dieser Aussagen besteht darin, dass der Darm ein raffiniertes Wunderwerk der Natur ist:

Er verdaut nicht nur Nahrung, sondern hat auch grossen Einfluss auf unglaubliche viele Körperfunktionen.

Daher ist er im wahrsten Sinne des Wortes ein Kraftort: Mit seiner Funktion steht und fällt unser gesamtes Körpersystem und das Wohlbefinden. Auch unsere Immunabwehr, die Neigung zu Allergien oder Unverträglichkeiten, Aussehen und Körpergewicht, ja selbst unsere Gemütslage werden massgeblich von ihm beeinflusst.

In seiner Anatomie und Funktionsfähigkeit ist das Verdauungssystem alles andere als ein banales Schlauchsystem, sondern vielmehr ein hochkomplex vernetztes und erstaunlich multifunktionell arbeitendes Organ.

Bei einem erwachsenen Menschen wird durch Auffaltung der Darmmukosa in Falten, Zotten und Schleimhaut-Ausstülpungen eine Gesamtoberfläche von 250–350 m2 erreicht.

Damit stellt er eine riesige Kontaktfläche zwischen Organismus und Umwelt dar und ein Wunderwerk maximaler Effektivität.

Milliarden Zellen sind auf dieser gewaltigen Fläche damit befasst, in der Nahrung Nährstoffe mithilfe von Enzymen in ihre chemischen Bestandteile zu zerlegen und an den Organismus weiterzugeben.

Der Dünndarm wie der Dickdarm werden von über 400 verschiedenen Bakterienstämmen besiedelt, wobei die mikrobielle Besiedlung der einzelnen Abschnitte im Gastrointestinaltrakt sehr unterschiedlich ist.

Magen und Zwölffingerdarm sind relativ keimarm. Im Dünndarm nimmt die Artenvielfalt und die Zahl der Mikroorganismen ständig zu, wobei anaerobe Florabestandteile immer stärker in den Vordergrund treten. Im Dickdarm schließlich werden die höchsten Bakterienkonzentrationen erreicht.

Beim Neugeborenen ist die Darmoberfläche praktisch steril. Erst bei der Geburt (ausgenommen Kaiserschnitt) und später beim Stillen kommt es zum ersten Kontakt mit Bifidobakterien und Laktobazillen. Diese breiten sich dann auf der Darmschleimhaut aus und bilden eine wichtige Grundlage für die Gesundheit und Entwicklung

Die Welt der Mikroben im Dickdarm scheint für jeden Menschen unterschiedlich zu sein. Dennoch gibt es einen gemeinsamen Nenner: das Core-Mikrobiom. Dieses Kerngerüst an Bakterien ist dafür verantwortlich, dass die Enzyme der Bakterien die Bestandteile in der Nahrung knacken, die der Mensch alleine nicht verdauen könnte. Dazu zählen die komplexen pflanzlichen Kohlenhydrate, die ohne Bakterien ungenutzt ausgeschieden würden. Außerdem gibt es bestimmte Vitamine, die der Mensch nicht selbst bilden kann. Auch hier helfen Bakterien bei der Gewinnung dieser Vitamine oder Vorstufen davon.

Neben diesem Core-Mikrobiom gibt es eine Vielfalt von Bakterien, die den Menschen individuell verdauen lassen

Die physiologische Darmflora stellt eine mikrobielle Barriere für die Ansiedlung und Vermehrung pathogener Erreger dar und verhindert ein überschiessendes Wachstum von oft anzutreffenden pathogenen Keimen wie Helicobacter, Campylobacter, Clostridien oder Candida. Diese Eigenschaft wird als Kolonisationsresistenz bezeichnet und beruht auf dem Besetzen von Schleimhautrezeptoren, einer Freisetzung bakteriostatischer Substanzen (Lysolezithin, Bakteriozine) und einer Konkurrenz um Nährstoffe, Vitamine oder Wachstumsfaktoren.

Zwischen den Darmbakterien und dem Wirt besteht eine Gemeinschaft mit gegenseitigem Nutzen (Symbiose).

