Botulinum («Botox») und Hyaloronsäure im Wandel der Zeit

Veröffentlicht am: 20. Januar 2021
Autor: Dr. med. Michael Wagener, MD

Botulinumtoxin A wurde schon im Jahr 1946 isoliert und in den 1970er Jahren als Medikament eingesetzt. 1989 erfolgte die Zulassung durch die FDA zur Behandlung von Augenzittern und Lidkrämpfen des Auges.

Eher zufällig wurde «Botox» – wie es heute allgemein genannt wird – durch das kanadische Ehepaar  Carruthers für die ästhetische Medizin entdeckt, weil es vorübergehend einen schwächenden Effekt auf mimische Hautfalten im Gesicht entfaltete. Anfangs «off-label» eingesetzt, erfolgte die Zulassung in den USA unter dem Namen «Botox» erst 2002 durch die Firma Allergan.

Von diesem Zeitpunkt an begann sein weltweiter Siegeszug in der Ästhetik. Unumstritten war das Botulinumtoxin, so sein korrekter Name, jedoch nie. Allein schon der Wortbestandteil «-toxin» macht es bis heute zur Zielscheibe kritischer Beurteilungen. Dabei hat es seinen Nutzen in der Medizin schon seit langem erfolgreich unter Beweis gestellt.

Immer wieder wird Botulinum schlechthin für eine erstarrte Mimik und maskenhaftes Aussehen bei Frauen und Männern verantwortlich gemacht.  

Unberücksichtigt bleibt bei solchen emotionalen Aussagen die unumstössliche Tatsache, die auch in der ästhetischen Medizin ihre Gültigkeit besitzt: «Die Dosis macht das Gift».

In der der Hand des erfahrenen und geschulten Anwenders ist Botulinum aus der ästhetischen Medizin nicht mehr wegzudenken. Richtig dosiert und an der richtigen Stelle eingesetzt kann es im Gesicht, Hals und sogar Dekolleté sehr natürlich wirkende Effekte erzielen, die weder maskenhaft noch künstlich aussehen.    

Mit der Zeit und wachsender Erfahrung wurden immer verfeinerte Behandlunsprotokolle entwickelt, um das Potential des Botulinums optimal in der ästhetischen Medizin auszuschöpfen.

Eine ähnliche Erfolgsgeschichte wurde der Einsatz der Hyaloronsäure in der Ästhetik. Anfangs noch aus tierischer Herkunft, wurde es in den späten 1990er Jahren fermentativ aus Bakterien gewonnen und gilt heute als sehr sicher anzuwendendes Produkt, wenn es von hoher Qualität ist.

Eine optimale Reinheit ist die entscheidende Voraussetzung für eine gute Verträglichkeit, denn es verbleibt eine zeitlang im menschlichen Gewebe.

Unvernetzt unter die Haut gespritzt verbessert es die Feuchtigkeit der Haut, wird aber rasch wieder vom Körper abgebaut. Dem versucht man beim Einsatz als «Filler» dadurch zu begegnen, indem man das Molekül chemisch vernetzt. Diese Vernetzung sorgt dafür, dass es länger im Körper verbleibt und erst nach Monaten wieder abgebaut wird. Einmal ins Gewebe eingebracht, verbleibt ein solch komplex vernetztes Molekül an Ort und Stelle und hat einen Polstereffekt im Gewebe.

Somit eignet sich eine vernetzte Hyaloronsäure als «Filler», um Falten im Gesicht, die vor allem durch Volumenmangel im Zuge der Alterung entstehen zu korrigieren.

Heutzutage verstehem wir viel besser, was bei der Alterung im Gesicht passiert. Die Knochen des Schädels verändern sich mit den Jahren, es kommt zum Schwund von Fettpolstern und Veränderung der Position von Haltebändern im Gesicht.

Diese im Detail sehr komplexen Mechanismen haben die ästhetische Medizin insofern verändert, weil wir in unseren Behandlungskonzepten je nach Alter berücksichtigen müssen, wie weit schon gewisse Veränderungen der Anatomie vorangeschritten sind und was in der Zukunft noch zu erwarten ist.

Wir sehen heute also ein Nebeneinander von Botulinum und Fillern, nicht ein entweder oder. Anfangs hat man sich bei der Fillerbehandlung auf spezifische Falten wie z.B. die Nasolabialfalte konzentriert. Das ist immer noch eine wichtige Region, aber wir betrachten immer das ganze Gesicht, versuchen mit unseren Behandlungen die Ursache einer bestimmten Falte zu behandeln, die zum Beispiel durch einen Volumenmangel an anderer Stelle mitbedingt sein kann. Der Begriff der «kompositorischen Ästhetik» hat sich etabliert, wobei wir mit Fillern und Botulinum zwei wunderbare Werkzeuge besitzen dem anatomischen Wunder des menschlichen Gesichts seine individuelle Schönheit und Attraktivität altersentsprechend zu erhalten. 

Am 29. Mai 2021 vertiefen wir das Thema am SSAAMP-Kongress – Medizinische Ästhetik um 11.30 Uhr – weitere Informationen und Kongress-Programm finden Sie auch www.ssaamp.ch

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