Diagnostik bei Frauen 40+:

Zwischen Hormonen, Prävention und KI – was ÄrztInnen heute wissen sollten

Veröffentlicht: 15. April 2025

AutorInnen: Prof. Dr. Petra Stute (Inselspital Bern) und Otto Knes (SwissAnalysis AG)

Mit dem 40. Lebensjahr beginnt für viele Frauen ein neuer Abschnitt: hormonelle Veränderungen, erste Anzeichen des Klimakteriums, eine veränderte Stoffwechsellage sowie ein steigendes Risiko für chronische Erkrankungen stellen neue Anforderungen an eine individuelle und ganzheitliche medizinische Betreuung. Gleichzeitig schreitet die Entwicklung diagnostischer Methoden rasant voran – nicht zuletzt durch die Integration Künstlicher Intelligenz in der Labormedizin.

Die Session „Diagnostik bei Frauen 40+“ im Rahmen des SSAAMP-Kongresses 2025 nimmt sich dieser komplexen Thematik an. Unter der Leitung der erfahrenen Chairs Prof. Dr. Petra Stute (Inselspital Bern) und Otto Knes (SwissAnalysis AG) erwarten Sie praxisrelevante und interdisziplinäre Einblicke in aktuelle diagnostische Strategien für Frauen in der Lebensmitte.

Im Fokus stehen zwei zentrale Themenbereiche:

Hormondiagnostik im Zeitalter von KI

ReferentInnen: Petra Stute & Otto Knes

Hormondiagnostik gehört zum Kernbereich der individualisierten Medizin – insbesondere bei Frauen über 40. Doch welche hormonellen Veränderungen sind tatsächlich klinisch relevant? Welche Parameter sind sinnvoll zu bestimmen, und in welchem zeitlichen Zusammenhang? Und wie verändert der Einzug von KI-gestützten Analysen die Praxis? Petra Stute und Otto Knes diskutieren anhand aktueller Fallbeispiele, wie moderne Hormondiagnostik heute gestaltet werden kann – differenziert, evidenzbasiert und im Spannungsfeld zwischen innovativen Tools und klinischer Erfahrung.

Besonderes Augenmerk liegt auf:

  • der Interpretation von Estradiol-, FSH- und AMH-Werten im Perimenopause-Kontext
  • der Rolle von Cortisol, DHEA(S) und Schilddrüsenparametern bei chronischer Erschöpfung und Stress
  • dem Potenzial KI-gestützter Labordatenanalysen in der gynäkologischen Praxis
  • typischen Fehlerquellen und „Overdiagnosis“ in der Hormonanalytik

Empfohlene Vorsorgeuntersuchungen bei Frauen ab 40

Referentin: Dr. Laura Knabben, Spital Solothurn

Neben hormonellen Aspekten sind auch präventivmedizinische Empfehlungen bei Frauen ab 40 von zentraler Bedeutung. Dr. Laura Knabben gibt in ihrem Vortrag einen systematischen Überblick über aktuelle Leitlinien, Screening-Programme und evidenzbasierte Empfehlungen zur Vorsorge.

Diskutiert werden unter anderem:

  • sinnvolle zeitliche Intervalle für Mammografie, Zervixabstrich, Darmkrebsscreening
  • neue Entwicklungen im Bereich HPV-Testung und Brustbildgebung
  • individuelle Risikofaktoren und deren Einfluss auf das Screening-Intervall
  • die Bedeutung des persönlichen Gesprächs und der Anamnese in der Präventionsplanung

Die Session bietet eine wertvolle Gelegenheit, diagnostisches Wissen zu vertiefen, Unsicherheiten im Umgang mit hormonellen Beschwerden oder Vorsorgeempfehlungen zu klären und die Bedeutung von KI in der medizinischen Entscheidungsfindung kritisch einzuordnen.

Zielpublikum: Ärzt:innen aus Gynäkologie, Allgemeinmedizin, Endokrinologie sowie alle Fachpersonen mit Interesse an frauenspezifischer Präventions- und Labormedizin.

Merken Sie sich diese Session vor – für eine moderne, differenzierte und praxisnahe Diagnostik bei Frauen ab 40.

Der Fachkongress „LONGEVITY» am 17. Mai 2025 im Seedamm Plaza Pfäffikon

Chapter 1, Bakterien und Enzyme
Chapter 2, Livestyle / Fasten und Haut
Chapter 3, Das geht unter die Haut
Chapter 4, Diagnostik bei Frauen 40+

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Programm Kongress 17. Mai 2025         zu den Details

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Skin Longevity – Der Schlüssel zu gesunder und strahlender Haut

Veröffentlicht: 3. April 2025

Autor: Dr. med. Michael Wagener                


In der heutigen Beauty-Welt sehen und hören wir von vielen einzigartigen Ankündigungen und Versprechen, wie wir «ganz einfach» zu unsterblich schöner und möglichst lebenslang gesunder Haut gelangen. Häufig genug handelt es sich aber um kurzfristige Trends, die genauso schnell wieder verschwinden, wie sie gekommen sind.  Dass dieser Weg in einem Labyrinth häufig in einer Sackgasse endet, verschweigt uns die Werbung.


Im Chapter 3
Ausblick auf den Fachkongress „Longevity – Das geht unter die Haut» am 17.5.25

Aus wissenschaftlicher Sicht
Unsere Referentin und Autorin Dr. Liv Kraemer wird uns zu diesem Thema zielsicher durch diesen Irrgarten lotsen. Dabei wird sie ihr fundamentales Wissen auf diesem Gebiet wohldosiert an ihr Auditorium weitergeben. Praxisnahe Tipps und notwendiges Wissen über sinnvolle kosmetisch-medizinische Inhaltsstoffe zeugen von ihrem tiefen wissenschaftlichen Verständnis. Sie zeigt uns, wie wir eine holistische Hautpflege betreiben können, die mehr ist als die Behandlung akuter Hautprobleme. «Skin Longevity» bedeutet in diesem Sinn, dem Ziel einer gesunden und strahlenden Haut dauerhaft näherzukommen.

Zum Hype der Exosomentherapie
Im zweiten Vortrag wird Dr. Pierre Bonetti Klarheit in den neusten innovativen Hype der «Exosomentherapie» bringen.
Exosomen sind kleine membranumschlossene Vesikel, die von Zellen freigesetzt werden und eine wichtige Rolle in der Zellkommunikation spielen. In der ästhetischen Medizin gewinnen Exosomen zunehmend an Bedeutung.
Aber handelt es sich wirklich um die neue innovative Technologie, die eine messbare und sichtbare Verbesserung in der minimal-invasiven Ästhetik bringt? Bekannt ist, dass Exosomen Wachstumsfaktoren, Proteine und RNA enthalten, die die Zellregeneration fördern und die Heilungsprozesse von Hautgewebe unterstützen sollen. Weiterhin können Exosomen die Produktion von Kollagen und Elastin anregen, was ja ein gewünschter Effekt bei der Hautregeneration darstellt. Praktisch werden Exosomen injiziert, um das Hautbild zu verbessern und auch bei der Behandlung des Haarausfalls zeichnet sich dadurch eine neue Behandlungsoption ab.
Aber was ist überhaupt erlaubt? Woher stammen die Exosomen, die wir in der Ästhetik anwenden wollen? Aus Pflanzen und aus körpereigenen Zellen? Und wie sicher in der Anwendung und verträglich sind sie?

Viele interessante Fragen, auf deren Antwort wir am Kongress im Mai gespannt warten: Also es ist angerichtet für ein spannendes Chapter 3, was nicht nur die ästhetisch tätigen KollegInnen unter uns begeistern dürfte.


Der Fachkongress „LONGEVITY» am 17. Mai 2025 im Seedamm Plaza Pfäffikon

Chapter 1, Bakterien und Enzyme
Chapter 2, Livestyle / Fasten und Haut
Chapter 3, Das geht unter die Haut
Chapter 4, Diagnostik bei Frauen 40+

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Proteolytische Enzyme

Veröffentlicht: 27. Februar 2025
Autor: Dr. med. Simon Feldhaus

Enzyme sind spezielle Eiweissmoleküle, deren Besonderheit darin besteht, dass sie als Katalysatoren fungieren. In dieser Eigenschaft steuern sie sämtliche biochemischen Reaktionen im Körper, in dem sie einzelne Stoffwechselprozesse entweder hemmen oder beschleunigen. Sie sind an nahezu allen Reaktionen im menschlichen Körper maßgeblich beteiligt und sorgen für einen geregelten Ablauf der Stoffwechselvorgänge. Zelluläre Reaktionen, die ohne katalytische Wirkung der Enzyme Minuten oder Stunden bräuchten, laufen unter Enzymbeteiligung in Sekunden oder Minuten ab. Sie arbeiten, indem sie die Aktivierungsenergie für die Reaktion herabsetzen.