Unverdauliche Nahrungsbestandteile wie Pflanzenfasern werden von den Darmbakterien aufgeschlossen und verwertet. Die Abbauprodukte dieser Prozesse fördern das Wachstum der Mikroorganismen und dienen ihnen zur Energiegewinnung. Aber auch der Wirt profitiert von ihren Fähigkeiten: Die beim bakteriellen Abbau von Kohlenhydraten im Dickdarm entstehenden kurzkettigen Fettsäuren (z.B. Buttersäure) dienen dem Schleimhautepithel des Dickdarms als Energiequelle. Auch beteiligen sich die Darmbakterien bei der Entsorgung von Fremd- und Schadstoffen. Die im Dickdarm entstehenden Endprodukte des bakteriellen Stoffwechsels wie Gase (Schwefelwasserstoff, Wasserstoff, Methan) oder andere nicht weiter verwertbare Reste werden mit dem Stuhl ausgeschieden.

Diese Metaboliten kommen immer mehr ins Zentrum des wissenschaftlichen Interesses da wahrscheinlich viel mehr vernetzte Wirkung über diese Metaboliten geschieht als über die Bakterien direkt.

Die Moderne Labordiagnostik (Mikrobolom!) hilft uns dabei das nun auch messbar prüfen zu können.

Neue Entwicklungen in der DNA-Sequenzierung von Bakterien haben zu vertieften Erkenntnissen und erweiterten Theorien zur Rolle der Mikrobiota (= Gesamtheit der Mikroorganismen) in der menschlichen Gesundheit geführt

Etwa 80 Prozent des zellulären lmmunsystems des Körpers befinden sich in den Lymphknoten unter der Darmschleimhaut. Zudem werden hier täglich 12 bis 14 Gramm spezifische Eiweisse wie beispielsweise die Immunglobuline produziert.

Die Immunantwort wird dann durch die Bildung verschiedener pro- und antientzündlicher Mediatoren (Zytokine) koordiniert.

Letztendlich fungieren die Darmbakterien als lebenslanger Trainings- und Kommunikationspartner für das darmassoziierte Immunsystem.

Durch den ständigen Informationsaustausch lernen die immunkompetenten Zellen, zwischen

unerwünschten Eindringlingen und den körpereigenen nützlichen Bakterien zu unterscheiden, sodass Fremdkeime rasch eliminiert werden können. Somit werden überschiessende immunologische Reaktionen, die den Organismus überfordern könnten, verhindert.

Auch hier sind neue diagnostische methoden wie die Zytokinbestimmung im STUHL auf dem Markt, die uns viel mehr Einblick in diese Vernetzungen gestatten.

Die Diversität, also die Artenvielfalt des individuellen Mikrobioms, zeigt sich zunehmend als wesentlicher Faktor für die Gesundheit.

In Mikrobiom-Vergleichsstudien zwischen Probanden aus der westlichen Welt und naturnäher lebenden Gruppen (Burkina Faso bzw. Jäger und Sammler aus Peru) zeigten Letztere eine deutlich höhere Diversität und eine stärkere Bildung kurzkettiger Fettsäuren (SCFA). Dies ist einhergehend mit einem verminderten Auftreten (potentiell) pathogener Keime im Darm.

Grundsätzlich gibt es verschiedene Optionen, um therapeutisch einzugreifen.

Doch wo sich bei der Diagnostik sehr viel getan hat, steht die  Therapie dazu im Kontrast: Hier hat sich wenig weiterentwickelt – trotz vieler wissenschaftlicher Arbeiten. Nach wie vor nutzen wir Pro- und Präbiotika, sowie Produkte aus abgetöteten Bakterien. Im Kern beruht das auf zwar bewährten Gedankenmodellen und Konzepten, aber es ist eigentlich klar, dass ein nächster Entwicklungsschritt überfällig ist.

Zentral muss man fragen:

Wie können wir die Darm­bakterien besser schützen und ein Milieu schaffen, in der sie besonders leis­tungsfähig sind?

Denn nur so können wir das Wechselspiel zwischen Mensch und Mikrobe optimal gestalten und von den Synergien, die immer in uns schlummern, maximal profitieren.

Aus diesen Fakten heraus entstand ein neues Therapiekozept: das Orthobiotikum

Ein Orthobiotikum verfolgt den­selben Ansatz der orthomolekularen Medizin – jedoch gezielt auf die Darmbakterien ausgerichtet. Es versorgt die Mikrobiota mit Schutz­stoffen gegen oxidativen Stress, mit zentralen Substanzen für den Energiestoffwechsel sowie mit Vit­aminen, die auch für die Bakterien essenziell sind. Zusätzlich sind auch pflanzliche Polyphenole enthalten.

