Integrative Onkologie

SSAAMP-Fortbildung im Seedamm Plaza am Samstag, 5. Dezember 2026

Programm auf der Site www.ssaamp.ch

Veröffentlicht: 29. Oktober 2026

Autor: Dr. med. Simon Feldhaus, Präsident SSAAMP

Krebserkrankungen nehmen immer mehr an Häufigkeit zu. Aktuell rechnet man mit ca. 45 000 neuen Krebsfällen in der Schweiz pro Jahr.

Wenn ein Mensch krebskrank wird, hat dies enorme Folgen für die persönliche Gesundheit, aber auch für das ganze familiäre Umfeld. Daher ist eine möglichst optimale Behandlung, die alle möglichen Optionen beinhaltet, als primäres Ziel zu setzen.

Seitdem der »War on Cancer« (Krieg dem Krebs) von Richard Nixon in den 1970er-Jahren des letzten Jahrhunderts ausgerufen wurde, ist viel passiert. Die Milliarden Dollar, die die US-Regierungen seither in die Krebsforschung gepumpt haben, zeigen – wenn auch Jahrzehnte verspätet – bemerkenswerte Erfolge: Krebs ist heute oft nicht mehr tödlich, sondern zu einer beherrschbaren Erkrankung geworden. Dies belegen stetig steigende Zahlen von Langzeitüberlebenden. Zudem gibt es immer mehr Krebsarten, bei denen sogar gute Heilerfolge bestehen. In den letzten Jahrzehnten stellte sich dann ein leiser Paradigmen-Wechsel zu einer immer ganzheitlicheren Krebsmedizin ein, die »integrative Onkologie« trat in Erscheinung.

Der Hintergrund: Die Schulmedizin kann aufgrund weltweiter Forschungen zwar immer bessere Ergebnisse erzielen, vor allem durch innovative Krebsmittel mit neuen Wirkmechanismen. Aber: Obwohl die betroffenen Patienten nun länger und länger leben, geht es ihnen damit oft ziemlich schlecht. Zum einen, weil auch die neuen Medikamente immer noch schwerste Nebenwirkungen (z.B. schweres Erbrechen, Durchfälle) haben und den Patienten das Leben zur Hölle machen können. Zum anderen war lange Zeit das wichtigste Ziel von Forschern, Herstellern und Ärzten – die Lebensverlängerung – nicht die Lebensqualität der Patienten. Was aber nützt Krebs-Patienten die Verlängerung ihres Lebens um wenige Wochen oder um 1-2 Monate, wenn dies aufgrund der grausamen Nebenwirkungen im Grunde kaum durchzustehen ist? Was nützt dieser für die Krebsmittel-Zulassung bei den Behörden wichtige Lebensverlängerungs-Parameter, wenn die Patienten durch dauerhafte Nachwirkungen ihrer Krebstherapie schwer geschädigt sind oder die notwendige Dauertherapie zur Krebsbekämpfung ihre Lebensqualität massiv einschränkt? Viele Krebs-Patienten suchen sich oft – nicht selten ohne Wissen ihrer behandelnden Ärzte – komplementärmedizinische Behandlungsmethoden, um ihre vielfältigen krebstherapiebedingten Leiden zu erleichtern, teilweise deutlich über 60 Prozent.

Die Integrative Onkologie setzt sich zum Ziel, schulmedizinische onkologische Massnahmen sinnvoll zu unterstützen und für den Betroffenen die bestmöglichen Behandlungserfolge zu sichern. Ideologische Grabenkämpfe werden immer zum Nachteil des erkrankten Menschen führen und müssen unter allen Umständen vermieden werden.

Komplementärmedizin versteht sich als Ergänzung zur konventionellen Medizin und grenzt sich von der Alternativmedizin ab, welche anstelle der konventionellen Medizin durchgeführt wird. Eine Integrative Medizin kombiniert die konventionelle und die komplementäre Medizin.

Insbesondere die Integration des Patienten in den Behandlungsprozess ist eine zentrale Säule der Vorgehensweise. Die sogenannte Patientenkompetenz im Sinne der Fähigkeit, sich den Herausforderungen der Erkrankung zu stellen und sich auf die eigenen mentalen und anderen Quellen der Krankheitsbewältigung zu besinnen, gilt es zu fördern.