Ein Ausblick auf den Fachkongress „Longevity» am 17.5.25

Schon die Naturvölker in Afrika, Asien, Australien und Amerika benutzten natürliche Enzymquellen wie den Saft des Feigenbaumes, das Fleisch der Papayafrucht oder die frische Ananas für Wundauflagen, um offene Geschwüre oder Verletzungen besser und schneller heilen zu lassen. Sogar in der Bibel, im 2. Buch der Könige, wird von der Heilung des krebskranken König Hiskia durch ein Feigenpflaster berichtet.

Beinahe alle Reaktionen der Zelle brauchen die Unterstützung von Enzymen, um schnell genug oder um überhaupt stattzufinden. Wie grundsätzlich alle Katalysatoren werden Enzyme dabei selbst nicht verbraucht und verändern auch das Reaktionsgleichgewicht nicht. Man kennt bislang ca 4000 Enzyme und Reaktionen, die von diesen beschleunigt werden. Um sämtliche Körperzellen ein Leben lang gesund zu halten, ist die Anwesenheit unzähliger aktiver Enzyme erforderlich, von denen der grösste Teil vom Körper selbst gebildet wird.

Neu gebildete Enzyme sind jedoch zu Beginn noch nicht aktiv. Sie werden erst aktiviert, wenn ihre Dienste benötigt werden, durch wiederum speziell darauf geschulte sogenannte Coenzyme. Da diese Coenzyme dabei verbraucht werden müssen sie immer wieder neu synthetisiert werden, was mit Hilfe diverser Vitamine und Spurenelemente passiert.

Enzyme können Kohlenhydrate oder Fette abbauen, ermöglichen die Energiegewinnung in tierischen oder pflanzlichen Zellen, sind an Translation, Transkription oder DNA-Replikation beteiligt und wirken in Teilgebieten des Immunsystems.
Das Wirken von Proteinasen, Glykosidasen, Lipasen und Nukleasen sowie Lactase sorgt dafür, dass Nahrung für uns verwertbar wird.
Im Darm wirken Enzyme wie Lactase oder verschiedene Proteinasen, um die vorverdauten Zucker und Proteine weiterzuverarbeiten, bis Aminosäuren oder Einzelzuckermoleküle wie Glukose vorliegen.
Lipasen zerlegen im Dünndarm Nahrungsfette in Fettsäuren und 2-Monoglycerid, die die Dünndarmwand passieren können. In Dickdarm und Mastdarm wird dann hauptsächlich noch Wasser aufgenommen.
Die Enzymzufuhr über enzymatisch aktive Lebensmittel stellt für gesunde Menschen eine ausgezeichnete Möglichkeit dar, die Gesundheit zu unterstützen und weiterhin zu erhalten. Für erkrankte Menschen reicht die über Nahrung aufnehmbare Menge an Enzymen, oft jedoch nicht aus.

In dieser Situation ist der Bedarf des Körpers an aktiven Enzymen enorm hoch, so dass für Betroffene zusätzlich zur enzymreichen Ernährung und in Absprache mit einem versierten Therapeuten eine systemische Enzymtherapie sehr zu empfehlen ist.

Dabei werden Enzyme in Form entsprechender oraler Präparate zugeführt und diese können dann dazu beitragen, einen Enzymmangel zu kompensieren, einzelne Komponenten des Immunsystems zu aktivieren, sowie einen intakten zellulären Stoffwechsel aufrecht zu halten.
Gerade bei Patienten mit rheumatischen Beschwerden oder ernährungsbedingten Mangelzuständen kann eine Substitution von Enzymen dazu beitragen, Stoffwechsel und Immunsystem zu unterstützen und mithelfen, dass physiologische Reaktionen wieder gerichtet ablaufen können.
Bei dieser systemischen Enzymtherapie kommen ausgewogene und hoch dosierte Enzympräparate mit guter Bioverfügbarkeit zum Einsatz.
Sie unterstützt und moduliert die natürliche Reaktion des Immunsystems, so dass Entzündungsprozesse schneller ablaufen und abheilen können und ist ein wissenschaftlich belegtes Therapieverfahren.

Die Bezeichnung „systemisch“ bedeutet, dass die Enzyme nicht etwa ausschliesslich im Verdauungssystem, sondern im ganzen Organismus und hier insbesondere im Blut und im Gewebe wirken. Die Enzymgemische gelangen über die Blutbahn in sämtliche Körperbereiche und können so ihre positive Wirkung entfalten. In der Regel werden pflanzlichen Enzyme wie Bromelain (aus dem gemahlenen Strunk der Ananas) und Papain (aus dem Saft unreifer Papayas) sowie Enzyme tierischen Ursprungs, wie Trypsin (aus Schweinepankreas), Chymotrypsin (aus Rinderpankreas) und Pankreatin (aus der Bauchspeicheldrüse von Schweinen oder Rindern) verwendet.
Die Enzyme haben unterschiedliche Wirkungen und wirken synergistisch. Bromelain zeigt eine entzündungshemmende und antimetastatische Wirkung. Daher trägt es erheblich zur Stärkung des Immunsystems bei. Zudem fördert Bromelain die normale Fliessfähigkeit des Blutes, indem es den Abbau von Fibrin unterstützt.
Papain wiederum wirkt antioxidativ, entzündungshemmend und antibakteriell. Darüber hinaus hat es eine schmerzlindernde Wirkung und beschleunigt die Wundheilung. Zudem ist es in der Lage, Immunkomplexe die zur Entstehung von Autoimmunerkrankungen beitragen können, zu spalten. Ebenso wie Bromelain unterstützt auch Papain den Abbau von Fibrinen. Trypsin und Chymotrypsin sind wichtige Verdauungsenzyme und auch in der Lage Immunkomplexe aufzulösen. Darüber hinaus wirken sie entzündungs- und schmerzhemmend.

Da verschiedene Enzymarten eigene spezielle Wirkung auf verschiedene Regulationsbereiche im Organismus ausüben ist eine Kombination von pflanzlichen UND tierischen Enzymen unbedingt erforderlich.
Ein besonderes Enzym ist das Lysozym. Das Lysozym ist ein Enzym, das die Zellwände von Bakterien spalten kann. Lysozym kommt von Iysis = auflösen und zym, weil es ein Enzym ist. Es wirkt noch ehe die Bakterien in den Organismus eindringen können. So ist es zum Beispiel in Tränenflüssigkeit enthalten und schützt unsere Augen. Zur Einnahme in Enzympräparaten wird es aus Hühnerei gewonnen da es dort in hohen Konzentrationen vorkommt.
Lysozym ist ein wichtiger Bestandteil des angeborenen Immunsystems und weist starke antimikrobielle Aktivitäten gegen bakterielle, mykotische und virale Krankheitserreger auf . Es schützt vor Infektionen, wirkt als natürliches Antibiotikum und verstärkt die Wirksamkeit anderer Antibiotika, während es gleichzeitig das Immunsystem stärkt.

Für die systemische Enzymtherapie gibt es viele Einsatzgebiete, von denen einige nun exemplarisch kurz dargestellt werden.

Behandlung von viralen Infektionen

In einer Studie konnte die systemische Enzymtherapie in der Behandlung von Patienten mit chronischer Hepatitis B in der Replikationsphase eine gute Wirkung erzielten . Einsatz bei onkologischen Patienten. Im Bereich der komplementären Onkologie werden oral verabreichte Enzyme als zur Begleitbehandlung zur Standardtherapie verabreicht.
Diverse Studien und Anwendungsbeobachtungen konnten die Wirkung von Enzymmischungen sowohl in der Langzeitbehandlung bei Tumoren als auch begleitend zur herkömmlichen Chemo- oder Strahlentherapie nachweisen.
Als Begleittherapie vermindern Enzyme mögliche Nebenwirkungen der konventionellen Krebstherapie erheblich und verbessern somit die Lebensqualität der Krebspatienten. Auch ein bremsender Effekt auf die Metastasenbildung war erkennbar.

Zusammenfassend lassen sich Enzyme optimal verwenden zur unterstützenden Behandlung für Erwachsene bei:

  • Venenentzündung (Thrombophlebitis)
  • Systemische Entzündungen, wie z.B:
    Entzündungen im HNO-Bereich und der Atmungsorgane
    Entzündungen der Harn- und Geschlechtsorgane
    Entzündungen bei rheumatischen Erkrankungen
    Entzündungen nach Verletzungen, wie Prellungen, Zerrungen, Verstauchungen
    Entzündungen der Haut, wie Verbrennungen, Verletzungen, Operationswunden, Beingeschwüre
    Ödeme entzündlichen Ursprungs
    • Entzündungen nach Strahlenbehandlung
  • Durchblutungsstörungen

Die systemische Enzymtherapie bietet also in vielen therapeutischen Bereichen eine hervorragende Option zur Ergänzung integrativer Behandlungsansätze. Zentraler Fokus liegt in der antientzündlichen Wirkung sowie allgemein in der Spaltung von Eiweissbrücken.
Nebenwirkungen sind bei fachgerechter Anwendung sehr selten, die Verträglichkeit sehr gut. Entscheidend ist die Qualität der Produkte im Sinne ausreichender Bioverfügbarkeit und Enzymaktivität sowie einer Mischung aus pflanzlichen und tierischen Enzymen.