Moderne Diagnostik in Kombination mit innovativen und indikationsspezifischen Probiotika bieten somit völlig neue Therapieoptionen für diverse Krankheiten oder Beschwerden und zeigen welche Kraft wirklich im Darm steckt.

Und über all diese bahnbrechenden Neuigkeiten erfahren Sie mehr an unserem Jahreskongress 2026.

Wie immer: SSAAMP first to know !!

Dr. med. Simon Feldhaus, Präsident SSAAMP

Quellen:

  1. Arnau Vich Vila et al., Gut microbiota composition and functional changes in inflammatory bowel disease and irritable bowel syndrome. In: Science Translational Medicine, Online-Veröffentlichung vom 19.12.2019, doi: 10.1126/scitranslmed.aap8914.
  2. Simpson HL, Campbell BJ Review article: dietary fibre– microbiota interactions Alimentary Pharmacology & Therapeutics, pages 158-179, 24 MAY 2015
  3. Giloteaux L, Goodrich JK, Walters WA, Levine SM, Ley RE, HansonMR Reduced diversity and altered composition of the gut microbiome in individuals with myalgic encephalomyelitis/chronic fatigue syndrome. Microbiome. 2016 Jun 23;4(1):30. doi: 10.1186/s40168-016-0171-4

SSAAMP-Kongress am Samstag 16. Mai 2026

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Referenzbereiche in der Labormedizin

Fortbildungs-Nachmittag im Hotel St. Gotthard Zürich am 30. Oktober 2025.

Programm 30.10.25 und Fortbildungen / Kongress 2026 unter www.ssaamp.ch

Veröffentlicht: 21. Oktober 2025

Autor: Dipl. Ing. Otto Knes

Auf Laborbefunden ist es üblich, zu jedem Wert einen Referenzbereich anzugeben. Was hat es mit diesen Werten auf sich?

Der Referenzbereich ist der Wertebereich, in dem die Messwerte einer definierten, gesunden Referenzpopulation liegen. Er dient als Vergleichsmassstab für die Interpretation individueller Ergebnisse der Messwerte aus dem Labor. In der Regel umfasst er das Intervall, in dem 95 % der Referenzpopulation liegen (zwischen der 2,5. und 97,5. Perzentile).

Zusammenfassend kann man sagen, dass der Referenzbereich ein statisch abgeleiteter Bereich ist, der auf den Daten gesunder Personen beruht.

Früher wurde der Bereich «Normbereich» genannt. Nachdem dieses Wort aber eine «Norm» suggeriert, die es nicht gibt, ist man von dieser Bezeichnung wieder abgekommen. Immer noch wird der Referenzbereich aber zu sehr als «Norm» interpretiert, in dem sich jede Person zu befinden hat.

Zielbereiche

Im Gegensatz zu den statistisch erhobenen Werten für den Referenzbereich, sind Zielbereiche individuell oder krankheitsspezifisch definierte Bereiche, in denen ein Wert liegen soll. Dieser Bereich orientiert sich nicht zwangsläufig an einem Kollektiv gesunder Personen, sondern an therapeutischen Zielen.

Diese Vorgabe kann von Fachgesellschafen erfolgen, wie zum Beispiel der HbA1c – Wertes, der von den Diabetesgesellschaften definiert wird.

Ein Beispiel aus dem präventivmedizinischen Bereich ist der Omega-3-Index. Dieser ist definiert als der prozentuale Anteil an DHA und EPA an den Gesamtfettsäuren. In einem Laborbefund kann nun die Bestimmung der einzelnen Fettsäuren DHA und der EPA im Referenzbereich liegen, jedoch der Omega-3-Index trotzdem erniedrigt sein. Dies scheint widerspüchlich, liegt aber in der Vorgabe des Zielbereiches für den Omega-3-Index.

Referenzbereiche unterliegen verschiedenen Einflussfaktoren:

  • Geschlecht: Viele Parameter zeigen deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern, z. B. Hämoglobin oder Kreatinin und natürlich die Sexualhormone
  • Alter: Für Kinder, Jugendliche und zum Teil auch ältere Menschen existieren altersabhängige Referenzbereiche, da Stoffwechsel und Organfunktionen variieren.
  • Methodenspezifität: Referenzbereiche hängen von der eingesetzten Messmethode und sogar vom Labor ab. Daher sind Werten, die in unterschiedlichen Laboren gemessen wurden, nicht immer direkt vergleichbar.
  • Aktualität: Manche klassischen Referenzwerte sind überholt. Beispielsweise wurden Referenzwerte für TSH oder Vitamin D3 in den letzten Jahren angepasst, oft auch unter Berücksichtigung neuer Studien zu Krankheitsrisiken.

