Die Leber – das „vergessene Organ“ der Schulmedizin

Autor: Dr. Simon Feldhaus und Sybille Binder
Veröffentlicht: 16. Mai 2022

Die Leber (lateinisch iecur, altgriechisch ἧπαρ Hepar) ist das zentrale Organ des gesamten Stoffwechsels und die grösste Drüse des Körpers bei Wirbeltieren. Die wichtigsten Aufgaben sind die Produktion lebenswichtiger Eiweissstoffe (z. B. Gerinnungsfaktoren), die Verwertung von Nahrungsbestandteilen (z. B. Speicherung von Glukose und Vitaminen), die Galleproduktion und damit einhergehend der Abbau und die Ausscheidung von Stoffwechselprodukten, Medikamenten und internen und externen Giftstoffen. Zudem stellt sie das körpereigene Cholesterin sowie die Gallenflüssigkeit her.

Als Klärwerk des Körpers ist die Leber zusammen mit der Niere für die Entgiftung zuständig. Sie entsorgt und beseitigt, so gut es geht, Schadstoffe aus Nahrung, Umwelt, Medikamenten und Genussmitteln wie Alkohol und Zigaretten. Sie neutralisiert auch das körpereigene giftige Ammoniak, das beim Abbau von Proteinen anfällt. Entlang der Lebergefässe finden sich hoch spezialisierte, nach dem Entdecker benannte Kupffersche Sternzellen, die das Blut von allen Fremdstoffen, beispielsweise Bakterien, befreien. Diese Zellen entsorgen auch die überalterten oder geschädigten Erythrozyten und geben sie zur Weiterverarbeitung an die Leberzellen ab. Auch die Erkennung und Ausschaltung von Tumorzellen gehört zu den Aufgaben der Leber. Dementsprechend ist sie auch ein wichtiges Organ für das Abwehrsystem.
Die Leber produziert Albumin, ein lebenswichtiges Protein, das u. a. das Blut in den Gefässen hält und Substanzen wie Fettsäuren, Vitamine und Medikamente (z. B. Penicillin) im Blut transportiert. Albumin bindet auch viele wasserunlösliche Giftstoffe.

Trotz dieser zentralen Rolle gilt die Leber als „vergessenes Organ“ der Schulmedizin. Man kann zwar gewisse Krankheiten behandeln, aber eine Medizin, die in das System der Leber einwirkt, gibt es bislang nicht.

Aufgrund ihrer ausgeprägten Vernetzung im Körper ist die Leber eines der wichtigsten Organe in der Komplementärmedizin. Wir wissen, wenn wir die Leber unterstützen, ist jede Therapie, egal welche, von einem besseren Erfolg gekrönt. Die Leber birgt im Verständnis der biologischen Medizin als «Yin-Organ des Frühlings» zeitlebens die Kraft des Frühlings und des Lebens: Letztendlich hat die Leber eine Art „Boosterfunktion“ in der Therapie!

In der TEN gilt die Leber als zweite Kochung, welche die Aufgabe hat, die Stoffe (Nähr- und Wirkstoffe der Nahrung), welche die erste Kochung (Magen/Darm) vorbereitet haben, weiter zu verarbeiten. Und so kommt es erst zur dritten Kochung zu Zellen und Gewebe. Ohne Leber ist aus Sicht der TEN-Gesundheit also gar nichts möglich.

Eine Schwächung der Leberfunktion kann sich auf verschiedenen Ebenen zeigen: von mangelndem Antrieb über gastrischen Kopfschmerz bis zu Gelbsucht oder anderen Vergiftungserscheinungen. Häufig zeigen sich emotionale Symptome, wie sie bei Verhaltensauffälligkeiten typisch sind: Unkonzentriertheit, Aggression, Affekthandlungen.

Generell ist Müdigkeit häufig ein Symptom, das mit der Leber in Verbindung gebracht wird. Man kann auch sagen: „Müdigkeit ist der Schmerz der Leber.“ Unser Entgiftungsorgan verursacht in der Regel keine Beschwerden, ausser wenn es zu Vergrösserungen und somit zur Spannung der Leberkapsel kommt.

Ebenso besteht beispielsweise ein Zusammenhang zwischen einer eingeschränkten Leberfunktion und Augenleiden (wie trockenes Auge, Farb- sowie Hell-Dunkel-Unter-scheidung, verminderte Sehkraft), Hautkrankheiten (Akne, Ekzeme), Fettstoffwechselstörungen, funktionellen Herz-Kreislauf-Beschwerden sowie psychischen Beschwerden (Schlafstörungen, depressive Verstimmungen).

Folgende sogenannte Früh-Symptome können auf Probleme der Leber hinweisen, noch bevor Labortests oder andere diagnostische Verfahren dies zeigen:

  • Müdigkeit
  • Verlust der Tatkraft
  • Depressivität
  • unspezifische Übelkeit
  • wechselhafte Nahrungsmittelempfindlichkeiten
  • Verhaltensauffälligkeit

Natürlich ist bei Verdacht auf organische Leberstörungen entscheidend, eine gesicherte Diagnose zu stellen. Dazu ist allenfalls eine laborchemische Kontrolle der Leberwerte notwendig und eventuell auch eine Ultraschalluntersuchung von Leber/Gallenblase und Pankreas. Insbesondere geht es hier darum, toxische Leberschäden, Entzündungen, Infektionen oder eine Leberbelastung durch eine Abflussbehinderung in den Gallengängen auszuschliessen. Diese Situationen bedürfen einer spezifischen, schulmedizinischen Therapie.