Kommen Sie zum Kongress der SSAAMP am 17.5.25 und erfahren noch mehr zu diesem Thema.

Der Fachkongress „Longevity» am 17.5.25

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Literatur

Bairoch, The Enzyme Database in 2000, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC102465/

Auswirkungen der komplementären Anwendung oral verabreichter Enzyme auf die Behandlungsergebnisse bei Patientinnen mit Brustkrebs
Josef Beuth et al

Eisen, das umstrittenste Element: Chancen und Risiken

Veröffentlicht: 13. Februar 2025
Autor: Dr. med. John van Limburg Stirum

Eisen ist das am kontroversesten diskutierte Mineral in der medizinischen Praxis. Trotz seiner zentralen Bedeutung für ca. 200 verschiedene biologische Reaktionen u.a. für die Energieproduktion und den Sauerstofftransport, bleibt die Behandlung eines Eisenmangels häufig unzureichend, insbesondere bei der Entscheidung, ob Eiseninfusionen verabreicht werden sollten. Während viele Frauen im Menstruationsalter und Vegetrier:innen unter Eisenmangel leiden und trotz oraler Präparate nur unzureichend versorgt sind, scheuen viele Ärzte den Einsatz von Infusionen – meist aus Angst vor einer potenziellen Eisenüberladung oder ernsthaften Nebenwirkungen. Die Folge ist, dass viele Betroffene unbehandelt und unzureichend versorgt bleiben und deshalb mit ihren chronischen Beschwerden wie Müdigkeit, Antriebslosigkeit und verminderter Leistungsfähigkeit, leben müssen.

Warum Eiseninfusionen sinnvoll sein können

Orale Eisenpräparate bringen häufig nicht die gewünschte Wirkung, vor allem aufgrund begrenzter Bioverfügbarkeit und unangenehmer gastrointestinaler Nebenwirkungen. Studien und Praxisbeobachtungen zeigen, dass Patienten, insbesondere Frauen, bei tiefen, aber noch „normalen“ Eisenwerten oft mit einer intravenösen Therapie besser versorgt werden können.

Optimalbereich vs.Referenzbereich

Ein weiteres Hindernis in der Eisenbehandlung ist die grosse Varianz der Referenzbereiche. Während einige Labore Ferritinwerte unter 30 µg/l als kritisch ansehen, gelten bei anderen Laboren erst Werte unter 15 µg/l als behandlungsbedürftig. Diese Spannbreite führt ebenfalls dazu, dass Patienten, die unter typischen Eisenmangelsymptomen leiden, keine Behandlung erhalten, wenn ihre Werte im tiefen Normalbereich liegen. Der Fokus sollte daher stärker auf eine symptombasierte Diagnose und die Berücksichtigung von individuellen Patientenbedürfnissen gelegt werden.

Praxisstudie

In der Seegarten Klinik wurde eine Eisen-Praxisstudie mit 136 symptomatischen Patienten durchgeführt. Die Patienten litten hauptsächlich unter chronischer Müdigkeit, Depressionen, Kopfschmerzen und Haarausfall. Von diesen hatten 108 Patienten „normale“ Ferritinwerte über 15 µg/L und 24 sogar über 50 µg/L. Sie erhielten Eiseninfusionen (maximal 200 µg pro Infusion) mit einem Ziel-Ferritinwert von 150 µg/L.

Von den 108 behandelten Patienten berichteten 74 über eine gute bis sehr gute Verbesserung (bzw. Heilung) ihrer Symptome, was einem Erfolg von 68,52 % entspricht. Unter strikter Berücksichtigung der Normbereiche hätten diese Patienten keine Hilfe erhalten, wären teilweise als „psychisch“ abgestempelt worden oder hätten Antidepressiva verschrieben bekommen.

Diese Erfahrung zeigt einmal mehr, dass bei Patientenbeschwerden mehr als nur die Standard-Referenzwerte berücksichtigt werden sollten. Jeder Mensch hat seinen individuellen Optimalbereich.

Die Fachfortbildung „Eisen, das umstrittenste Element“

24. April 2025 / Nachmittag / im St. Gotthard Zürich

In der Fortbildung „Eisen, das umstrittenste Element“ werden Sie die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Eisenstoffwechsel und den therapeutischen Nutzen von Eiseninfusionen kennenlernen. Die Referenten werden praktische Beispiele und Fallstudien vorstellen, die veranschaulichen, wie Eiseninfusionen gezielt und sicher eingesetzt werden können. Zusätzlich erhalten Sie einen umfassenden Überblick über notwendige Laboranalysen und die Interpretation von Ferritin- und Hämoglobinwerten sowie neue Hinweise zur Messung des Säure-Basen-Haushalts und dessen Relevanz in der Therapie.

Der Fachkongress „Longevity» am 17.5.25

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Livestyle / Fasten und Haut

Veröffentlicht: 12. Februar 2025
Autorin: Sybille Binder

Dass Lebensstil nicht nur unsere Gesundheit, sondern auch den Alterungsprozess beeinflusst, ist heute allgemein bekannt und immer mehr durch wissenschaftliche Erkenntnisse bestätigt. Diese Erkenntnisse werden zunehmend auch von der medizinischen Fachgesellschaften anerkannt.
Ein wichtiger Faktor des Alterungsprozesses ist auch unsere Hautalterung. Lange Zeit wurde nur über Einflussfaktoren von aussen gesprochen und informiert. Durch Auftragen von Nährstoffen durch Produkte der Kosmetik und Dermatologie aber auch durch invasive Eingriffe wie Spritzen wurde der Hautstoffwechsel unterstützt und der natürlichen Hautalterung entgegengewirkt.

Ein Ausblick auf den Fachkongress „Livestyle / Fasten und Haut» am 17.5.25

Die Frage stellt sich, wann sind welche Alterungsprozesse der Haut «normal»?
Dass die Haut ein Stoffwechselorgan wie andere Organe des Körpers ist, ist bekannt, es wurde aber lange nicht über die innere Ernährung gesprochen. Die Haut ist ein Resultat unserer Ernährung, das heisst der Nährstoffe. Ihr Auf- und Abbau sowie Hautveränderungen sind durch verschiedene Ernährungsmassnahmen beeinflussbar.

Im Referat wird Frau Dr. Yael Adler https://dradler-berlin.de/  die bekannte Dermatologin über die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Ernährung auf die Qualität und Alterung der Haut sprechen. Gerade Fette und Genussmittel haben einen starken Einfluss auf den Hautstoffwechsel und deren Alterung. Nicht alle Nahrungsmittel, die als gesund angepriesen werden, sind auch wirklich günstig für die Entwicklung. Yael Alder zeigt auf, wie eine hautgesunde Ernährung aussieht und dass nicht nur Supplemente und Kosmetika eingesetzt werden können.

Auch Fasten beeinflusst den Hautstoffwechsel, so werden Stoffwechselendprodukte, die der Körper während des Fastens ausleiten möchte, auch über die Haut ausgeschieden, was sich in Form von Schwitzen, Körpergeruch, Irritationen wie Brennen oder Jucken zeigen kann.

Über das Fasten vor allem das Fasten nach FX Mayer und dessen Entwicklungen spricht Dr.med. Claas Hohmann https://www.fxmayr.com/ . Er hat als Arzt die Fachfortbildung als FX Mayr gemacht und ist Leiter dieser Gesellschaft. Es waren Ärzte wie FX Mayr, welche die Forschung der Fastenergebnisse unterstützt haben. Fasten «trainiert» den Stoffwechsel und das Immunsystem, was heute auch als Xenoautophagie bezeichnet wird. Weiter wird diskutiert, dass Fasten die Telomehrverlängerung positiv beeinflusst.
FX Mayr stellte die Hypothese auf, dass nicht nur Fasten sondern vor allem die durch Sanierung“ des Darmes viele Krankheiten vermieden oder verbessert werden können. Dies durch leicht verdauliche und monotone Ernährung – bestehend aus Milch und Semmeln. Aber nicht nur das Essen sondern das Kauen waren wichtige Pfeiler in der Kur sowie die bekannten Darmmassagen und die Darmspühlungen (Colonhydrotherapie). Diese Therapieansätze haben sich immer wieder als sehr wirkungsvoll bewiesen. Wie andere medizinische Fachgebiete hat auch das Fasten sich im Laufe der Jahre entwickelt und wird immer wieder neuen Erkenntnissen angepasst. Freuen Sie sich auf diese beiden Beiträge im Sinne der SSAAMP Philosophie.