Aktualität von Referenzbereichen am Beispiel von Vitamin D3

Lange Zeit wurden Vitamin-D-Spiegel nur im Hinblick auf die Vermeidung von Rachitis und Osteomalazie betrachtet. Werte > 50 nmol/L galten als ausreichend.

Zahlreiche epidemiologische und Interventionsstudien zeigten, dass Vitamin D nicht nur für den Knochenstoffwechsel, sondern auch für Immunsystem, Muskelfunktion, Herz-Kreislauf-Gesundheit und möglicherweise für Krebsrisiken bedeutsam ist. Man fand Zusammenhänge zwischen 25-(OH)-D3-Spiegeln und z. B. Sturzrisiko, Mortalität oder Autoimmunerkrankungen.

Neuere Empfehlungen tendieren dazu, 75 nmol/L als Zielbereich für bestimmte Risikogruppen zu akzeptieren

Dies sollte grundlegend die Diskussion über Prävention vs. Therapie anregen: Nicht nur „Mangel vermeiden“, sondern „optimale Versorgung“ als Ziel anstreben.

Referenzbereiche bieten eine statistische Vergleichsbasis, ersetzen aber nicht die ärztliche Beurteilung. Ein Laborwert, der ausserhalb des Referenzbereichs liegt, bedeutet nicht automatisch Krankheit, ebenso wie ein Wert innerhalb des Bereichs keine Garantie für Gesundheit oder optimalen Stoffwechsel ist. Die Interpretation muss stets individuell, unter Einbeziehung klinischer Symptome, anamnestischer Daten und patientenspezifischer Einflussfaktoren erfolgen.

Ich freue mich auf den 30.10.25 und den Netzwerkaustausch vor/während/nach der Fortbildung!

Dipl. Ing. Otto Knes
SSAAMP Vorstandsmitglied

Donnerstag, 30. Oktober 2025

Fach-Fortbildungs-Nachmittag im Hotel St. Gotthard Zürich (beim Hauptbahnhof) von 13.00 bis 17 Uhr

Melden Sie sich jetzt zur Teilnahme an und erweitern Sie Ihr Wissen – für eine sichere und gezielte Anwendung / Umsetzung.

Mit einem Klick zum Programm-Flyer

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Faktencheck: individuelle Orthomolekulare Medizin

Fortbildungs-Nachmittag im Hotel St. Gotthard Zürich am 30. Oktober 2025. Programm und Anmeldung unter www.ssaamp.ch

Veröffentlicht: 1. Oktober 2025
Autor: Dr. med. Simon Feldhaus

Orthomolekulare Medizin stellt die Grundlage der SSAAMP dar, dies insbesondere als die FEOS in die SSAAMP integriert wurde. Wir stehen für die wissenschaftliche Betrachtung aller unserer Inhalte.

Schon allein daher muss auf den Artikel im ars medici 10/25 reagiert werden, der den Nutzen von Mikronährstoffen in der Präventivmedizin in Frage stellt und sich dabei auf Aussagen von PD Dr. Stefan Markun beruft.

In diesem Sinne ist auch die 4. Fortbildung der SSAAMP am 30. Oktober 2025 zu sehen und informativ dieser Text dazu:

Mikronährstoffe sind Zahnräder unseres Lebens. Egal, ob die Nägel wachsen, das Herz schlägt, oder wir einen Gedankenblitz haben – Mikronährstoffe haben ihre Hände im Spiel.

Damit in unserem Organismus alles vernetzt funktioniert, muss jeder der essenziellen Mikronährstoffe in optimalen Konzentrationen am richtigen Ort und zur richtigen Zeit zur Verfügung stehen. So kann man sich diese Stoffe auch wie Zahnräder eines höchst komplexen Uhrwerks vorstellen. Tausende grosse und kleine Zahnräder halten das Uhrwerk Mensch am Laufen. Fehlt nur eines von ihnen oder „schwächelt“ bei seiner Aufgabe, so leidet das ganze Werk darunter.

Neben den essenziellen Mikronährstoffen gibt es auch semi-essenzielle Mikronährstoffe (z.B. Arginin, Glutamin). Diese Substanzen werden normalerweise von unserem Körper in ausreichenden Mengen produziert. In bestimmten Lebenssituationen (Wachstum, besondere Belastungen …) kann jedoch der Bedarf die körpereigene Bildung übersteigen und eine zusätzliche Zufuhr von aussen notwendig werden.