Das aktive Mitwirken an der Behandlung statt des üblichen „blossen Erduldens“ von Massnahmen steht an erster Stelle, somit gewinnen die Patienten an Selbstsicherheit und fühlen sich weniger „ausgeliefert“. Der sensible und mitfühlende Umgang mit kompetenten Patienten erschliesst neue Wege und verbessert die Compliance, also das Mitwirken des Patienten und somit auch häufig die Akzeptanz der klassischen onkologischen Therapie.

Es resultiert eine ideale Team-Situation zwischen dem klassischen Onkologen und der komplementären Onkologie, um für den einzelnen Patienten den grösstmöglichen Erfolg zu erzielen. Dies gelingt aber nur, wenn alle Parteien dieses Ziel, nämlich das Wohlergehen des Patienten, in den Fokus nehmen und nicht die jeweils vertretenen Methoden.

Nach diesen allgemeinen Betrachtungen werden nun einige Methoden der komplementären Onkologie exemplarisch beschrieben.

Ernährung:

Im Rahmen der Risikofaktoren für die Entstehung von Krebs stellt die Ernährung einen wesentlichen, aber keinesfalls den einzigen Faktor dar.

Klare Fakten existieren nicht, je nach Untersuchung kommen die Forscher zu sehr divergierenden Ergebnissen. Dennoch kann man zusammenfassen, dass vor allem eine nicht ausgewogene Kost zu einem deutlich erhöhten Krebsrisiko führt.

Aufgrund neuerer Erkenntnisse muss aber insbesondere der zu hohe Konsum von Kohlenhydraten und Zucker als sehr problematisch angesehen werden. „Krebs ist eine Krankheit, die erst mit der Hochkultur aufkam.“ formuliert es der Forscher Dr. Johannes Coy.

Therapeutisch lässt sich diese Erkenntnis nutzen, indem eine spezielle Ernährungstherapie gemacht wird, deren grundlegende Bestandteile die   Gabe von speziellen Pflanzenölen in Kombination mit Laktat und einer kohlenhydratarmen, protein- und fettreichen Ernährung sind.

Hinzu kommen sekundäre Pflanzenstoffe und eine regelmässige körperliche Aktivität, um eine ketogene Stoffwechsellage zu erzielen.

Ein weiteres wichtiges Thema ist die Umwelttoxikologie: zunehmende Belastungen aus der Umwelt wie Schwermetalle, PFAS oder Mikroplastik haben enorme Auswirkungen auf den Organismus und das Immunsystem. Dazu können Spikeproteine sich in den Exosomen anreichern. All dies sind zusätzliche mögliche Ursachen für die Entstehung einer onkologischen Krankheit.

Die Ausleitung solcher Belastungen ist daher ein zentrales Thema.

Misteltherapie:

Unter den komplementären Therapieverfahren hat die Misteltherapie einen sehr hohen Stellenwert. Im deutschen Sprachraum steht sie häufig sogar an der Spitze.

Die Evidenzbasis zur Wirkung von Mistelextrakten ist mittlerweile breit und sehr vielfältig, auch Cochrane Reviews liegen bereits vor.
Mistellektine wirken immunmodulierend und können die Lebensqualität von Tumorpatienten während und nach der spezifischen Tumortherapie deutlich und messbar verbessern.

Mistelpräparate müssen individuell an den Krankheits- und Therapiestatus des Patienten angepasst werden. Idealerweise sollte eine laborgestützte Auswahl der Produkte erfolgen (es existieren mittlerweile Labortests, die die Stimulierbarkeit der NK-Zellen des Patienten durch die verschiedenen Mistelpräparate prüfen können!). Die Präparate sind nicht beliebig austauschbar, sondern unterscheiden sich erheblich in der Zusammensetzung und Dosierung.

In der Onkologie sind Mistelpräparate nur als Injektionen wirksam, die in der Regel durch die  Patienten selbst durchgeführt werden.