Der Fachkongress „LONGEVITY, Livestyle / Fasten und Haut» am 17. Mai 2025 im Seedamm Plaza Pfäffikon

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Mikrobiom – zentral für unsere Gesundheit

Veröffentlicht am: 30. Januar 2025
Autor: Dr. med. Simon Feldhaus

Der Volksmund kennt das Sprichwort „die Gesundheit des Menschen liegt im Darme verborgen“. Und schon Paracelsus sagte: „Der Tod sitzt im Darm“.

Der Dünndarm wie der Dickdarm werden von über 400 verschiedenen Bakterienstämmen besiedelt, wobei die mikrobielle Besiedlung der einzelnen Abschnitte im Gastrointestinaltrakt sehr unterschiedlich ist.

Magen und Zwölffingerdarm sind noch relativ keimarm. Im Dünndarm nimmt die Artenvielfalt und die Zahl der Mikroorganismen ständig zu, wobei anaerobe Florabestandteile immer stärker in den Vordergrund treten. Im Dickdarm schließlich werden die höchsten Bakterienkonzentrationen erreicht. Gut ein Drittel der gesamten Stuhlmasse besteht aus abgestoßenen Darmbakterien.

Ein Ausblick auf den Fachkongress „Longevity» am 17.5.25

Zwischen den Darmbakterien und dem Mensch besteht eine Gemeinschaft mit gegenseitigem Nutzen (Symbiose).

Unverdauliche Nahrungsbestandteile wie Pflanzenfasern werden von den Darmbakterien aufgeschlossen und verwertet. Die Abbauprodukte fördern das Wachstum der Mikroorganismen und dienen ihnen zur Energiegewinnung. Aber auch der Mensch profitiert von ihren Fähigkeiten: Die beim bakteriellen Abbau von Kohlenhydraten im Dickdarm entstehenden kurzkettigen Fettsäuren (z.B. Buttersäure) dienen dem Schleimhautepithel des Dickdarms als Energiequelle. Auch beteiligen sich die Darmbakterien bei der Entsorgung von Fremd- und Schadstoffen. Die im Dickdarm entstehenden Endprodukte des bakteriellen Stoffwechsels wie Gase (Schwefelwasserstoff, Wasserstoff, Methan) oder andere nicht weiter verwertbare Reste werden mit dem Stuhl ausgeschieden.

Weiterhin wird die Peristaltik des Darmes durch ihre vielfältigen Stoffwechselaktivitäten gefördert, was für eine raschere Entsorgung des Darminhaltes sorgt und so eine Obstipation verhindert.

Probiotische Massnahmen führten in Studien zu einer Reduktion des Stresshormons Cortison und zu einer vermehrten Aktivität der GABA-Rezeptoren im ZNS. Darmbakterien modulieren die Neurotransmitteraktivität, so dass faszinierende Möglichkeiten entstehen, mit mikrobiell basierten Strategien stressassoziierte, psychiatrische Störungen wie Ängstlichkeit und Depression zu beeinflussen.

Allerdings kann diese Beeinflussung auch vom Gehirn in Richtung Darmflora verlaufen. Chronischer Stress führt zu einer Reduktion vor allem der Lactobazillen und zur Freisetzung von Histamin im Darm. Dies kann zu ausgeprägten Verdauungsstörungen wie Blähungen, Durchfall und Bauchschmerzen führen.

Etwa 80 Prozent des zellulären Immunsystems des Körpers befinden sich als Peyer’sche Plaques unter der Darmschleimhaut. Zudem werden hier täglich 12 bis 14 Gramm spezifische Eiweisse wie beispielsweise die Immunglobuline produziert.

Die Immunantwort wird durch die Bildung verschiedener pro- und antientzündlicher Botenstoffe koordiniert.

Letztendlich fungieren die Darmbakterien als lebenslanger Trainings- und Kommunikationspartner für das Immunsystem.

Dieser ständige Informationsaustausch lehrt die immunkompetenten Zellen, zwischen unerwünschten Eindringlingen und den körpereigenen nützlichen Bakterien zu unterscheiden, sodass Fremdkeime rasch eliminiert werden können, während gegenüber den eigenen Bakterien eine immunologische Toleranz entsteht. Somit werden überschiessende immunologische Reaktionen, die den Organismus überfordern könnten, verhindert.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass der Darm, um all seine Aufgaben korrekt ausführen zu können, notwendigerweise braucht:

• eine intakte bakterielle Besiedelung des Darmes (intestinale Mikroflora)

• eine ausreichende Bildung von Mucosaschleim und sekretorischem Immungloblin A (sIgA) sowie


• eine unversehrte intestinale Epithelzellschicht.

Die praktische Konsequenz dieser Erkenntnisse liegt nun darin generell eine hohe Diversität im Darm zu erhalten und zu fördern. Dafür sollte bei der Ernährung grundsätzlich auf eine vielseitige und an verschiedenen Ballaststoffen reiche Kost geachtet werden.

Die Anwendung von Antibiotika muss auf das geringstmögliche Maß beschränkt werden und begleitend zu jeder nicht vermeidbaren antibiotischen Intervention sollten gezielte Maßnahmen zur Schadensbegrenzung betrieben werden.

Therapeutische Konsequenzen bestehen dann darin, die Störungen im Milieu sowie bei der Zusammensetzung der Darmflora zu korrigieren.

Präbiotika und probiotische Bakterienstämme nach den Bedürfnissen des Patienten individuell zu kombinieren ist die neueste Version der Mikrobiomtherapie. Die Auswahl der Komponenten beruht auf dem Beschwerdebild, Befunden von Mikrobiom und ergänzenden Parametern sowie An­gaben von Alter und Körpergewicht. Aufgrund der vorhandenen Daten erfolgt ein Abgleich mit vorhandenen Studien. Ermittelt wird so eine Mischung aus Präbiotika und pro­biotischen Stämmen in einer optimalen Dosierung, die für die individuelle Fragestellung eines Patienten am besten geeignet sind.

Wer seinen Darm und die darin lebenden Bakterien gesund erhält, schafft die besten Voraussetzungen auch den Körper und die Seele gesund zu erhalten.

Am Kongress der SSAAMP im Mai 2025 werden wir ein Topic auf dieses Thema setzen.

Der Fachkongress „Longevity» am 17.5.25

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Better-Aging und Medizinische Ästhetik am 19. Jahreskongress vom 11. Juni 2022

Im Zeichen des persönlichen Austauschs

Der Jahreskongress der SSAAMP konnte endlich wieder in einem freundlichen, entspannten Rahmen stattfinden. Über 200 Teilnehmende folgten der Einladung ins Zürcher Metropol und die SSAAMP konnte erneut ihre kompetente Position zeigen: Renommierte Referenten präsentierten eine Vielfalt hochaktueller und relevanter Themen aus der funktionellen Medizin, Zahnmedizin, Endokrinologie sowie Umweltmedizin. Dazu stellten gegen 30 Aussteller aktuellste Produkte und Dienstleistungen aus den Bereiche Prävention, Therapie oder Labor vor. Die Pausen zwischen den Fachvorträgen wurden jeweils intensiv für den Austausch und die Netzwerkpflege genutzt.

Ein klares Bedürfnis

Nach dem Eintreffen der zahlreichen Gäste machte Präsident Dr. med. Simon Feldhaus gleich in seiner Begrüssungsansprache klar, wie wichtig der aktive persönliche Austausch für den Menschen ist. Auch im Better-Aging bildet der gesellschaftliche Kontakt einen entscheidenden Faktor. Weiter betonte er die Wichtigkeit, ständig wiederkehrende Irrglauben in der Medizin konsequent zu hinterfragen und immer wieder gedanklich über den berühmten Tellerrand hinauszuschauen.

Mit einem spannenden Vortrag zur Diversität und Individualität der Bakterien im Darm wurde das Programm im grossen Vortragssaal eröffnet. Dann erläuterte der deutsche Wissenschaftler Stefan Hockertz das Thema «Arzneimittel im Trinkwasser» und die Tatsache, dass die Problematik zwar bereits zu Beginn des neuen Jahrtausends erkannt wurde, aber noch keine konkrete Lösung zur Verfügung steht. Referate aus dem Themenkomplex Schmerz und Hormone brachten ebenso interessante Erkenntnisse wie diejenigen aus der Zahnmedizin oder aus dem Gebiet Umwelt und Medizin. Die Referate im grossen Saal boten während des ganzen Tages eine wahre Quelle fachspezifischer Informationen sowie erfrischender Denkanstösse.