Nahrungsergänzungsmittel können physiologische und biochemische Prozesse im Organismus optimieren und dadurch auch schon mit vergleichsweise geringen Substanzmengen eine Verbesserung der Lebensqualität bewirken.

Auf der anderen Seite können Nahrungsergänzungsmittel Defizite, die zu gesundheitlichen Störungen führen, ausgleichen und damit eine präventive Wirkung erzielen.

Zur indikationspezifischen Therapie sind dann ganz andere Dosierungen notwendig, die ausserhalb des Bereiches für Nahrungsergänzungen liegen und somit nur durch Fachpersonen angegeben werden können.

Wer sich für Gesundheit, Ernährung und/oder Mikronährstoffe interessiert, für den stellt sich oft früher oder später die Frage, wie gut der eigene Körper mit Mikronährstoffen versorgt ist. Spezielle labordiagnostische Untersuchungen, am besten vorgenommen im Vollblut, können dieser Frage genauer auf den Grund gehen und aufzeigen, wie es um die eigene Mikronährstoffversorgung bestellt ist und wo Bedarf besteht.

Mikronährstoffdefizite sind weit verbreitet und resultieren häufig aus einer unzureichenden Aufnahme essenzieller Nährstoffe über die Nahrung. In einer Studie* wurde die Prävalenz von Mikronährstoffmängeln weltweit erfasst. Dabei zeigt sich, dass mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung nicht genügend Mikronährstoffe zu sich nimmt. Daten aus 185 Ländern Es wurden Daten zur Nahrungsaufnahme aus 31 Ländern verwendet. Diese Daten wurden dann mit Daten aus der Global Dietary Database (von 2018) für 185 Länder kombiniert. Auf der Grundlage dieser Daten wurde die Prävalenz der unzureichenden Aufnahme von 15 essenziellen Mikronährstoffen berechnet. Dies ermöglichte den Forschern eine globale Schätzung der Prävalenz einer unzureichenden Mikronährstoffaufnahme für 99,3 % der Weltbevölkerung. Nahrungsergänzungsmittel und angereicherte Lebensmittel wurden nicht berücksichtigt. Bis zu fünf Milliarden Menschen nehmen nicht genügend Jod, Vitamin E und Calcium zu sich. Die Ergebnisse zeigen ein besorgniserregendes Bild.

Die Berechnungen zeigen zusammenfassend, dass bis zu fünf Milliarden Menschen über ihre Ernährung nicht genügend Jod (68 %), Vitamin E (67 %) und Calcium (66 %) zu sich nehmen. Darüber hinaus haben mehr als vier Milliarden Menschen einen Mangel an Eisen (65 %), Riboflavin (Vitamin B2, 55 %), Folsäure (54 %) und Vitamin C (53 %). Es wurden auch Unterschiede zwischen Männern und Frauen festgestellt. Frauen nehmen im Allgemeinen weniger Jod, Vitamin B12, Eisen, Selen, Calcium, Riboflavin und Folsäure zu sich als Männer. Bei Männern ist die Wahrscheinlichkeit grösser, dass sie einen Mangel an Magnesium, Vitamin B6, Zink, Vitamin C, Vitamin A, Thiamin (Vitamin B1) und Niacin (Vitamin B3) aufweisen. Es scheint, dass mehr als die Hälfte der Bevölkerung weltweit nicht genügend Mikronährstoffe zu sich nimmt.


(*Referenz Passarelli S et al. Global estimation of dietary micronutrient inadequacies: a modelling analysis. Lancet Glob Health. 2024;12:e1590-e99. )

