
Veröffentlicht: 27. Februar 2025
Autor: Dr. med. Simon Feldhaus
Enzyme sind spezielle Eiweissmoleküle, deren Besonderheit darin besteht, dass sie als Katalysatoren fungieren. In dieser Eigenschaft steuern sie sämtliche biochemischen Reaktionen im Körper, in dem sie einzelne Stoffwechselprozesse entweder hemmen oder beschleunigen. Sie sind an nahezu allen Reaktionen im menschlichen Körper maßgeblich beteiligt und sorgen für einen geregelten Ablauf der Stoffwechselvorgänge. Zelluläre Reaktionen, die ohne katalytische Wirkung der Enzyme Minuten oder Stunden bräuchten, laufen unter Enzymbeteiligung in Sekunden oder Minuten ab. Sie arbeiten, indem sie die Aktivierungsenergie für die Reaktion herabsetzen.
Ein Ausblick auf den Fachkongress „Longevity» am 17.5.25
Schon die Naturvölker in Afrika, Asien, Australien und Amerika benutzten natürliche Enzymquellen wie den Saft des Feigenbaumes, das Fleisch der Papayafrucht oder die frische Ananas für Wundauflagen, um offene Geschwüre oder Verletzungen besser und schneller heilen zu lassen. Sogar in der Bibel, im 2. Buch der Könige, wird von der Heilung des krebskranken König Hiskia durch ein Feigenpflaster berichtet.
Beinahe alle Reaktionen der Zelle brauchen die Unterstützung von Enzymen, um schnell genug oder um überhaupt stattzufinden. Wie grundsätzlich alle Katalysatoren werden Enzyme dabei selbst nicht verbraucht und verändern auch das Reaktionsgleichgewicht nicht. Man kennt bislang ca 4000 Enzyme und Reaktionen, die von diesen beschleunigt werden. Um sämtliche Körperzellen ein Leben lang gesund zu halten, ist die Anwesenheit unzähliger aktiver Enzyme erforderlich, von denen der grösste Teil vom Körper selbst gebildet wird.
Neu gebildete Enzyme sind jedoch zu Beginn noch nicht aktiv. Sie werden erst aktiviert, wenn ihre Dienste benötigt werden, durch wiederum speziell darauf geschulte sogenannte Coenzyme. Da diese Coenzyme dabei verbraucht werden müssen sie immer wieder neu synthetisiert werden, was mit Hilfe diverser Vitamine und Spurenelemente passiert.
Enzyme können Kohlenhydrate oder Fette abbauen, ermöglichen die Energiegewinnung in tierischen oder pflanzlichen Zellen, sind an Translation, Transkription oder DNA-Replikation beteiligt und wirken in Teilgebieten des Immunsystems.
Das Wirken von Proteinasen, Glykosidasen, Lipasen und Nukleasen sowie Lactase sorgt dafür, dass Nahrung für uns verwertbar wird.
Im Darm wirken Enzyme wie Lactase oder verschiedene Proteinasen, um die vorverdauten Zucker und Proteine weiterzuverarbeiten, bis Aminosäuren oder Einzelzuckermoleküle wie Glukose vorliegen.
Lipasen zerlegen im Dünndarm Nahrungsfette in Fettsäuren und 2-Monoglycerid, die die Dünndarmwand passieren können. In Dickdarm und Mastdarm wird dann hauptsächlich noch Wasser aufgenommen.
Die Enzymzufuhr über enzymatisch aktive Lebensmittel stellt für gesunde Menschen eine ausgezeichnete Möglichkeit dar, die Gesundheit zu unterstützen und weiterhin zu erhalten. Für erkrankte Menschen reicht die über Nahrung aufnehmbare Menge an Enzymen, oft jedoch nicht aus.
In dieser Situation ist der Bedarf des Körpers an aktiven Enzymen enorm hoch, so dass für Betroffene zusätzlich zur enzymreichen Ernährung und in Absprache mit einem versierten Therapeuten eine systemische Enzymtherapie sehr zu empfehlen ist.
Dabei werden Enzyme in Form entsprechender oraler Präparate zugeführt und diese können dann dazu beitragen, einen Enzymmangel zu kompensieren, einzelne Komponenten des Immunsystems zu aktivieren, sowie einen intakten zellulären Stoffwechsel aufrecht zu halten.
Gerade bei Patienten mit rheumatischen Beschwerden oder ernährungsbedingten Mangelzuständen kann eine Substitution von Enzymen dazu beitragen, Stoffwechsel und Immunsystem zu unterstützen und mithelfen, dass physiologische Reaktionen wieder gerichtet ablaufen können.
Bei dieser systemischen Enzymtherapie kommen ausgewogene und hoch dosierte Enzympräparate mit guter Bioverfügbarkeit zum Einsatz.
Sie unterstützt und moduliert die natürliche Reaktion des Immunsystems, so dass Entzündungsprozesse schneller ablaufen und abheilen können und ist ein wissenschaftlich belegtes Therapieverfahren.