Spezialbereich: Medizinische Ästhetik

Die Harmonie aus Geist und Körper prägt die moderne Anti-Aging-Medizin. Die medizinische Ästhetik stärkt Zufriedenheit und Selbstbewusstsein. Richtig eingesetzt, werden nicht nur sichtbare Verbesserungen erzielt, sondern auch das allgemeine Lebensgefühl nachhaltig angeregt. Im kleinen Saal wurden die Möglichkeiten und Grenzen der Sexualsteroide in der Ästhetischen Medizin, die Stammzellenaktivierung sowie die Bewahrung der Hautstruktur thematisiert.

Auf die neuen Erkenntnisse aus den Fachvorträgen folgte eine moderierte Diskussion, welche sich mit der Umsetzung befasste, wie die Haut möglichst lange jung gehalten werden kann. Der kleine Saal war zu jeder Zeit bis auf den letzten Platz und sogar darüber hinaus besetzt. Alle Teilnehmenden konnten bedeutungsvolle Einsichten sowie relevante Perspektiven für die tägliche Praxis mit nach Hause nehmen.

De Auszeichnung des Jahres

Vor der kulinarischen Netzwerkpause über Mittag folgte ein weiterer Höhepunkt: Die Verleihung des Science-Awards. Damit unterstützt die SSAAMP alljährlich herausragende Forschungsarbeit in den Bereichen Anti-Aging und Prävention. Die kompetente Fachjury zeichnete in diesem Jahr eine weitere beispielhafte Wissenschaftlerin aus. Mit ihrer Arbeit «Cognitive health after menopause: Does menopausal hormone therapy affect it?» überzeugte Dr. med. Sabrina Baumgartner aus Zürich die Expertinnen und Experten der SSAAMP. Auf der Bühne des grossen Saals durfte die ambitionierte Spezialistin unter anerkennendem Applaus den Science-Award, der 2022 bereits zum fünften Mal verliehen wurde, in Empfang nehmen.

Dr. med. Simon Feldhaus, Dr. med. Sabrina Baumgartner, Prof. Dr. med. Petra Stute

Jubiläumskongress im Jahr 2023

Seit seiner Gründung setzt sich der Fachverband SSAAMP, die Swiss Society for Anti Aging Medicine and Prevention, für die Erhaltung der Lebensqualität bis ins hohe Alter ein. Immer mehr Fachkräfte beschäftigen sich eingehend mit der gezielten Behandlung der altersabhängigen Erkrankungen und der degenerativen Prozesse. Die SSAAMP fördert gezielt präventiv orientierte Therapien, die auf der Grundlage anerkannter Methoden der Medizin sowie der laufend erweiterten wissenschaftlichen Forschung basieren.

Im kommenden Jahr wird der richtungsweisende Jahreskongress der SSAAMP zum 20. Mal durchgeführt. Präsident Dr. med. Simon Feldhaus versprach für den Jubiläumsanlass ein besonders facettenreiches Potpourri spannender Fachvorträge, packend präsentiert von noch mehr namhaften Referentinnen und Referenten. Der Kongress wird deshalb 2023 an einem besonderen Standort inszeniert werden: Dem wunderschönen Seminarhotel Bocken bei Horgen am Zürichsee. Hier bietet sich noch mehr Raum für ein gehaltvolles Programm sowie eindrückliche Präsentationen in einem ansprechenden Umfeld – mitten im Grünen und nicht weit von Zürich.

Zugelassen sind nicht nur die Mitglieder der SSAAMP allein – auch externe Gäste oder Studenten sind herzlich willkommen und können von inspirierenden Referaten und einem fachspezifischen Rahmenprogramm profitieren. Anmeldungen zum Frühbucherpreis sind bereits heute möglich.

Swiss Society for Anti Aging Medicine and Prevention
Haldenstrasse 1, 6342 Baar, http://www.ssaamp.ch 

Reizdarmsyndrom: Evidenzbasierte Mikrobiom-Therapien als Grundlage einer modernen personalisierten Medizin

Veröffentlicht am: 14. Juni 2022
Autor: Prof. Dr. med. Burkhard Schütz

Das Reizdarmsyndrom (engl. Irritable Bowel Syndrome, IBS) ist die wohl häufigste Er­krankung des Magen-Darm-Traktes. Etwa 50 % der Patienten, die wegen gastrointestinaler Beschwerden einen Hausarzt aufsuchen, leiden daran [1]. Typische Anzeichen eines Reizdarmsyndroms sind chronische Bauchschmerzen, die in Verbindung mit Verstopfung, Durchfall und Blähungen auftreten können [2]. Es wird geschätzt, dass weltweit etwa 10 – 15% der Bevölkerung an einem Reizdarmsyndrom leiden, wobei Frauen häufiger betroffen sind [3].

Darmbakterien können die Pathogenese eines Reizdarmsyndroms maßgeblich beeinflussen.  Oft findet man bei IBS-Patienten Veränderungen im Mikrobiom, die neben einer verminderten Arten­vielfalt (Diversität) einerseits durch geringe Keimzahlen an Bifidobakterien und F. prausnitzii  ge­kenn­­zeichnet sind, andererseits aber eine Vermehrung von stoffwechselaktiven Entero­bakteriazeen aufweisen [11-14]. Hierdurch können Metabolite entstehen, die zu oberfläch­lichen Schleim­haut­entzündungen führen (Low grade Inflam­mation), aber auch Gefäßwände schädigen können und so Arteriosklerose oder kardiovaskuläre Erkrankungen begünstigen.

Mikrobiomveränderungen und Entzündungen beeinflussen die Bildung und Expression von mikro­biellen Neurotransmittern, wie Serotonin, GABA oder Histamin. Auch die Verfügbarkeit von Neuro­transmitter-Vorstufen (z.B.  Tryptophan) wird durch die veränderte Darmflora beeinträchtigt. All das hat Folgen. Ein Mangel an Neurotransmittern kann das Schmerzempfinden erhöhen (Serotonin, GABA) oder durch unzureichende Aktivierung von 5-HT4-Rezetoren eine Obstipation begünstigen (Serotonin). Anders ist es bei einer gesteigerten Serotoninproduktion. Durch Anregung der Peristaltik kommt es oft zu einer Diarrhö [15,16]. Auch eine vermehrte Histamin-Bildung durch Entero­bakteria­zeen kann Ursache für typische Reizdarmbe­schwerden sein. So lassen sich Bauch­schmerzen oder rezidivierende Durchfälle oft auf eine Aktivierung von Histamin-1-Rezeptoren zurückführen [17-19].

Darmbakterien beeinflussen also die Entstehung und die Symptomatik  eines Reizdarmsyndroms erheblich. Deshalb sollte eine diagnostische Abklärung bei Reizdarm in jedem Falle auch eine Mikro­biom- und Neurotransmitteranalyse beinhalten und deshalb setzen unsere Therapieansätze unter anderem auch dort an.

Prä- und probiotische Therapien bei Reizdarmsyndrom

Seit fast 30 Jahren beschäftige ich mich mit Stuhldiagnostik und darmassoziierten Therapien. Mit der Biovis haben wir immer wieder Studien begleitet, die das Ziel hatten, die Wirksamkeit von Prä- und Probiotika bei Reizdarmsyndrom zu untersuchen. Mittlerweile gibt es gute Probiotika, die imstande sind, das Milieu im Darm positiv zu beeinflussen, das Wachstum von Candida oder patho­genen Er­regern zu hemmen oder einem Leaky Gut entgegenzuwirken. Durch Auswahl geeigneter Probiotika kann auch die Mucin- oder Butyratbildung gefördert und Entzündungen entgegengewirkt werden. Die Vielfalt an angebotenen Probiotika ist groß. Ihre Eigenschaften unterscheiden sich zum Teil erheblich. Es macht daher Sinn, sich näher mit Probiotika auseinander­zusetzen, um das passende Produkt für den jeweiligen Patienten zu finden.


Die meisten angebotenen Probiotika sind Allrounder, mit möglichst breiten Indikationsstellungen. Einige wurden für bestimmte Altersklassen konzipiert, etwa für Säuglinge, Kinder oder für Senioren. Andere Probiotika werden gezielt gegeben, um eine Antibiotika assoziierte Diarrhö zu verhindern oder vor einer Reisediarrhö zu schützen. Dürfen Indikationen angegeben werden, dann hilft das bei der Auswahl eines geeigneten Probiotikums. Oft sind aber, trotz teilweise vorhandener Studien, Produkt­aussagen nicht zulässig. Arzt oder Therapeut sind in ihrer Entscheidung alleine gelassen und ver­ordnen oft die falschen Produkte. Es werden Allrounder eingesetzt, die zwar vieles können, aber vieles nicht wirklich gut!