Vitamin D ist für zahlreiche physiologische Prozesse von entscheidender Bedeutung, doch ein erheblicher Teil der Bevölkerung weist suboptimale Werte auf. Jüngste wissenschaftliche Erkenntnisse sprechen für eine langfristige, tägliche Zufuhr von 2000 internationalen Einheiten (IE) Vitamin D3 (50 Mikrogramm) für Erwachsene als sichere und wirksame Strategie zur Vorbeugung von Mangelerscheinungen und zur Förderung der allgemeinen Gesundheit. Aktuelle Richtlinien versus neue Erkenntnisse Die derzeitigen Empfehlungen für eine Vitamin-D-Supplementierung zielen in erster Linie auf die Vorbeugung von Rachitis und Osteomalazie ab, wobei 10 Mikrogramm (400 IE) pro Tag für Erwachsene und 20 Mikrogramm (800 IE) für ältere Menschen über 70 Jahre empfohlen werden. Diese Dosen scheinen jedoch für viele Menschen nicht auszureichen, um einen Serumwert von mindestens 70 nmol/l (30 ng/ml) zu erreichen. Namhafte Experten und Forscher fordern eine Überarbeitung dieser Richtlinien und empfehlen 2000-4000  IE pro Tag, um einen optimalen Blutwert von 100-150 nmol/l zu erreichen. Diese Werte werden mit einem geringeren Risiko für verschiedene chronische Krankheiten in Verbindung gebracht. Sichere Dosierung Randomisierte klinische Studien zeigen, dass eine tägliche Zufuhr von 2000 IE Vitamin D3 sicher ist, auch bei langfristiger Einnahme. Hyperkalzämie, ein klassisches Symptom der Vitamin-D-Toxizität, wird erst bei Blutspiegeln über 250 nmol/l beobachtet, was in der Regel nur bei langfristiger Einnahme extrem hoher Dosen (>20.000 IE pro Tag) auftritt. Eine tägliche Dosis von 2000 IE (50 Mikrogramm) Vitamin D3 ist ein einfaches und wirksames Mittel zur Behebung eines Vitamin-D-Mangels bei Erwachsenen und trägt zur Verbesserung der allgemeinen Gesundheit bei. Die Berücksichtigung dieser Dosierung in der Praxis kann für die präventive und kurative Gesundheitsvorsorge von grossem Wert sein.

Eine besondere Indikation liegt im Einsatz von Vitamin D bei MS.

(Referenzen: Pludowski P et al. Vitamine D supplementation: a review of the evidence arguing for a daily dose of 2000 international units (50μg) of vitamin D for adults in the general population. Nutrients. 2024;16:391. 

Balasooriya NN, Elliott TM, Neale RE, Vasquez P, Comans T, Gordon LG. The association between vitamin D deficiency and multiple sclerosis: an updated systematic review and meta-analysis. Mult Scler Relat Disord. 2024 Oct;90:105804. doi: 10.1016/j.msard.2024.105804. Epub 2024 Aug 8. PMID: 39180838.)

Omega 3 Fettsäuren zeigen in Studien hervorragende Wirkungen sowohl im Bereich Primär- wie Sekundärprävention.

Zentral ist allerdings eine individuelle, ausreichend hoch dosierte tägliche Einnahme, die im Labor dann zu einem Omega 3 Index zwischen 8 und 10% führt.

(Referenz: Hu Y, Hu FB, Manson JE. Marine Omega-3 Supplementation and Cardiovascular Disease: An Updated Meta-Analysis of 13 Randomized Controlled Trials Involving 127 477 Participants. J Am Heart Assoc. 2019 Oct;8(19):e013543. doi: 10.1161/JAHA.119.013543. Epub 2019 Sep 30. PMID: 31567003; PMCID: PMC6806028.)

 Am Ende zeigen sich auch im Bereich der Krebsprävention sehr schöne positive Ergebnisse.

(Referenz: Bischoff-Ferrari HA, Willett WC, Manson AE et al.: Combined Vitamin D, Omega-3 Fatty Acids, and a Simple Home Exercise Program May Reduce Cancer Risk Among Active Adults Aged 70 and Older: A Randomized Clinical Trial. Front. Aging, 25 April 2022)

Zusammenfassend kann eindeutig festgestellt werden, dass eine fachlich korrekte orthomolekulare Medizin klare Wirksamkeiten in Studien zeigt unter der Voraussetzung das Dosierungen und Einnahmemodalitäten stimmen.

Auch wenn immer die gleichen Kritikpunkte angeführt werden, die leider auf qualitativ schlechten Studien beruhen und offensichtlich nicht wirklich tiefgreifende Recherchen nachweisen.

Die SSAAMP ist und bleibt die zentrale Fachgesellschaft für alles, was die Orthomolekulare Medizin angeht.

Ich freue mich auf den 30.10.25 und den Netzwerkaustausch vor/während/nach der Fortbildung!

Dr. med. Simon Feldhaus
Präsident SSAAMP

Donnerstag, 30. Oktober 2025
Fach-Fortbildungs-Nachmittag im Hotel St. Gotthard Zürich (beim Hauptbahnhof) von 13.00 bis 17 Uhr

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