Allerdings ist die Leber ein Organ, welches Belastungen enorm gut kompensieren kann. Deshalb kommt es auch erst in fortgeschrittenen Stadien zu «messbaren» Veränderungen der Leberparameter wie Gamma-GT, GPT, GOT, Bilirubin.

Da die Laborparameter erst im späten Stadium der Lebererkrankung anzeigen, gab und gibt es in vielen traditionellen Medizinsystemen Hinweise, die als typische Leberzeichen dienen:

  • leichte Gelbverfärbung der Sklera
  • wechselnde Sehschärfe
  • leichte Orangenverfärbung der Haut an den Fusssohlen und Handinnenflächen
  • häufig wechselndes Schriftbild
  • Verdauungsunregelmässigkeiten, vor allem weicher, heller Stuhl; Rotverfärbung des Stuhls nach Genuss von einer guten Portion Rande, gekocht oder roh

Therapeutisch gibt es viele verschiedene Optionen. Exemplarisch werden nun einige hier dargestellt:

Die wichtigste und erste Therapiemethode ist gemäss der alten westlichen Medizin die Ernährung.

Die Leber erholt sich bei leichten, sanften Zubereitungsformen durch grün, sauer, bitter.

Chronisches Zuvielessen oder späte Abendmahlzeiten lassen die Leber „leiden“, sie kann den üblichen Aufgaben weniger gut nachkommen, und so kommt es zu den oben genannten Symptomen. Viele der unter Phytotherapie genannten Pflanzen lassen sich wunderbar in die Küche einbauen, so zum Beispiel der Löwenzahn, die Kurkuma, die Artischocke.

Aber auch Rhythmus, das war in der alten Medizin die Diätetik, die Lebensordnung, ist zu beachten. Die bedeutet, dass rhythmische Mahlzeiten ebenfalls Teil der Lebertherapie sind.

Aus der Phytotherapie gibt es sehr viele Optionen. Zu erwähnen wären vor allem die Mariendistel (dient dem Leberschutz), die Artischocke (aktiviert den Gallenfluss) und die Myrobalane (reguliert die Leber gesamthaft). Die Myrobalane wird auch als „Olive Asiens“ bezeichnet. Sie gilt als heilige Frucht der Tibetischen Medizin und weist alle wichtigen Geschmacksrichtungen von scharf über sauer bis eben herb und bitter auf. Ihr Potenzial wurde im Westen noch nicht erkannt, aber sie wird in der Tibetischen Medizin sehr häufig mit grossem Erfolg eingesetzt. So ist es nicht weiter erstaunlich, dass die Frucht zu den Standardbestandteilen vieler Arzneimittel zählt.

Auch das Anlegen eines Leberwickels gehört mit zu den besten therapeutischen Optionen.

Dazu übergiesst man beispielsweise Schafgarben-Kraut mit kochendem Wasser, lässt es 5 Minuten ziehen und tränkt einen gerollten Waschlappen mit der heissen Flüssigkeit. Danach wird dieser in einem Frottiertuch ausgewrungen (darf nicht mehr tropfen!). Man legt den Lappen dann auf die Lebergegend, deckt ihn mit einem Tuch ab und wickelt den Körper ein. Dann wird noch eine Wärmflasche darübergelegt und es gilt dann, 30 bis 45 Minuten zu ruhen. Durch die intensive Erwärmung der Leber kommt es zu einer deutlichen Verbesserung der Leberleistung und insbesondere der Entgiftungskapazität.
Tipp: Eine sehr praktische und einfache Variante für einen Leberwickel bieten ausserdem die bereits anwendungsfertigen ALPMED-Frischpflanzentüchlein mit Schafgarbe.

Aus der orthomolekularen Medizin ergeben sich ebenfalls gute therapeutische Möglichkeiten.

Verzweigtkettige Aminosäuren (BCAAs) – Leucin, Isoleucin, Valin – verbessern Funktionsstörungen des Gehirns im Rahmen schwerer Leberschädigungen.

Insbesondere zu empfehlen ist eine orale Substitution von L-Ornithin (3 x 3 Gramm) zusätzlich zu den BCAAs. L-Ornithin ist eine nicht eiweissbildende Aminosäure, die vor allem im Harnstoffzyklus aus Arginin entsteht. Da es als Substrat und Aktivator der Carbamoylphosphat-Synthase dient, führt dies zu einer deutlichen Reduktion des Ammoniaks. Weiterhin stimuliert Ornithin die Wachstumshormonfreisetzung und hat positive Einflüsse auf den Zuckerstoffwechsel.

Dies ist allerdings bei einer funktionellen Leberstörung nicht zu erwarten, sondern nur bei chronischen Lebererkrankungen!

Auf der psychischen Ebene gilt es, dem Ärger so weit wie möglich aus dem Wege zu gehen oder ihn schnellstmöglich wieder loszulassen. Eine Option wäre, in den Wald zu gehen und dort mal kräftig zu schreien, wenn man sich aufgeregt hat. Auf keinen Fall sollte man den Ärger schlucken, denn damit wird die Leber belastet.

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