Wirkoptimierte Probiotika durch gezielte Kombination ausgewählter Bakterienstämme

Studien zeigen immer mehr, dass Prä- und Probiotika in optimaler Kombination gute therapeutische Effekte erzielen.  Gelingt es, geeignete Stämme zu kombinieren, lassen sich auch Reizdarm­be­schwer­den damit effektiv beeinflussen. Daten hierzu erbrachte auch eine Studie, die von 2019-2021 an insgesamt 166 Patienten mit Reizdarmsyndrom durchgeführt wurde. Im Stuhl gemessen wurden Histamin, Tryptophan und die Neurotransmitter Serotonin und GABA. 81% der Patienten zeigten Auffälligkeiten in mindestens einem der 4 Parameter. 31% zeigten ein erhöhtes Histamin, das über eine Aktivierung von H1-Rezeptoren zu Durchfällen oder Tenesmen führen kann. Eine Hista­min­intoleranz (HIT) scheint also eine erhebliche Rolle bei Reizdarmbeschwerden zu spielen. Man weiß, dass Probiotika die Histaminwirkung blockieren können, indem sie die Expression des Histamin-Decarboxylase-Gens (HDC) hemmen und die H1-Rezeptor-Gen Expression reduzieren. Es wird damit  weniger Histamin gebildet, das auf eine geringe Zahl an H1-Rezeptoren trifft. Ein Effekt, den die Patienten spüren, oft innerhalb weniger Tage nach Beginn der Probiotika-Therapie. Es gibt nur wenige Probiotika, die gezielt für Indikationen bei IBS entwickelt wurden. Für Patienten mit einer Histaminproblematik ist das z.B. Arktis Sensitive®, Histamed® oder BiGaia®.

Abbildung: Veränderungen von Histamin, Tryptophan, Serotonin und GABA im Stuhl von Reizdarmpatienten. 31% der Patienten zeigen erhöhte Histaminwerte. Biovis 2019

Der Effekt von Arktis Sensitive® und BiGaia® auf die Histaminfreisetzung lässt sich auch in invitro-Experimenten zeigen. Getestet werden darin Probiotika in Anwesenheit von Patientenstuhl und individuellen Zusatzstoffen, die modifiziert werden können und die Art der Ernährung widerspiegeln. Während im Markt sehr erfolgreich eingesetzte Probiotika zwar selbst keine HDC-Gen-tragenden Stämme enthalten, scheinen sie die Patientenflora doch dazu zu bringen, Histamin zu bilden. Die Histaminspiegel steigen und zwar z.T. deutlich. Arktis Sensitive® und BiGaia® hingegen führen zu einer erheblichen Abnahme der Spiegel. Es kommt zu einer Histaminblockade!

Abbildung 2: Einfluss von Probiotika auf den Histamin-Spiegel im Stuhl. 

Das Bespiel zeigt, wie effizient Probiotika wirken können. Patienten beschreiben einen klinischen Effekt bei HIT bereits nach wenigen Tagen. Für ein Probiotikum außergewöhnlich!

Wie andere Untersuchungen zeigen, lässt sich auf die oben beschriebene Weise nicht nur der Histamin-Einfluss reduzieren, es gelingt auch durch Probiotika die GABA- und Serotonin-Versorgung zu verbessern, mit positivem Einfluss auf Darmpassage und Schmerzsymptomatik. Auch hiervon profitieren Reizdarm­patienten z.T. erheblich.

Abbildung 2: Einfluss von Probiotika auf den GABA-Spiegel im Stuhl. Ein wichtiger Faktor zur Regu­lierung von Peristaltik und visceralem Schmerzempfinden.

Reizdarmdiagnostik als Grundlage einer effektiven Therapie

Untersucht man Stühle von Reizdarmpatienten auf Histamin, Tryptophan und Neurotransmitter, ermöglicht das bei vorhanden­en Auffälligkeiten gezielte Therapiemaßnahmen. Bei einer Histamin­intoleranz kann eine histaminarme Ernährung ebenso sinnvoll sein, wie die Gabe von DAO oder Mastzell­stabili­satoren.  Bei fehlenden Neurotransmittern oder Vorstufen können diese substi­tuiert wer­den (5-HTP, GABA, Tryptophan). Wie oben gezeigt, stellen aber auch  zielgerichtet einge­setzte Probiotika effek­tive Therapieoptionen dar, die dazu beitragen, Histamin zu blockieren oder Neuro­trans­mitterdefizite auszugleichen. Es müssen nur die richtigen Probiotika sein!

Ausblick: Personalisiserte Probiotika – eine Option für die Zukunft?

Die beschriebenen Beispiele machen klar, welche Möglichkeiten klug zusammengesetzte Probiotika­ bieten, wenn sie nur Stämme beinhalten, die gewünschte Effekte zeigen und auf überflüssige oder kontraproduktive Stämme verzichten. Es geht nicht, wie bei den üblichen Allround-Präparaten darum, möglichst viele Fragestellungen mit abzudecken, sondern bei klar definierten Beschwerde­bildern einen maximal möglichen Effekt zu erzielen.

Präbiotika und probiotische Bakterienstämme nach den Bedürfnissen des Patienten individuell zu kombinieren, quasi als Individualrezeptur, das wäre neu. Die Auswahl der Komponenten sollte auf dem Beschwerdebild, Befunden von Mikrobiom und ergänzenden Parametern sowie An­gaben von Alter und Körpergewicht beruhen. Aufgrund der vorhandenen Daten erfolgt ein Abgleich mit vorhandenen Studien. Ermittelt wird so eine Mischung aus Präbiotika und pro­biotischen Stämmen in einer optimalen Dosierung, die für die individuelle Fragestellung eines Patienten am besten geeignet sind. Ist so etwas wirklich möglich?

Ja, es ist möglich! Ich stelle Ihnen Ergebnisse dieses neuen, personalisierten Therapieansatzes vor. Kommen Sie zum Seminar der SSAAMP am 24. November in Zürich. Sie werden es nicht bereuen!

Literatur beim Verfasser.

Die Leber – das „vergessene Organ“ der Schulmedizin

Autor: Dr. Simon Feldhaus und Sybille Binder
Veröffentlicht: 16. Mai 2022

Die Leber (lateinisch iecur, altgriechisch ἧπαρ Hepar) ist das zentrale Organ des gesamten Stoffwechsels und die grösste Drüse des Körpers bei Wirbeltieren. Die wichtigsten Aufgaben sind die Produktion lebenswichtiger Eiweissstoffe (z. B. Gerinnungsfaktoren), die Verwertung von Nahrungsbestandteilen (z. B. Speicherung von Glukose und Vitaminen), die Galleproduktion und damit einhergehend der Abbau und die Ausscheidung von Stoffwechselprodukten, Medikamenten und internen und externen Giftstoffen. Zudem stellt sie das körpereigene Cholesterin sowie die Gallenflüssigkeit her.

Als Klärwerk des Körpers ist die Leber zusammen mit der Niere für die Entgiftung zuständig. Sie entsorgt und beseitigt, so gut es geht, Schadstoffe aus Nahrung, Umwelt, Medikamenten und Genussmitteln wie Alkohol und Zigaretten. Sie neutralisiert auch das körpereigene giftige Ammoniak, das beim Abbau von Proteinen anfällt. Entlang der Lebergefässe finden sich hoch spezialisierte, nach dem Entdecker benannte Kupffersche Sternzellen, die das Blut von allen Fremdstoffen, beispielsweise Bakterien, befreien. Diese Zellen entsorgen auch die überalterten oder geschädigten Erythrozyten und geben sie zur Weiterverarbeitung an die Leberzellen ab. Auch die Erkennung und Ausschaltung von Tumorzellen gehört zu den Aufgaben der Leber. Dementsprechend ist sie auch ein wichtiges Organ für das Abwehrsystem.
Die Leber produziert Albumin, ein lebenswichtiges Protein, das u. a. das Blut in den Gefässen hält und Substanzen wie Fettsäuren, Vitamine und Medikamente (z. B. Penicillin) im Blut transportiert. Albumin bindet auch viele wasserunlösliche Giftstoffe.

Trotz dieser zentralen Rolle gilt die Leber als „vergessenes Organ“ der Schulmedizin. Man kann zwar gewisse Krankheiten behandeln, aber eine Medizin, die in das System der Leber einwirkt, gibt es bislang nicht.

Aufgrund ihrer ausgeprägten Vernetzung im Körper ist die Leber eines der wichtigsten Organe in der Komplementärmedizin. Wir wissen, wenn wir die Leber unterstützen, ist jede Therapie, egal welche, von einem besseren Erfolg gekrönt. Die Leber birgt im Verständnis der biologischen Medizin als «Yin-Organ des Frühlings» zeitlebens die Kraft des Frühlings und des Lebens: Letztendlich hat die Leber eine Art „Boosterfunktion“ in der Therapie!