Enzymtherapie:
Enzyme sind Eiweissgemische, die durch Beeinflussung von Entzündung, Botenstoff-Haushalt und Anhaftung von Zellen die unerwünschten Wirkungen von Tumortherapie abmildern. Eine Linderung von Schwellneigungen (Lymphödem) und eine zusätzliche Anti-Tumorwirkung wurden beschrieben.

Orthomolekulare Medizin / Vitamin- und Antioxidantientherapie:

Die Versorgung mit Vitaminen und anderen essenziellen Mikronährstoffen ist bei Krebspatienten häufig nur unzureichend. Zum Zeitpunkt der Diagnose weisen viele Betroffene bereits deutliche Mängel auf.

Neben der Ernährungstherapie zählt der indikations- und therapieangepasste Einsatz von Mikronährstoffen zu den wichtigsten Massnahmen der komplementären Onkologie.

Antioxidantien wie die Vitamine A, C und E sowie das Spurenelement Selen schützen die Körperzellen vor den schädigenden Einflüssen freier Radikale. Unter einer Chemo- und Strahlentherapie ist der Bedarf an einzelnen Vitaminen und Spurenelementen deutlich erhöht. Insbesondere führen sogenannte Interaktionen bestimmter Chemotherapeutika mit den Mikronährstoffen zu teilweise ausgeprägten Nebenwirkungen. Diese können durch begleitende Therapie mit diesen Mikronährstoffen teilweise ganz erheblich reduziert werden. Dazu sind eine fachgerechte Betreuung und die Messung bestimmter Parameter im Blut erforderlich, um eine individuelle Therapie zu ermöglichen.

Die immer wieder zitierten Studien, die vermeintlich eine mögliche Abschwächung der onkologischen Therapie durch Antioxidantien zeigen, wurden allesamt leider nicht fachgerecht durchgeführt und genau nicht individuell an die einzelnen Patienten angepasst.

Richtig durchgeführte Studien zeigen hingegen alle eine sehr gute additive Wirkung der orthomolekularen Medizin in der Onkologie!

Die Grundsatzfrage bleibt: welche Substanzen, ob pharmakologisch oder «natürlich», wirken beim individuellen Patienten am besten auf seine Krebszellen?

Auch hier sind enorme Fortschritte gemacht worden: Aus dem Blut entnommene Krebszellen (Liquid Biopsy) können mit hochmodernen diagnostischen Methoden untersucht werden und man erhält ein Wirkprofil sowohl für beispielsweise Chemotherapeutika wie auch für Natursubstanzen wie Curcuma oder Artemisinin. Damit lassen sich Behandlungskonzepte wesentlich besser und wirksamer zusammenstellen.

Zusammenfassend kann man feststellen, dass die komplementäre Onkologie das Ziel hat, für den einzelnen Patienten mit Krebs das bestmögliche Ergebnis zu sichern. Die Lebensqualität steht absolut im Vordergrund und der entscheidende Unterschied zu der konventionellen Therapie ist, dass der Patient aktiv in den Behandlungsprozess einbezogen wird.

Es geht darum, die körpereigenen Ressourcen so gut wie möglich zu optimieren und zu nutzen.

Durch eine fachgerecht durchgeführte Begleitbehandlung werden wesentlich bessere Ergebnisse möglich im Sinne des bekannten Sprichwortes:

Wer alleine arbeitet, addiert. Wer zusammenarbeitet, multipliziert.

All diese Inhalte besprechen wir in unserem Sonderseminar Onkologie und haben für jeden Bereich wie immer absolute Top-Referenten!

Literatur

Brian L. Sprague, Amy Trentham-Dietz et al (2007): Lifetime Recreational and Occupational Physical Activity and Risk of in situ and invasive Breast Cancer; Cancer Epidemiology; Biomarkers & Prevention 16; 236-243

Burgerstein Handbuch

Checkliste Komplementäre Onkologie; Peter Holzhauer und Uwe Gröber; Hippokrates Verlag

Horneber MA, Bueschel G, Huber R et al: Mistletoe therapy in oncology. Cochrane Database Syst Rev 2008; 16:CD003297

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