Die Bezeichnung „systemisch“ bedeutet, dass die Enzyme nicht etwa ausschliesslich im Verdauungssystem, sondern im ganzen Organismus und hier insbesondere im Blut und im Gewebe wirken. Die Enzymgemische gelangen über die Blutbahn in sämtliche Körperbereiche und können so ihre positive Wirkung entfalten. In der Regel werden pflanzlichen Enzyme wie Bromelain (aus dem gemahlenen Strunk der Ananas) und Papain (aus dem Saft unreifer Papayas) sowie Enzyme tierischen Ursprungs, wie Trypsin (aus Schweinepankreas), Chymotrypsin (aus Rinderpankreas) und Pankreatin (aus der Bauchspeicheldrüse von Schweinen oder Rindern) verwendet.
Die Enzyme haben unterschiedliche Wirkungen und wirken synergistisch. Bromelain zeigt eine entzündungshemmende und antimetastatische Wirkung. Daher trägt es erheblich zur Stärkung des Immunsystems bei. Zudem fördert Bromelain die normale Fliessfähigkeit des Blutes, indem es den Abbau von Fibrin unterstützt.
Papain wiederum wirkt antioxidativ, entzündungshemmend und antibakteriell. Darüber hinaus hat es eine schmerzlindernde Wirkung und beschleunigt die Wundheilung. Zudem ist es in der Lage, Immunkomplexe die zur Entstehung von Autoimmunerkrankungen beitragen können, zu spalten. Ebenso wie Bromelain unterstützt auch Papain den Abbau von Fibrinen. Trypsin und Chymotrypsin sind wichtige Verdauungsenzyme und auch in der Lage Immunkomplexe aufzulösen. Darüber hinaus wirken sie entzündungs- und schmerzhemmend.
Da verschiedene Enzymarten eigene spezielle Wirkung auf verschiedene Regulationsbereiche im Organismus ausüben ist eine Kombination von pflanzlichen UND tierischen Enzymen unbedingt erforderlich.
Ein besonderes Enzym ist das Lysozym. Das Lysozym ist ein Enzym, das die Zellwände von Bakterien spalten kann. Lysozym kommt von Iysis = auflösen und zym, weil es ein Enzym ist. Es wirkt noch ehe die Bakterien in den Organismus eindringen können. So ist es zum Beispiel in Tränenflüssigkeit enthalten und schützt unsere Augen. Zur Einnahme in Enzympräparaten wird es aus Hühnerei gewonnen da es dort in hohen Konzentrationen vorkommt.
Lysozym ist ein wichtiger Bestandteil des angeborenen Immunsystems und weist starke antimikrobielle Aktivitäten gegen bakterielle, mykotische und virale Krankheitserreger auf . Es schützt vor Infektionen, wirkt als natürliches Antibiotikum und verstärkt die Wirksamkeit anderer Antibiotika, während es gleichzeitig das Immunsystem stärkt.
Für die systemische Enzymtherapie gibt es viele Einsatzgebiete, von denen einige nun exemplarisch kurz dargestellt werden.
Behandlung von viralen Infektionen
In einer Studie konnte die systemische Enzymtherapie in der Behandlung von Patienten mit chronischer Hepatitis B in der Replikationsphase eine gute Wirkung erzielten . Einsatz bei onkologischen Patienten. Im Bereich der komplementären Onkologie werden oral verabreichte Enzyme als zur Begleitbehandlung zur Standardtherapie verabreicht.
Diverse Studien und Anwendungsbeobachtungen konnten die Wirkung von Enzymmischungen sowohl in der Langzeitbehandlung bei Tumoren als auch begleitend zur herkömmlichen Chemo- oder Strahlentherapie nachweisen.
Als Begleittherapie vermindern Enzyme mögliche Nebenwirkungen der konventionellen Krebstherapie erheblich und verbessern somit die Lebensqualität der Krebspatienten. Auch ein bremsender Effekt auf die Metastasenbildung war erkennbar.
Zusammenfassend lassen sich Enzyme optimal verwenden zur unterstützenden Behandlung für Erwachsene bei:
- Venenentzündung (Thrombophlebitis)
- Systemische Entzündungen, wie z.B:
Entzündungen im HNO-Bereich und der Atmungsorgane
Entzündungen der Harn- und Geschlechtsorgane
Entzündungen bei rheumatischen Erkrankungen
Entzündungen nach Verletzungen, wie Prellungen, Zerrungen, Verstauchungen
Entzündungen der Haut, wie Verbrennungen, Verletzungen, Operationswunden, Beingeschwüre
Ödeme entzündlichen Ursprungs- Entzündungen nach Strahlenbehandlung
- Durchblutungsstörungen
Die systemische Enzymtherapie bietet also in vielen therapeutischen Bereichen eine hervorragende Option zur Ergänzung integrativer Behandlungsansätze. Zentraler Fokus liegt in der antientzündlichen Wirkung sowie allgemein in der Spaltung von Eiweissbrücken.
Nebenwirkungen sind bei fachgerechter Anwendung sehr selten, die Verträglichkeit sehr gut. Entscheidend ist die Qualität der Produkte im Sinne ausreichender Bioverfügbarkeit und Enzymaktivität sowie einer Mischung aus pflanzlichen und tierischen Enzymen.
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Literatur
Bairoch, The Enzyme Database in 2000, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC102465/
Auswirkungen der komplementären Anwendung oral verabreichter Enzyme auf die Behandlungsergebnisse bei Patientinnen mit Brustkrebs
Josef Beuth et al