In der TEN gilt die Leber als zweite Kochung, welche die Aufgabe hat, die Stoffe (Nähr- und Wirkstoffe der Nahrung), welche die erste Kochung (Magen/Darm) vorbereitet haben, weiter zu verarbeiten. Und so kommt es erst zur dritten Kochung zu Zellen und Gewebe. Ohne Leber ist aus Sicht der TEN-Gesundheit also gar nichts möglich.

Eine Schwächung der Leberfunktion kann sich auf verschiedenen Ebenen zeigen: von mangelndem Antrieb über gastrischen Kopfschmerz bis zu Gelbsucht oder anderen Vergiftungserscheinungen. Häufig zeigen sich emotionale Symptome, wie sie bei Verhaltensauffälligkeiten typisch sind: Unkonzentriertheit, Aggression, Affekthandlungen.

Generell ist Müdigkeit häufig ein Symptom, das mit der Leber in Verbindung gebracht wird. Man kann auch sagen: „Müdigkeit ist der Schmerz der Leber.“ Unser Entgiftungsorgan verursacht in der Regel keine Beschwerden, ausser wenn es zu Vergrösserungen und somit zur Spannung der Leberkapsel kommt.

Ebenso besteht beispielsweise ein Zusammenhang zwischen einer eingeschränkten Leberfunktion und Augenleiden (wie trockenes Auge, Farb- sowie Hell-Dunkel-Unter-scheidung, verminderte Sehkraft), Hautkrankheiten (Akne, Ekzeme), Fettstoffwechselstörungen, funktionellen Herz-Kreislauf-Beschwerden sowie psychischen Beschwerden (Schlafstörungen, depressive Verstimmungen).

Folgende sogenannte Früh-Symptome können auf Probleme der Leber hinweisen, noch bevor Labortests oder andere diagnostische Verfahren dies zeigen:

  • Müdigkeit
  • Verlust der Tatkraft
  • Depressivität
  • unspezifische Übelkeit
  • wechselhafte Nahrungsmittelempfindlichkeiten
  • Verhaltensauffälligkeit

Natürlich ist bei Verdacht auf organische Leberstörungen entscheidend, eine gesicherte Diagnose zu stellen. Dazu ist allenfalls eine laborchemische Kontrolle der Leberwerte notwendig und eventuell auch eine Ultraschalluntersuchung von Leber/Gallenblase und Pankreas. Insbesondere geht es hier darum, toxische Leberschäden, Entzündungen, Infektionen oder eine Leberbelastung durch eine Abflussbehinderung in den Gallengängen auszuschliessen. Diese Situationen bedürfen einer spezifischen, schulmedizinischen Therapie.

Allerdings ist die Leber ein Organ, welches Belastungen enorm gut kompensieren kann. Deshalb kommt es auch erst in fortgeschrittenen Stadien zu «messbaren» Veränderungen der Leberparameter wie Gamma-GT, GPT, GOT, Bilirubin.

Da die Laborparameter erst im späten Stadium der Lebererkrankung anzeigen, gab und gibt es in vielen traditionellen Medizinsystemen Hinweise, die als typische Leberzeichen dienen:

  • leichte Gelbverfärbung der Sklera
  • wechselnde Sehschärfe
  • leichte Orangenverfärbung der Haut an den Fusssohlen und Handinnenflächen
  • häufig wechselndes Schriftbild
  • Verdauungsunregelmässigkeiten, vor allem weicher, heller Stuhl; Rotverfärbung des Stuhls nach Genuss von einer guten Portion Rande, gekocht oder roh

Therapeutisch gibt es viele verschiedene Optionen. Exemplarisch werden nun einige hier dargestellt:

Die wichtigste und erste Therapiemethode ist gemäss der alten westlichen Medizin die Ernährung.

Die Leber erholt sich bei leichten, sanften Zubereitungsformen durch grün, sauer, bitter.

Chronisches Zuvielessen oder späte Abendmahlzeiten lassen die Leber „leiden“, sie kann den üblichen Aufgaben weniger gut nachkommen, und so kommt es zu den oben genannten Symptomen. Viele der unter Phytotherapie genannten Pflanzen lassen sich wunderbar in die Küche einbauen, so zum Beispiel der Löwenzahn, die Kurkuma, die Artischocke.

Aber auch Rhythmus, das war in der alten Medizin die Diätetik, die Lebensordnung, ist zu beachten. Die bedeutet, dass rhythmische Mahlzeiten ebenfalls Teil der Lebertherapie sind.

Aus der Phytotherapie gibt es sehr viele Optionen. Zu erwähnen wären vor allem die Mariendistel (dient dem Leberschutz), die Artischocke (aktiviert den Gallenfluss) und die Myrobalane (reguliert die Leber gesamthaft). Die Myrobalane wird auch als „Olive Asiens“ bezeichnet. Sie gilt als heilige Frucht der Tibetischen Medizin und weist alle wichtigen Geschmacksrichtungen von scharf über sauer bis eben herb und bitter auf. Ihr Potenzial wurde im Westen noch nicht erkannt, aber sie wird in der Tibetischen Medizin sehr häufig mit grossem Erfolg eingesetzt. So ist es nicht weiter erstaunlich, dass die Frucht zu den Standardbestandteilen vieler Arzneimittel zählt.

Auch das Anlegen eines Leberwickels gehört mit zu den besten therapeutischen Optionen.

Dazu übergiesst man beispielsweise Schafgarben-Kraut mit kochendem Wasser, lässt es 5 Minuten ziehen und tränkt einen gerollten Waschlappen mit der heissen Flüssigkeit. Danach wird dieser in einem Frottiertuch ausgewrungen (darf nicht mehr tropfen!). Man legt den Lappen dann auf die Lebergegend, deckt ihn mit einem Tuch ab und wickelt den Körper ein. Dann wird noch eine Wärmflasche darübergelegt und es gilt dann, 30 bis 45 Minuten zu ruhen. Durch die intensive Erwärmung der Leber kommt es zu einer deutlichen Verbesserung der Leberleistung und insbesondere der Entgiftungskapazität.
Tipp: Eine sehr praktische und einfache Variante für einen Leberwickel bieten ausserdem die bereits anwendungsfertigen ALPMED-Frischpflanzentüchlein mit Schafgarbe.

Aus der orthomolekularen Medizin ergeben sich ebenfalls gute therapeutische Möglichkeiten.

Verzweigtkettige Aminosäuren (BCAAs) – Leucin, Isoleucin, Valin – verbessern Funktionsstörungen des Gehirns im Rahmen schwerer Leberschädigungen.

Insbesondere zu empfehlen ist eine orale Substitution von L-Ornithin (3 x 3 Gramm) zusätzlich zu den BCAAs. L-Ornithin ist eine nicht eiweissbildende Aminosäure, die vor allem im Harnstoffzyklus aus Arginin entsteht. Da es als Substrat und Aktivator der Carbamoylphosphat-Synthase dient, führt dies zu einer deutlichen Reduktion des Ammoniaks. Weiterhin stimuliert Ornithin die Wachstumshormonfreisetzung und hat positive Einflüsse auf den Zuckerstoffwechsel.

Dies ist allerdings bei einer funktionellen Leberstörung nicht zu erwarten, sondern nur bei chronischen Lebererkrankungen!

Auf der psychischen Ebene gilt es, dem Ärger so weit wie möglich aus dem Wege zu gehen oder ihn schnellstmöglich wieder loszulassen. Eine Option wäre, in den Wald zu gehen und dort mal kräftig zu schreien, wenn man sich aufgeregt hat. Auf keinen Fall sollte man den Ärger schlucken, denn damit wird die Leber belastet.

Funktionelle Medizin

Autor: Dr. Simon Feldhaus
Veröffentlicht: 28. März 2022

Die Funktionelle Medizin ist charakterisiert durch die zentrale Frage nach dem „Warum“ – die Suche nach der sogenannten Root Cause, also dem Ursprung einer Krankheit oder eines Beschwerdebilds.

Warum erkrankt ein Mensch mit seinem individuellen Satz an Genen, mit seiner individuellen Lebens- und Gesundheitsgeschichte und seiner individuellen Lebensumgebung?

Welche Lebensstilfaktoren führen zu diesem Krankheitsbild und in welchem Zusammenhang stehen diese?

Was beeinflusst das Wohlbefinden oder die Chance auf Heilung in positiver oder negativer Weise?

Dabei sieht die Funktionelle Medizin den Körper als grosse Einheit und betrachtet die Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Systemen, sie bezieht immer den Menschen als Ganzes in die Betrachtung ein.

Gesundheit oder Krankheit, Letztere im Englischen als «disease» übersetzbar, also dem Nichtwohlsein, sind das Ergebnis vieler unterschiedlicher Komponenten. Nicht nur die Genetik, sondern auch Faktoren wie die Ernährung, psychoemotionale Faktoren, Bewegung, Toxizität u. v. m. spielen eine entscheidende Rolle, ob wir uns wohl oder unwohl fühlen, gesund oder krank sind, energiegeladen oder lethargisch, begeistert oder gestresst unsere täglichen Aufgaben meistern. 

Ein wesentlicher Aspekt der Funktionellen Medizin ist der Ansatz der Epigenetik – unsere Lebensweise und unser Handeln beeinflusst den Ausdruck unserer Gene –; wir entscheiden damit, ob unsere Gene aktiviert werden oder nicht und haben dadurch direkten Einfluss auf alle relevanten Systeme: sei es das Hormon-, das Immun-, das Nervensystem, die Verdauung, der Stoffwechsel oder unsere Fähigkeit zu entgiften! 

Über die heutzutage einwirkenden alltäglichen Belastungen kommen Körper und Zellen auf verschiedenen Ebenen in Mangelzustände und Dysfunktionen, die in chronische Krankheitsprozesse münden können.

Die Funktionelle Medizin bietet einen völlig neuen Ansatz, tiefliegende Ursachen chronischer Erkrankungen zu erkennen und durch ein individuelles Konzept zu lösen. 

In der Praxis geht es um ein auf wissenschaftlichen Grundlagen basierendes Konzept zur Diagnostik, Prävention und Therapie chronischer Erkrankungen.

Wenn wir Gesundheit und Krankheit als die beiden Pole einer Skala betrachten, liegt dazwischen ein Prozess, also ein „funktionelles Geschehen“, das sich in beide Richtungen entwickeln kann.

Jeder Mensch ist mit individuellen Ressourcen ausgestattet (z. B. Genetik, Erfahrung, Resilienz), die es ihm erlauben, Trigger, die sein System stören (Stress, Traumata, Nährstoffmangel, Umweltbelastungen u. v. m.), mehr oder weniger gut zu kompensieren.

Werden Kompensationssysteme erschöpft, kann eine Entwicklung in Richtung Krankheit stattfinden.

In der funktionellen Medizin geht es darum, diese Prozesse zu erkennen und durch entsprechende Behandlungen und Lebensstiländerungen (Ernährungsumstellung, Darmsanierung, Einsatz orthomolekularer Substanzen, Immunmodulation, Bewegung …) wieder in Richtung Selbstregulation und Gesundheit zu führen. Das dabei zugrunde liegende Wissen beruht auf belegbaren wissenschaftlichen Erkenntnissen. 

Dieses Konzept zielt sowohl auf die Prävention als auch auf die Behandlung, besonders von chronischen Erkrankungen, und beinhaltet diverse Methoden wie:

  • Ernährungsmedizin
  • Orthomolekulare Medizin
  • Mikrobiologische Medizin
  • Phytotherapie
  • Integrative Zahnmedizin
  • Mitochondriale Medizin
  • Epigenetik

Unser Gesundheitszustand ist letztendlich Ergebnis, Summe und Folge aller Funktionen des Mikrokosmos Mensch im Wechselspiel mit dem Makrokosmos Umwelt, in die wir als Menschen hineingestellt sind.

Gesundheit im Sinne der Funktionellen Medizin resultiert aus dem geordneten Zueinander aller körperlichen Funktionen und bedeutet ein Gleichgewicht der Kräfte, welches ständig neu erkämpft werden muss.

Gesundheit und Leben sind also Folgen dynamischer Prozesse, die darauf ausgerichtet sind, sich den stets ändernden inneren und äusseren Verhältnissen anzupassen.

Es ist nicht ausreichend, ein organmedizinisches Denken, etwa durch die Beachtung bestimmter Ernährungsprinzipien, den Einbezug psychosomatischer Zusammenhänge oder des psychosozialen Umfeldes, zu ergänzen.

Im ganzheitlichen Sinn gibt es auch keine eigentlichen Krankheiten, sondern vielmehr ganzheitlich kranke menschliche Wesen.

Im kybernetischen Modell ist Gesundheit somit nicht einfach als Zustand des Wohlbefindens und der Symptomfreiheit zu definieren, sondern als das fortbestehende Vermögen des Organismus, die ständigen Störgrössen von innen und von aussen auszubalancieren. Ziel muss sein, die Ist-Werte im Soll-Bereich zu halten und abgewichene Normwerte in Soll-Bereiche zurückzuführen. Dementsprechend bedeutet Krankheit, die Unfähigkeit zur Kompensation oder zur erfolgreichen Regulation.

Krankheiten können sich entwickeln, wenn übermässige Störgrössen auftreten, z. B. bei Einwirkung von toxischen Elementen, oder wenn die Störgrössen auf blockierte oder funktionsunfähige Regulationsmechanismen stossen. Und Blockaden dieser Systeme wiederum sind möglich über die Einbringung auch von minimalen Mengen körperfremder Substanzen, wenn diese auf hoch empfindliche Regulationssysteme treffen, beispielweise die Wirkungen von Amalgam- oder Kunststofffüllungen im Zahnbereich oder Allergien auf Minimaldosen von irgendwelchen Fremdsubstanzen wie Weichmacher, Mikroplastik oder Nanopartikel.

Viele Patienten leiden unter einer anonymen Apparatemedizin und werden leider oft zu einer statistischen Grösse. Die Ärzte klagen wiederum über Anspruchs- und Konsumhaltung ihrer Patienten, die sich mit Pillen und Ersatzteilen bedienen lassen, statt beispielsweise ihre ungesunde Lebensweise zu ändern.

Medizinstudenten kritisieren das Auswahl- und Ausbildungssystem an den Hochschulen, das eher medizinische Technokraten hervorbringe als von Humanismus und einer hohen Ethik getragene Ärzte. Wir können sozusagen von einem Ärztemangel bei Medizinerschwemme sprechen.

Das Behandeln der Patienten verlangt Kenntnisse einer definierten Behandlungsmethode, welche von den Fachpersonen im Gesundheitssystem in kontrollierten Weiterbildungen erworben wurden. Das Praktizieren dieser Therapien erfordert stetige Weiterbildung und eine Anpassung an die Entwicklung der Behandlungsmethoden. Dies beinhaltet auch die Fortbildungen der SSAAMP, die sich schon immer am Konzept der Funktionellen Medizin orientiert haben.

Ärzte und Zahnärzte, die ganzheitlich arbeiten wollen, sind gefordert, ihre persönliche Erfahrung mit der Evidenz wissenschaftlicher Erkenntnis­se zur Deckung und mit dem Wissensstand der anderen medizinischen Fachrichtungen in Einklang zu bringen. Entscheidungsprozesse und -­kompetenzen müssen nicht nur festgelegt, sondern laufend auch überprüft und bei Bedarf angepasst werden. Um die Qualität ethischen und ärztlichen Handelns nicht zu gefährden, kommt dem Konsens unterschiedlicher Fachgebiete bei interdisziplinär vernetzten Entscheidungsprozessen eine grosse Rolle zu.

Die gewählten Entscheidungsprozesse müssen transparent dokumentiert und kommuniziert werden.

In die Ent­scheidungsprozesse sollten sowohl die notwendigen Fachpersonen als auch vor allem die Patienten und ihr soziales Umfeld eingebunden werden. Dabei ist in der Arzt­-Patienten-­Beziehung besondere Sorge zu tragen. Es muss in jedem Fall sichergestellt sein, dass die Patienten ei­nerseits ihre gesundheitliche Situation verstehen, um Ent­scheidungen mittragen zu können, andererseits aber auch in Bezug auf Bedeutung und Auswirkung von Diagnosen bzw. Therapien durch unsere Fürsorge getragen und in der Entscheidungsfindung nicht alleingelassen werden

So lange primär willkürliche, wenn auch durch Erfahrung geprägte Therapiekombinationen im Alltag mehrheitlich angewendet werden, ist es schwierig, auch eine gezielte Weiterbildung neuer Ärzte oder Therapeuten durchzuführen.

Ziel muss sein, mit Integration erfahrener und breit ausgebildeter Experten ein auf Konsens beruhendes Qualitätsprogramm zu erstellen

Dies war und ist eine wesentliche Aufgabe, die sich die SSAAMP gestellt hat. Daher ist auch im Jahreskongress 2022 der Funktionellen Medizin ein Chapter gewidmet und wir hoffen, damit der Verbreitung dieses Konzeptes helfen zu können.

SSAAMP-Kongress am 11. Juni 2022 / Beitrag
In unserem Chapter «Funktionelle Medizin» am Jahreskongress werden einige dieser wichtigen Faktoren vorgestellt und besprochen. Zum Programm und/oder zur Anmeldung:

www.ssaamp.ch